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„Ich
möchte denen, die leiden, und denen, die zu kämpfen haben und
versucht sind, dem Leben den Rücken zu kehren, voll Demut sagen: Wendet
euch Maria zu!“, erklärte der Heilige Vater. „Im Lächeln der
Jungfrau findet sich geheimnisvoll verborgen die Kraft, um den Kampf gegen
die Krankheit und für das Leben weiterzuführen. Bei ihr findet
man ebenso die Gnade, ohne Angst und Bitterkeit den Abschied von dieser
Welt in der von Gott gewollten Stunde anzunehmen.“
Im Lächeln der Muttergottes „spiegelt sich unsere Würde als Kinder Gottes wider, jene Würde, die auch ein Kranker niemals verliert. Dieses Lächeln, ein wahrer Widerschein der Zärtlichkeit Gottes, ist die Quelle einer unbesiegbaren Hoffnung.“
Liebe
Brüder im Bischofs- und im Priesteramt,
liebe
Kranke, liebe Begleiter und Pfleger,
liebe
Brüder und Schwestern!
Wir haben gestern das Kreuz Christi gefeiert, das Werkzeug unseres Heils, das uns die Barmherzigkeit unseres Gottes in ihrer ganzen Fülle offenbart. Das Kreuz ist in der Tat der Ort, wo das Mitleid Gottes mit unserer Welt auf vollkommene Weise sichtbar wird. Wenn wir heute das Gedächtnis der Schmerzen Mariens feiern, betrachten wir Maria, die das Mitleid ihres Sohnes für die Sünder teilt. Die Mutter Christi ist, wie der heilige Bernhard deutlich macht, durch ihr Mitleid in das Leiden und Sterben ihres Sohnes eingetreten (vgl. Homilie zum Sonntag in der Oktav von Mariä Himmelfahrt). Zu Füßen des Kreuzes erfüllt sich die Prophezeiung Simeons: Ihr Mutterherz wird durchbohrt (vgl. Lk 2,35) von den Qualen, die dem Unschuldigen, ihrem leiblichen Sohn, zugefügt werden. Wie Jesus geweint hat (vgl. Joh 11,35), so hat gewiß auch Maria vor dem gemarterten Körper ihres Sohnes geweint. Ihre Zurückhaltung erlaubt uns jedoch nicht, ihren abgrundtiefen Schmerz auszuloten; diesen tiefen Kummer kann das traditionelle Symbol der sieben Schwerter nur annähernd darstellen. Wie für ihren Sohn Jesus kann man sagen, daß dieses Leiden auch sie zur Vollendung geführt hat (vgl. Hebr 2,10), um sie zur Annahme der neuen geistlichen Sendung zu befähigen, die der Sohn ihr unmittelbar, bevor er „seinen Geist aufgibt“, anvertraut (vgl. Joh 19,30): zur Mutter Christi in seinen Gliedern zu werden. In dieser Stunde stellt Jesus durch die Gestalt des Lieblingsjüngers jeden seiner Jünger seiner Mutter mit den Worten vor: „Frau, siehe, dein Sohn“ (vgl. Joh 19,26-27).
Heute befindet sich Maria in der Freude und Herrlichkeit der Auferstehung. Die Tränen, die sie am Fuß des Kreuzes vergossen hat, haben sich zu einem Lächeln gewandelt, das durch nichts mehr ausgelöscht werden kann, und dennoch bleibt ihr mütterliches Mitleid uns gegenüber unverändert bestehen. Das hilfreiche Eingreifen der Jungfrau Maria im Laufe der Geschichte bestätigt das und hört nicht auf, im Volk Gottes ein unerschütterliches Vertrauen zu ihr zu wecken: Das Gebet Memorare („Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria“ - s.u.) bringt dieses Gefühl sehr gut zum Ausdruck. Maria liebt jedes ihrer Kinder, wobei sie ihre Aufmerksamkeit besonders auf diejenigen lenkt, die wie ihr Sohn in der Stunde seiner Passion vom Leiden heimgesucht werden; sie liebt sie, einfach weil sie nach dem Willen Christi am Kreuz ihre Kinder sind.
Der Psalmist, der aus der Ferne dieses mütterliche Band zwischen der Mutter Christi und dem gläubigen Volk erkennt, prophezeit in Bezug auf die Jungfrau Maria: „dein Lächeln suchen die Edlen des Volkes“ (vgl. Ps 45,13). So haben die Christen auf Anregung des inspirierten Wortes der Schrift seit jeher das Lächeln Unserer Lieben Frau gesucht, jenes Lächeln, das die Künstler im Mittelalter so wunderbar darzustellen und zur Geltung zu bringen wußten. Dieses Lächeln Mariens gilt allen; es richtet sich jedoch ganz besonders an die Leidenden, damit sie darin Trost und Linderung finden können. Das Lächeln Mariens zu suchen, ist keine Frage eines frommen oder altmodischen Sentimentalismus; es ist vielmehr der zutreffende Ausdruck der lebendigen und tief menschlichen Beziehung, die uns mit derjenigen verbindet, die uns Christus zur Mutter gegeben hat.
Der Wunsch, dieses Lächeln der Jungfrau zu betrachten, heißt nicht, sich von einer unkontrollierten Einbildung gängeln zu lassen. Die Schrift selber enthüllt uns dieses Lächeln auf den Lippen Mariens, wenn sie das Magnifikat singt: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“ (Lk 1,46-47). Die Jungfrau Maria macht uns zu ihren Zeugen, wenn sie dem Herrn dankt. Maria teilt gleichsam im voraus mit ihren künftigen Kindern, also mit uns, die Freude, die ihrem Herzen innewohnt, damit sie auch zu unserer Freude werde. Jedes Beten des Magnifikat macht uns zu Zeugen ihres Lächelns. Hier in Lourdes wurde Bernadette während der Erscheinung vom Mittwoch, dem 3. März 1858, dieses Lächelns Mariens auf ganz besondere Weise gewahr. Dieses Lächeln war die erste Antwort, die die vornehme „Dame“ der jungen Seherin gab, als diese wissen wollte, wer sie sei. Bevor sich Maria ihr einige Tage später als „die Unbefleckte Empfängnis“ vorstellte, hat sie ihr zuerst ihr Lächeln zu erkennen gegeben, als wäre das der geeignetste Zugang zur Enthüllung ihres Geheimnisses.
In dem Lächeln des hervorragendsten aller Geschöpfe, das sich uns zugewandt hat, spiegelt sich unsere Würde als Kinder Gottes wider, jene Würde, die auch ein Kranker niemals verliert. Dieses Lächeln, ein wahrer Widerschein der Zärtlichkeit Gottes, ist die Quelle einer unbesiegbaren Hoffnung.
Wir wissen leider: Lang ertragenes Leiden zerbricht auch das best gesicherte Gleichgewicht eines Lebens, erschüttert die festesten Grundlagen des Vertrauens und läßt einen sogar manchmal am Sinn und Wert des Lebens zweifeln. Es gibt Kämpfe, die der Mensch allein, ohne Hilfe der göttlichen Gnade, nicht bestehen kann. Wenn das Reden nicht mehr die richtigen Worte zu finden vermag, zeigt sich die Notwendigkeit einer liebenden Anwesenheit: Wir suchen dann nicht nur die Nähe derjenigen, die mit uns verwandt oder uns durch Freundschaft verbunden sind, sondern auch die Nähe jener, die uns durch das Band des Glaubens vertraut sind. Wer könnte uns näher und vertrauter sein als Christus und seine heilige Mutter, die unbefleckt Empfangene? Sie sind mehr als jeder andere dazu fähig, uns zu verstehen und die Härte des Kampfes gegen das Übel und das Leiden zu begreifen. Der Hebräerbrief sagt von Christus, er sei nicht einer, „der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche“, sondern einer, „der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat“ (Hebr 4,15). Ich möchte denen, die leiden, und denen, die zu kämpfen haben und versucht sind, dem Leben den Rücken zu kehren, voll Demut sagen: Wendet euch Maria zu! Im Lächeln der Jungfrau findet sich geheimnisvoll verborgen die Kraft, um den Kampf gegen die Krankheit und für das Leben weiterzuführen. Bei ihr findet man ebenso die Gnade, ohne Angst und Bitterkeit den Abschied von dieser Welt in der von Gott gewollten Stunde anzunehmen.
Wie richtig war die Intuition von Don Jean-Baptiste Chautard, einer schönen spirituellen Gestalt Frankreichs, der in seinem Werk "Innerlichkeit - die Seele allen Apostolats" dem eifrigen Christen vorschlug, häufig „dem Blick der Jungfrau Maria zu begegnen“! Ja, das Lächeln der Jungfrau Maria zu suchen, ist nicht ein frommer Kinderwunsch; es ist, sagt Psalm 45, das Verlangen der »Edlen des Volkes« (45,13). „Die Edlen“, das sind im Bereich des Glaubens jene, die die höchste geistliche Reife besitzen und daher in der Lage sind, ihre Schwachheit und Armseligkeit vor Gott anzuerkennen. Im Lächeln, dieser ganz schlichten Äußerung von Zuneigung, erfassen wir, daß unser einziger Reichtum die Liebe ist, die Gott zu uns hat und die durch das Herz jener geht, die unsere Mutter geworden ist. Dieses Lächeln zu suchen, bedeutet vor allem, das Ungeschuldetsein der Liebe auszukosten; es bedeutet auch, dieses Lächeln durch unser Bemühen um ein Leben nach dem Wort ihres geliebten Sohnes hervorzurufen, so wie das Kind das Lächeln der Mutter dadurch hervorzurufen versucht, daß es tut, was ihr gefällt. Und wir wissen, was Maria gefällt, dank der Worte, die sie in Kana an die Diener richtete: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5).
Das Lächeln Mariens ist eine Quelle lebendigen Wassers. „Wer an mich glaubt“, sagt Jesus, „aus dessen Innerem werden Ströme von lebendigem Wasser fließen“ (vgl. Joh 7,38). Maria ist jene, die geglaubt hat, und aus ihrem Inneren sind Ströme von lebendigem Wasser geflossen, die die Geschichte der Menschen tränken sollen. Die Quelle, die Maria hier in Lourdes Bernadette gezeigt hat, ist das bescheidene Zeichen dieser geistlichen Wirklichkeit. Aus ihrem Herzen, dem Herzen einer Glaubenden und einer Mutter, fließt ein lebendiges Wasser, das reinigt und heilt. Wie viele Menschen haben beim Untertauchen im Wasser der Grotte von Lourdes die sanfte Mütterlichkeit der Jungfrau Maria entdeckt und erfahren, während sie sich an ihr festhalten, um sich besser am Herrn festhalten zu können! In der Sequenz der Liturgie dieses Festes der Schmerzensmutter wird Maria unter dem Titel „Fons amoris“, „Born der Liebe“, verehrt. Aus dem Herzen Mariens entspringt in der Tat eine ungeschuldete Liebe, die ihrerseits eine kindliche Liebe entstehen läßt, die sich beständig weiter entfalten soll. Maria ist wie jede Mutter und besser als jede Mutter Erzieherin zur Liebe. Deshalb kommen so viele Kranke hierher nach Lourdes, um an dieser „Fons amoris“ ihren Durst zu stillen und sich zu der einzigen Quelle des Heils, zu ihrem Sohn, Jesus, dem Heiland, führen zu lassen.
Christus schenkt sein Heil durch die Sakramente und den Menschen, die an Krankheiten oder unter einer Behinderung leiden, schenkt er es ganz besonders durch die Gnade der Krankensalbung. Das Leiden ist für jeden immer etwas Fremdes. Sein Vorhandensein läßt sich niemals bezähmen. Es fällt daher schwer, das Leiden zu ertragen, und noch schwerer ist es, das Leiden – wie es manche große Zeugen der Heiligkeit Christi getan haben – als Bestandteil unserer Berufung anzunehmen, so wie Bernadette es ausdrückte: „alles schweigend leiden, um Jesus zu gefallen“. Um das sagen zu können, muß man schon einen langen Weg gemeinsam mit Jesus zurückgelegt haben. Dagegen ist es möglich, sich schon jetzt der Barmherzigkeit Gottes zu überlassen, die in der Gnade des Krankensakraments sichtbar wird. Bernadette selbst hat im Laufe eines Lebens, das oft von der Krankheit gezeichnet war, dieses Sakrament viermal empfangen. Die diesem Sakrament eigene Gnade besteht darin, daß der Kranke Christus, den Arzt, in sich aufnimmt. Christus ist jedoch nicht ein Arzt nach der Ordnung der Welt. Um uns zu heilen, bleibt er nicht außerhalb des Leidens, das der Kranke erduldetet; er lindert es, indem er in dem von der Krankheit heimgesuchten Menschen Wohnung nimmt, um das Leid mit ihm zu tragen und zu leben. Die Gegenwart Christi durchbricht die Isolierung, die der Schmerz hervorruft. Der Mensch trägt seine Prüfung nun nicht mehr allein, sondern als leidendes Glied Christi wird er Christus ähnlich, der sich dem Vater darbringt, und nimmt in ihm an der Entstehung der neuen Schöpfung teil.
Ohne die Hilfe des Herrn ist das Joch der Krankheit und des Leidens schrecklich schwer. Wenn wir das Sakrament der Krankensalbung empfangen, möchten wir kein anderes als das Joch Christi tragen, denn wir bauen auf sein Versprechen uns gegenüber, daß sein Joch nicht drückt und seine Last leicht ist (vgl. Mt 11,30). Ich lade die Personen, die während dieser Messe die Krankensalbung empfangen werden, ein, sich auf eine solche Hoffnung einzulassen.
Das Zweite Vatikanische Konzil hat Maria als die Gestalt vorgestellt, in der das ganze Geheimnis der Kirche zusammengefaßt ist (vgl. Lumen gentium, Nr. 63-65). Ihre persönliche Geschichte nimmt den Weg der Kirche vorweg, die eingeladen ist, genauso wie sie den leidenden Menschen beizustehen. Einen herzlichen Gruß richte ich an die Mitglieder des Kranken- und Pflegedienstes sowie auch an alle, die in verschiedenen Funktionen in den Spitälern und in anderen Einrichtungen fachkundig und hochherzig zur Betreuung der Kranken beitragen. Ebenso möchte ich dem Aufnahme- und Empfangspersonal, den Krankenträgern und den Begleitern, die aus allen Diözesen Frankreichs und auch von noch weiter her kommen und das ganze Jahr über den kranken Lourdes-Pilgern beistehen, sagen, wie wertvoll ihr Dienst ist. Sie sind die Arme der dienenden Kirche. Schließlich will ich all jene ermutigen, die sich aufgrund ihres Glaubens der Kranken annehmen und sie besuchen, besonders in der Krankenhausseelsorge, in den Pfarreien oder wie hier in den Wallfahrtsorten. Möget ihr bei dieser wichtigen und heiklen Mission stets die wirksame und brüderliche Unterstützung eurer Gemeinden spüren!
Der Dienst der Nächstenliebe, den ihr leistet, ist ein marianischer Dienst. Maria vertraut euch ihr Lächeln an, damit ihr in der Treue zu ihrem Sohn selber zu Quellen lebendigen Wassers werdet. Was ihr macht, tut ihr im Namen der Kirche, deren reinstes Bild Maria ist. Möget ihr allen ihr Lächeln bringen!
Abschließend möchte ich mich dem Gebet der Pilger und der Kranken anschließen und zusammen mit euch einen Ausschnitt aus dem Gebet an Maria aufgreifen, das für die Feier dieses Jubiläums vorgeschlagen wurde:
„Weil
du das Lächeln Gottes bist, der Abglanz des Lichtes Christi, die Wohnung
des Heiligen Geistes, weil du Bernadette in ihrer Armseligkeit auserwählt
hast, weil du der Morgenstern bist, die Pforte des Himmels und das erste
zu neuem Leben erweckte Geschöpf“, beten wir zu dir, Unsere Liebe
Frau von Lourdes, zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern, die
an Herz und Leib Schmerzen leiden! (OR)
Papst Benedikt XVI. hat am Abend des 14. September in Lourdes an der traditionellen eucharistischen Prozession teilgenommen. Er verharrte gemeinsam mit den Gläubigen in stiller Anbetung und meditierte über das Sakrament der Eucharistie, über Tod und Auferstehung Jesu Christi und deren Bedeutung für das christliche Leben.
Am Ende der Betrachtung appellierte der Heilige Vater an die Anwesenden: „Wir können nicht mehr verschweigen, was wir wissen. Geht und verkündet der ganzen Welt die Wundertaten Gottes, der in jedem Augenblick unseres Lebens zugegen ist, an jedem Ort der Erde.“
Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung des Heiligen Stuhls.
Herr Jesus, Du bist hier zugegen!
Und
Ihr, meine Brüder, meine Schwestern, meine Freunde,
auch
Ihr seid mit mir hier vor Ihm zugegen!
Herr, vor zweitausend Jahren warst Du bereit, auf ein Schmähkreuz zu steigen, um dann aufzuerstehen und immer bei uns zu bleiben, bei Deinen Brüdern und Deinen Schwestern.
Und
Ihr, meine Brüder, meine Schwestern, meine Freunde,
Ihr
seid bereit, Euch von Ihm ergreifen zu lassen.
Wir
betrachten Ihn.
Wir
beten Ihn an.
Wir
lieben Ihn und streben danach, Ihn mehr zu lieben.
Wir betrachten Den, der im Laufe des Paschamahles seinen Leib und sein Blut den Jüngern gegeben hat, um bei ihnen zu sein „alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Wir beten Den an, der am Anfang und am Ende unseres Glaubens steht. Jenen, ohne den wir an diesem Abend nicht hier wären. Jenen, ohne den wir überhaupt nicht existierten. Jenen, ohne den nichts wäre, nichts, absolut nichts! Er, durch den „alles geschaffen ist“ (Joh 1,3). Er, in dem wir geschaffen worden sind – für die Ewigkeit; Er, der uns seinen Leib und sein Blut gegeben hat, Er ist hier, an diesem Abend, vor uns, unseren Blicken dargeboten.
Wir lieben Ihn – und streben danach, Ihn mehr zu lieben – Ihn, der hier vor uns steht, unseren Blicken dargeboten, vielleicht auch unseren Fragen, unserer Liebe.
Sei es, daß wir gehen können oder an ein Bett der Schmerzen gefesselt sind, sei es, daß wir in der Freude wandeln oder uns in einer seelischen Wüste befinden (vgl. Num 21,5), Herr, nimm uns alle in Deine Liebe hinein: in die unendliche Liebe, die ewig die Liebe des Vaters für den Sohn und des Sohnes für den Vater ist, jene des Vaters und des Sohnes für den Geist wie auch jene des Geistes für den Vater und für den Sohn.
Die
Heilige Hostie, die vor unseren Augen ausgesetzt ist, spricht von dieser
unendlichen Kraft der Liebe, die sich glorreich am Kreuz offenbart. Die
Heilige Hostie erzählt uns vom unglaublichen Herabbeugen Dessen, der
sich arm gemacht hat, um uns durch sich reich zu machen. Er, der bereit
war, alles zu verlieren, um uns für seinen Vater zu gewinnen. Die
Heilige Hostie ist das lebendige und wirkmächtige Sakrament der ewigen
Gegenwart des Retters der Menschen für seine Kirche.
Liebe Brüder, liebe Schwestern, liebe Freunde, seien wir bereit, seid bereit, Euch Ihm zur Verfügung zu stellen, – Ihm, der uns alles gegeben hat und der gekommen ist, nicht um die Welt zu richten, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde (vgl. Joh 3,17)! Seid bereit, in Eurem Leben die aktive Präsenz von Ihm zu erkennen, der hier unseren Blicken ausgesetzt gegenwärtig ist! Seid bereit, Ihm Euer eigenes Leben darzubringen!
Maria, die selige Jungfrau, Maria, die Unbefleckte Empfängnis, war vor zweitausend Jahren bereit, alles zu geben, ihren Leib zur Verfügung zu stellen, um den Leib des Schöpfers aufzunehmen. Alles ist von Christus gekommen, auch Maria; alles ist mit Hilfe von Maria gekommen, auch Christus.
Maria, die selige Jungfrau, ist heute Abend bei uns vor dem Leib ihres Sohnes, hundertfünfzig Jahre nachdem sie sich der kleinen Bernadette gezeigt hat.
Heilige Jungfrau, hilf uns zu betrachten, hilf uns anzubeten, hilf uns zu lieben, Den immer mehr zu lieben, der uns so sehr geliebt hat, auf daß wir ewig mit Ihm leben.
Eine gewaltige Schar von Zeugen ist neben uns unsichtbar zugegen, ganz nahe bei dieser gesegneten Grotte und vor dieser Kirche, die die Jungfrau Maria gewollt hat; die Schar aller Männer und Frauen, welche die wirkliche Gegenwart Dessen betrachtet, verehrt und angebetet haben, der sich uns bis zum letzten Blutstropfen geschenkt hat; die Schar aller Männer und Frauen, die Stunden in der Anbetung des Allerheiligsten Altarsakraments verbracht haben.
Heute Abend sehen wir sie nicht, aber wir hören sie zueinander und zu uns sagen: „Komm, laß dich vom Meister rufen! Er ist hier und ruft dich!" (vgl. Joh 11,28). Er will dein Leben, um es mit dem seinen zu vereinigen. Laß dich von Ihm ergreifen! Schau nicht mehr auf deine Wunden, schau auf seine. Schau nicht mehr auf das, was dich noch von Ihm und von den anderen trennt; betrachte den unendlichen Abstand, den Er überwunden hat, als Er dein Fleisch annahm, als Er auf das Kreuz gestiegen ist, das ihm die Menschen bereitet haben, und als Er sich in den Tod hat schicken lassen, um uns seine Liebe zu zeigen. In seine Wunden nimmt Er dich auf; in seinen Wunden birgt Er dich. Weise Seine Liebe nicht ab!“
Die gewaltige Schar der Zeugen, die sich von seiner Liebe hat ergreifen lassen, ist die Schar der Heiligen im Himmel, die nicht aufhören, für uns Fürbitte zu leisten. Sie waren Sünder, und das wussten sie auch, aber sie waren bereit, nicht ihre eigenen Sünden zu betrachten, überhaupt nichts zu betrachten als die Wunden ihres Herrn, um dort den Ruhm des Kreuzes und den Sieg des Lebens über den Tod zu finden. Der heilige Pierre-Julien Eymard sagt uns alles, wenn er ausruft: „Die heilige Eucharistie ist der vergangene, der gegenwärtige und der zukünftige Jesus Christus" (Sermons et instructions paroissiales d’après 1856, 4-2,1. De la méditation).
Der vergangene Jesus Christus steht in der historischen Wahrheit des Letzten Abendmahls, in die uns jede Feier der heiligen Messe hineinführt.
Jesus Christus ist gegenwärtig, weil Er uns sagt: „Nehmet und esset alle davon, das ist mein Leib, das ist mein Blut“. Der Ausdruck „Das ist“ steht im Präsens, hier und jetzt, wie in allen „hier und jetzt“ der Menschheitsgeschichte. Reale Präsenz, Gegenwart, die unsere armen Lippen, unsere armen Herzen und unsere armen Gedanken übersteigt. Gegenwart, die unseren Blicken geschenkt ist wie heute Abend hier bei der Grotte, wo sich Maria als Unbefleckte Empfängnis offenbart hat.
Die Eucharistie ist ebenso der zukünftige Jesus Christus, Jesus Christus, der kommen wird. Wenn wir die heilige Hostie betrachten, seinen verherrlichten Leib, der verklärt und auferstanden ist, dann betrachten wir das, was wir in der Ewigkeit schauen werden. Darin werden wir die ganze Welt erkennen können, die in jedem Augenblick von ihrem Schöpfer getragen wird. Jedes Mal, wenn wir Ihn essen, aber auch jedes Mal, wenn wir Ihn betrachten, verkünden wir Ihn, bis Er kommt in Herrlichkeit: „donec veniat“. Genau deshalb empfangen wir Ihn mit unendlicher Ehrfurcht.
Einige unter uns können Ihn nicht oder noch nicht im Sakrament empfangen, aber sie können Ihn in Glaube und Liebe betrachten und den Wunsch zum Ausdruck bringen, sich mit Ihm zu vereinen. Das ist ein Wunsch, der in den Augen Gottes einen großen Wert hat. Sie erwarten mit größerer Innigkeit seine Wiederkunft; sie erwarten Jesus Christus, der kommen soll.
Als eine Freundin von Bernadette sie am Tag nach ihrer ersten Kommunion fragte: „Worüber bist du glücklicher gewesen: über die erste Kommunion oder über die Erscheinungen“, antwortete Bernadette: „Das sind zwei Dinge, die zusammengehören, aber nicht miteinander verglichen werden können. – Ich bin bei beiden glücklich gewesen“ (Emmanuélite Estrade, 4. Juni 1858). Ihr Pfarrer bezeugte vor dem Bischof von Tarbes bezüglich ihrer ersten Kommunion: „Bernadette war sehr gesammelt, von einer Aufmerksamkeit, die nichts zu wünschen übrig ließ. … Sie schien von der heiligen Handlung, die sie vollzog, sehr durchdrungen. Alles entwickelte sich in ihr auf erstaunenswerte Weise.“
Mit Pierre-Julien Eymard und Bernadette rufen wir das Zeugnis vieler Heiliger an, die für die Eucharistie größte Liebe hegten. Nikolaus Kabasilas ruft aus und sagt uns heute abend: „Bleibt aber Christus in uns, was fehlt uns dann noch? Welches Gut könnte uns da noch entgehen? Und wenn wir in Christus bleiben, was gibt es da noch anderes zu begehren? Er ist uns Einwohner und Haus. Wie selig sind wir ob dieses Hauses, selig, daß wir für einen solchen Bewohner zur Wohnung geworden sind!“ (Das Leben in Christus, IV,6).
Der selige Charles de Foucauld wurde 1858 geboren, im selben Jahr der Erscheinungen von Lourdes. Unweit seines vom Tod erstarrten Körpers wurde – wie das Weizenkorn, das in die Erde geworfen wurde – die Lunula der Monstranz mit dem Allerheiligsten Sakrament gefunden, das Bruder Charles jeden Tag stundenlang anbetete. Pater de Foucauld hinterläßt uns das Gebet, das aus dem Innersten seines Herzens strömt, ein Gebet, das an unseren Vater gerichtet ist, das wir aber in voller Wahrheit mit Jesus zu unserem Gebet vor der heiligen Hostie machen können:
„»Mein Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.« Das ist das letzte Gebet unseres Meisters, unseres Liebsten … Möge es unseres sein, und nicht nur das Gebet unseres letzen Augenblicks, sondern das aller unserer Augenblicke:
Mein Vater, ich lege mich in deine Hände; mein Vater, ich vertraue mich dir an. Mein Vater, ich überlasse mich dir; mein Vater, mach mit mir, was dir gefällt; was du auch mit mir tun magst, ich danke dir; danke für alles. Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an, für alles danke ich dir. Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt, mein Gott, und an allen deinen Geschöpfen, an allen deinen Kindern, an allen, die dein Herz liebt, so ersehne ich weiter nichts, mein Gott. In deine Hände lege ich meine Seele. Ich gebe sie dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich dich liebe und weil diese Liebe mich treibt, mich dir hinzugeben, mich in deine Hände zu legen, ohne Maß, mit einem grenzenlosen Vertrauen. Denn du bist mein Vater“ (Méditation sur les Saintes Évangiles).
Geliebte
Brüder und Schwestern, Pilger für einen Tag und Bewohner dieser
Täler, Brüder im Bischofsamt, Priester, Diakone, Ordensleute,
Ihr alle, die Ihr vor Euren Augen die unendliche Erniedrigung des Sohnes
Gottes und die unendliche Herrlichkeit der Auferstehung seht, verharrt
in Stille und betet Euren Herrn an, unseren Meister und Herrn Jesus Christus.
Verharrt in Stille, dann sprecht und sagt der Welt: Wir können nicht
mehr verschweigen, was wir wissen. Geht und verkündet der ganzen Welt
die Wundertaten Gottes, der in jedem Augenblick unseres Lebens zugegen
ist, an jedem Ort der Erde. Gott segne und beschütze uns, Er führe
uns auf dem Weg zum ewigen Leben, Er, der das Leben ist, in alle Ewigkeit.
Amen. (OR)
Meine
Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über
Gott, meinen Retter.
Denn
auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen
mich selig alle Geschlechter!
Denn
der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er
erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er
vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: er zerstreut, die im Herzen
voll Hochmut sind;
er
stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die
Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen
leer ausgehn.
Er
nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das
er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen
auf ewig.
Ehre
sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie
im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
(Lukas
1,46-55)
Gedenke, o gütigste
Jungfrau Maria:
Es
ist noch nie gehört worden,
daß
jemand, wenn er zu dir
seine
Zuflucht genommen,
deinen
Beistand angerufen,
um
deine Fürbitte gefleht hat,
von
dir sei verlassen worden.
Von
solchem Vertrauen beseelt,
nehme
ich zu dir meine Zuflucht,
Mutter,
Jungfrau der Jungfrauen.
Zu
dir komme ich,
vor
dir stehe ich armer Sünder.
Mutter
des ewigen Wortes,
verschmähe
meine Worte nicht,
sondern
höre mich gnädig an
und
erhöre mich.
(Bernhard
von Clairvaux)