Sühne und Opfer: ein Akt persönlicher Barmherzigkeit gegenüber seinen Verwandten und Mitmenschen

"Seid barmherzig, wie auch Euer Vater im Himmel barmherzig ist!"

Die Botschaft von Fatima
gedeutet von Bischof Dr. Rudolf Graber (f)
Sünde und Sühneleistung
Schon bei der ersten Erscheinung taucht der Gedanke auf, ein Wunsch der Gottesmutter, der sich dann durch alle Erscheinungen hindurchzieht. Es ist weniger eine Sache des Glaubens, sondern mehr ein Wegweiser für das Leben, der sich auf die Begriffe Sünde, Opfer, Sühne, Leiden konzentriert:
 
„Wollt ihr euch Gott schenken, bereit, jedes Opfer zu bringen und jedes Leiden anzunehmen, das er euch schicken wird, als Sühne für die vielen Sünden, durch die die göttliche Majestät beleidigt wird, um die Bekehrung der Sünder zu erlangen?" 

Damit sind Dinge genannt, die aus dem Wörterbuch des modernen Menschen und auch des modernen Christen beinahe ganz gestrichen sind - Sünde! Wer macht sich heute denn noch etwas daraus? Sünde, ist das nicht Veranlagung, einfach Schicksal? - Sühne? Ein unbekanntes Wort, warum überhaupt? Ja, es kommt noch unbegreiflicher: Bei der vierten Erscheinung sagt Maria:
 
„Betet, betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder!
Wisset, daß viele in die Hölle kommen, weil niemand für sie opfert und betet."

Dazu ein persönliches Erlebnis. Vor vielen Jahren, als ich dieses Wort in einem Artikel niederschrieb, verlangte man von mir, diesen Text zu streichen. Das stimme theologisch nicht. Denn schließlich sei jeder nur für sich allein verantwortlich. Ich machte darauf aufmerksam, daß Papst Pius XII. in seiner berühmten Enzyklika „Mystici
corporis" vom 29. Juni 1943 geschrieben hatte:
 
 
„Es ist wahrhaft ein schaudererregendes Geheimnis, das man niemals genug betrachten kann: daß nämlich das Heil vieler abhängig ist von den Gebeten und freiwilligen Bußübungen der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi, die sie zu diesem Zweck auf sich nehmen, und von der Mitwirkung, die die Hirten und Gläubigen, besonders die Familienväter und Mütter, unserem göttlichen Erlöser geleistet haben",
also genau das Gleiche, was in Fatima gesagt wurde. - Es ist in der Tat schaudererregend, wie die Schicksale der Menschen miteinander verflochten sind. Und hier muß eine Gewissenserforschung einsetzen; denn es gibt auch so etwas wie einen Heilsegoismus: Ich schaue, daß ich mein Seelenheil sicherstellen kann.
Was kümmern mich die anderen? - Hier gibt Fatima eine sehr ernste Antwort: Wir sind mitverantwortlich für das Heil des Nächsten, und wenn Christus uns beim Gericht nach den leiblichen Werken der Barmherzigkeit fragt, so wird er sicher nicht vergessen, auch nach den geistlichen Werken der Barmherzigkeit zu fragen, die früher einmal in jedem Katechismus standen, heute aber fast vergessen sind: Hast du dich eingesetzt für das Heil des Nächsten, hast du für ihn gebetet, hast du für ihn geopfert? Hast du Sühne geleistet nicht nur für deine eigenen Sünden, sondern auch für die Sünden der anderen, für die Sünden der Welt? Das sind wiederum ernste Fragen, an denen wir nicht vorübergehen dürfen.

Gebet und Opfer
Anderswo nahm man Stellung gegen das Wort der Gottesmutter in Fatima: „Betet, betet sehr viel und bringt Opfer für die Sünder; denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil niemand sich für sie opfert und für sie betet".
Man setzte sich einfach darüber hinweg, daß Kardinal Roncalli dieses Wort der Gottesmutter bei seinem Besuch in Fatima vor Jahren zitiert hatte; man setzte sich auch über den verstorbenen Papst hinweg, der in seinem Rundschreiben über den mystischen Leib Jesu Christi gesagt hatte: „Es ist ein wahrhaft schaudererregendes Geheimnis, ... daß das Heil vieler abhängig ist von den Gebeten und freiwilligen Bußübungen der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi." Ist das nicht das Gleiche, was Maria in Fatima gesagt hat: „Es kommen viele Seelen in die Hölle, weil niemand sich für sie opfert und für sie betet"?
(aus: Fatima. Bischof Graber deutet die Botschaft, hrsg. vom Institutum Marianum Regensburg e. V., Würzburg 1987.)
(Quelle: "Bote von Fatima", Mai 2011, S. 60, Regensburg)



Praxis:
Der Rosenkranz zur Göttlichen Barmherzigkeit ist ein sehr empfehlenswertes Gebet, mit dem man seinen verstorbenen Verwandten Hilfe und Erleichterung im Fegefeuer bringen und sie vor der Hölle retten kann. - Textlink

Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit

Sühnegebete zum Heiligsten Herzen Jesu



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