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 „Siehe, deine Mutter!" 

                                            Worte von + Papst Johannes Paul II.
Das Vermächtnis des Erlösers: „Siehe, deine Mutter!" sagte Jesus zu dem Jünger, „und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich" (Joh 19,27); der jungfräuliche Jünger nahm die jungfräuliche Mutter als sein Licht, seinen Schatz, sein Gut, als das kostbarste vom Herrn ererbte Geschenk auf. Er liebte sie zärtlich mit dem Herzen eines Sohnes. „Darum wundert es mich nicht - schreibt Ambrosius -, daß er die göttlichen Mysterien besser zu erzählen vermochte als die anderen, er, der die Wohnstatt der himmlischen Mysterien neben sich hatte". (Angelus, 15.4.1984)

Der Evangelist berichtet, daß „Jesus dann zu dem Jünger sagte: Siehe, deine Mutter!" (Joh 19,27). Als er sich an den Jünger wendet, bittet Jesus ihn ausdrücklich, sich gegenüber Maria wie ein Sohn zu seiner Mutter zu verhalten. Es ist, als ob Jesus in dem Jünger alle Menschen sieht, denen er dieses Vermächtnis der Liebe hinterläßt.

Christus hat uns in der heiligsten und feierlichsten Stunde seines Lebens das kostbarste Geschenk gemacht. Es war sein letzter Wille, sein liebster Schatz: Maria, seine Mutter. Mit dieser Beauftragung übergab Jesus der ganzen Menschheit in der Person des Lieblingsjüngers Johannes Maria als Mutter. Jesus Christus macht damit alle Erlösten zu Kindern Marias. Von diesem Augenblick an ist niemand mehr auf Erden allein. (Predigt, 8.5.1990)



 
 

   "Siehe deine Mutter!" Joh 19,27

O Christ, wer du auch bist, verehre Maria als die gnadenreiche Unbefleckte Jungfrau, als die Mutter des Herrn; denn in ihr verehrst du zugleich den Sohn, und in dem Sohn den Vater. Alle Ehre, die Maria erwiesen wird, fällt auf den Dreieinigen Gott zurück, so wie der Ruhm des Bildes auf die Meisterschaft des Künstlers.
Betrachte ihre Tugenden, die in himmlischer Lieblichkeit strahlen, und suche sie nach Kräften mit Gottes Gnade nachzuahmen; denn so verehrst du Maria am besten. Trage ein kindliches Vertrauen zu ihr in deinem Herzen und bete gern zu ihr, der Königin des Himmels; denn ihre mütterlichen Augen sehen herab auf uns arme Kinder Evas; ihre Hände sind voll der Barmherzigkeit, ausgestreckt, uns allen zu helfen. Sie ist ja die Mutter des Lebens, die Pforte des Himmels, der Weg unserer Versöhnung, die Freude der Gerechten, die Hoffnung der Büßenden, der Trost der Betrübten, die Zuflucht aller jener, die auf sie vertrauen. Wer ist wohl jemals von ihr verlassen worden, der bei ihr Hilfe gesucht hat?
Wenn die Schatten des Todes oder die Furcht vor dem strengen Urteil des gerechten Gottes dich überfallen, so vergiß nicht, daß Maria, um Barmherzigkeit für dich flehend, bei dem Richterstuhl ihres göttlichen Sohnes deiner harrt; daß sie, wie in den Tagen der Mühsal, so insbesondere in jenem fürchterlichen, entscheidenden Augenblick sich dir als treue Mutter erweisen wird, wenn du dich jederzeit mit frommer Innigkeit an sie wendest.
Fürchte nicht den Angriff des bösen Feindes; denn in der Stunde des Kampfes wird Maria mit ihrer Macht jenen beistehen, welche sie lieben. Wahrlich, sie wird die Seelen ihrer Diener nicht der Hölle zum Raub überlassen; ihr liebliches Antlitz wird sich von dir nicht abwenden. Ein wahres Kind Mariens kann nicht ein Kind der Hölle werden.
Wie vielen Sündern hat sie nicht schon Gnade und Verzeihung erlangt! Seit mehr als neunzehn Jahrhunderten preist die katholische Welt ihre mächtige
Fürbitte. Soll sie jetzt ein kindliches Vertrauen verschmähen? Ach, eine so mächtige und barmherzige Mutter wird ihr Kind nie verlassen!
Sie kann und will dir wahrhaft helfen, damit der Herr dich nicht strafe in seinem Zorn. Als Mutter der Barmherzigkeit kann sie deine Tränen nicht sehen, ohne sich deiner zu erbarmen und sie zu trocknen.
Durch Mariens Vermittlung erhielt ja schon oft der Gefangene seine Erlösung, der Kranke seine Gesundheit, der Betrübte Trost, der Sünder die Verzeihung. Sie wird bei ihrem göttlichen Sohn gewiß auch für dich unaufhörlich bitten. Und wie sollte dieser die Bitte seiner Mutter nicht erhören?
Liebe demnach, liebe und lobe, ehre und preise Maria. Ein Herz, das Maria nicht liebt, ist nicht wert, daß es schlage.
Gott will, daß du deine leibliche Mutter ehrst und liebst, um wie viel mehr verlangt Christus, daß wir seine Unbefleckte Gnadenvolle Mutter lieben! Sterbend empfahl er uns vom Kreuz herab ihrer Mutterliebe, und gab sie uns zur Mutter, indem er zu Johannes und in ihm zum ganzen Menschengeschlecht sprach:
"Siehe da deine Mutter!" In all deinen Anliegen nimm deshalb vertrauensvoll deine Zuflucht zu Maria. Laß ihr Andenken aus deinem Herzen nicht weichen, noch aus deinem Mund.
Rufe aus der Tiefe deiner Seele zu Maria, und sie wird deine Stimme erhören, sie wird dich erlösen aus der Hand deiner Feinde, wird in bösen Tagen dich befreien und deiner nicht vergessen in der Stunde des Todes, sondern dich führen zu dem Gestade des Heiles. Darum liehe recht treu und innig deine Mutter und lebe und stirb in Mariens Liehe.

Heilige Maria, Mutter Gottes,
du hast der Welt
das wahre Licht geschenkt,
Jesus, deinen Sohn - Gottes Sohn.
Du hast dich ganz
dem Ruf Gottes überantwortet
und bist so zum Quell der Güte geworden,
die aus ihm strömt.
Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm.
Lehre uns ihn kennen und ihn lieben,
damit auch wir selbst
wahrhaft Liebende
und Quelle lebendigen Wassers
werden können inmitten einer dürstenden Welt.
  (Papst Benedikt XVI.)
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