Am Hochfest der Gottesmutter - eine besondere Fügung
Ihr Heimgang ist für uns alle zu einem Zeichen geworden. Es
scheint, als hätte sie nach Gottes Willen warten sollen bis zum Hochfest
der Unbefleckt Empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, die sie in
besonders inniger Weise ihr ganzes Leben lang angerufen, der sie Kapelle
und Kirche erbaut, die sie unzählige Male in diesem Gotteshaus gegrüßt
hat mit dem Ave Maria, dem Gruß des Engels. Daß Antonie am
9. Dezember heimgerufen wurde, an dem Tag, an dem die Kirche in diesem
Jahr das Hochfest der Immakulata gefeiert hat, erscheint uns, so meine
ich, als eine besondere Fügung Gottes. Ihr Heimgang wurde zur Begegnung
mit der verklärten Gottesmutter, zu der wir mit der gesamten katholischen
Kirche an diesem Tag gefleht haben: "Ziehe uns zu Dir, Unbefleckte Jungfrau,
damit wir Dir folgen. Deine Gewänder sind voller Herrlichkeit." Ihr
Heimgang am Fest der heiligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria ist auch
zur Begegnung mit ihrem verklärten Sohn geworden, den Antonie Tag
für Tag angefleht hat: "O mein Jesus, ich glaube an Dich, ich bete
Dich an, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich aus ganzem Herzen." Das Gebet
erinnert an das Wort des Apostels Petrus: "Ihn habt ihr nicht gesehen,
und dennoch liebt ihr ihn, ihr seht ihn auch jetzt nicht, aber ihr glaubt
an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter
Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil" (Petr
1,8f).
Lichtschein auf dem Antlitz der Sterbenden
Antonies Begegnung mit Jesus und Maria wurde für sie zur Begegnung
mi dem Dreifaltigen Gott: Das "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem
Heiligen Geiste" ist die kürzeste Zusammenfassung ihres gläubigen
Betens, Schaffens und Lebens. Im Lichtschein der von himmlischer Herrlichkeit
verklärten Freude steht also der Heimgang der verehrten Frl. Antonie.
Der Direktor dieser Gebetsstätte, Dr. Rupert Gläser, sagte mir,
am 9. Dezember nachmittags gegen 18:00 Uhr war auf dem Antlitz der sterbenden
Antonie ein Lichtschein zu sehen. Ich meine, wir können ihn deuten
als einen Widerschein der ungeheuren Freude, die Antonie empfand, als sie
die Augen für diese Welt schloß und der seligsten Jungfrau Maria
und ihrem Sohn, dem auferstandenen Erlöser begegnete und schließlich
in die volle Lichtherrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes aufgenommen wurde, ein Heimgang im Lichtschein himmlischer Herrlichkeit.
Wir müssen sie beneiden. Wir brauchen nicht trauern heute. Wir können
gar nicht trauern. Der Heimgang von Antonie ist der Abschluß ihres
langen Erdenweges. Antonie Rädler würde übermorgen, am 14.
Dezember, das 92. Lebensjahr vollendet haben.
2. Der Lebensweg
Antonie Rädler ist am 14. Dezember 1899 in Wigratzbad ihren
Eltern als viertes Kind geschenkt worden. Ihre Mutter hatte dringend um
einen Buben gebetet, von dem sie hoffte, er werde einmal Priester werden.
Als sie ein Mädchen gebar, war ihre Enttäuschung zunächst
sehr groß. Sie konnte nicht ahnen, daß dieses vierte Kind,
Antonie, später so viel für die Priester, für heilige, seeleneifrige
Priester beten und Tausende und Abertausende von Menschen zum Gebet um
gute Priester versammeln werde. Die Zuneigung zu ihrem Kind ist aber nach
einem Unfall Antonies auch bei der Mutter gewachsen. Und als ihre Tochter
herangewachsen und von den Nationalsozialisten mehrmals verurteilt, ja
zum Tode überliefert werden sollte, hat die gute Mutter Rädler
dem Lieben Gott versprochen: "Wenn meine Tochter Antonie den Nationalsozialismus
überlebt, werde ich jeden Tag neun Rosenkränze beten." Antonie
hat überlebt und die Mutter hat ihr Versprechen gehalten. Seit dem
Ende des Krieges ist sie täglich um 3:00 Uhr morgens aufgestanden,
um neun Rosenkränze zu beten, ehe sie um 6:00 Uhr zur Frühmesse
ging und die Arbeit aufnahm.
Die Nazis mit ihrem Führer "wegbeten"
Ein Kind, das in der Gebetsatmosphäre einer gläubigen
Familie heranwachsen durfte und das Vorbild einer so betenden Mutter und
eines glaubensstarken Vaters vor Augen hatte, konnte nicht anders als eine
große, gläubige Beterin werden. Schon in den reiferen Jugendjahren
hat Antonie Mädchen um sich versammelt und mit ihnen eine marianische
Kongregation aufgebaut. Sie hat mir selber erzählt, daß sie
mit diesen Mädchen an den Sonntagen nachmittags in der Pfarrkirche
in Wohmbrechts betete, um die nationalsozialistische Gewaltherrschaft mit
ihrem Führer "wegzubeten", wie sie sagte. Das war ihr Einsatz für
Freiheit und Frieden und für die Zukunft unseres Volkes und Vaterlandes.
Und dieses Gebet war nicht vergebens.
Ihr Vater, der eine Metzgerei in Wigratzbad hatte, machte in der
Stadt Lindau eine Metzgerfiliale auf, die Antonie führte. Antonie
stand von morgens 8:00 Uhr bis abends im Laden. Nach Arbeitsschluß
ging sie jeden Tag über die Lindauer Brücke in das Marienheim
der Maria-Ward-Schwestern und betete dort bis tief in die Nacht hinein,
bis sie gegen 2:00 Uhr oder 3:00 Uhr morgens wieder zurückkehrte,
die Hl. Messe besuchte und dann die Arbeit des Tages im Laden aufnahm.
Eine große Beterin.
Geheimnisvolle Rettung
Da trug sich 1936 etwas zu, was sie auch mir erzählt hat: Sie
hatte in der Metzgerei an einem zentralen Ort ein Marienbild , die Dreimal
Wunderbare Mutter von Schönstatt, angebracht. Eines Tages kam eine
Staffel von SA-Leuten mit einem Hitlerbild unter dem Arm in die Metzgerei
und verlangte kategorisch die Entfernung des Marienbildes und das Anbringen
des Hitlerbildes. Darüber kam es zu einem heftigen Streit in der Metzgerei.
Antonie hat sich durchgesetzt, aber die Aufmerksamkeit der damaligen Machthaber
auf sich gezogen. Wenige Tage später wurde sie bei ihrem nächtlichen
Heimgang
von Unbekannten überfallen. Einer hatte einen Sack in der Hand, in
den Antonie Rädler wohl gesteckt und im Bodensee ertränkt werden
sollte. Da erschien ein Radfahrer, der, von einem geheimnisvollen Lichtschein
umgeben, Antonie Rädler umkreiste und die Verfolger von ihr fernhielt,
bis sie ihren Metzgerladen erreichte. Am nächsten Tag holte sie der
Vater in Lindau ab und brachte sie heim. Er war nämlich von einem
Münchner Beamten des Innenministeriums darauf aufmerksam gemacht worden,
daß man seiner Tochter nach dem Leben trachte.
Der Engelgesang an der Lourdesgrotte
Antonie errichtete auf dem elterlichen Grundstück eine Lourdesgrotte,
die heute neben der Kapelle "Maria vom Sieg" steht. Immer mehr Beter kamen
zu dieser Grotte. In der Oktav von Maria Empfängnis geschah es, daß
Antonie in dieser Grotte einen Engelsgesang hörte. Es waren viele
Chöre der Engel, die eine Art himmlischer Sinfonie bildeten und immer
wieder die Worte sangen: "Unbefleckt empfangene Mutter vom Sieg, bitte
für uns." Antonie, die nicht wußte, was das Erlebnis bedeuten
sollte, suchte den alten, frommen, weisen Pfarrer Feil in Eglofs auf, um
ihm das Erlebnis zu erzählen. Der kluge Seelsorger sagte zu ihr: "Antonie,
geh nach Hause und bitte die Gottesmutter, sie möge dir ein Zeichen
geben. Dann komm nach 10 Tagen wieder. Wenn bis dahin drei Wunder geschehen
sind, kannst du sicher sein, daß es die Mutter Gottes war, die will,
daß du diese Kirche erbaust." Schon auf dem Heimweg geschah das erste
Wunder, die Heilung eines krebskranken Vaters, drei andere folgten in den
nächsten Tagen.
Kapellenbau und Verhaftung
1938 errichtete Antonie die bekannte Kapelle, die den Titel erhielt:
"Unsere Liebe Frau, die Unbefleckte Mutter vom Sieg". Im selben Jahr wurde
Antonie zum erstenmal verhaftet und in das berüchtigte Gefängnis
"Katzenstadl" nach Augsburg gebracht. Dies war für sie eine schlimme
Erfahrung: denn sie wußte nicht, daß es kriminelle Frauen und
Mörderinnen gibt, die keinen Glauben hatten und nicht beten konnten.
Am 7. Dezember 1938 war Antonie im Gefängnis sehr verzweifelt, aber
der Himmel half ihr. Um die Mitternacht vom 7. auf den 8. Dezember trat
die hl. Jungfrau aus einer Lichtwolke heraus auf sie zu, tröstete
sie und sagte ihr, sie würde noch vor Weihnachten freigelassen werden.
Anschließend lehrte sie sie ein Gebet, das "Kindlein-Jesu-Gebet",
das bis auf den heutigen Tag in der Adventszeit gebetet wird. Am 18. Dezember,
am Fest Mariä Erwartung, wurde Antonie wider allem Erwarten aus dem
Gefängnis entlassen.
Flucht vor der Gestapo
1940 sollte sie wiederum verhaftet werden; diesmal floh sie in den
Bregenzer Wald und versteckte sich dort mehrere Jahre bei einer guten Familie,
ständig von der Gestapo gesucht. Gegen Ende des Krieges bekam sie
eines Tages so große Angst, daß sie ihr Versteck verließ.
Noch am selben Tag umstellte die Gestapo das Haus, in dem sie geweilt hatte,
suchte nach ihr, ohne sie zu finden. Antonie kam nach Wigratzbad zurück,
wo sie der Vater in der Scheune versteckte, bis der Krieg zu Ende war.
Öfters kam die Gestapo, fand sie aber nicht. Nach dem Krieg besetzten
die Franzosen das Allgäu und beschossen auch Wigratzbad. Über
180 Granaten schlugen in der Nähe der Kapelle ein, die aber keinen
Schaden erlitt. In den Nachkriegsjahren errichtete Antonie Rädler
neben der Kapelle ein Sanatorium für krebskranke Menschen, das nach
dem Tode des Arztes im Jahre 1982 aufgegeben werden mußte und zu
einem Pilgerheim wurde. Aus Dankbarkeit für ihre Rettung baute sie
die größere Kapelle "Maria vom Sieg". In all diesen Jahren hielt
sie beharrlich die Sühnenächte in der Krypta und in der Kapelle,
allwöchentlich in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag und jeden
Samstag bis Mitternacht.
Hier ist der Finger Gottes am Werk
Nach meiner Ernennung zum Bischof im Jahre 1963 hat mich der damalige
Dekan Josef Hirschvogel von Lindau darauf aufmerksam gemacht, daß
hier in Wigratzbad etwas gutzumachen sei. Frl. Antonie Rädler sei
verleumdet und grundlos bei meinem Vorgänger Bischof Freundorfer angeschuldigt
worden. daraufhin begab ich mich incognito nach Wigratzbad, um zu sehen
und zu hören, was dort geschieht und wie dort gebetet wird. Frl. Rädler,
die mich bald erkannte, lud mich in ihr Haus ein. Dort blieb ich den ganzen
Nachmittag und sie erzählte ihre Geschichte. Ich erkannte, daß
hier der Finger Gottes am Werk ist. Und ich gab die Erlaubnis, in der Kapelle
"Maria vom Sieg" die Liturgie zu feiern und zu beten, was mein Vorgänger,
der falsch unterrichtet war, verboten hatte. Als die Kapelle "Maria vom
Sieg" die vielen Beter nicht mehr fassen konnte, baute Frl. Rädler
die Kirche, die ich im Jahre 1976 auf den Titel der heiligsten Herzen Jesu
und Mariä geweiht habe. Anfang der achtziger Jahre wurde das Pilgerheim
"Sankt Josef" erbaut, das im Jahre 1988 fertiggestellt wurde.
So sterben die Heiligen
Bald darauf ließen die Kräfte von Frl. Antonie Rädler
nach, sie wurde bettlägerig und in den letzten zwei Jahren aufopferungsvoll
von unseren Schwestern, den Dienerinnen Christi, gepflegt. Dafür danken
wir den Schwestern sehr herzlich. Schließlich kam ihr Ende. Sie konnte
schon lange nicht mehr sprechen, deshalb war es erstaunlich, daß
sie in der vergangenen Woche plötzlich das Wort "Ende" zweimal aussprechen
konnte. Es war am 7. Dezember. Darauf hat man am 7. oder 8. Dezember mit
ihrem Ableben gerechnet; aber der Samstag und der zweite Adventssonntag
vergingen. Am Montag, dem 9. Dezember, an dem wir, wie gesagt, das verschobene
Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens feierten, erschien gegen
16:00 Uhr plötzlich ein Lichtschein auf ihrem Gesicht, der dreimal
zu sehen war, wie die Schwester, die sie pflegte, versicherte. Wenige Minuten
danach verschied Antonie Rädler. So endete der Lebensweg der 92-jährigen
im Lichte Gottes. Der Heimgang und der Lebensweg von Frl. Rädler sind
etwas ganz Seltenes. So sterben die Heiligen. Was bleibt nun übrig
von ihrem Lebenswerk?
3. Das Vermächtnis
Ich meine, heute ein dreifaches Vermächtnis der Verstorbenen
nennen zu dürfen:
1. Das Vorbild einer betenden Frau
Das Vorbild einer gottesfürchtigen, betenden, apostolisch tätigen
Frau, die in der Liebe Christi gelebt und ausgeharrt hat. Das Vorbild einer
begnadeten Frau, die von den Gesinnungen der heiligsten Herzen Jesu und
Mariä erfüllt war. Das ist das erste, was bleibt. Das Vorbild
einer gottesfürchtigen, betenden Frau. Wahrhaftig, sie war eine Beterin
und hat die Menschen bewogen, mitzubeten. Wir hören ihre klare Stimme
noch, wie sie die Menschen mitriß, bei Tag und bei Nacht, und ganze
Nächte mit ihnen hindurch betete. Eine betende Frau, die auf die Hilfe
der heiligsten Gottesmutter vertraut hat. Tausende Male hat sie gesprochen:
"Unbefleckt empfangene Mutter vom Sieg, bitte für uns!" Die Gott liebende,
apostolisch tätige Frau war eine schlichte Frau aus dem Volke, eine
Frau der Kirche. Sie hat für das geistliche Leben der Kirche mehr
geleistet als viele andere, die von der Emanzipation der Frau reden. Diese
Frau Antonie Rädler hatte ihren Platz in der Kirche gefunden: ganz
im Herzen Jesu, ganz im Herzen Gottes, ganz erfüllt von der Gesinnung
der Mutter Gottes. So wurde sie zum Werkzeug Gottes für die Heilung
der Menschen, für die Rettung dieser Welt. Was bleibt, ist also zuerst
ihr Vorbild, das Vorbild einer gottesfürchtigen, betenden, apostolisch
tätigen Frau.
2. Die Gebetsstätte Wigratzbad
Es bleibt die Gebetsstätte Wigratzbad. Was diese Gebetsstätte
kennzeichnet ist das Charisma des immerwährenden Betens, des Rosenkranzgebets
insbesondere, der eucharistischen Anbetung des Herrn. Eine Stätte
des Gebetes, die ihren Höhepunkt in der täglichen Feier der Eucharistie
in den Gebetstagen und -nächten hat. Auch die eucharistischen Prozessionen
möchte ich nennen. Hier lebt das Charisma des immerwährenden
Gebetes. Das Charisma auch der stellvertretenden Sühne. Das ist das
Besondere, das wir an anderen Gebetsstätten nicht so finden. Jesus
Christus, unser einziger Mittler zwischen Gott und den Menschen, hat durch
seinen Tod und seine Auferstehung die Sünde der Welt ein für
allemal gesühnt. Aber er hat uns, die Getauften, dazu berufen, daß
wir in seinem Namen seine Sühneleistung Gott dem himmlischen Vater
darbieten für das Heil der Welt. Das wollte Frl. Antonie Rädler,
das hat sie verstanden, das hat sie geübt. Antonie hat an der stellvertretenden
Sühneleistung Jesu Christi teilgenommen. Daher wollte sie eine "Herz-Jesu-
und Herz-Mariä-Sühnekirche" bauen. Zur Sühne für die
Sünden der Menschen von heute, insbesondere zur Sühne für
die schrecklichen Verbrechen, die täglich begangen werden, zur Sühne
für die sich verbreitende Unsittlichkeit, zur Sühne für
die Entheiligung des Sonntags, zur Sühne für die Rettung der
Sünder. Das war ihr Apostolat. Für diese Menschen hat sie sich
Tag und Nacht im Gebet eingesetzt. Diese Sühnekirche ist ausgestattet
mit sechs Beichtstühlen. Viele Menschen kommen, um hier zu beten,
viele bekehren sich, beichten und empfangen das große Geschenk des
auferstandenen Erlösers, die Vergebung der Sünden, und kehren
als österliche Menschen im Frieden Christi wieder heim.
3. Apostolat um heilige und seeleneifrige Priester
Das Charisma dieser Gebetsstätte des immerwährenden
Gebets und der Sühne ist auch das Charisma des Gebetsapostolats um
heilige und seeleneifrige Priester. Antonie hat mit frappierender Sicherheit
vorhergesagt: "Hier wird ein Priesterseminar entstehen und es werden Seminaristen
aus Rom kommen." Der Passionistenpater Johannes, der ihr zwanzig Jahre
bis zu seinem Tod zur Seite stand, sagte mir bei meinem letzten Besuch
kurz vor seinem Heimgang: "Sorgen Sie für heilige, seeleneifrige Priester!"
Das war sein Vermächtnis, das Vermächtnis, das er von Antonie
empfangen hatte.
Was also bleibt, ist das Vorbild, das Antonie gegeben hat, die Gebetsstätte,
die sie gebaut hat, und schließlich das Priesterseminar der St. Petrus-Bruderschaft,
die im Jahre 1988 von Papst Johannes Paul II. errichtet worden ist.
Als mir Direktor Dr. Rupert Gläser im August 1988 sagte, das
Pilgerheim sei gerade fertig geworden, habe ich dem Heiligen Vater über
Kardinal Augustinus Mayer die Zusage gegeben: "Die Priesterbruderschaft
St. Petrus kann in der Diözese Augsburg an der Gebetsstätte Wigratzbad
Aufnahme finden." Und ich fügte hinzu, "daß ich keinen besseren
Ort für sie wisse als die Gebetsstätte Maria vom Sieg". Vom Himmel
her werden Antonie Rädler und P. Johannes, der hl. Petrus und die
Liebe Gottesmutter als Fürsprecher die Gnade des Heiligen Geistes
erflehen, daß die Priesterbruderschaft St. Petrus in der Heiligen
Kirche den Platz einnehme, der ihr durch den heiligen Willen Gottes bestimmt
ist. "In allem soll Gott verherrlicht werden durch Jesus Christus" (1 Petr
4,11).
Liebe Brüder und Schwestern,
wenn wir bei diesem Begräbnisgottesdienst auf den Heimgang,
den Lebensweg und das Lebenswerk von Antonie blicken, legen wir nun sie
und ihr Vermächtnis getrost in Gottes Hände. Er gewähre
uns, daß auch wir unser Leben im Lichte vollenden, in der Begegnung
mit Unserer Lieben Frau, mit Jesus Christus und mit ihm, dem Heiligen Dreifaltigen
Gott. Amen."
Seine Ansprache berührte die Pilger sehr.
Wie ein Christ Krankheit und Leid bewältigen kann, ohne zu verbittern,
zeigte er am Beispiel der heiligen Cäcilia und der seligen Crescentia
von Kaufbeuren.
Ein Kerngedanke seiner Predigt war: Das Leid
in Liebe verwandeln. Dankbar waren die Gläubigen auch für seine
mitfühlenden Worte:
"Kranken und alten Menschen ist oft vieles
genommen, aber meistens haben sie eins im Überfluß: Zeit.
Und was tun damit? Am besten das, was Gott
mit ihr getan hat: sie verschenken. Das Glück fällt auf uns zurück,
wenn
wir Gott unsere Zeit schenken im Gebet,
im Stillwerden und Betrachten wenn wir den Menschen um uns Zeit schenken
im aufmerksamen Zuhören, in einem guten Wort, in einem dankbaren Lächeln.
Das Evangelium von den klugen und törichten Jungfrauen handelt von
der kurzen Zeit, die uns bleibt, und mahnt uns, sie richtig zu nutzen.
Keine Angst: Wir sind eingeladen zu einem
großen Fest. Der Bräutigam Christus kommt uns entgegen und möchte
uns mit brennenden Lampen sehen. Wer begreift besser als die Kranken, wie
sehr unsere Tage gezählt sind?
Das Öl in den Krügen ist die
aufmerksame Liebe zu Gott und den Menschen.
So können wir die uns bemessene Zeit
verwandeln in Liebe; wir können sie zu einer erfüllten und geschenkten
Zeit machen: Liebe ist stärker als Not und Tod...
Für uns heißt es in der Eucharistie
und im Alltag des Lebens: Zuversicht und Vertrauen wachsen lassen und das
Leid in Liebe verwandeln."'
'Patrozinium am Festtag der "Unbefleckten Empfängnis"
Zum Patrozinium der Gebetsstätte am 8.
Dezember strömten über
8000 Pilger nach Wigratzbad. Mit
solchen Besucherzahlen knüpft die Gebetsstätte wieder an frühere
Zeiten an, worüber wir uns sehr freuen.
Am Nachmittag hielt Weihbischof Thomas Maria
Renz die Festpredigt mit dem Thema "Abschreiben ist erlaubt". Wir Christen
sollen bei Maria in die Schule gehen und von ihr lernen. Die Schule der
Gottesmutter ist übrigens die einzige Schule, in der Abschreiben erlaubt
ist.
Zum ersten Mal besuchte ein Bischof aus Rottenburg-Stuttgart unsere Gebetsstätte und feierte die Heilige Messe mit den Pilgern. Nach dem Gottesdienst nahm sich der Weihbischof viel Zeit für die Anliegen der Gläubigen, die von seiner herzlichen und offenen Art begeistert waren.'
(Quelle: "Wigratzbad aktuell", Nr. 1,
Jan. 2001, S. 9)
GEBET:
Allmächtiger Gott Vater,
Gott Sohn und Gott Heiliger Geist,
Lob und Preis und Dank,
Ehre und Ruhm und Liebe,
Kraft und Herrlichkeit und Heiligkeit
und Anbetung sei Dir von nun
an bis in Ewigkeit
durch unsere Dreimal Wunderbare
Mutter und Jungfrau Maria. Amen. Amen. Amen.