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Papst Benedikts mystagogische Belehrung über das eucharistische Geheimnis

Auf mystagogische Weise führte der Papst Benedikt XVI. seine Zuhörer am Gründonnertagabend im Petersdom in die Mitte des eucharistischen Geheimnisses ein. Dafür sei „große innere Wachheit“ nötig, erklärte der Papst den Gläubigen gestern Abend, und lud sie zu einer meditativen Durchdringung, einer intensiveren Wahrnehmung des liturgischen Gebetes mit allen fünf Sinnen ein.

„Versuchen wir also, neu dem Einsetzungsbericht zuzuhören, wie ihn die Kirche von der Schrift her im Hinschauen auf den Herrn selber formuliert hat“, erklärte Benedikt XVI.in seiner Predigt in der Messe zum letzten Abendmahl.

„Wir wollen aber vor allem darum bitten, daß wir Augen haben für alles Wahre, Helle, Gute; daß wir sehend werden für die Gegenwart Gottes in der Welt. Daß wir mit Augen der Liebe, mit Jesu Augen in die Welt schauen und so die Brüder und Schwestern erkennen, die unser bedürfen, die auf unser Wort und unsere Tat warten“.

Die Liturgie des Gründonnerstags sei „zunächst Erinnerung an das Pascha von damals“, so der Papst. „Aber es ist doch mehr. Mit dem Hochgebet treten wir in dieses Heute hinein... Unser Heute berührt sich mit seinem Heute. Er tut es jetzt.“

Die betende Kirche blicke hin auf die Hände und auf die Augen des Herrn. „Sie will gleichsam zusehen, sie will die Gebärde seines Betens und Tuns in dieser einzigartigen Stunde wahrnehmen, gleichsam auch über die Sinne der Gestalt Jesu begegnen.“

Nur im Beten vollziehe sich der „priesterliche Akt des Verwandelns, der Transsubstantiation unserer Gaben von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi“, so der Bischof von Rom. „Der Herr dankt. Im Danken anerkennen wir, daß etwas Gabe ist, die von einem anderen kommt. Der Herr dankt und gibt damit das Brot, ‚die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit’, an Gott zurück, um es von ihm her neu zu empfangen. Danken wird segnen. Was Gott in die Hand gegeben ist, kehrt von ihm gesegnet, verwandelt zurück.“

Zum Moment, in dem Jesus das Brot in seine „heiligen und ehrwürdigen Hände“ nimmt, wie es im ersten Hochgebet heißt, erklärte Benedikt XVI.: „Wir schauen auf die Hände hin, mit denen er Menschen geheilt hat; auf die Hände, mit denen er Kinder gesegnet hat; auf die Hände, die er Menschen aufgelegt hat; und auf die Hände, die am Kreuz angenagelt wurden und die für immer die Wundmale als Zeichen seiner todbereiten Liebe tragen.“

Die Betrachtung, die Kontemplation führe zum Handeln, zur Nachahmung. Deshalb ermutigte der Papst alle Christen: „Nun sind wir beauftragt zu tun, was er getan hat: das Brot in die Hände zu nehmen, damit es durch das eucharistische Gebet verwandelt werde. In der Priesterweihe sind unsere Hände gesalbt worden, damit sie Segenshände werden. Bitten wir den Herrn, daß unsere Hände immer mehr dem Heil, dem Segen, der Vergegenwärtigung seiner Güte dienen!“

Die Nahrung, die jeder Mensch benötige, „ist die Gemeinschaft mit Gott selber“, betonte der Papst. „Ja, es geht um Verwandlung. Um den neuen Menschen und um die neue Welt, die im konsekrierten, verwandelten, transsubstantiierten Brot anbricht... Zugleich sehen wir, daß Eucharistie nie bloß liturgische Handlung sein kann. Sie ist nur ganz, wenn aus liturgischer Agape Liebe im Alltag wird. Im christlichen Kult ist beides eins – das Beschenktwerden durch den Herrn im gottesdienstlichen Akt und der Gottesdienst der Liebe dem Nächsten gegenüber“.

Abschließend wies Benedikt XVI. darauf hin, was immer wieder ganz konkret geschieht, wenn Eucharistie gefeiert wird: „Gott, der lebendige Gott, tritt mit uns in eine Gemeinschaft des Friedens, mehr, er schafft ‚Blutsverwandtschaft’ zwischen sich und uns“, so der Papst. „Bitten, wir daß es seine verwandelnde Kraft in unserm Innern entfalte, damit wir wahrhaft Blutsverwandte Jesu werden, von seinem Frieden durchdrungen und so auch einander zugehörig“, erklärte Benedikt XVI. und betete abschließend: „Herr, heute schenkst du uns dein Leben, schenkst uns dich selbst. Durchdringe uns mit deiner Liebe. Laß uns in deinem Heute leben. Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens.“



Die österlichen drei Tage: Benedikt XVI. erklärt ihre Bedeutung

Die Riten der Karwoche standen heute, Mittwoch, im Mittelpunkt der Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. Vor rund 40.000 Pilgern und Besuchern betonte der Heilige Vater, daß die Karwoche für die Christen „die wichtigste Woche des Jahres“ sei.

Die Riten der „Heiligen Woche“ beginnen am morgigen Gründonnerstag mit der Abendmahlsmesse und stellen nach Worten des Bischofs von Rom eine wunderbare Gelegenheit dar, „um sich immer tiefer in das Ostergeheimnis zu versenken“. Das „Sacrum Triduum“, wie die österlichen drei Tage genannt werden, schenke den Gläubigen die Möglichkeit, des Leidens, des Sterbens und der Auferstehung Christi zu gedenken.

Benedikt XVI. rief den Anwesenden den Hymnus aus dem Philipper-Brief, in dem das gesamte Heilsgeheimnis betrachtet und dem Hochmut des Adams die Demut Christi gegenüber gestellt werde, der sich als Sohn Gottes bis hinein in die Tiefe des Todes und der Auferstehung erniedrigt habe, aus der heraus er schließlich verherrlicht worden sei.

Dieses Geheimnis sei wunderbar und überraschend zugleich, fuhr der Papst fort. Auch wenn Jesus Gott sei, habe er aus dem, was sich daraus ergibt, kein Werkzeug des Triumphes machen wollen. Vielmehr habe er sich entleeren und die niedrige menschliche Gestalt annehmen wollen.

Die göttliche Gestalt sei bei Christus in der menschlichen, von Leid, Armut und Tod gezeichneten Gestalt verborgen gewesen, so Benedikt XVI. Christus habe aus Liebe auf radikale und vollkommen wahrhaftige Weise die menschliche Natur in allem außer der Sünde angenommen. Sein Tod sei ihm nicht vom blinden Zufall auferlegt worden, sondern entstamme einer freien Entscheidung, insofern er dem Heilsplan Gottes großherzig gefolgt sei. „Und der Tod, den er wählte, war der Tod am Kreuz, das heißt der erniedrigenste Tod, den man sich vorstellen kann.“

An all diese Dinge denke man in den Tagen des österlichen Triduums, das am Gründonnerstag in der Chrisammesse und der Segnung der heiligen Öle sein „Präludium“ habe. Während dieser Messe „erneuern die Priester ihre priesterlichen Gelübde“, erklärte der Papst. Diese Geste, mit der die Priester ihre Treue zu Christus bekräftigten, sei von großer Bedeutung. „Diese Begegnung ist gleichsam eine Vorbereitung auf das Priesterjahr“, sagte Benedikt XVI. mit Blick auf das Jubiläumsjahr, das er anläßlich des 150. Todestages des heiligen Pfarrers von Ars ausgerufen hat. Die feierliche Eröffnung des Priesterjahres wird am 19. Juni stattfinden.

Bei der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag wird, wie der Papst heute erläuterte, der Einsetzung der Eucharistie und des „neuen Gebotes“ der Liebe gedacht. Der Gründonnerstag sei somit die immer wieder neu aktualisierte Einladung, Gott für das höchste Geschenk der Eucharistie zu danken. Aus diesem Grund lade die Kirche die Gläubigen dazu ein, vor diesem Sakrament zu wachen und so an die einsame Stunde Jesu im Getsemani zu erinnern.

Der Karfreitag vereine die Christen mit dem Schmerz Jesu am Kreuz, erklärte der Papst anschließend. „So entdecken wir den Sinn der Worte: ‚Das ist das Blut des Bundes, das für viele vergossen worden ist.’“ Das Geheimnis des Leidens sei genauso unfaßbar wie das Geheimnis der Eucharistie: „ein Gott, der Mensch geworden ist und sterben will, um die Sünden der Menschen auf sich zu nehmen, den Haß und die Gewalt, die die Erde mit Blut besudeln“.

Papst Benedikt wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Passion weiter andauere, wie der Philosoph Blaise Pascal geschrieben habe: Jesus werde bis zum Ende der Welt im Todeskampf liegen.

Der Karfreitag biete sich dazu an, „unseren Glauben und unsere Hoffnung zu festigen, den Mut, unser Kreuz zu tragen“, so Papst Benedikt. Diese Hoffnung nähre sich von der großen Erwartung des Karsamstags, „von der Erwartung der Auferstehung“.

Die schmucklose Kirche verharre am Karsamstag in Erwartung und bete wie Maria, indem sie deren Schmerz und Vertrauen teile – „in einer betenden Atmosphäre, die die Meditation, die Versöhnung und die Sammlung begünstigt“. Diese Gebetsgesinnung begleite die Christen schließlich zur „Mutter aller Nächte“, wenn von neuem der Sieg des Lichts über die Finsternis, des Lebens über den Tod verkündet werde.

Abschließend forderte Papst Benedikt XVI. die Gläubigen auf, die österlichen drei Tage intensiv zu leben, um immer tiefer am Geheimnis Christi Anteil zu haben. (OR)


Stabat Mater Dolorosa
Christi Mutter stand mit Schmerzen
bei dem Kreuz und weint von Herzen,
als ihr lieber Sohn da hing.
Durch die Seele voller Trauer,
scheidend unter Todesschauer,
jetzt das Schwert des Leidens ging.

Welch ein Schmerz der Auserkornen,
da sie sah den Eingebornen,
wie er mit dem Tode rang.
Angst und Jammer, Qual und Bangen,
alles Leid hielt sie umfangen,
das nur je ein Herz durchdrang.

Ist ein Mensch auf aller Erden,
der nicht muß erweichet werden,
wenn er Christi Mutter denkt,
wie sie, ganz von Weh zerschlagen,
bleich da steht, ohn' alles Klagen,
nur ins Leid des Sohns versenkt?

Ach, für seiner Brüder Schulden
sah sie ihn die Marter dulden,
Geißeln, Dornen, Spott und Hohn;
sah ihn trostlos und verlassen
an dem blutgen Kreuz erblassen,
ihren lieben einzgen Sohn.

O du Mutter, Brunn der Liebe,
mich erfüll mit gleichem Triebe,
daß ich fühl die Schmerzen dein;
daß mein Herz, im Leid entzündet,
sich mit deiner Lieb verbindet,
um zu lieben Gott allein.

Drücke deines Sohnes Wunden,
so wie du sie selbst empfunden,
heilge Mutter, in mein Herz!
Daß ich weiß, was ich verschuldet,
was dein Sohn für mich erduldet,
gib mir Teil an seinem Schmerz!

Laß mich wahrhaft mit dir weinen,
mich mit Christi Leid vereinen,
so lang mir das Leben währt!
An dem Kreuz mit dir zu stehen,
unverwandt hinaufzusehen,
ist's, wonach mein Herz begehrt.

O du Jungfrau der Jungfrauen,
wollst auf mich in Liebe schauen,
daß ich teile deinen Schmerz,
daß ich Christi Tod und Leiden,
Marter, Angst und bittres Scheiden
fühle wie dein Mutterherz!

Alle Wunden, ihm geschlagen,
Schmach und Kreuz mit ihm zu tragen,
das sei fortan mein Gewinn!
Daß mein Herz, von Lieb entzündet,
Gnade im Gerichte findet,
sei du meine Schützerin!

Mach, daß mich sein Kreuz bewache,
daß sein Tod mich selig mache,
mich erwärm sein Gnadenlicht,
daß die Seel sich mög' erheben
frei zu Gott im ewgem Leben,
wann mein sterbend Auge bricht!