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Domvikar Georg Franz X. Schwager, Regensburg |
Die
nachstehende Predigt wurde vom Redaktionsleiter des „Boten von Fatima",
Domvikar Georg Schwager, anläßlich des vielbesuchten Fatima-Gebetstages
in der Wallfahrtskirche Haader (Diözese Regensburg) gehalten. Sie
will auf eine oft vergessene Wahrheit hinweisen, nämlich, sich um
die Heiligung und Schönheit der menschlichen Seele zu mühen.
Gerade in unserer von vielen moralischen Irrtümern und Nebensächlichkeiten
geprägten Welt, ist es notwendig, sich die Kostbarkeit der erlösten
Seele vor Augen zu halten. Sie ist ein wertvoller Schatz, den es zu hüten
gilt für Zeit und Ewigkeit.
Weisen
wir unsere Kinder und unsere Jugendlichen wieder verstärkt auf diese
Wahrheit hin, um sie vor schädlichen Einflüssen der Gesellschaft
oder
gefährlichen
Freundschaften zu bewahren.
Die
Botschaft von Fatima hat drei besondere Aspekte, die uns die Gottesmutter
Maria durch ihre Erscheinungen vor den Seherkindern im Jahr 1917 ans Herz
legte: zum einen das tägliche Gebet des Rosenkranzes um den Frieden
der Welt; zum anderen das Gebet um die Bekehrung Rußlands, damit
dieses seine Irrtümer nicht in der Welt verbreite (gemeint ist damit
vor allem die gottlose Ideologie des Kommunismus); das dritte Anliegen
ist die Bekehrung der Sünder, die Rettung der Seelen. Gerade über
diesen letzten Aspekt wollen wir ein wenig nachdenken und die Gottesmutter
bitten, sie möge uns das rechte Verständnis für ihre Mahnungen
und Weisungen ins Herz senken; sie möge uns aber auch die Kraft des
Heiligen Geistes erbitten, damit wir
den
Wert und die Schönheit der unsterblichen Seele vor Gott erkennen.
Die
Seele - das Kostbarste in den Augen Gottes Über dieses Thema und die
damit verbundenen Wahrheiten wird heute leider oftmals zu wenig gesprochen.
Physisches Wohlbefinden, psychische Krankheiten und Ähnliches stehen
im Vordergrund. Dabei wird aber der religiöse Wert und die Kostbarkeit
der Seele in den Augen Gott meist nicht erkannt und wahrgenommen. Die Kirche
aber weiß, daß die Heilige Schrift mit „Seele" das Leben des
Menschen schlechthin oder auch die ganze menschliche Person bezeichnet
(vgl. KKK 363). Nur von diesem Ansatz her und aus dieser
Begriffsbestimmung
erkennen wir die Bedeutsamkeit der menschlichen Seele schlechthin, auch
und gerade im Hinblick auf das ewige Heil. Die ganze Sorge der Kirche und
der Priester richtet sich nach diesem Heil und dreht sich darum wie um
einen Angelpunkt. Ja, unser eigenes Tun und Streben, Planen und Wollen
muß ebenfalls dieses ewige Heil der Seele im Blick bewahren. Die
Rettung der Seelen wie sie in Fatima angesprochen und von der Gottesmutter
als Ziel vor Augen gestellt wird, geht in dieselbe Richtung. Der Ausdruck
„Seele" bezeichnet nach dem Glauben und der Wahrheit
der
Kirche das geistige Lebensprinzip des Menschen, das Innerste im Menschen,
das Wertvollste am Menschen. Die Seele ist das, wodurch der Mensch am meisten
das Bild Gottes darstellt, nach dem er geschaffen worden ist (vgl. KKK
363). Deshalb haben wir die große Aufgabe und schwere Pflicht, alles
zu tun, um den Wert und die Kostbarkeit der eigenen Seele zu erkennen und
die Seelen unserer Mitmenschen vor Schaden und Verderben zu bewahren. Es
kann und darf uns nicht gleichgültig sein, wie wir selbst und wie
unsere Mitmenschen leben. Und es darf uns nicht gleichgültig sein,
wer es heute bestimmt, dieses innerste Lebensprinzip des Menschen zu formen.
Es gibt viele, die die Seele des Menschen formen und gewinnen wollen. Sie
geben vor, man könne dann das Leben in seiner Fülle genießen,
sie versprechen, nur bei ihnen finde die Seele des Menschen Erfüllung
und Frieden. Und doch sind all diese nichts anderes als Diebe und Räuber
der Seelen, so wie Christus es einmal gesagt hat: „Amen, amen ich sage
euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind
Diebe und Räuber; ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht,
wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden; ich bin
gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,
8 ff.). Christus, Gott allein kann der Seele Erfüllung schenken. Christus
allein kann die Seele des Menschen retten! Alle anderen sind wahrlich Diebe,
Räuber und Verführer der Menschen, weil sie den Menschen für
eine Idee, für ein System gewinnen wollen, das aber im Augenblick
des Todes nicht standhält, sondern zerfällt und zerbricht wie
ein Kartenhaus. Im Tod kann und wird uns nur einer tragen: derjenige, der
vom Tod erstanden ist, der in seiner gott-menschlichen Seele die Unterwelt
durchschritten,
die Macht des Todes gebrochen und die Seelen der im Tod Gefangenen gerettet
hat: Jesus Christus, der Sohn Gottes, der gute Hirt der Seelen.
Rettung
gefährdeter Seelen durch Buße und Opfer In Fatima läßt
uns die Gottesmutter einen Blick auf die Kostbarkeit der menschlichen Seele
werfen, wenn sie den Seherkindern die Bitte um die Rettung der Seelen,
besonders der gefährdeten Seelen aufträgt, durch stellvertretende
Buße und freiwillige Opfer. Die Seherkinder durften - oder sagen
wir besser - mußten einen Blick in die Hölle tun. Manche meinen,
von der Wirklichkeit der Hölle dürfe heute nicht mehr gesprochen
werden oder es wäre besser, darüber die Menschen nicht in Kenntnis
zu setzen, um ihnen nicht die Ruhe und den
Frieden
zu nehmen. Aber es handelt sich dabei um einen schlechten Rat. Können,
ja dürfen wir schweigen über Wahrheiten, die von Gott geoffenbart
sind, die zum Glaubensgut der Kirche gehören und die für das
ewige Heil und Unheil von entscheidender Bedeutung sind?
Die
ewige Verdammnis der Hölle ist eine Wirklichkeit und reale Möglichkeit.
Warum sollten wir von dieser Wahrheit nicht reden und die Menschen vor
dieser Möglichkeit warnen, wenn Christus selbst von der Existenz der
Hölle gesprochen und wenn seine heiligste Mutter es den Kindern von
Fatima zugemutet hat, sie mit dieser Wirklichkeit zu konfrontieren? Warum
tat die Gottesmutter das?
In
ihren Aufzeichnungen mit dem Titel „Wie sehe ich die Botschaft (von Fatima)
durch die Zeit und durch die Ereignisse?" - diese Aufzeichnungen sind im
Mai des Jahres 2006 in deutscher Sprache erschienen und können über
das Institutum Marianum Regensburg e. V. bezogen werden - spricht Schwester
Lucia auch über die bekannte, dramatische Erscheinung vom 13. Juli
1917. Schwester Lucia hatte die Deutung ihrer Aufzeichnungen bereits 1983
begonnen, aber konnte sie leider bis zu ihrem Tod im Jahr 2005 nicht mehr
zu Ende führen. In ihren Aufzeichnungen schreibt Schwester Lucia also:
„In dieser Erscheinung vom Juli erteilte uns unsere Herrin einen Auftrag,
der zur Norm meines Lebens geworden ist: Opfert euch für die Sünder
und sagt immer wieder, besonders wenn ihr ein Opfer bringt: ,O, es ist
aus Liebe zu Dir, für die Bekehrung der Sünder und als Wiedergutmachung
für die Sünden, die gegen das Unbefleckte Herz Marias begangen
wurden'". Gebet und Opfer aus Liebe zu Gott und für die Bekehrung
der Sünder, das sind und waren für Schwester Lucia, wie sie selbst
betont, der Grundton der ganzen Botschaft. Gebet und freiwilliges Opfer
sollen uns näher
hinführen
zu Glaube, Hoffnung und Liebe, welche die Grundlage unseres übernatürlichen
Lebens darstellen.
Dabei
sollen wir unsere Opfer mit dem am Holz des Kreuzes hingegebenen Christus
darbringen, der auf dem Altar und in unseren Tabernakeln gegenwärtig
ist.
Das
Feuer der Hölle: Für U. Lb. Frau ein Gegenstand großer
Beunruhigung Und dann schreibt Lucia die bedeutsamen Worte: „Ich weiß
nicht, ob Unsere Liebe Frau in der Schau der Hölle erreichen wollte,
daß wir besser begreifen, wie notwendig es für uns ist, Gott
Gebete und Opfer für die Bekehrung der Sünder darzubringen. Vielleicht
geschah es auch, weil Sie (sic!) schon voraussah, daß eine Zeit kommen
wird, in der diese Glaubenswahrheit geleugnet oder in Zweifel gezogen wird."
Ist es wohl unsere Zeit, in der dies geschieht? Lucia führt dazu noch
weiter aus: „Bei der Vision der Hölle sah man das Feuer. Ich weiß
nicht, was für eine Art von Feuer es war? Es war nicht ein materielles
Feuer, wie Feuer, das wir gewöhnlich hier auf Erden sehen". Lucia
vergleicht dann das Feuer der Sonne mit jenem Feuer und kommt schließlich
zu dem Schluß, daß niemand wisse, von welcher Materie sich
der Feuerbrand der Sonne ernähre. Und so fügt sie an: „Wir wissen
nicht, wie viele andere Feuer Gott unterhält in der übernatürlichen
Welt. Jedes Feuer hat seine eigene Bestimmung. (...) Wie es auch immer
sei, sicher ist, daß es eine Hölle gibt und sie ist für
Unsere Liebe Frau ein Gegenstand großer Beunruhigung", so weit Schwester
Lucia. Viele Male hat die Gottesmutter deshalb ihre Bitte um Gebet und
Opfer für die Bekehrung der Sünder wiederholt. Und sie zeigte
den Seherkindern und damit uns allen ihr Unbeflecktes Herz zur Rettung
der Sünder. Sie spricht von ihrem Unbefleckten Herzen als dem „Liebesgefäß
Gottes". Maria tut das, weil sie um die Bedeutung der menschlichen Seele
weiß. Sie weiß, daß die Seele unsterblich ist, und wie
der Leib so auch die Seele den ewigen Lohn des Himmels oder die ewige Strafe
der Verdammnis empfängt. Das Herz gilt als Sitz der Seele. Und so
können und sollen wir im Aufblick und im Vertrauen auf das Unbefleckte
Herz der Gottesmutter unser eigenes Herz formen und bilden nach ihrem Herzen.
Wenn wir die Bedeutsamkeit und die Größe, die Würde, den
Wert und die Bestimmung der menschlichen Seele, unserer eigenen Seele erkennen,
dann werden wir diese Seele bewahren bis ins ewige Leben und wir werden
uns mühen, sie immer kostbarer werden zu lassen, sie zu schmücken
zum heiligen Tempel Gottes.
Bei
jeder heiligen Messe spielt sich im Augenblick der heiligen Kommunion ein
unsichtbares, aber wunderbares Geschehen ab. In der heiligen Kommunion
kommt der Sohn Gottes selber zu uns und nimmt Wohnung in unserer Seele.
Mühen wir uns deshalb, ihn in der heiligen Kommunion so oft als möglich
zu empfangen; mühen wir uns, daß Jesus in einen würdigen
Tempel einziehen kann mit seiner Gottheit und Gnade. Mühen wir uns,
daß die innere Schönheit unserer Seele der äußeren
Schönheit unserer Gotteshäuser in nichts nachstehe. Jede Kirche,
die in Glanz und Schönheit vor uns steht, seien es unsere großen,
herrlichen Kathedralen oder seien es unsere Dorfkirchen oder Wallfahrtskapellen,
sie alle sollen uns an die Schönheit und den Glanz der eigenen Seele
erinnern. Mühen wir uns, um einen
würdigen, ehrfürchtigen, liebenden Empfang der heiligen Kommunion!
An der Art und Weise des Hinzutretens zum heiligen Opfermahl im Augenblick
der Kommunion erkennt man leicht, ob jemand davon überzeugt ist, daß
seine Seele ein heiliger Tempel Gottes ist, und ob er an diese große
Wahrheit unseres Katholischen Glaubens denkt. Es wäre ein furchtbares
Unglück, den Leib Christi im Stand der Todsünde zu empfangen,
es wäre ein Sakrileg, ein Gottesraub. Darum prüfe sich ein jeder,
der zum Altar hinzutritt! Darum beichte
ein jeder regelmäßig und gerne, um gerade so die Kostbarkeit
seiner Seele zu erhalten, ja um diese noch mehr zu erwerben!
Nach
jeder würdigen, gültigen Beichte erstrahlt die Seele wieder in
ihrer ursprünglichen Schönheit, die uns das Taufsakrament einst
geschenkt hat, sie ist geschmückt mit dem kostbaren Glanz der heiligmachenden
Gnade. Ja, wir können sagen: Die Seele wurde so wieder zum Paradies,
in welchem der dreifaltige Gott mit seiner ganzen Herrlichkeit wohnen kann
und will. Welch große Gnade ist es daher, ein katholischer Christ
zu sein und um solche verborgene Wahrheiten zu wissen.
Leben
wir danach und wir werden unsere Seele nicht verlieren, sondern bewahren
zum ewigen Leben.
(Quelle:
"Bote von Fatima", Nov. 2007, S. 146ff., Regensburg)