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Predigt von Papst
Benedikt XVI. zum Abschluß des Priester-Jahres am 11. Juni 2010 in
Rom
Zum Abschluß
des Priesterjahres wandte sich Papst Benedikt XVI. in einer feierlichen
Eucharistie auf dem Petersplatz mit bewegenden Worten an über 10000
Priester, die aus 97 Ländern nach Rom gekommen waren, um zusammen
mit dem Heiligen Vater für das Geschenk der Berufung zu danken und
ihre Treue zu Christus zu erneuern. Der Papst ermutigte die Priester, nach
dem Vorbild Christi gute Hirten zu sein, die den Menschen durch die Gebote
Gottes den rechten Weg zeigen, ihnen vorausgehen und sie führen. An
einem kleinen Punkt der Geschichte dürfe jeder Priester die Sorge
Gottes um die Menschen mittragen. Im Blick auf das göttliche Herz
Jesu, der
Quelle neuen Lebens,
das sich in Taufe und Eucharistie mitteilt, sollte jeder Priester von Christus
her ebenso zur Quelle werden, die der dürstenden Welt das Wasser des
Lebens schenkt. Die Eucharistie mit dem Papst bildete zugleich den Abschluß
eines dreitägigen internationalen Priestertreffens, bei dem verschiedene
wichtige Aspekte des katholischen Priestertums erörtert wurden. Gerne
dokumentieren wir nachstehend die Ansprache des Papstes und bitten alle
Leser, für die Priester und jene, die sich zum Priestertum berufen
fühlen, zu beten.
Das Priesterjahr,
das wir 150 Jahre nach dem Tod des heiligen Pfarrers von Ars, dem Vorbild
priesterlichen Dienens in unserer Welt, begangen haben, geht zu Ende.
Vom Pfarrer von Ars
haben wir uns führen lassen, um Größe und Schönheit
des priesterlichen Dienstes neu zu verstehen. Der Priester ist nicht einfach
ein Amtsträger wie ihn jede Gesellschaft braucht, damit gewisse Funktionen
in ihr erfüllt werden können. Er tut vielmehr etwas, das kein
Mensch aus sich heraus kann: Er spricht in Christi Namen das Wort der Vergebung
für unsere Sünden und ändert so von Gott her den Zustand
unseres Lebens. Er spricht über die Gaben von Brot und Wein die Dankesworte
Christi, die Wandlungsworte sind - ihn selbst, den Auferstandenen, sein
Fleisch und sein Blut gegenwärtig werden lassen und so die Elemente
der
Welt verändern:
die Welt auf Gott hin aufreißen und mit ihm zusammenfügen. So
ist Priestertum nicht einfach „Amt", sondern Sakrament: Gott bedient sich
eines armseligen Menschen, um durch ihn für die Menschen da zu sein
und zu handeln.
Diese Kühnheit
Gottes, der sich Menschen anvertraut, Menschen zutraut, für ihn zu
handeln und da zu sein, obwohl er unsere Schwächen kennt - die ist
das wirklich Große, das sich im Wort Priestertum verbirgt. Daß
Gott uns dies zutraut, daß er Menschen so in seinen Dienst ruft und
so sich ihnen von innen her verbindet, das wollten wir in diesem Jahr neu
bedenken und verstehen. Wir wollten die Freude neu aufleben lassen, daß
Gott uns so nahe ist und die Dankbarkeit dafür, daß er sich
unserer Schwachheit anvertraut. Daß er uns führt und hält,
Tag um Tag. So wollten wir auch jungen Menschen wieder zeigen, daß
es diese Berufung, diese Dienstgemeinschaft für Gott und mit Gott
gibt - ja, daß Gott auf unser Ja wartet. Mit der Kirche wollten wir
wieder darauf hinweisen, daß wir Gott um diese Berufung bitten müssen.
Wir bitten um Arbeiter in der Ernte Gottes, und dieser Ruf an Gott ist
zugleich ein Anklopfen Gottes ans Herz junger Menschen, die sich zutrauen,
was Gott ihnen zutraut. Es war zu erwarten, daß dem bösen Feind
dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er
lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt
hinausgedrängt wird. So ist es geschehen, daß gerade in diesem
Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden
von Priestern bekannt wurden - vor allem der Mißbrauch der Kleinen,
in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in
sein Gegenteil verkehrt wird. Auch wir bitten Gott und die betroffenen
Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, daß
wir alles tun wollen, um solchen Mißbrauch nicht wieder vorkommen
zu lassen; daß wir bei der Zulassung zum priesterlichen Dienst und
bei der Formung auf dem Weg dahin alles tun werden, was wir können,
um die Rechtheit der Berufung zu prüfen, und daß wir die Priester
mehr noch auf ihrem Weg begleiten wollen, damit der Herr sie in Bedrängnissen
und Gefahren des Lebens schütze und behüte.
Wenn das Priesterjahr
eine Rühmung unserer eigenen menschlichen Leistung hätte sein
wollen, dann wäre es durch diese Vorgänge zerstört worden.
Aber es ging uns gerade um das Gegenteil: Das Dankbar-Werden für die
Gabe Gottes, die sich „in irdenen Gefäßen" birgt und die immer
wieder durch alle menschliche Schwachheit hindurch seine Liebe in dieser
Welt praktisch werden läßt.
So sehen wir das Geschehene
als Auftrag zur Reinigung an, der uns in die Zukunft begleitet und der
uns erst recht die große Gabe Gottes erkennen und lieben läßt.
So wird sie zum Auftrag, dem Mut und der Demut Gottes mit unserem Mut und
unserer Demut zu antworten. Das Wort Christi, das wir in der Liturgie des
heutigen Tages als Eröffnungsvers gesungen haben, kann uns in dieser
Stunde sagen, was
es heißt, Priester zu werden und zu sein: „Nehmt
mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen
demütig" (Mt 11,29).
Wir feiern das Herz-Jesu-Fest
und schauen mit der Liturgie der Kirche gleichsam in das Herz Jesu hinein,
das im Tod von der Lanze des römischen Soldaten geöffnet wurde.
Ja, sein Herz ist offen für uns und vor uns - und damit das Herz Gottes
selbst. Die Liturgie legt uns die Sprache des Herzens Jesu aus, die vor
allem von Gott als dem Hirten der Menschen spricht und uns damit das Priestertum
Jesu zeigt, das im Innersten seines Herzens verankert ist und den immerwährenden
Grund wie den gültigen Maßstab alles priesterlichen Dienstes
zeigt, der immer im Herzen Jesu verankert sein und von daher gelebt werden
muß.
Ich möchte heute
vor allem die Texte auslegen, mit denen die betende Kirche auf das in den
Lesungen ausgebreitete Wort Gottes antwortet. In diesen Gesängen gehen
Wort und Antwort ineinander über. Sie sind einerseits selbst aus Gottes
Wort genommen, sind aber zugleich schon Antwort des Menschen darauf, in
der das Wort sich mitteilt und in unser Leben eintritt. Am wichtigsten
unter diesen Texten ist in der Liturgie von heute der Psalm
23 (22): „Der Herr ist mein Hirte", in dem
das betende Israel die Selbstoffenbarung Gottes als Hirten aufgenommen
und zur Wegweisung im eigenen Leben gemacht hat. „Der Herr ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen" - in diesem ersten Vers spricht sich Freude und
Dankbarkeit dafür aus, daß Gott da ist und sich um den Menschen
sorgt.
Die Lesung aus Ezechiel
beginnt mit dem gleichen Motiv: „Ich will
mich selber um meine Schafe kümmern" (Ez 34,11).
Gott kümmert sich persönlich um mich, um uns, um die Menschheit.
Ich bin nicht allein gelassen,
nicht verloren im
Weltall und in einer immer verwirrender werdenden Gesellschaft. ER kümmert
sich um mich. Er ist kein ferner Gott, dem mein Leben zu unwichtig wäre.
Die Religionen der
Welt haben, soweit wir sehen können, immer gewußt, daß
es letztlich nur einen Gott gibt.
Aber dieser Gott war
weit weg. Er überließ allem Anschein nach die Welt anderen Mächten
und Gewalten, anderen Gottheiten. Mit ihnen mußte man sich arrangieren.
Der eine Gott war gut, aber doch fern. Er war nicht gefährlich, aber
auch nicht hilfreich. So brauchte man sich mit ihm nicht zu beschäftigen.
Er herrschte nicht. In der Aufklärung ist merkwürdigerweise dieser
Gedanke zurückgekehrt. Man verstand noch, daß die Welt einen
Schöpfer voraussetzt. Aber dieser Gott hatte die Welt gebaut und sich
offensichtlich von ihr zurückgezogen. Nun hatte sie ihre Gesetzmäßigkeiten,
nach denen sie ablief, in die Gott nicht eingriff, nicht eingreifen konnte.
Gott war nur ein ferner Anfang. Viele wollten vielleicht auch gar nicht,
daß Gott sich um sie kümmere.
Sie wollten nicht
gestört sein durch Gott. Wo aber Gottes Sorge und Liebe als Störung
empfunden wird, da ist der Mensch verkehrt. Es ist schön und tröstlich
zu wissen, daß ein Mensch mir gut ist und sich um mich kümmert.
Aber noch viel entscheidender
ist, daß es den Gott gibt, der mich kennt, mich liebt und sich um
mich sorgt.
„Ich kenne die Meinen,
und die Meinen kennen mich" (Joh 10,14), betet
die Kirche vor dem Evangelium mit einem Wort des Herrn. Gott kennt mich,
sorgt sich um mich. Dieser Gedanke sollte uns richtig froh werden lassen.
Lassen wir ihn tief in uns eindringen. Dann begreifen wir auch, was es
bedeutet: Gott will, daß wir als Priester seine Sorgen um die Menschen
an einem kleinen Punkt der Geschichte mittragen. Wir wollen als Priester
Mitsorgende mit seiner Sorge um die Menschen sein, sie dieses Sich-Kümmern
Gottes praktisch erlebbar werden lassen. Und mit dem Herrn sollte der Priester
für seinen ihm anvertrauten Bereich sagen können: „Ich
kenne die Meinen,
und die Meinen kennen mich." „Kennen" ist im Sinne der Heiligen Schrift
nie bloß ein äußeres Wissen, wie man die Telefonnummer
eines Menschen kennt. „Kennen" heißt: dem anderen innerlich nah sein.
Ihm gut sein. Wir
sollten versuchen, die Menschen von Gott her und auf Gott hin zu „kennen",
mit ihnen den Weg der Freundschaft Gottes zu gehen.
Kehren wir zu unserem
Psalm zurück. Da heißt es: „Er leitet mich auf rechten Pfaden,
treu seinem Namen. MUß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich
fürchte kein Unheil - denn du bist bei mir. Dein Stock und dein Stab
geben mir Zuversicht" (23 [22], 3 f.). Der Hirte zeigt den ihm Anvertrauten
den rechten Weg. Er geht voraus und führt sie.
Sagen wir es anders:
Der Herr zeigt uns, wie man das Menschsein richtig macht. Er zeigt uns
die Kunst, ein Mensch zu sein. Was muß ich tun, damit ich nicht abstürze,
im Sinnlosen mein Leben vertue? Das ist doch die Frage, die sich jeder
Mensch stellen muß und die zu
allen Zeiten des Lebens
gilt. Und wie viel Dunkel gibt es zu dieser Frage in unserer Zeit! Immer
wieder kommt uns das Wort Jesu in den Sinn, der Mitleid mit den Menschen
hatte, weil sie wie Schafe ohne Hirten waren. Herr, hab Mitleid auch mit
uns! Zeige uns den Weg. Aus dem Evangelium wissen wir es: Er selbst ist
der Weg. Mit Christus leben, ihm nachgehen - das heißt: den richtigen
Weg
finden, damit unser
Leben sinnvoll wird und damit wir einmal sagen können: Ja, es war
gut zu leben. Israel war und ist Gott dankbar, daß er in den Geboten
den Weg des Lebens gezeigt hat. Der große Psalm 119 (118) ist ein
einziger Ausdruck der Freude darüber: Wir tappen nicht im Dunkeln.
Gott hat uns gezeigt, was der Weg ist, wie wir recht gehen können.
Was die Gebote sagen, ist im Leben Jesu zusammengefaßt und zu lebendiger
Gestalt geworden. So erkennen wir, daß diese Weisungen Gottes nicht
Fesseln sind, sondern Weg, den er uns zeigt. Wir dürfen ihrer froh
sein, und wir dürfen uns freuen, daß sie in Christus als gelebte
Wirklichkeit vor uns stehen. Er selbst hat uns froh gemacht. Im Mitgehen
mit Christus geht uns die Freude der Offenbarung auf und als Priester sollen
wir den Menschen die Freude darüber schenken, daß uns der rechte
Weg gezeigt ist.
Da ist dann das Wort
von der „finsteren Schlucht", durch die der Herrn den Menschen geleitet.
Unser aller Weg führt uns einmal in die finstere Schlucht des Todes,
in der uns niemand begleiten kann. Und ER ist da. Christus selbst ist in
die finstere Nacht des Todes hinabgestiegen. Auch dort verläßt
er uns nicht. Auch dort führt er uns. „Bette ich mich in der Unterwelt,
du bist zugegen", sagt der Psalm 139 (138). Ja, du bist zugegen auch in
der letzten Not, und so kann unser Antwort-Psalm sagen: Auch dort, in finsterer
Schlucht, fürchte ich kein Unheil. Bei der Rede von der finsteren
Schlucht können wir aber auch an die dunklen Täler der Versuchung,
der
Mutlosigkeit, der
Prüfung denken, die jeder Mensch durchschreiten muß. Auch in
diesen finsteren Tälern des Lebens ist ER da. Ja, Herr, zeige mir
in den Dunkelheiten der Versuchung, in den Stunden der Verfinsterung, in
denen alle Lichter zu erlöschen scheinen, daß
du da bist. Hilf uns
Priestern, daß wir den uns anvertrauten Menschen in diesen dunklen
Nächten beistehen können. Ihnen dein Licht zeigen dürfen.
„Dein Stock und dein
Stab geben mir Zuversicht": Der Hirte braucht den Stock gegen die wilden
Tiere, die in die Herde einbrechen möchten; gegen die Räuber,
die sich ihre Beute suchen. Neben dem Stock steht der Stab, der Halt schenkt
und schwierige Passagen zu
durchschreiten hilft.
Beides gehört auch zum Dienst der Kirche, zum Dienst des Priesters.
Auch die Kirche muß den Stock des Hirten gebrauchen, mit dem sie
den Glauben schützt gegen die Verfälscher, gegen die Führungen,
die Verführungen sind. Gerade der Gebrauch des Stockes kann ein Dienst
der Liebe sein. Heute sehen wir es, daß es keine Liebe ist, wenn
ein für das priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet
wird. So ist es auch nicht Liebe, wenn man die Irrlehre, die Entstellung
und Auflösung des Glaubens wuchern läßt, als ob wir den
Glauben selbst erfänden. Als ob er nicht mehr Gottes Geschenk, die
kostbare Perle wäre, die wir uns nicht nehmen lassen. Zugleich freilich
muß der Stock immer wieder Stab des Hirten werden, der den Menschen
hilft, auf schwierigen Wegen gehen zu können und dem Herrn nachzufolgen.
Am Ende des Psalms
ist die Rede vom gedeckten Tisch, vom Öl, mit dem das Haupt gesalbt
wird, vom übervollen Becher, vom Wohnen-Dürfen beim Herrn. Im
Psalm ist das zunächst Ausblick auf die Festesfreude, mit Gott im
Tempel zu sein, von ihm selbst bewirtet zu werden, bei ihm wohnen zu dürfen.
Für uns, die wir den Psalm mit Christus und mit seinem Leib, der Kirche,
beten, hat dieser Blick der Hoffnung noch eine größere Weite
und Tiefe gewonnen. Wir sehen in diesen Worten gleichsam einen prophetischen
Vorgriff auf das Geheimnis der Eucharistie, in der Gott selbst uns bewirtet
und sich selbst als Speise für uns gibt - als jenes Brot und als jenen
köstlichen Wein, der allein die letzte Antwort auf den innersten Hunger
und Durst des Menschen sein kann. Wie sollten wir uns da nicht darüber
freuen, daß wir täglich zu Gast an Gottes eigenem Tisch sein,
bei ihm wohnen dürfen. Wie sollten wir uns nicht freuen, daß
er uns aufgetragen hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Daß er
uns schenkt, Gottes Tisch den Menschen zu decken; ihnen seinen Leib und
sein Blut zu reichen, ihnen das kostbare Geschenk seiner eigenen Gegenwart
zu geben. Ja, wir können mit ganzem Herzen die Worte des Psalms mitbeten:
„Lauter
Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang" (23 [22], 6).
Am Ende werfen wir
noch einen kurzen Blick auf die beiden Kommunionlieder, die uns die Kirche
heute in ihrer Liturgie vorschlägt. Da ist zunächst das Wort,
mit dem der heilige Johannes den Bericht von der Kreuzigung Jesu abschließt:
„Ein
Soldat stieß mit der Lanze in
seine Seite, und sogleich
floß Blut und Wasser heraus" (Joh 19,34).
Das Herz Jesu wird von der Lanze durchbohrt. Es wird geöffnet, und
es wird zur Quelle: Blut und Wasser, die herausströmen, verweisen
auf die beiden Grundsakramente, von denen die Kirche lebt: Taufe und Eucharistie.
Aus der geöffneten Seite des Herrn, aus seinem geöffneten Herzen
entspringt der lebendige Quell, der die Jahrhunderte hindurch strömt
und die Kirche schafft. Das offene Herz ist Quell eines neuen Lebensstroms;
Johannes hat dabei gewiß auch an die Prophezeiung des Ezechiel gedacht,
der aus dem neuen Tempel einen Strom hervorkommen sieht, der Fruchtbarkeit
und
Leben schenkt (Ez
47): Jesus selbst ist der neue Tempel, und sein offenes Herz ist die Quelle,
aus der ein Strom neuen Lebens kommt, das sich uns in der Taufe und in
der Eucharistie mitteilt.
Die Liturgie des Herz-Jesu-Festes
sieht aber auch ein anderes verwandtes Wort aus dem Johannes-Evangelium
als Kommunionvers vor: Wer Durst hat, komme zu mir. Es trinke, wer an mich
glaubt. Die Schrift sagt: „Aus seinem Innern
werden Ströme lebendigen Wassers fließen" (Joh 7,37 f.).
Im Glauben trinken wir gleichsam aus dem lebendigen Wasser von Gottes Wort.
Der Glaubende wird so selbst zu einer Quelle, schenkt dem dürstenden
Land der Geschichte lebendiges Wasser.
Wir sehen es an den
Heiligen. Wir sehen es an Maria, die als die große Glaubende und
Liebende alle Jahrhunderte hindurch zur Quelle von Glaube, Liebe und Leben
geworden ist. Jeder Christ und jeder Priester sollten von Christus her
Quelle werden, die anderen Leben mitteilt.
Wir sollten einer
dürstenden Welt Wasser des Lebens schenken. Herr, wir danken dir,
daß du dein Herz für uns aufgetan hast. Daß du in deinem
Tod und in deiner Auferstehung Quelle des Lebens wurdest. Laß uns
lebende Menschen sein, von deiner Quelle lebend, und schenke uns, daß
auch wir Quellen sein dürfen, die dieser unserer Zeit Wasser des Lebens
zu schenken vermögen. Wir danken dir für die Gnade des priesterlichen
Dienstes.
Herr, segne uns und
segne alle dürstenden und suchenden Menschen dieser Zeit. Amen.
(aus: OR, 18. Juni
2010/Nr. 24)
in: "Bote von Fatima"
8/9-2010, S. 86ff., Regensburg
Dankgebet
Himmlischer Vater,
DU bist die ewige Liebe,
Deine Allmacht, Weisheit
und treusorgende Vatergüte ist unermeßlich,
Deine Liebe und Barmherzigkeit
ohne Grenzen,
Deine Gnaden und Wohltaten
unerschöpflich.
Täglich beschenkst
Du uns mit überreichen Gaben,
Täglich wollen
wir Dir danken.
Von Dir allein kommt
alles Gute, und nichts ist gut außer Dir.
Darum sei Dir von
allen Geschöpfen des Himmels und der Erde ewig Preis und Dank gesagt.
Unser Dank, vereint
mit Maria, allen Engeln und Heiligen, soll nie enden, bis wir Dich einst
loben und preisen dürfen in Deiner ewigen Herrlichkeit. Amen.
Wir wollen Gott, dem
allmächtigen Vater, ewigen herzinnigen Dank sagen für seinen
eingeborenen Sohn, Jesus Christus, unseren göttlichen Erlöser.
Alle:
Wir danken von ganzem Herzen!
Danken wollen wir
unserem lieben Heiland für sein Ja in seiner bitteren Ölbergnacht,
wo Er unsere vielen Sünden auf sich nahm, und Er, der Reinste unter
den Menschenkindern, als Gottessohn, all unsere Schuld zu tilgen verlangte
vor seinem und unserem himmlischen Vater, durch sein qualvolles Leiden
und Sterben, um uns dadurch die ewige Seligkeit zu erwerben. Wir danken...
Danken wollen wir
dem Heiligen Geist, der uns zur Erkenntnis der Wahrheit führt. Wir
danken...
Danken wollen wir
für unsere liebe Himmelsmutter, die Unbefleckte Empfängnis und
Gottesmutter Maria, unser vollkommenstes Vorbild des christlichen Lebens,
unsere Miterlöserin, Mittlerin und Fürsprecherin und ihre unermeßlich
große Liebe und Barmherzigkeit zu uns Menschen. Wir danken...
Danken wollen wir
unserem ewigen Hohenpriester Jesus Christus für das Priestertum, das
Er uns geschenkt hat, als Vermittlung zwischen Gott und den Menschen. Wir
danken...
Danken wollen wir
für das Ja zu unserem Leben und für die heilige Taufe, durch
die wir zu Kindern Gottes und Erben des Himmels geworden sind. Wir danken...
Danken wollen wir
Jesus für die liebevolle Verzeihung all unserer Sünden im heiligen
Bußsakrament. Wir danken...
Danken wollen wir
Jesus für alle heiligen Messen und seine gnadenreiche Seelenspeise.
Wir danken...
Danken wollen wir
für das Sakrament der heiligen Firmung, durch das Er uns zu Streitern
Christi ausgerüstet hat. Wir danken...
Danken wollen wir
für unsere guten Schutzengel, unsere getreuen Ermahner und liebevollen
Beschützer. Wir danken...
Danken wollen wir
für unsere Fürsprecher am Throne Gottes und ihre große
Hilfsbereitschaft. Wir danken...
Herzinnigen Dank unserer
lieben Himmelsmutter für Ihre Sühneleistung als Ersatz für
unsere Undankbarkeit. Wir danken...
Danken wollen wir
der Heiligsten Dreifaltigkeit, unserer lieben Himmelsmutter und allen Mächten
des Himmels für die wunderbare Führung und Kraft, mit der wir
im Weinberg unseres lieben Herrn und Heilandes arbeiten dürfen. Wir
danken...
Danken wollen wir
der Heiligsten Dreifaltigkeit für unsere Eltern und christlichen Erzieher,
für unsere Gesundheit, für unsern Arbeitsplatz und für alle
segensreichen Krankheiten. Wir danken...
Danken wollen wir
für alle Gnaden der Liebe, Demut, Geduld, Sanftmut, Ruhe, Dankbarkeit,
Gottesfurcht, Weisheit, Ergebung, Enthaltsamkeit, Kraft, Reinheit des Schweigens
und der Heiligkeit. Wir danken...
Danken wollen wir
dem großen Gott für alle Freunde, die uns in Freud und Leid
zur Seite stehen. Wir danken...
Danken wollen wir
für alle Feinde und Widerwärtigkeiten, an denen wir uns den Himmel
verdienen dürfen, indem wir sie lieben, wie unser Heiland sie geliebt
hat. Wir danken...
Danken wollen wir
dem unendlich barmherzigen Gott, daß wir für andere danken dürfen,
die nicht danken und zur Rettung der Seelen beitragen dürfen. Wir
danken...
Danken wollen wir
der Heiligsten Dreifaltigkeit, daß die armen Seelen uns helfen dürfen
und wir ihnen zur Abkürzung ihrer Leiden im Fegfeuer. Wir danken...
Danken wollen wir
der Heiligsten Dreifaltigkeit für die große Liebe zu uns, trotz
unserer großen Sündhaftigkeit. Wir danken...
Danken wollen wir,
daß der unendlich große Gott wünscht, daß wir IHN
lieben, trotz unserer armseligen Wenigkeit, wo wir IHN so schrecklich und
so viel beleidigen. Wir danken...
Danken wollen wir
allen, die uns verhelfen werden zu einer glückseligen Sterbestunde.
Wir danken...
Nicht kann, o Herr,
ich danken Dir genug, es soll Dir danken jeder Atemzug, es soll Dir danken
jeder Herzensschlag bis zum letzten Tag.
Es sollen Dir danken
alle meine Gedanken. O könnt ich danken Dir genug, lobpreisen sollen
Dich alle Deine Werke, glorreich und hocherhaben in Ewigkeit. Amen. — O
Maria, unsere liebe Mutter, hilf uns für alle Gnaden danken. Wir danken
Dir!
All Ihr lieben Engel
und Heiligen, helft uns danken am Throne der göttlichen Barmherzigkeit.
Wir danken Euch!
Heiliger gerechter
und dreieiniger Gott, Du siehst mit Wohlgefallen auf jene herab, die Dir
von Herzen dankbar sind und belohnst sie dafür reichlich mit Wohltaten.
In Deiner göttlichen Barmherzigkeit verzeihe allen, die sich ihrer
großen Dankesschuld nicht bewußt sind. Nimm unseren geringen
Dank an und vervollkommne ihn durch den ewigen Dank unseres lieben Herrn
und Heilandes und unserer lieben Himmelsmutter an Dich, o liebender Vater,
zur Sühne für die undankbare Menschheit, zur größeren
Ehre des Dreieinigen Gottes und zum Heile unserer Seelen. Amen.
O mein Jesus, ich empfehle
mich in Dein göttliches Herz, ich versenke mich in Deine unergründlich
überströmende Barmherzigkeit, ich übergebe mich ganz und
gar Deiner Liebe und Deiner väterliche Treue.
Ich bitte Dich, o
mein Jesus, Du mögest Dich Deinem Vater zum Ersatz anbieten für
alle Zeit, die ich armer Sünder in Deinem Dienste verloren habe. Sei
Du Deinem Vater ein vollkommenes Opfer für mein armes, undankbares
Leben. Bedecke mit Deiner großen Barmherzigkeit alle meine Sünden
und Undankbarkeiten und bilde mich durch die Macht Deiner Gnade ganz nach
Deinem heiligen Willen. Amen.
Lied: Nun danket all'
und bringet Ehr'...
Dankes-Rosenkranz
Wir danken von ganzem
Herzen Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist und Dir, liebe Himmelsmutter;
heilige Maria, Mutter Gottes, hilf Du uns armen Sündern danken, jetzt
und in der Stunde unseres Todes. Amen.
Dieser Rosenkranz
wird wie üblich mit Glaubensbekenntnis, Glaube, Hoffnung und Liebe,
Vaterunser und Ave Maria gebetet.
Segen
Der Segen des Vaters
die Liebe des Sohnes,
die Kraft des Heiligen
Geistes,
der mütterliche
Schutz der Himmelskönigin,
der Beistand der heiligen
Engel,
die Fürbitte
der Heiligen
und die Gottessehnsucht
der armen Seelen
sei mit uns und begleite
uns auf dieser Pilgerfahrt
und in unserem Alltag.
“Wenn ein Priester
segnet, segnet der Heiland!”
Ein betagter Priester
sagte einmal: Es ist mir ein großer Trost, wenn ich daran denke,
daß ich in meinem Priesterleben viel gesegnet habe, gesegnet nicht
nur die Meinen, sondern alle Menschen, besonders die Kranken, die Leidenden,
Sterbenden, alle Ungläubigen, alle Sünder und Gefangenen, alle
Gottgeweihten und Opferseelen, auch alle armen Seelen im Fegfeuer; daß
ich gesegnet habe bei Tag und bei Nacht, manchmal mit letzter Kraft auf
hartem Krankenlager. Ich durfte die Segenskraft auch bei mir spüren,
an Leib und Seele und war immer dankbar dafür.
Wer einmal in Rom
erlebte, wie Papst Pius XII. die Pilgerscharen gesegnet hat, wird das nie
mehr vergessen. Dieses Ausweiten seiner Arme, dieses Aufheben seiner Hände
gegen Himmel, als wollte er alle Gnaden von dort herunterholen, und dann
die vielen Segenskreuze nach allen Richtungen: das waren Augenblicke, die
tief ergriffen haben. Mit derselben Innerlichkeit und Ergriffenheit segnete
auch Papst Paul Vl.
Brüder, Schwestern!
Es ist etwas Großes und Heiliges um den Segen eines Papstes, und
den Segen eines Bischofs, ja eines JEDEN Priesters.
Alle Priesterhände
sind Segenshände, die des einfachen Pfarrers nicht weniger als die
des Heiligen Vaters. Sie sind geweiht von Bischofshand; sie sind gesalbt
vom Heiligen Geist. Sie bewirken aber auch die Kraft des Heiligen Geistes
und vermitteln Gottes Gnaden und Hilfe. Der Segen holt Menschen und Dinge
heim aus dem Herrschaftsbereich des Satans.“Die
ganze Schöpfung seufzt ja noch unter dem Fluch der Erbsünde”
(Römerbrief).Priesterhände strahlen
im Namen unseres Herrn Jesus Christus Segen aus über Menschen und
Tiere, über alles Geschaffene.
“Der Priesterstand
ist die Liebe des heiligsten Herzens Jesu”
Das ist das wunderbare
Wort des heiligen Pfarrers von Ars. Das Priestertum ist geboren aus dem
liebenden Herzen Jesu. Es wird immer wieder neu aus seinem liebenden Herzen
geboren. Jesus lebt im Priester, wirkt, betet, sorgt, segnet und liebt
im Priester. Der Priester ist ein zweiter Christus. So herrlich durfte
einmal eine Seele hören: “Wenn ein Priester segnet, dann segne Ich.
Dann strömen aus meinem göttlichen Herzen Gnaden in reichster
Fülle auf dich herab. Ich habe meinem Segen große Kräfte
verliehen...”
“Bedenke, daß
etwas Großes geschieht, wenn du den Segen eines Priesters empfängst.
Der Segen ist ein Ausstrahlen meiner göttlichen Heiligkeit... Durch
meinen Segen bekommst du Liebe zum Lieben, Kraft zum Leiden, Stärkung
für Leib und Seele. Mein heiliger Segen enthält alle Hilfe für
die Bedürfnisse der Menschenkinder.
Er kommt aus der unendlichen
Liebe meines Herzens. Je andächtiger er gespendet und empfangen wird,
desto gewaltiger ist seine Wirkung... Der Segen ist größer,
unendlich größer als tausend Welten... Du kannst von meinem
Segen nie genug erwarten. So oft du gesegnet wirst, bist du neu berührt
mit mir, neu geheiligt, neu eingehüllt in meines Herzens Gnade, Liebe
und Schutz... Sei ein Kind des Segens, dann wirst auch du für andere
überall ein Segen sein!”
“DAZU SEID IHR BERUFEN,
SEGEN ZU ERBEN!” (1 Petr 3, 9). Der Heiland
schenkte als letzte Tat seiner Liebe seinen Segen. Christus will in seinen
Jüngern immer segnend wirksam sein. Gewiß wollen wir eine scharfe
Grenze setzen zwischen Sakrament und Sakramentale. Letzteres ist nicht
von Christus eingesetzt und bewirkt nicht die heiligmachende Gnade, aber
es schenkt helfende Gnade kraft unseres Glaubens an die unendlichen Verdienste
Jesu Christi. Der Priestersegen schöpft aus den unendlichen Reichtümern
des Herzens Jesu und hat darum viel heilende und heiligende Kraft, viel
bannende und schützende Macht. Das heilige Opfer kann der Priester
einmal am Tage feiern, die Sakramente gelegentlich spenden, segnen aber
kann er immer und überall. Auch der kranke Priester, auch der verfolgte
und eingekerkerte.
SO ERGREIFEND ERZÄHLT
EIN KZ?PRIESTER, der lange in Dachau in einer SS?Fabrik arbeitete, wie
er eines Tages von einem Buchhalter gebeten wurde, schnell in die im Dachgeschoß
eingebaute Wohnung zu kommen und seine Familie zu segnen: “Da stand ich
nun, ein armer Häftling im Zebrakleid des KZlers. Kaum jemals hatte
ich meine Arme mit solcher Ergriffenheit ausgebreitet wie in jener Stunde.
Obwohl schon jahrelang zum Auswürfling gestempelt, war ich doch noch
Priester; denn man hatte mich gebeten, das Einzige und Letzte zu schenken,
was ich noch hatte, den Segen.”
EINE TIEFGLÄUBIGE
BÄUERIN SAGT: “So war es immer Glaube in unserem Haus: Wenn ein Priester
bei uns einkehrt, kehrt der Herr selbst ein. Wir freuen uns jedesmal über
seinen Besuch. Wir lassen keinen Priester aus unserem Hause gehen, ohne
ihn um seinen Segen zu bitten. In unserer Familie mit ihren zwölf
Kindern ist auch buchstäblich der Segen greifbar.”
EIN PRIESTER: “Wahrhaftig,
ein unendlicher Reichtum ist in meine Hände gelegt. Christus selber
will im Segen durch mich schwachen Erdenmenschen wirksam werden. Wie er
einst segnend durch die Lande ging, will er stets im Priester weitersegnen.
Ja, WIR PRIESTER SIND MILLIONÄRE NICHT AN GELD, NEIN AN GNADE, die
wir vermitteln. Wir dürfen Sendestationen des Segens sein. Irgendwo
auf der ganzen Welt sind Antennen, die die Segensstrahlung auffangen, Kranke,
Gefangene, Verstoßene usw. Mit jedem Segen aber, den wir geben, wächst
unsere Segenskraft, wächst unser Segenseifer. Was aber tut uns Priestern
mehr not als Optimismus und Freude! Diese aber wachsen mit jedem gläubig
gegebenen Segen.” — Auch in unserer heutigen bedrängten Zeit.
SO ERNST SPRICHT KATHARINA
EMMERICK: “Es ist gar traurig, wie nachlässig in unseren Tagen die
Priester mit dem Segen sind. Es ist, als wüßten sie oft nicht
mehr, was der Priestersegen ist. Viele glauben kaum daran und schämen
sich des Segens als einer veralterten und abergläubischen Zeremonie.
Viele endlich gehen mit dieser heiligen, von Jesus Christus gegebenen Kraft
und Gnade ganz gedankenlos und obenhin um. Wird das Segnen an mir versäumt,
so empfange ich wohl zuweilen von Gott den Segen, aber da der Herr das
Priestertum eingesetzt hat und ihm die Gewalt der Segnungen übergab,
muß ich oft aus der Sehnsucht nach dem Segen beinahe verschmachten.
Alles ist ja ein Leib in der Kirche, und was der eine versagt, danach muß
der andere hungern.”
EINE GOTTLIEBENDE
UNSERER TAGE SCHREIBT: “Jede Priestersegnung, die ich empfangen darf, ist
wie eine neue Lebenskraft, die mir geschenkt wird. Die Auswirkung eines
Priestersegens können wir gar nicht ermessen. Mit dem Christussegen
wächst die Christusliebe in unseren Herzen; besonders die Liebe zur
Reinheit... Ich durfte mich schon in jungen Jahren davon überzeugen.
Der Priestersegen ist so lichtvoll wie die Sonne am Mittagshimmel, wenn
sie alle große Kraft ausstrahlt. Der Priestersegen ist eine hohe
Gnade.” (Maria Th. Meyer-Bernhold, + 29.3.52.)
DER OFTMALIGE PRIESTERSEGEN
IST EIN GEBOT DER STUNDE. Der Priestersegen war noch nie so notwendig wie
heute. Eine “Zeit der Dämonokratie” hat ein berühmter Prediger
unsere Tage genannt. Es sind so viele Teufel heute am Werk.
So viel Unglück
hat seine Ursache in der Macht des Satans. Die Sünde gibt ihm Macht.
Verfluchungen und Verwünschungen tragen sehr mit bei. Darum Abkehr
vom Bösen als erstes und Abwehr im Segen als zweites! — So wie die
Radiostrahlen die Atmosphäre durchkreuzen, dürfen die Segnungen
die Welt durcheilen. Durch sie werden die bösen Geister in ihrem Wirken
stark gehindert. Priester, die viel segnen, bannen ungeheuer viel böse
Macht.
Ein Seelsorger unserer
Tage schreibt so treffend:
“Der Segen ist die
Waffe meines Herzens. Alle, die mir aus dem Wege gehen, segne ich. Alle,
die mich verleumden und hassen, segne ich. — Man flucht uns, wir aber segnen”
(1 Kor 4, 12). — “Jeden Morgen bete ich den
Exorzismus, und jeden Abend hebe ich die Hände segnend über die
Pfarrei. Das Segenskreuz reicht weit, reicht über die ganze Welt hin.
Seine Balken umfangen in der Verlängerung das ganze Weltall.”— Wie
mancher Priester segnet bei jedem Stundenschlag. Das ist eine immerwährende
Liebestat, ein Fortwirken der unendlichen Liebe Christi. Das ist ein immer
neuer Sieg über das Böse. Auf diese Weise dürfen die Segenspriester
immerzu geistige Sendestationen sein: irgendwo in der Welt sind Antennen,
das heißt segensbedürftige, segenverlangende Herzen, die dadurch
Segenskraft erlangen.
DER SEGEN VERLANGT
AUFNAHMEBEREITSCHAFT. Der Heiland hat zu seinen Aposteln gesagt: “Wo
immer ihr in ein Haus kommt, da sagt zuerst: Friede sei diesem Haus, und
wenn dort ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen;
wo nicht, so wird er auf euch zurückkehren” (Lk 10, 5).
— Das will heißen: Frieden und Segen den Häusern und den darin
Wohnenden, aber letztere müssen empfänglich dafür sein.
Die Menschen müssen den Segen gläubig erbitten. Es hängt
soviel vom Glauben und Vertrauen, von der Aufnahmebereitschaft ab.
DIE PRIESTERLICHE
HANDAUFLEGUNG WIRKT WUNDER. Das Wort bei Mk
16, 18, “Kranken werden sie die Hände auflegen, und diese werden gesund
werden”, ist schon tausendfach wahr geworden
und wird es immer wieder. Eine Kreuzträgerin unserer Tage schreibt:
“Wie oft durfte ich schon in schwerer Krankheit den priesterlichen Segen
als heilend empfinden. Wie oft bin ich schon in schwerem Fieber gelegen.
Ganz plötzlich weicht dieses; ich spüre Erleichterung, spüre
die segnende Hand des Priesters auf meinem Kopf, und das Fieber ist weg”
(Mutter M. Th. Meyer-Bernhold). Freilich soll im Sinn der Heiligen Schrift
der Arzt nicht ausgeschaltet werden (vgl. Eccli 38, 1). Bischof Waitz schreibt
in seiner “Botschaft von Konnersreuth”: “Nie noch in meinem Leben habe
ich die Kraft des Priestersegens so sehr beobachtet wie bei Therese Neumann
in ihrem schweren Leiden.”—
Was könnten der
armen kranken Menschheit durch den häufigen Priestersegen Kräfte
geschenkt werden! Spender und Empfänger aber müßten einen
bergeversetzenden Glauben haben!
EINE LEIDGEPRÜFTE
SEELE, SCHON JAHRZEHNTE KRANK: “Sehr oft schon wurde ich in meiner Krankheit
von Priestern gesegnet; jedesmal spüre ich — ich kann es gar nicht
so ausdrücken — wie mir eine Kraft zuteil wird, mein Leiden zu bejahen;
mich aufs neue ganz dem heiligen Willen Gottes hinzugeben, auch und gerade,
weil es so schwer ist. Das Bewußtsein, daß ich von einem Priester
von der Ferne sehr viel gesegnet werde, gibt mir plötzlich in den
schwersten Versuchungen und in den Stunden der tiefsten Niedergeschlagenheit
Kraft und Mut zum Durchhalten. O, wie oft hat mir der Priestersegen schon
Friede und Ruhe gebracht bei meinen inneren Kämpfen und Stürmen!”
JEDES KREUZZEICHEN
IST WIE EINE KONSEKRATION FÜR MENSCHEN und Dinge. Der Priester segnet
immer mit erhobener Hand in Kreuzesform. (Segnen
kommt vom lateinischen signare = bezeichnen.)
Damit ist klar ausgedrückt,
daß alle Segenswirkung vom Kreuzestod Christi ausgeht. Am Kreuze
geschah die Erlösung. Im Kreuz geschieht sie immer neu beim heiligen
Opfer. Von jedem Kreuzzeichen darf Erlösung ausstrahlen. Es ist das
Zeichen seines Blutes, das Zeichen seines Sieges. Consecratio mundi, die
Heiligung der Welt war das große Herzensanliegen des Heiligen Vaters
Pius XII. Durch Christi Kreuz wurde und wird immer wieder Heiligung geschenkt.
Durch den priesterlichen
Kreuzsegen erhalten nicht nur die Menschen, auch die Dinge, die Orte und
die Arbeit Weihe und Segen. Wie wunderbar sind die Segensgebete der Kirche
nicht nur über die Mütter, über die Kinder und Kranken,
sondern auch über das Wasser, das geweiht wird, über die Häuser
und Ställe, über die Arbeitsstätten, Arbeitsgeräte
und Arbeitserzeugnisse, über die Beförderungsmittel aller Art,
Traktoren, Autos und Flugzeuge. Mit dem Tagewerk des Menschen sollen alle
seine Hilfsmittel unter dem Kreuzessegen stehen, sollen konsekriert, d.
h. dem Dienste Gottes geweiht werden. Jedes Kreuzzeichen wirkt heiligend,
erst recht, wenn es von geweihter Priesterhand im Auftrag der Kirche gegeben
wird.
Es ist etwas Wunderbares
um einen Priester, der oft und oft seine gesalbten Hände zum Segen
erhebt — bei Tag und bei Nacht. Aus diesem Segen strömt so viel bannende
Kraft gegen den Bösen, so viel heilende Kraft für den Körper,
so viel heiligende für die Seelen! Priesterhände sollten nimmer
müde werden im Segnen. Immer dürfen sie im Namen der Kirche segnen.
Immer ist es der Heiland selber, der in ihnen segnet, segnet mit seiner
durchbohrten Hand, darin die Blutbahn seiner Liebe fließt. — Der
Verfasser dieses Büchleins segnet mehrmals am Tag die Leser seiner
Schriften.
AUCH DIE GOTTESMUTTER
SCHÄTZTE DEN PRIESTERSEGEN. In der “Geheimnisreichen Stadt Gottes”
berichtet Maria von Agreda: “Alle Tage erbat sich Maria von den Aposteln
den Segen. Anfangs suchten alle auszuweichen, um diese Handlung nicht Maria
gegenüber ausüben zu müssen, die sie als ihre Königin
und Mutter ihres Meisters verehrten. Die weiseste Jungfrau aber machte
es allen zur Pflicht, als Priester und Diener des Allerhöchsten ihr
den Segen zu erteilen. Sie erklärte ihnen ihre hohe Würde sowie
die Pflichten, die ihnen diese auferlegte. Da es sich nun in diesem Wettstreit
darum handelte, wer sich am meisten zu verdemütigen wisse, so war
es im voraus gewiß, daß Maria Siegerin bliebe, die Jünger
hingegen besiegt und durch das Beispiel Mariä unterrichtet werden
müßten.”
Alle Christenhände
sind Segenshände
Des Priesters Segensgewalt
ist eine amtliche, im Namen und Auftrag der Kirche, die Laien aber dürfen
segnen kraft ihres Glaubens an das Kreuz und den Namen Jesu Christi, dürfen
segnen als lebendige Glieder des geheimnisvollen Leibes Christi (Taufe),
als Tempel des Heiligen Geistes (Firmung).
Mit dem Kreuzzeichen
segnen sich alle Christen selbst. So oft sie das Kreuz über sich machen,
segnen sie ihr Denken, ihr Reden und ihr Wollen.
MIT DEM KREUZZEICHEN
DÜRFEN CHRISTEN AUCH ANDERE SEGNEN. Der heilige Franz von Assisi gab
seinen berühmten, eigenhändig geschriebenen Laiensegen als Testament
für alle kommenden Jahrhunderte.
So lautet er:
Der Herr segne dich
und bewahre dich. Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner.
Er wende sein Angesicht zu dir und gebe dir den Frieden. Der Herr gebe
dir seinen heiligen Segen. Amen.
ELTERN SIND DIE ERSTBERUFENEN
ZUM SEGNEN. Das sagt die Heilige Schrift: Des Vaters Segen stützt
der Kinder Häuser (Eccli. 3, 11).
Von Eltern gesegnet,
heißt von Gott gesegnet. Die Segenskraft der Eltern liegt zunächst
im Geheimnis ihrer schöpferischen Sendung. Sie haben Anteil an der
Schöpfermacht Gottes erhalten; sie haben die schwere Verantwortung,
nicht nur für das leibliche Wachstum ihrer Kinder zu sorgen, sondern
auch für geistiges und seelisches.
Der Elternsegen wurzelt
ferner in dem Geheimnis der priesterlichen Sendung. Durch das “große
Sakrament der Ehe” (Eph 5, 32) werden Mann und Frau, Vater und Mutter geweiht
(Sakrament der Elternweihe). Sie erhalten, wie Augustinus sagt, dadurch
eine priesterliche Kraft, die ihnen nicht mehr genommen werden wird. Die
Macht und die Kraft zu segnen liegt endlich auch in der amtlichen Würde
der Eltern als Stellvertreter Gottes. Gott selber steht hinter ihnen, er
bestätigt und erfüllt ihre Segenswünsche. Der Elternsegen
ist gleichsam “das Sakramentale des häuslichen Herdes”. Weil am Elternsegen
so viel gelegen ist, darum sollen Vater und Mutter vom ersten Tag an ihr
Kind segnen, schon wenn die Mutter das neue Leben unter dem Herzen spürt
und es dem Lichte entgegentragen darf. Gläubig und vertrauensvoll
sollen sie mit Weihwasser das Segenskreuz über ihre Kinder machen
und dabei sprechen: “Durch die Fürsprache Mariens segne dich Gott
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.” Es soll in unseren
katholischen Familien die Regel gelten:
Kein Tag ohne Elternsegen!
“Wenn das Kind den
Elternsegen von klein an gewöhnt ist, wird sich selbst der 14-jährige
nicht genieren, wenn Vater und Mutter ihn vor dem Schlafengehen segnen”,
so sagt eine erfahrene Mutter. Gebt darum, liebe Eltern, täglich den
Morgen? und Abendsegen für eure Kinder; gebt den Elternsegen besonders
am Tag der ersten heiligen Kommunion. Gebt ihn, wenn ein Kind in die Fremde
geht, und vergeßt nie, eure Kinder in der Fremde zu segnen. “Elternsegen
geht über Berg und Tal und findet die Kinder überall.” Gebt auch
den elterlichen Segen mit Weihwasser und Kreuzzeichen am Morgen des Hochzeitstages
und ganz besonders in der Stunde eures Sterbens. Dieser letzte Segen faßt
alle Segnungen des ganzen Lebens noch einmal zusammen und begleitet eure
Kinder hilfreich auf allen Wegen. Darum sagt der heilige Cyprian: “Legt
die Krone nicht ab! Legt die Stola nicht weg, ihr Könige und Hohenpriester
der Familie!”
Das Recht zu segnen,
besitzen auch die Großeltern und Urgroßeltern für ihre
Kindeskinder, auch Erzieher und Erzieherinnen und nicht zuletzt alle Brautleute
und Gatten. Gerade letztere sollen sich immer wieder mit einem Kreuzlein
gegenseitig auf die Stirn segnen. Sie geben sich viel Kraft dabei, bändigen
ungestüme Leidenschaft, lösen gewittrige Spannungen und heiligen
Leib und Seele.
ERGREIFEND SCHREIBT
EINE HOCHBETAGTE, EDLE MUTTER: “Hochwürden, immer suchte und begehrte
ich von Herzen den Priestersegen, aber auch ich segnete Tag und Nacht,
beim Arbeiten und Rasten, beim Sorgen und Freuen, beim Lachen und beim
Weinen; immer im Namen Jesu! Gar oft bewegte sich ganz unbemerkt und ganz
heimlich, verbunden mit “Seiner” Hand in den verschlungensten Lebenslagen
meine Rechte, und immer ist ein Segenskreuzlein meine Waffe und Hilfe gewesen.
Vor vielen Jahren wurde ich plötzlich Witwe; ich verlor den besten
Mann, mit dem ich in unaussprechlich glücklicher Ehe lebte. Ich hatte
ein vierjähriges Büblein, einen Hof mit 150 Hektar und 20 Arbeitern
und meine schwachen Hände, dazu, Gott sei Dank, ein unbändiges
Gottvertrauen. Damals rief ich in der ersten Not: ‘Lieber Herrgott, geh
Du jetzt mit mir, gib mir Deine Hand und gehen wir zu zweit! Niemand kann
und soll es wissen, wie wir jetzt zusammengehen und wie wir uns bei den
Händen halten. Ich suche nichts mehr als Deine Hand und Deinen Willen,
ich suche nichts mehr als meine Pflichten allein, allen gegenüber.’
Betend und segnend fing ich an zu wirtschaften, ging Kreuzlein machend
durch Haus und Hof, durch Felder, Wiesen und Wald. Ich segnete Dürre,
Nässe, Hagel (oft 90 Prozent) und Mißwuchs. Ich segnete Arbeiter
und Wohnstätten; segnete die Stallungen in Glück und Unglück,
segnete alle die Meinen; segnete die Büblein Tag und Nacht; segnete
sie später beim Weggehen zum Studium und wenn sie heimkamen. Ja, als
kleinen Kindern zeichnete ich ihnen mitten in der Nacht ein Kreuzlein auf
die Stirne, und manchmal dachte ich es mir, es wäre kein Wunder, wenn
jeder, nun volljährig geworden, ein Kreuzlein auf der Stirne trüge.
So oft zeichnete ich es ihnen auf die Stirne und gar, als sie an die Front
mußten. Was hab ich von da an gesegnet! Jeden Abend ging ich in ihr
Zimmer und segnete es; sie selber aber in der Ferne. Und gab ich ihnen
die Hände zum Gruß oder Abschied, dann außer einem Segenskreuzlein
auf die Stirne auch eines unbemerkt in die hohle Hand. Und abends ging
ich zu einem kleinen Muttergottesstöckl, betend und segnend in die
Richtung, wo ich sie wußte. (Sie waren lange im Feindesland.)
Bomben und Krieg,
Not und Plünderung gingen wie durch ein Wunder am alten väterlichen
Hof vorbei. Alles konnte ich überwinden, überbrücken und
rechtlich bezahlen; ich konnte neue und schöne Arbeiterwohnstätten
errichten; dem lieben Gott manche Freude bereiten durch mannigfache Kirchenspenden;
konnte den Söhnen jedwede Bildung zuwenden und brave, Jahrzehnte hier
arbeitende Taglöhnerfamilien in reichlicher Zahl beschäftigen.
Alles, alles schreibe ich ganz allein Gottes Segen zu. Alles der heimlichen
Hand, die mich bei Tag und Nacht führte, und die mit mir segnete.
Es war trotz der vielen Dornen ein gesegneter, schöner Lebensweg mit
Jesus zu zweit.”
Und zum Schluß
stehen die wunderbaren Sätze: “Weil wir als Katholiken aber weltweit
denken und lieben sollen, so machte ich ein Segenskreuzlein immer auch
in die Ferne hin zum Heiligen Vater, zu unseren Bischöfen und Priestern,
zu unseren Theologen und auch zur Diaspora. Dies ist das stille Geheimnis,
das ich am Abend meines Lebens einem Priester lüften wollte.”
Inzwischen hat sich
Gottes liebende Hand wieder schwer auf diese edle Mutter gelegt und ihr
ein ganz hartes Krankheitskreuz aufgeladen. Trotzdem segnet sie weiter.
Ja, ihr Segen wird geradezu jetzt verzehnfacht, ja verhundertfacht werden.
Kreuzzeichen bedeutet
heimholen zu Christus
Durch seinen Liebestod
am Kreuze hat Christus den Fluch der Sünde von der Welt genommen.
Weil aber Menschen und Dinge immer wieder dem Fluch durch Schuld und Sünde
verfallen, muß die Kirche in seinem Namen immer wieder Erlösung
bewirken helfen. Das geschieht vornehmlich durch das heilige Meßopfer
und die Sakramente, aber auch durch die Sakramentalien: Priestersegen,
Weihwasser, geweihtes Licht, geweihtes Öl usw. Jedes gläubig
gemachte Kreuzzeichen ist schon ein Segenszeichen. Vom Kreuze ergießt
sich ein Segensstrom durch die Welt, hinein in jede Seele, die an Gott
und die Kraft des Kreuzes glaubt. Jeder gottverbundene Mensch darf mit
dem heiligen Kreuzzeichen jedesmal Erlösung vollziehen. Der Segen
des Kreuzes ist ja der Segen des Blutes Christi. Das Kreuz ist das Zeichen,
das immerzu Liebe ausstrahlt. Es darf heimholen zu Christus. Ja, das Kreuzzeichen
schon bedeutet ein Heimholen zu Christus und durch ihn zum Vater. Wer den
Glauben eines Kindes hat, wird das begreifen.
Darum haben die Christen
schon von Anfang an sich und die anderen mit dem heiligen Kreuzzeichen
gesegnet. Schon Tertullian berichtet davon. So müßten darum
auch wir alle das Kreuzzeichen viel häufiger machen; über uns
und über andere, und mit größerer Ehrfurcht, mit tieferem
Glauben. Es ist das Zeichen höchster Liebe, es ist das Zeichen immerwährenden
Sieges. “In diesem Zeichen wirst du siegen.”
DER SEGEN GEHÖRT
ABSOLUT ZUM CHRISTEN. So hat der Heiland gesagt: “Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen bittet, so wird er es euch
geben” (Joh 16, 23). Wo immer also der Name des Herrn steht, da ist der
Segen, wo immer das Zeichen seines heiligen Kreuzes damit verbunden wird,
ist Hilfe. “Du klagst über die Schlechtigkeit der Welt oder über
die Rücksichtslosigkeit und den Unverstand deiner Umgebung. Deine
Geduld und Nerven werden manchmal auf eine harte Probe gestellt und gehen
dir oft durch, trotz der besten Vorsätze; versuch einmal das Mittel
und Rezept des täglichen Segens” (P. Kieffer OCap.). Nimm also jeden
Morgen Weihwasser, mach ein Segenskreuzlein und sprich: “Im Namen Jesu
segne ich meine ganze Familie, segne alle, die mir heute begegnen; segne
alle, die sich meinem Gebet empfohlen haben; segne unser Haus und alle,
die da gehen ein und aus.” — Es gibt eine größere Anzahl Männer
und Frauen, die das täglich tun. Der Erfolg bleibt nicht aus, auch
wenn die Wirkung nicht immer gleich greifbar ist. Hauptsache: Das Kreuzzeichen
sehr langsam machen und die Gebetsworte mit Seele sprechen.
O WIE VIEL HABE ICH
GESEGNET! So berichtete die Oberstleutnantsgattin Maria Theresia Meyer-Bernhold.
“Ich stand als erste am frühen Morgen auf, segnete den noch ruhenden
Mann, betete oft über ihn geneigt und gab ihm Weihwasser; dann trat
ich in das Kinderzimmer, weckte die Kleinen, faltete ihre Händchen
und ließ sie das Morgengebet laut verrichten, dann machte ich auf
ihre Stirne das heilige Kreuzzeichen, segnete sie und sprach kurz irgend
etwas über den heiligen Schutzengel.
Wenn sie alle vom
Hause weggegangen waren, Vater und Kinder, dann fing ich das Segnen nochmals
an. Meistens ging ich durch alle Zimmer und bat um Schutz und Segen. Dabei
erwähnte ich stets: “Alle, die Du mir anvertraut hast, mein Gott,
halte sie in Deinen Vaterhänden, alles Gut, alle Habe, die ich verwalte;
denn alles ist Dein Eigentum. Du hast es gegeben. Bewahre es vor Schaden;
möge es uns dienen, doch nie zur Sünde gereichen.”
Wenn bei mir GÄSTE
geladen waren, so betete ich vielfach für sie, bevor diese mein Heim
betraten und schickte ihnen den Segen. Sehr häufig wurde mir gesagt,
daß man bei mir so etwas Besonderes, einen großen Frieden empfände.
Es läge eine unbegreifliche Ruhe in meinen Räumen. Oft geschah
es, daß mir Damen sagten: ‘Maria, ich habe mich bei Ihnen innerlich
wieder erholen dürfen. Ich danke Ihnen dafür aufrichtig. Wie
schön, daß Sie glauben können. Wir bringen es nicht fertig.
Wir sind arm; Sie sind glücklicher als wir. Wir fühlen das, wenn
wir bei Ihnen sind. Beten Sie für uns! Segnen Sie uns!’ — Das hörte
ich von Andersgläubigen und Ungläubigen. Sie alle fühlten
es und brachten es zum Ausdruck. Segen und Gebet, das ist der große
Ozean mit dem heilbringenden Wasser, wodurch die Seelen Ruhe finden.
Welch einen Eindruck
machte es auf meine Seele, wenn diese Armen vor mir standen, für Augenblicke
vergessend, was sie sind, wo ihnen der Reichtum nichts mehr bedeutete,
ihr Reichtum — , ihre Augen mit dem bittenden Ausdruck auf mich gerichtet,
die ärmer war als sie, weit ärmer.
O, ich liebte diese
Seelen, welche so wenig oder gar nichts um die Gottesnähe wußten!
Ich hätte sie in meiner Liebe umarmen können, und ich versprach,
für sie zu beten. Ich tat aber mehr als das. Ich litt für sie
und schenkte ihnen durch den Segen Liebe aus meinem Herzen, das ja ganz
Gott angehörte. — Auf der Straße bei meinen Besorgungen oder
sonstigen Gängen segnete ich gar viele Menschen, welche an mir vorübergingen;
mit Vorliebe aber die gesegneten Frauen und die Arbeiter.”
“Befand ich mich außerhalb
der Stadt, dann gehörte meine Liebe der Natur, der reifenden Saat,
den Blumen. O, wie viel habe ich da gesegnet — auch Kirchen segnete ich
gern. Wie oft sprach ich dabei: ‘Vater, segne Dein Haus! Schütze es!
Lasse es hineinstrahlen in die erkalteten Herzen der Großstadt! Rufe
die Menschen zu Dir!’ —
Des Nachts stehe ich
gern segnend am Fenster. Ich segne die Sorgen der Welt, die Schmerzen der
Menschen; ich segne nach Rom, von wo aus viel Segen gegeben wird, ich segne
Sie mit Ihrer Pfarrgemeinde, die Seminare; ich segne Seelen, die mir anempfohlen
sind, ich segne die Gefängnisse, die Sterbenden, alle, die im Augenblick
in Gefahr sind. Ich blickte auf zum Firmament und segne liebend die Sternenstraße
am Himmelszelt. Und so segne ich oft und lange in die Stille der Nacht
hinaus, segne vieles, was unerwähnt bleibt.
Es ist wohl nicht
viel, was ich Ihnen sagen konnte; aber ich habe es erleben dürfen
an mir und an anderen, daß Segnungen eine lebendige, große
Kraft sind und daß immer wieder gilt: ‘Am Segen ist alles gelegen...’
Gebe Gott, daß
in meiner Sterbestunde eine Priesterhand mich segnen darf, weil ich den
Segen so sehr liebte und im Leben übte.”
Der Herr hat diese
Bitte erfüllt. Der Heilige Vater selbst schickte ihr am 25. März
1952 seinen persönlichen Segen; am selben Tage besuchte sie der hochwürdigste
Herr Weihbischof von R., zwei Marktredwitzer Primizianten breiteten ein
paarmal in diesen letzten Lebenstagen die Segenshände über sie
aus und auch in der letzten Stunde am 29. März stand ein Priester
segnend an ihrem Sterbelager. (Siehe: “Briefe der Gottesliebe”, Credo-Verlag,
von A. M. Weigl herausgegeben.)
DIE KRAFT IHRES SEGENS
WAR SPÜRBAR: Von der am 3. November 1958 in Altötting heiligmäßig
verstorbenen wahrhaft edlen Freiin von Gebsattel, die als 60-jährige
in die Gemeinschaft der Schwestern vom heiligen Ludwig Maria Grignion eintrat
und diese die letzten fünf Jahre ihres Lebens leitete, schreibt eine
Schwester ergriffen: “Es ist mir noch wie heute und bleibt mir unvergeßlich,
wie ich das erste Segenskreuzlein von Mutter Ancilla bekam, das mir durch
und durch ging. Die paar Worte von der Ergebung und Hingabe, die sie mir
dazu sagte, gaben mir sehr viel Mut und Kraft und begleiteten mich durch
meine Krankheit. Es war gerade zu Beginn derselben, und ich ahnte noch
nicht, daß ich über zwei Jahre in der Lungenheilstätte
zubringen würde.”
Eine andere Schwester
schreibt: “Ein besonderer Zug in ihrem Leben war ihre segnende Hand. Ihr
Segnen geschah mit einer Ehrerbietung, wie das nur bei heiligen Seelen
sein kann. Selbst als sie kaum mehr sprechen konnte, und ihr jeder Besuch
zu viel war, durften wir doch noch täglich zu ihr kommen, um das Segenskreuz
zu empfangen.”
Wenn ich es nur zu
erkennen gab, wie wirksam ihr Segenskreuzlein gewesen, so lenkte sie sogleich
ab und sagte: “Das war nicht ich; das hat die Mutter Gottes getan” (vgl.
Weigl: “Eine große Liebende” Grignion-Verlag, Altötting).
Unsere Zeit braucht
viel, viel Segen!
PRIESTER- UND LAIENSEGEN.
Leben wir nicht in einer leiderfüllten, bedrängten, ja gefahrvollen
Zeit? Wie oft hat unser Heiliger Vater darauf hingewiesen.
Ja, es brauchen die
Menschen unserer Tage viel Segen. Im Namen und im Zeichen Jesu Christi.
Es gibt aber manche Priester und auch Laien, die TÄGLICH GOTTES Segen
auf ALLE Menschen herabrufen, auf alle Hungernden und Bedrängten,
alle Verfolger und Verfolgten, auf alle Schwachen und Sünder, auf
alle Priester und Ordensleute, auf die Diaspora und die Heidenmission,
auf die Kirche Gottes und alle Völker der Erde; nicht zuletzt auch
auf alle armen Seelen im Fegfeuer. Sie nehmen jeden Morgen und Abend Weihwasser
und spritzen es nach den vier Himmelsrichtungen, machen ein Kreuzzeichen
mit dem Daumen oder einem kleinen Kreuzlein und sprechen: “Es möge
Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist durch Maria, die Mutter aller
Gnaden, segnen alle Hungernden und Bedrängten usw.” Durch Taufe und
Firmung hat uns Christus innigst mit seinem Leben und seiner Sendung verbunden.
Darum darf jeder segnen; darum kann jeder nicht genug segnen!
Im “MARlANlSCHEN SEGENSKREIS”,
der am 30. November 1953 von der erzbischöflichen Behörde in
Paderborn genehmigt wurde, haben sich aus allen Gauen Deutschlands Priester
und Laien zusammengeschlossen, die sich unter Anrufung der Fürbitte
Mariens täglich mehrmals, besonders um neun Uhr abends, aus der Ferne
segnen. Dabei schließen sie auch alle Priester und Ordensleute der
ganzen Welt ein. Ein herrliches Segensapostolat, durch das viel Segen und
Kraft zuströmt. Auch du kannst beitreten. Anmeldung bitte
in DEUTSCHLAND an
Marianischer Segenskreis
Untere Bergstr.
7
D-56244 Leuterod
Tel.: +49 2602
7272
, und
in ÖSTERREICH:
An Schriftleitung des Benediktusboten, A-5152 Michaelbeuren, Nr. 1.
Es gibt fast 400 000
Priester auf dem weiten Erdenrund; es gibt über 600 Millionen katholische
Christen. Welch ungeheure Segenskraft steckt in diesen allen! Sie könnten
eine siegreiche Armee werden; aber jeden Tag müßte diese Segensgnade
aus gläubig-liebendem Herzen genützt werden. So werde auch DU
ein Segensspender!
Herr, gib mir Segenshände,
ganz makellos und rein, die Deinen Segen lenken in unsere Welt hinein!
Segensformeln, die
von Laien gebraucht werden können
Von der Leitung des
“Marianischen Segenskreises” wird empfohlen, ein Kreuzlein, z. B. das Rosenkranzkreuzlein,
zu nehmen und damit nach den vier Himmelsrichtungen ein Segenskreuz mit
den Worten zu machen: “Auf die Fürbitte der Allerseligsten Jungfrau
und Gottesmutter Maria segne euch der Allmächtige Gott, + der Vater,
+ der Sohn und + der Heilige Geist. Amen.”
Andere, auch kirchlich
gutgeheißene Formeln, lauten:
Der Segen des Vaters
und die Liebe des
Sohnes
und die Kraft des
Heiligen Geistes,
der mütterliche
Schutz der Himmelskönigin,
die Vatermacht des
heiligen Josef,
der Beistand der heiligen
Engel,
die Fürbitte
aller Heiligen
und die Gottessehnsucht
der armen Seelen
sei mit dir und den
deinen
und begleite euch
überall und alle Zeit! Amen.