Das wahre Wunder von Pater Pio
von Br. Paolino ClLENTI
Nach 15 Jahren haben sich die Verehrer von Pater Pio in Belgien wieder in Rotselaar versammelt zu einer Feier in Erinnerung an die Einweihung der Statue von Pater Pio im Jahr 1995.
Ich bin damals als Zeuge für die Heiligkeit meines Mitbruders Ho von Pietrelcina dabeigewesen, denn ich bin nicht nur ein Kapuziner und somit sein Mitbruder/ sondern ich hatte auch das Glück, der Brüdergemeinschaft von San Giovanni Rotondo anzugehören.
Ich habe zusammen mit Pater Pio gelebt, habe mit ihm im selben Refektorium gegessen, habe dieselbe Luft geatmet/ die er atmete.
Ich habe Pater Pio von Pietrelcina, den Ordensmann der Wundmale und der Wunder, der in der ganzen Welt berühmt und von unendlich vielen Gläubigen und Verehrern bejubelt wird, ganz aus der Nähe kennengelernt.
Pater Pio war ein Mensch, der in seinem Leben an Dimensionen heranreichte, die für uns unbekannt sind.
Fünfzig Jahre lang hat er an seinem Körper die Stigmata getragen, offene und blutende Wunden, die kein Arzt und keine Arznei zu heilen in der Lage waren; von seiner Person strömten lieblichste Düfte aus, die selbst über tausende von Kilometern wahrgenommen werden konnten; er machte aufsehenerregende „Reisen" außerhalb seines Körpers, „in Bilokation"; er besaß die Fähigkeit, Gedanken zu lesen, das Privatleben von Menschen zu kennen, denen er nie zuvor begegnet war; er sprach mit den Toten, empfing Besuche von Geisteswesen, die ihm Geheimnisse offenbarten von Dingen, die noch nicht stattgefunden hatten; er bewirkte wunderbare Heilungen; hartgesottene Sünder bekehrten sich plötzlich, wenn sie ihm gegenüber standen; oft kämpfte er schreckliche Kämpfe gegen die dunklen Mächte des Bösen, gegen Satan.
So habe ich Pater Pio kennengelernt. Er sagte von sich: „Ich bin mir selbst ein Geheimnis".
Für mich war er ein doppeltes Geheimnis, da er oft ein so unterschiedliches Verhalten an den Tag legte, daß ich verwirrt und ratlos war. Er konnte nämlich gleichzeitig Sanftmut und Strenge zeigen, Härte und Zärtlichkeit, Bärbeißigkeit und Feingefühl, Geselligkeit und Unverträglichkeit, Menschlichkeit und Unerbittlichkeit, Liebenswürdigkeit und Kantigkeit, Rauheit und Feinheit, Sensibilität und
Herbheit. Sein Gesicht drückte Ärger und zugleich ein Lächeln aus.
Es mutet seltsam an, daß ein armer Kapuzinerbruder, der über fünfzig Jahre lang zwischen den Mauern eines Klosters - in San
Giovanni Rotondo, das damals so gut wie unbekannt war - gelebt hat, Berge und Weltmeere überquerte, um in alle Häuser, in fast alle Kirchen einzukehren und auf den Plätzen vieler Städte und Ortschaften zu stehen.
Es wiederholt sich somit das Wunder Jesu, der von Nazareth ausgehend, von wo nichts Gutes zu erwarten war, die Grenzen der Welt erreicht hat.
Es ist das Wunder der Heiligen, die, obwohl gering geschätzt in den Augen der Welt, zu einer Berühmtheit gelangen, die sich in vielen Ländern ausbreitet.
Nachdem Pater Pio im Jahr 1916 - zunächst im Juli, dann definitiv ab September - in San Giovanni Rotondo ankam, hat er dieses Kloster nie mehr verlassen.
Seine Tage, und fast zwei Jahre praktisch eingeschlossen in seiner engen Klosterzelle, verbrachte er zwischen Kirche, Klostergängen, Klostergarten und der Veranda, wo er besonders am Nachmittag gern ein wenig Zeit verbrachte, um frische Luft zu atmen.
Er ist nie aus San Giovanni Rotondo fortgegangen, hat weder Schnellstraßen und Autobahnen noch Flugzeug oder moderne
Eisenbahn kennengelernt.
Er blieb immer dort, an das Kreuz des Klosters in San Giovanni Rotondo geheftet, und verbrachte den größten Teil des Tages am Altar: bei der Feier der hl. Messe, bei der Andacht vor dem Allerheiligsten am Nachmittag, im Beichtstuhl, auf der Empore im Gebet vor dem Kruzifix, eingehüllt in seinen Kapuzenumhang gegen die Kälte.
Sein Leben war Betrachtung, Meditation und Opfer.
Einmal gekreuzigt, mit den Wundmalen, blieb er für immer am Kreuz, auf „seinem" Kalvarienberg. Er hat das Kreuz nie wieder abgelegt.
Und dennoch ging er wie Jesus vom Kalvarienberg aus über die Straßen der Welt und erreichte die Grenzen der Erde; sein Bild findet sich überall in den Häusern, den Kirchen, auf den Plätzen, in Autobahnrestaurants, auf der Brust seiner Verehrer und auf Straßenschildern, die seinen Namen tragen.
Woher kommt diese Berühmtheit? Weil Pater Pio ein unbegreiflich großes, ein zu großes Geschenk für die Menschen war! Vielen wurde das nicht bewußt - es waren die demütigen, die einfachen, die dem Ruf Gottes geöffneten Herzen, die das erkannten.
Meine Sendung - sagte Pater Pio einmal - ist, die Seelen zu retten."
„Der Wunsch, Christus ähnlich zu werden, war im Leben von Pater Pio immer lebendig" - Worte von Papst Johannes Paul II.
Paul VI. seligen Andenkens stellte ihn der ganzen Welt mit diesen Worten vor: „Seht, wie viele Menschen weltweit Pater Pio um sich versammelt hat. Warum? Weil er vielleicht ein Gelehrter war? Weil er ein Philosoph war? Weil ihm Mittel zur Verfügung standen? Nein, nichts von all dem! Sondern weil er demütig die hl. Messe feierte - vom Morgen bis zum Abend Beichte hörte - weil er, man kann es schwer ausdrücken, der mit den Wundmalen gezeichnete Repräsentant Christi war - weil er ein Mann des Leidens und des Gebetes war."
Worte, die wie ein Echo der Worte klingen, die Pater Pio selbst auf das Erinnerungsbildchen an seine Priesterweihe im Dom zu
Benevent am 10. August 1910 schreiben ließ:
„O Jesus - mein Atem und mein Leben - heute, da ich dich zitternd erhebe - in einem Mysterium der Liebe - will ich mit Dir für die Welt-Weg, Wahrheit, Leben sein - und für Dich ein heiliger Priester - ein vollkommenes Opfer."
50 Jahre lang freiwillig, aber schmerzhaft ans Kreuz geheftet - als der mit den Wundmalen gezeichnete Repräsentant Christi - war Pater Pio in diesem Sinn Weg, Wahrheit und Leben für viele geistige Kinder, war Zeichen, Zeugnis, Fürbitter/ Bezugspunkt und Werkzeug der Gnade und der Vergebung.

An dieser Stelle ist es mir zugleich ein Trost, eine Freude und eine Hoffnung, wenn ich die Worte von Papst Johannes Paul II. seligen Andenkens wiederhole, als er sagte: „Ich danke mit euch dem Herrn, daß er uns in diesem so geplagten Jahrhundert einen Pater Pio geschenkt hat". - „Dieser bescheidene Kapuzinerbruder hat die Welt mit seinem ganz dem Gebet und dem Anhören der Mitmenschen gewidmeten Leben in Staunen versetzt".
Dies ist mein Zeugnis, das Zeugnis des kleinsten und vielleicht geringsten seiner Mitbrüder, der aber die Freude, die Ehre und sagen wir ruhig, auch das Glück gehabt hatte, ihn kennenzulernen, und ich bin überzeugt, daß Jesus selbst gekommen ist, um in ihm, in Pater Pio aus Pietrelzina, dem vollkommenen und gefügigen Werkzeug in Gottes Händen, seine eigene Passion für die Menschen von heute
wieder zu erleben. AMEN.   •
(Quelle: Br. Paolino CILENTI in der sehr empfehlenswerten Zeitschrift: "Die Stimme Padre Pios" Nr. 3, 2010, S. 21 ff., Piazzale Santa Maria delle Grazie, I-71013 San Giovanni Rotondo)    www.vocedipadrepio.com


Unter dem Schutzmantel Mariens
Überreich Gebendeite,
Nicht von Adams Schuld Entweihte,
Gottesmutter, Hoffnungsstern,
Unsre Fürbittmacht beim HERRN:
Mutter, schütze Deine Kinder!

Voll Gefahren ist das Leben,
Viele Feinde uns umgeben
Unheil sinnend, lügenhaft,
Doch wir fleh'n mit ganzer Kraft:
Mutter, schütze Deine Kinder!

Will der Glaube uns entschwinden,
Daß wir keinen Anker finden,
Hoffnungslos auf wildem Meer,
Kalt die Welt und liebeleer:
Mutter, schütze Deine Kinder!

Muß ob all der vielen Sünden,
Die uns schwere Zeiten künden,
Größer unsre Sühne sein -
Mutter, laß uns nicht allein:
Mutter, schütze Deine Kinder!

Geht zu End' die Pilgerreise,
Bitte, daß die Himmelsspeise
Uns noch stärkt im letzten Streit
Und uns führ' zur Seligkeit:
Mutter, schütze Deine Kinder!

Kommt Dein Sohn einst zu Gerichte,
Ist zu End' die Weltgeschichte,
Daß wir herrlich dann ersteh'n,
Aus dem Grabe, drum wir fleh'n:
Mutter, schütze Deine Kinder!
(Quelle: Hochw. Pfr. + Franz Jetschgo, Peuerbach/Österr., ebd: S. 20)

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