Impressum
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Betrachtungen
zum Glorreichen Rosenkranz - Mit Maria beten und siegen!
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| 1.
Jesus, der von den Toten auferstanden ist |
Elender
als Jesus konnte man nicht sterben: Unter qualvollen Schmerzen hat er am
Kreuz seinen Geist aufgegeben. Er wollte lieben, lieben bis in den
Tod.
Er starb für die, die ihn ausgeliefert, verraten und zu Tode gequält
haben. „Eine größere Liebe hat
niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde" (Joh 15,13).
Aber was für einen Sinn soll das haben? War Jesu Schmerzenstod bloß
eine edle Tat, eine schöne Geste, - aber im Letzten ohne Sinn? Ist
nicht mit dem Tod alles aus und vorbei?
Jeder
Mensch hat Angst vor dem Sterben! Der Tod streicht ja alles
durch, was man im Leben geschafft hat: Du kannst nichts mitnehmen. Karriere,
Erfolg, Geld und Besitz, Titel und Anerkennung, ja selbst die Zuneigung
der Menschen, die einem nahe gestanden sind, kannst du nicht zusammenraffen
und über die Schwelle des Todes hinübertragen. Du kommst nackt
in die Welt und Du gehst nackt aus dieser Welt davon. Darum haben wir Angst
vor dem Tod, weil wir nicht loslassen wollen. Jesus aber hat ganz losgelassen!
Ganz und gar! Noch in seinem Sterben verschenkt er sich ganz: Er übergibt
seine geliebte Mutter dem Jünger, er haucht seinen Geist in die Welt
hinein, er läßt aus seinem Herzen Blut und Wasser als Symbol
für Erlösung und Taufe ausströmen... Und seine letzten Worte
in den Todesqualen waren unvorstellbare Barmherzigkeit: „Vater,
vergib ihnen..." (Lk 23,34).
Wer
ganz gibt, dem wird auch ganz gegeben. Darum hat Sott der Vater Jesus auferweckt.
Die Auferstehung ist der Beweis dafür, daß die totale Liebe
immer total siegt, Lieben hat immer einen Sinn, auch dort, wo sie sinnlos
erscheint.
In
allen Religionen haben die Menschen Phantasievorstellungen entwickelt,
wie es nach dem Tod weitergehen könnte. Uns Christen interessiert
weniger das „wie", sondern wir wissen um das „daß". Jawohl: Weil
Christus auferstanden ist, weil das Grab leer war, darum lehrt mich der
Glaube: Auch ich werde auferstehen; der Herr Jesus Christus ist der Erstgeborene
der Toten, er wird mir eine ewige Gemeinschaft herrlicher Liebe bereiten.
Halleluja!
| 2.
Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist |
Die
Auferstehung Christi war der Triumph der kreuzesbereiten Liebe. Als man
am Ostermorgen meldete: „Das Grab ist leer, der Herr ist auferstanden,
er ist uns erschienen...", da waren die Jünger nicht naiv und leichtgläubig.
Im Gegenteil. Gerade die Apostel waren die größten Zweifler,
nicht nur jener Thomas, der den Beinamen „der ungläubige Thomas" erhalten
hat. Die Auferstehung Christi war nicht ein Wunder unter vielen Wundern,
die Christus gewirkt hatte, sondern sie war das „Wunder aller Wunder".
Sie übersteigt jede Vorstellungskraft völlig. Wie sollten wir
Sterblichen mit unserem begrenzten Verstand auch jene andere Dimension
uns vorstellen können, die den Namen „Ewigkeit", „ewiges Leben" oder
„Himmel" trägt?
Nach
der Auferstehung war Christus den Jüngern vierzig Tage lang erschienen.
Die armen Apostel, die nach dem Karfreitag alle frustriert und zu Tode
verängstigt waren, brauchten ganz einfach eine vierzigtägige
Schulung. Jesus erschien ihnen mit verklärten Wunden und läßt
ihnen die Augen aufgehen. Erst jetzt können sie alles begreifen, was
Jesus in den drei Jahren ihrer Wanderschaft geredet und getan hatte. Sie
erkennen ihn als den Sohn Gottes, den der Vater zur Rettung aller gesandt
hat. Und Jesus schult seine Jünger auf eine tröstliche Zukunft
ein: Er verheißt den Geist, der alles vollenden wird. Und weil er
selbst durch den Geist in den Herzen der Getauften weiterwirken wird, darum
ist es gut, daß er endgültig zum Vater heimgeht. Die Himmelfahrt
Christi darf man sich nicht wie einen Raketenstart vorstellen. Der „Himmel"
ist hier nicht das blaue Firmament über uns,
sondern
die ewige Gemeinschaft mit Gott: Auf dem Ölberg steht Jesus, es ist
vierzig Tage nach Ostern. Es ist derselbe Ölberg, wo Jesus in der
Nacht
vor seinem Tod Blut geschwitzt hatte. Doch jetzt ist hier nur göttlicher
Glanz: eine Wolke verhüllt den auferstandenen Herrn: Jetzt kehrt
Jesus endgültig aus dieser Welt zum Vater heim. Doch er nimmt etwas
mit in den Himmel: seine Menschlichkeit. Jesus kehrt nicht als reiner göttlicher
Geist in die Ewigkeit zurück, sondern mit seinem verklärten Leib,-
also mit einem Stück von unserer menschlichen Wirklichkeit.
Die
Grenze zwischen hier und dort ist durchlässig geworden! Denn wohin
der Herr Jesus Christus gegangen ist, dorthin sollen auch wir alle gehen:
in die ewige Gemeinschaft mit dem Vater im Heiligen Geist.
| 3.
Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat |
Wo
Maria ist, da weht der Heilige Geist! Bei seiner Himmelfahrt hatte Jesus
den Jüngern noch einige konkrete Weisungen gegeben. Denn der Herr
hinterläßt eine Gemeinschaft auf Erden, die seinen Namen tragen
wird, weil sie ganz dem Herrn gehört. Das Wort Kirche kommt von „Kyrios",„Herr".
Und diese Kirche ist nichts für Faule und Nichtstuer, denn Jesus gibt
ihr eine Mission, eine Sendung: „Geht hinaus
in die ganze Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern..."(Mt
28,19).
Jesus
spricht bei seiner Himmelfahrt zu einer winzig kleinen Gruppe. Es war nie
und nimmer vorstellbar, daß dieser kleine Haufen innerhalb weniger
Jahrhunderte die ganze Welt erobern sollte. Heute ist das Christentum die
größte Religion der Erde. Der Grund dafür liegt darin,
daß Gott selbst in der Kirche wirkt, und zwar mächtig! Diese
Macht des Wirkens Gottes ist der Heilige Geist.
Nach
der Himmelfahrt hatten die Jünger neun Tage lang bei verschlossenen
Türen im Abendmahlsaal gebetet. Ohne Gebet, ohne Konzentration, ohne
innere Verbindung mit Gott geht gar nichts. Es war ein Gebet in Gemeinschaft:
die Apostel, andere Christen, Männer und Frauen, vor allem aber Maria,
die Mutter Jesu, war dabei. Maria ist in ihrer Reinheit und Heiligkeit
Lehrmeisterin der Hingabe an Gott. In der Kammer von Nazareth hat sie Gott
gleichsam auf die Erde gezogen, als sie die Einladung zur Gottesmutterschaft
mit den Worten annahm: „Siehe ich bin die Magd des Herrn!" Wo man sich
so klein vor Gott macht, da kann Gott Großes tun. Damals war der
Heilige Geist auf sie herabgekommen, und jetzt, zu Pfingsten, geschieht
dies nochmals: Am Pfingsttag öffnet sich der Himmel. Jesus hatte dieses
Geschenk verheißen: „Fürchtet euch
nicht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!"„Einen anderen
Beistand werde ich euch schenken, den Heiligen Geist..."
Wir
müssen uns mit Maria ganz innig verbinden, damit auch auf uns der
Heilige Geist mächtig ausgegossen wird und damit wir die Sendung Jesu
bis in den letzten Winkel der Erde tragen können.
| 4.
Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat |
Am
Rand einer Galaxie von Milliarden anderen Galaxien im Umkreis um einen
Stern namens Sonne zwischen Abermilliarden von anderen Sternen befindet
sich unser kleiner blauer Planet namens Erde. Der geschaffene Kosmos ist
unvorstellbar groß! Gott hat alles wunderbar geschaffen, das größte
Wunder aber ist, daß wir Menschen auf der Erde seine vielgeliebten
Geschöpfe sind. In all der Unendlichkeit der Schöpfung liebt
Gott jeden Menschen. Von einem Menschen geliebt zu werden, ist wunderbar;
aber von Gott geliebt zu werden, ist unvorstellbar wunderbar! Gott hat
sich gleichsam in uns Menschen „verliebt". Darum ist er einer von uns geworden,
Gott ist Mensch geworden: der unendliche Gott als ein Mensch unter vielen
Menschen. Zu dieser Tat der Liebe wollte er ganz demütig die Zustimmung
des Menschen erbitten, genauer: die Zustimmung einer Frau. Gott wollte
das „Jawort" Mariens, um seine Liebe zu uns zu verwirklichen. Und Maria
hat Ja gesagt. Alle Generationen preisen sie mit Recht selig, denn ihr
„Fiat" ist der Grund unseres Heiles. Gott wollte es so.
Und
weil Maria genau so Mensch ist, wie Gott sich den Menschen immer vorgestellt
hat, wie er sein ursprüngliches Konzept im Menschen angelegt hat,
darum ist es auch logisch, daß Maria als Erste voll und ganz an der
Erlösung Anteil haben soll. Jesus ist mit Leib und Seele von den Toten
erstanden und er hat auch seine Mutter, nach Vollendung ihres irdischen
Lebens, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Wir, die wir Kinder
Gottes
sind
durch Jesus Christus, haben in Maria eine menschliche Mutter im Himmel!
Wenn
wir auf Maria schauen, dann schauen wir in den Himmel. Und dann begreifen
wir auch, daß wir als winzige Pünktchen im großen Universum
nicht verloren sind, sondern daß wir für Gott etwas bedeuten.
Er will jeden von uns, wie Maria, mit Leib und Seele bei sich in seiner
ewigen Liebe haben.
| 5.
Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat |
Wir
sind hier auf Erden so voll und satt mit all den schönen Dingen, die
wir uns leisten können, daß wir oft darauf vergessen, daß
das Leben kurz ist. Der Tod kommt unausweichlich. Man kann den Gedanken
an die Vergänglichkeit wegschieben, man kann sich betäuben mit
Genuß. Dennoch kommt das Ende des Lebens hundertprozentig sicher.
Maria
war auch ein Mensch, sie war auch sterblich - und sie ist auch wirklich
gestorben. Aber sie ist der erste Mensch, an dem sich das Wunder auswirkt,
das Jesus Christus uns geschenkt hat: Er, der von den Toten auferstanden
ist, will uns alle in die Ewigkeit hinüberretten. Nicht 70,80,90 oder
wie viel auch immer Jahre währt unser Leben, sondern ewig! Wer Gott
und die Menschen liebt, wie Christus dies uns vorgezeigt und in Gnade eröffnet
hat, dem gilt die Verheißung eines unendlichen Glückes. Und
an Maria ist dies vollkommen verwirklicht. Gott hat ihr die Krone aufgesetzt,
weil sie ganz so war, wie Gott jeden Menschen haben will. Maria ist Königin
im Himmel. Nicht fern und abgehoben, sondern so ganz mit jedem von uns
verbunden. Ihr Königtum ist die Liebe, ihre Würde ist die Fürsorge,
ihr Ruhm ist die Barmherzigkeit.
Kann
die Mutter im Himmel vollends zufrieden sein, solange noch viele ihrer
Kinder auf Erden fern sind von Gott? Kann die Königin der Liebe vollends
glücklich sein, solange das Reich ihres Sohnes auf Erden noch nicht
endgültig aufgerichtet ist und so viele Menschen „in Finsternis und
Todesschatten" der Gottferne sind? Wir dürfen damit rechnen, daß
diese Königin alles tun wird, was in ihrer Macht steht, damit wir
Menschen auf Erden „tun, was Jesus uns sagt". Du darfst auch persönlich
in deinem Leben damit rechnen, daß sie, die Mutter und Königin,
dich an der Hand nimmt. Hab keine Angst davor. Laß dich führen.
Sie leitet dich gut, denn sie weiß, wohin der Weg geht: zu Gott,
in das ewige Reich der Liebe.
P.
Karl Josef Wallner OCist
Professor
für Dogmatik und
Dekan
der Päpstlichen Philosphisch-Theologischen Hochschule in Heiligenkreuz/Österreich
(Quelle:
"Betendes Gottesvolk" Nr. 234, 2/2008, S. 16f., Rosenkranzsühnekreuzzug,
Wien)
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