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Die Kirche ist ein Geheimnis, und sie wird deshalb in der Heiligen Schrift mit verschiedenen Bildern beschrieben, als Braut, als Weinstock oder als pilgerndes Gottesvolk. Der hl. Paulus beschreibt die Kirche vor allem als Bauwerk und im Bild eines geheimnisvollen Leibes: Die Kirche ist der geheimnisvolle Leib des Herrn, und Christus ist das Haupt dieses Leibes. Ein Leib aber hat verschiedene Glieder mit je eigenen Aufgaben. Die verbreitete Redeweise „Wir sind Kirche" ist ungenau und irreführend. Wir sind Glieder der Kirche, Glieder am mystischen Leib Christi, und wir müssen uns einfügen in den Gesamtorganismus. Es besteht kein Zweifel, daß Jesus Christus vor 2000 Jahren nur eine einzige Kirche gegründet und gewollt hat. Aber schon bald nach den ersten Anfängen bei den Heidenvölkern mußte der Apostel Paulus vor allerlei verwirrenden Meinungen und Fabeleien unter den Gläubigen warnen. Und seither ziehen sich diese Abweichungen von der Lehre der Apostel wie ein roter Faden durch die Geschichte der Kirche. Im 11. Jahrhundert trennten sich die Christen des Ostens von der Römisch-katholischen Kirche. Der Hauptgrund ist bis heute die Nichtanerkennung des römischen Papstes als gemeinsames Oberhaupt der Kirche.
Im 16. Jahrhundert folgte die Abspaltung großer Teile des heutigen Deutschlands durch den Ex-Priestermönch Martin Luther. In Frankreich und in der Schweiz waren es dann Calvin und Zwingli, und in England trennte König Heinrich VIII. einer Eheangelegenheit wegen sein Land gewaltsam von Rom. Schließlich lösten sich auch die skandinavischen Länder von Rom. Seither entstanden aus dieser Protest-Bewegung („Protestantismus") des 16. Jahrhunderts an die 300 christliche Sondergemeinschaften und Sekten mit je unterschiedlicher Lehre und Praxis. Sie alle sind heute zusammengeschlossen im ökumenischen Weltkirchenrat in Genf. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Einzigartigkeit der Katholischen Kirche folgendermaßen ausgedrückt (LG 8): „Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen. Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen. Ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut. Für immer hat er sie als Säule und Feste der Wahrheit errichtet. Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der Katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen mit ihm geleitet wird." Das wollte auch Papst Paul VI. vier Jahre später zum Ausdruck bringen, als er vom Weltkirchenrat nach Genf eingeladen wurde und dort in seiner Ansprache sagte: „Jetzt sind wir also hier in Eurer Mitte. Unser Name ist Petrus, und die Heilige Schrift sagt uns, welchen Sinn Christus diesem Namen geben wollte und welche Pflichten er uns auferlegte: Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen - Petrus, weide meine Lämmer, weide meine Schafe." Damit wird keineswegs das Gute und Wahre in den anderen christlichen Gemeinschaften übersehen. Aber ihnen allen fehlen doch wesentliche Elemente, die Christus für seine Kirche unverzichtbar gewollt hat. Seit alters her bekennen wir im Credo die Einheit, die Heiligkeit, die Katholizität und den apostolischen Ursprung der Kirche Christi. Diese vier Kennzeichen sollen nun im folgenden etwas näher beleuchtet werden.
1. Die Kirche ist
nur eine
Die
Wahrheit ist nur eine. Daher kann es auch nur eine wahre Kirche geben,
wie es auch nur einen Gott gibt und nur einen Mittler - nämlich Jesus Christus.
„Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe" schreibt der hl. Paulus im Epheserbrief.
Wie sehr Christus die Einheit seiner Kirche am Herzen liegt, wird deutlich
in dem innigen Gebet, das er am Vorabend seiner Passion gesprochen hat:
„Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen ... damit sie eins seien wie
wir." Dieser Einheit hat jedes unserer Gotteshäuser zu dienen. Hier
und auf allen Kanzeln und Kathedern und in jedem Religionsunterricht muß
deshalb die eine Wahrheit verkündet werden. Für alle ist sie
ja dieselbe, unveränderlich wie Christus. Diese Einheit der Kirche
verlangt: Dasselbe Credo ist zu bekennen, dieselben göttlichen Gebote
sind zu verkünden und den Quell der heiligen Sakramente gilt es ungetrübt
zu bewahren. Vor allem aber muß der Papst als oberste Leitungs- und
Lehrautorität anerkannt werden. Denn da, wo kein Petrus, wo kein Fels
ist, da ist auch keine Einheit, da ist nicht die Kirche Christi. Diese
Einheit des Glaubens, die geprüft wird im Leben des Alltags, fördert
und stützt die Einheit der Menschen untereinander.
Wenn man heute gerne auf die Einmütigkeit der Urkirche verweist, die „ein Herz und eine Seele" waren und alles gemeinsam hatten, so darf man nicht vergessen, daß dies nur durch die Einheit ihres Glaubens möglich war. In der Apostelgeschichte heißt es darüber: „Sie hielten fest an der Lehre der Apostel, am Brotbrechen und am Gebet, und jeder war von Ehrfurcht ergriffen und täglich verweilten sie einmütig im Tempel." Davon hört man heute wenig. Aber gerade darauf kommt es an. Die Einheit im Glauben, das war der Grund ihres gemeinsamen Zusammenlebens. Nie und nirgends hat es ein Reich gegeben, das sich so über die ganze Welt ausbreitet, so viele Völker umfaßt und bei aller Vielfalt eine so wunderbare innere Geschlossenheit und Einheit besitzt wie die Kirche. Das aber ist nur möglich, weil sie zusammengehalten wird nicht durch äußere Gewalt, sondern einzig und allein durch den gemeinsamen Glauben und das Wirken des Heiligen Geistes. Kulturen sind vergangen, Reiche sind zerfallen, Mächte und Herrscher mußten abtreten und in der Kirche selbst gab es menschliches Versagen und Zeiten tiefster Erniedrigung und Sünde. Aber dennoch: In allen Krisen und Stürmen hat sich die eine und einzige Kirche Christi siegreich behauptet und zwar so, daß ihr innerstes Wesen, ihre Dogmen, ihr Kult und ihr Recht unwandelbar gleich blieben. Sie hat keine Abstriche gemacht von der geoffenbarten Wahrheit und von ihren wesentlichen Forderungen und Ansprüchen nichts preisgegeben.
2. Die Kirche ist
heilig
Heilig
ist unsere Kirche auch, wie wir im Credo bekennen. Die Kirche ist heilig,
weil Christus selbst lebendig in ihr gegenwärtig ist im heiligen Meßopfer
und in allen Tabernakeln im Allerheiligsten Sakrament des Altares. Die
Kirche ist heilig, weil sie mit dem dreieinigen Gott zu einer geheimnisvollen
Gemeinschaft verbunden wurde, weil der Heilige Geist sie belebt und gleichsam
ihre innerste Seele ist. Die Kirche ist heilig, weil Gott sie mit lebensspendenden
und heiligmachenden Kräften, den Sakramenten, ausgestattet hat und
sie zur Vermittlerin des Heiles für uns geworden ist. Die Kirche ist
schließlich heilig auch in ihren Gliedern, in ihren glorreichen Heiligen
im Himmel, angefangen von den Märtyrern, Bekennern und Jungfrauen
der ersten Zeit bis herauf in unsere Tage. Von den bisherigen 265 Päpsten
sind 78 heiliggesprochen. 35 davon waren Märtyrer. Allein im 19. Jahrhundert
zählt man über Hunderttausend, die für Christus ihr Leben
geopfert haben, und die Zahl der Märtyrer im 20. Jahrhundert ist noch
um ein vielfaches größer. Und nicht bekannt sind all jene, die
heute inmitten einer modernen neuheidnischen Umgebung im Stand der Gnade
leben und ein verborgenes Leben der Alltagsheiligkeit führen. Das
ist die Kirche, die Kirche der Heiligen. Freilich, es gibt in ihr auch
das andere. Es gibt die Mittelmäßigkeit, es gibt die Gleichgültigkeit,
es gibt die Lauheit, es gibt den Abfall und selbst den Verrat. Dies alles
kann zum Ärgernis werden, kann Entrüstung hervorrufen und sogar
zur Ablehnung führen. Aber wenn wir die heilige Kirche lieben, die
ja auch Christus liebte als seine Braut und für die er am Kreuz gestorben
ist, soll dies zum Ansporn werden, zur Besserung und zum Verstehen im Geist
des Evangeliums.
3. Die Kirche ist
katholisch
Die
Kirche ist drittens auch katholisch, was soviel heißt wie allgemein,
allumfassend, das Ganze betreffend, und das heißt das ganze Evangelium,
die ganze Wahrheit, ohne etwas auszulassen. Aber es heißt auch: Christus
hat der Kirche die Fülle seiner Wahrheit und Gnade übergeben
zur Verkündigung, zur Weitergabe an die ganze Welt und durch alle
Zeiten hindurch. Die Katholische Kirche umfaßt wirklich alles, alle
Völker, Rassen, Nationen und Kulturen, aber auch den ganzen
Menschen mit Seele und Leib, mit Fleisch und Blut, und selbst die Natur,
die den Menschen umgibt, das Wasser, das Öl, das Brot, den Wein, das
Lamm, die Kräuter bis hin zum geweihten Salz - die ganze Schöpfung
wird einbezogen in den Bereich der Religion. Und so wird nichts ausgelassen
und alles wird heimgeholt in die kommende Vollendung. Das ist die wahrhaft
Katholische Kirche, die alles umfaßt und nichts ausläßt.
4. Die Kirche ist
apostolisch
Und
schließlich ist diese Kirche apostolisch, errichtet auf dem Fundament
der Apostel. Das heißt die Kirche geht in ununterbrochener Folge
zurück auf die Apostel, die sich Christus erwählte, mit denen
er sein Leben teilte und ohne die er nicht mehr sein wollte. „Ich habe
euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater hörte." Deshalb lehrt
die Kirche heute nichts anderes als das, was die Apostel damals verkündet
haben. Durch die apostolische Aufeinanderfolge der Bischofs- und Priesterweihen
ist die Wahrheit zu uns gekommen, und wo diese Kette unterbrochen wurde,
ist nicht mehr die Kirche Christi. Unser Glaube ist der Glaube der Apostel,
deshalb beten wir im Credo das apostolische Glaubensbekenntnis, das heißt
wir bekennen den Glauben, für den die Apostel in den Tod gegangen
sind. Lassen wir uns das nicht nehmen und lieben wir unsere Katholische
Kirche. Wenn Christus sie geliebt und sich am Kreuz für sie hingegeben
hat, dann ist sie wahrlich auch wert, von uns geliebt zu werden. Sehr schön
hat das die englische Konvertitin Olga Davin zum Ausdruck gebracht mit
den Worten: „Ich verliere nichts durch
meine Rückkehr zur Katholischen Kirche. Alles, was ich bisher als
Protestantin Positives im Glaubensleben hatte, behalte ich. Dagegen empfange
ich zurück, alles, was mir durch die Neuerung im 16. Jahrhundert verlorengegangen
ist... Jetzt erlebe ich an mir die Kraft des heiligen Meßopfers,
der hl. Sakramente, der Fürbitte der Heiligen, besonders der Gottesmutter
Maria. Ruhe und innerer Friede ergießen sich nun in mein Herz. 0,
wie groß ist doch die Katholische Kirche!"
(Quelle:
"St. Josef", Heft 13, 1008/9, Kleinhain)