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von Msgr. ANTONIO DEL GAUDlO |
Im Februar beginnt die Fastenzeit. Es ist eine „intensive" Zeit wegen ihres hohen geistigen Werts, die „günstigste" Zeit für eine radikale Umkehr! Der Beginn des ganzen liturgischen Jahres. Eine Zeit der Wiederversöhnung. Eine Zeit der Gnade. Eine Zeit heilsamen Verzichts, um ganz am Erlösungswerk Jesu teilzunehmen. Eine Zeit der Läuterung, damit jeder von uns sein persönliches Halleluja singen kann. Damit wir zusammen mit der Auferstehung Jesu unsere eigene Auferstehung feiern können. Unter der Führung "unseres" hl. Pio.
Reue
gleich Bekehrung
Johannes
der Täufer, der Vorläufer Jesu, nimmt die Mahnung der antiken
Propheten, die Israel unaufhörlich zur Umkehr aufriefen, wieder auf
und mit noch schärferem Ton. Er spürt, daß die endgültige
Erlösung der Menschheit in Christus nahe ist.
Die
Umkehr zur Vergebung der Sünden ist der Grundgedanke seiner Predigten.
Die
Aufforderung zur Umkehr (zur „Metanoia") ist an alle gerichtet. Auch Jesus,
als er zu predigen beginnt, richtet dieselbe Aufforderung an die Menschen:
„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt
an das Evangelium!" {Mk 1,15). In dieser dringlichen Aufforderung steckt
das ganze Wesen der Heilsbotschaft Jesu.
Die
Menschen müssen die frohe Botschaft hören, das Evangelium, das
einen neuen Dialog mit Gott öffnet, einen Dialog, in welchem die Anwesenheit
Gottes von höchster Wichtigkeit ist: Die Umkehr kommt aus diesem Dialog.
Jesus
zeigt uns Augenblicke der Umkehr vor allem mit verschiedenen Gleichnissen.
Das Gleichnis, das am besten das Drama einer Umkehr beschreibt, ist das
vom „verlorenen Sohn" (Lk 15, 11-24). Hier finden wir die Faszination einer
trügerischen Freiheit, das äußerste Elend und die extreme
Erniedrigung: mit den Schweinen um das Futter streiten! Und dann die Wende:
der Gedanke an das verlorene Gut, die Reue, der Entschluß, sich schuldig
zu bekennen, der Weg zurück zum
barmherzigen Vater. Und dann
das Fest, der Beginn eines neuen Lebens, die Freude. „Einzig das Herz Christi,
das die Tiefen der Liebe seines Vaters kennt, konnte uns den Abgrund seiner
Barmherzigkeit auf eine so einfache und schöne Weise schildern" (Katech.,
1439).
Die
Bekehrung ist eine radikale Orientierung des ganzen Lebens, eine Rückkehr
zu Gott mit vollem Herzen, ein entschiedener Bruch mit der Sünde,
ein
Ekel
vor dem Bösen, die Verwerfung der begangenen bösen Handlungen.
Gleichzeitig bringt die Bekehrung den Wunsch und den Entschluß mit
sich, das Leben zu ändern, in der Gewißheit der Barmherzigkeit
Gottes und im Vertrauen auf die Hilfe Seiner Gnade.
Eine
solche Bekehrung des Herzens wird von einem heilsamen Schmerz und Traurigkeit
begleitet. Die Bekehrung ist zutiefst persönlicher, individueller
Art:
jeder
Mensch ist eine Geschichte für sich! Jeder Mensch hat einen existentiellen
Status, der gerade jene Art, jene "Modalität" der Bekehrung braucht.
Der
Ausdruck „Bekehrung" ist abstrakt, konkret ist dagegen der Mensch, dieser
eine Mensch, der sich bekehrt. Ebenso die Erlösung: sie gehört
dem Einzelnen.
Der
einzelne Mensch ist erlöst, nicht eine anonyme Menschheit! Ich bin
zur Umkehr aufgerufen, ich mit meiner Welt, mit allem, was ich habe und
bin.
Du,
der diese Warte liest, bist zur Umkehr aufgerufen; du mit deinem unwiederholbaren,
nur dir eigenen Leben, mit allem, was du hast, mit allem, was du bist.
Unser
Herz ist oft schwer und verschlossen: es ist das Werk der göttlichen
Gnade notwendig, die unsere Herzen zu IHM zurückkehren läßt
„Kehre uns, Herr, dir zu, dann können wir uns zu dir bekehren" (Klgl
5,21).
Gott
gibt mir die Kraft, neu, anzufangen: ich bekomme Kraft, wenn ich Jesus
am Kreuz betrachte, der für mich gestorben ist. Weshalb gibt es die
Fastenzeit? Weshalb die Asche auf dem Kopf?
Für
meine Bekehrung.
Reue
gleich BEICHTE
Die
Fastenzeit wurde schon immer als günstige Gelegenheit für eine
fruchtbare Beichte der eigenen Sünden gesehen. Erinnert ihr euch an
den Katechismus?
„Wenigstens
einmal im Jahr zur Beichte gehen"!
Die
Beichte befreit die Seele vor allem vom verborgenen Gift der eigenen Sünden
und drückt sichtbar die innere Umkehr aus.
Die
Bekehrung des Geistes, die „Metanoia", wird konkret verwirklicht Nach der
Sünde erkennt sie die Barmherzigkeit Gottes, im Einklang mit Jesus,
der
den Tod akzeptierte, um den Willen des Vaters zu tun und die Sünden
der Menschen zu sühnen.
Die
Beichte und das Sakrament der Buße sind notwendig, um die guten Vorsätze
und den Willen, sich zu Gott zu bekehren, sichtbar in der Kirche zu verwirklichen:
der Beichtvater versöhnt den Sünder im Namen Jesu mit der Kirche.
Es
wurde zu Recht darauf hingewiesen, daß die Ablehnung der Beichte,
die die Kirche sowohl für die Aussöhnung mit sich selbst als
auch mit Christus
anbietet,
wie ein Ablehnen der Vergebung ist.
Mein
Gedanke geht nun zur Verantwortung der Priester bei der Ausübung dieser
wichtigen Seite ihres Amtes.
Manchmal
ist es für die Gläubigen schwierig, Priester zu finden, die bereit
sind, ihre Beichte zu hören, weil sie zu sehr mit sozialen Aufgaben
beschäftigt sind. Andere Male hören wir sagen: es genügt,
ein Reuegebet zu sprechen. Und wir sehen lange Reihen von Menschen, die
zur Kommunion gehen, ohne gebeichtet zu haben.
So
nicht! Die Beichte ist ein Treffen mit der Gnade: unverzichtbar für
schwere Sünden, nützlich aber auch für die läßlichen
Sünden, als eine Reserve an geistiger Energie.
Außerdem
will der Beichtende über sich selbst sprechen, über seine Kreuze,
und er will, daß der Priester ihm zuhört, mit echter Anteilnahme.
In
meiner langen Erfahrung als Beichtvater habe ich festgestellt, daß
es früher der Priester war, der viel redete, heute ist es der Pönitent,
der nie aufhören möchte, sein Innerstes zu offenbaren.
Weshalb
diese Beichtkrise? Der Sinn für die Sünde ist verlorengegangen,
in der Kirche wird nicht mehr über die Sünde gesprochen! Die
Sünde steht m enger Beziehung zu Gott, und wenn der Glaube an Gott
fehlt, verliert die Sünde ihren Sinn.
Das
Nachlassen der religiösen Bedeutung unseres Lebens seitens vieler
Menschen führte zum Verlust des Gefühls der Gottesbeleidigung,
das heißt der
Sünde.
Man
spricht heute lieber von „Schuldgefühl", das aber nur die persönliche
psychologische Sphäre betrifft, die Beziehung zu sich selbst.
Nehmen
wir uns vor, in der kommenden Fastenzeit zur Beichte zu gehen, mit echter
Zerknirschung den Reueakt zu sprechen, und dann hinaus in die Welt zu gehen,
im Frieden mit Gott, mit uns selbst und den Mitmenschen.
Reue
gleich SELBSTMINDERUNG
Die
Bekehrung drängt zu Bußwerken, die ihr sichtbar Ausdruck verleihen.
Die
Asche, die auf unser Haupt gestreut wird, ist Symbol für Selbstminderung,
ist eine Aufforderung zum Verzicht, in Erinnerung an den Tod: "Denke daran,
daß du wieder zu Staub werden wirst...", und als Übung der Bekehrung.
Vieles
kann ein Werk der Buße sein, besonders die geduldige Annahme der
zeitlichen Übel, der Schmerzen, der Krankheiten, der körperlichen
und seelischen Prüfungen. Und nicht zuletzt: die Einsamkeit, die Gleichgültigkeit
von Menschen, die uns nahestehen und die wir lieben.
Und
die Undankbarkeit? Wie sehr sie uns verletzt! Wie sehr sie uns leiden läßt!
Ein
Werk der Buße ist auch die treue Verrichtung der persönlichen
Pflichten, als Ausdruck des göttlichen Willens. Ich denke dabei an
das Leid eines Priesters, der seine Mission mitunter ohne Früchte
sieht; an das Leid eines Ordensmannes, einer Ordensfrau, die in ihrer Gemeinschaft
nicht in Einheit, nicht in Liebe verbunden leben; an die Sorgen, die Kinder
ihren Eltern bereiten. All das im Geist der Wiedergutmachung annehmen,
ist Buße.
Die
Heilige Schrift empfiehlt weitere Werke: allen voran das Gebet (die sieben
Bußpsalmen!), dann das Fasten, die Enthaltsamkeit, die Almosen. Im
Neuen Testament ist das Fasten eine normale Bußübung: Jesus
fastete vierzig Tage und vierzig Nächte lang. Heute ist das Fasten
auf den Aschermittwoch und den Karfreitag beschränkt, früher
gab es die Nachtwachen, die Quatemberfastentage...
Heutzutage
ist das Fasten (oh weh!) Bestandteil einer Diät und Grund für
die Magersucht vieler junger Mädchen!
Almosen
sind ein Werk der Liebe und des Verzichts: wenn ich auf etwas verzichte,
um es Jesus in der Person eines Armen zu schenken, läßt Gott
sich nicht an Großzügigkeit übertreffen.
Auch
ein Wort des Trostes, ein Gruß, ein Lächeln, ein Händedruck...
sind Almosen.
Wir
müssen den Opfergeist üben, was in dieser Konsumgesellschaft
so schwer fällt „Eine satte, aber verzweifelte Menschheit!" (Paul
VI.).
Der
hl. Pio, Märtyrer des Beichtstuhls
Pater
Pio war „Der Beichtvater" schlechthin, der emsige unermüdliche Diener
des Sakraments der Aussöhnung mit Gott.
Altar
und Beichtstuhl, das sind die Bezugspunkte seines ganzen Lebens.
Am
Altar feierte er mit tiefster Anteilnahme die Erneuerung der Liebesgeste
Jesu für uns:
Er
tauchte ein in das Meer der Gnaden und des Segens, versetzte sich geradezu
in die Rolle des Erlösers, um seinerseits "miterlösen" zu können!
Und
dann schüttete er die ganze Fülle der Kreuzesgnaden über
die Sünder aus, die in der Sakristei oder beim Beichtstuhl in großer
Zahl auf ihn warteten.
Der
hl. Pio von Pietrelcina ist dem Beichtamt immer treu geblieben, bis zu
seinem Tod.
Er
möge uns zu unserem Beichtvater hinbegleiten, damit wir als Kinder
Gottes eine umfassende, volle Aussöhnung mit dem barmherzigen Himmlischen
Vater verwirklichen.
In
dieser kommenden Fastenzeit 2010.
Auftakt
zum Halleluja!
Frühlingsduft
des Geistes.
(Quelle:
"Die Stimme Padre Pios", Nr. 1, Jan/Febr 2010, S. 8ff.; I-71013 San Giovanni
Rotondo, Italien. Bestellen Sie dieses sehr schöne 2-Monatsmagazin!:
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