Die große Verführung - Und warum sie sich ereignet(e) |
Haben
Sie einen Fernseher? Oder wenigstens ein Radio? Werden Sie da nicht laufend
von einer Flut von Nachrichten, Meinungen, Ansichten und Beurteilungen
überschwemmt? Von Bildern auch und Tönen? Wissen Sie, ob das,
was Sie mit Augen, Ohren und Gefühlen aufnehmen, wahr ist? Ob es nur
teilweise wahr ist? Ob es richtig oder falsch gewichtet ist? Ob Ihnen nur
eine (wem?) zweckdienliche Auswahl von Mitteilungen zugespielt wird oder
eine aus dem Zusammenhang gerissene? Sie hören oder sehen es jedenfalls.
Es fließt alles auf Sie ein wie ein nimmermüdes Rinnsal; manchmal
auch wie ein Sturzbach oder eine Sturmflut.
Wissen
Sie, dass Sie und alle beeinflußt werden, ob Sie es wollen oder nicht?
Die einen mehr, die anderen weniger. Kaum jemand ist für alles immun.
Vor
Jahren, vor dem Aufkommen der elektronischen Medien, Radio und Fernsehen
also, bildeten sich Bewußtsein und Gewissen der gläubigen Katholiken
durch die religiöse Unterweisung ihrer Hirten. Denken Sie an die Sonntagspredigten,
an Volksmissionen, an Exerzitien, für die Jugend an den Religionsunterricht,
an gutes religiöses Schrifttum. Abgesehen davon, daß solche
Unterweisungen heute zumeist nicht mehr rechtgläubig sind, verblassen
sie und werden verdrängt durch die in den Wohnräumen präsenten
Kanzeln des Teufels, das heißt von den Schön- und Überrednern,
von
Manipulierern!
und Verführern aus den Lautsprechern und Bildschirmen. Von diesen
Kanzeln herab wird jetzt das Bewußtsein der (ehemaligen) Christen
gebildet beziehungsweise umgebildet zu Neu- und Interreligiösem: mal
was Christliches, mal was Buddhistisches, mal was von Mohammed oder von
der Vernunftreligion der Freimaurer: Welches Angebot, wählen Sie nach
Belieben!
Wissen
Sie auch, warum die meisten Katholiken eine falsche Wahl getroffen haben?
Neben
der Medienverführung wirkte sich maßgeblich das Versagen der
Hirten aus, der Verrat (zumal der obersten) wie auch das allgemeine Unvermögen.
Ohne Schuldzuweisung im Einzelnen muß gesagt werden: In den letzten
50 Jahren gab es nicht viele Priester mit einer gediegenen Spiritualität,
mit einer echten, reichen und starken Frömmigkeit, die ausstrahlte
und zu überzeugen vermochte.
Das
hatte seinen Grund schon in der theologischen Ausbildung, die katholische
Spiritualität im eigentlichen Studienplan nicht kannte. Von den großen
geistlichen Lehrern der großen katholischen Vergangenheit hörten
die Priesteramtskandidaten nur Unzureichendes, etwa in der Kirchengeschichte
oder durch einen guten Spiritual des Seminars; Angehörigen eines Ordens
oder einer Kongregation wurde höchstens die eigene geistliche Ausrichtung
vermittelt. Doch vom gewaltigen Reichtum des ins Leben umgesetzten Glaubens
hörten die angehenden Hirten nur Bruchstücke, und so wurde ihnen
dieser nur ansatzweise bekannt und beliebt.
So
kam es, wie es kommen mußte: Die weitaus meisten Hirten und damit
ihre Schäflein wurden eine leichte Beute der einbrechenden Wölfe.
Im Übrigen muß(te) die Schrift erfüllt werden!
Frage:
Was tun Sie gegen die große Verführung?
(Quelle:
"Dienst am Glauben", 4/2007, S. 119, Innsbruck)