| Botschaft
von Papst Benedikt XVI. zum 19. Welttag der Kranken am 11. Februar 2011 |
Auszug aus der Botschaft
von Papst Benedikt XVI.
zum 19. Welttag der
Kranken am 11. Februar 2011
„In meinem Herzen
ist immer noch jener Moment lebendig, als ich bei meinem Pastoralbesuch
in Turin in Betrachtung und Gebet vor dem Grabtuch verweilen durfte, vor
jenem leidenden Antlitz, das uns einlädt, meditierend nachzudenken
über den, der die Leiden der Menschen aller Orte und Zeiten auf sich
genommen hat, auch unsere Leiden, unsere Schwierigkeiten, unsere Sünden.
Wie viele Gläubige
haben im Lauf der Geschichte vor diesem Grabtuch gestanden, das einst den
Leib eines gekreuzigten Menschen eingehüllt hat und ganz dem entspricht,
was die Evangelien uns über Leiden und Tod Jesu überliefern!
Ihn zu betrachten ist eine Einladung, darüber nachzudenken, was der
hl. Petrus schreibt: .Durch seine Wunden seid ihr geheilt' (1 Petr 2,24).
Der Sohn Gottes hat gelitten, er ist gestorben, aber er ist auferstanden,
und gerade deshalb werden jene Wunden das Zeichen unserer Erlösung,
der Vergebung und der Versöhnung mit dem Vater; sie werden aber auch
ein Prüfstein für den Glauben der Jünger und für unseren
Glauben: Jedesmal wenn der Herr von seinem Leiden und Tod spricht, verstehen
sie es nicht, weisen es zurück, widersetzen sich. Für sie, wie
auch für uns, bleibt das Leiden immer ein Mysterium, das schwer
anzunehmen und zu tragen ist. Die beiden Emmausjünger gehen traurig
ihren Weg aufgrund dessen, was in jenen Tagen in Jerusalem geschehen ist,
und erst als der Auf erstandene den Weg mit ihnen geht, öffnen sie
sich einer neuen Sichtweise (vgl. Lk 24,13 - 31). Auch der Apostel Thomas
hat Mühe, an den Weg des erlösenden Leidens zu glauben: .Wenn
ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich
meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in
seine Seite lege, glaube ich nicht' (Joh 20,25).
Aber vor Christus,
der seine Wunden zeigt, verwandelt sich seine Antwort in ein bewegendes
Glaubenszeugnis: ,Mein Herr und mein Gott!' (Joh 20,28).
Was zunächst
als Zeichen des scheinbaren Scheitems Jesu ein unüberwindliches Hindernis
war, wird in der Begegnung mit dem Auferstandenen der Beweis einer siegreichen
Liebe: ,Nur ein Gott, der uns so liebt, daß er unsere Wunden und
unseren Schmerz - vor allem den der Unschuldigen - auf sich nimmt, ist
glaubwürdig'.
Liebe Kranke und Leidende,
gerade durch die Wunden Christi können wir alle Übel, die die
Menschheit quälen, mit einem Blick der Hoffnung sehen. Durch seine
Auferstehung hat der Herr das Leid und das Böse nicht aus der Welt
genommen, aber er hat es an der Wurzel besiegt. Der Übermacht des
Bösen hat er die Allmacht seiner Liebe entgegengesetzt. Er hat uns
gezeigt, daß der Weg zum Frieden und zur Freude die Liebe ist. ,Wie
ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben' (Joh 13,34).
Christus, der Sieger über den Tod, lebt mitten unter uns. Und während
auch wir mit dem hl. Thomas sagen: ,Mein
Herr und mein Gott!', folgen wir unserem
Meister in der Bereitschaft, das Leben für unsere Brüder hinzugeben
(vgl. l Joh 3,16), indem wir Boten einer Freude werden, die den Schmerz
nicht fürchtet: Boten der Freude der Auferstehung.
Der hl. Bernhard sagt:
,Gott kann nicht leiden, aber er kann mitleiden.' Gott, die Wahrheit und
Liebe in Person, wollte für uns und mit uns leiden; er ist Mensch
geworden, um mit dem Menschen mit-leiden zu können, ganz real in Fleisch
und Blut. Von da aus ist in alles menschliche Leiden ein Mitleidender,
Mittragender hineingetreten; in jedem Leiden ist von da aus die con-solatio,
der Trost der mitleidenden Liebe Gottes anwesend und damit der Stern der
Hoffnung aufgegangen (vgl. Enzyklika Spe salvi, 39).
Euch, liebe Brüder
und Schwestern, wiederhole ich diese Botschaft, damit ihr durch euer Leiden,
euer Leben und euren Glauben deren Zeugen seid.
Mit Blick auf das
Treffen in Madrid im August anläßlich des Weltjugendtages 2011
möchte ich einen besonderen Gedanken an die Jugendlichen richten,
insbesondere an jene, die die Erfahrung der Krankheit machen.
Oft machen das Leiden,
das Kreuz Jesu Angst, weil sie die Verneinung des Lebens zu sein scheinen.
In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall! Das Kreuz ist das Ja' Gottes
zum Menschen, der höchste und intensivste Ausdruck seiner Liebe und
die Quelle, aus der das ewige Leben entspringt. Aus dem geöffneten
Herzen Jesu ist in der Tat dieses göttliche Leben geflossen. Nur er
kann die Welt vom Bösen befreien und sein Reich der Gerechtigkeit,
des Friedens und der Liebe wachsen lassen, nach dem wir alle streben.
Liebe Jugendliche,
lernt, Jesus zu .sehen', ihm zu .begegnen' in der Eucharistie, in der er
für uns wahrhaft gegenwärtig ist, so daß er zur Speise
auf unserem Weg wird; erkennt und dient Jesus aber auch in den Armen, in
den Kranken, in den Brüdern, die leiden und in Not sind und eure Hilfe
brauchen.
An alle Jugendlichen,
die kranken und die gesunden, richte ich erneut die Aufforderung, Brücken
der Liebe und der Solidarität zu bauen, damit sich niemand einsam
fühlt, sondern nahe bei Gott und Teil der großen Familie seiner
Kinder."
Das
„ Turiner
Grabtuch", die
kostbarste Reliquie
der Christenheit,
wird seit 1578 im
Dom von Turin auf-
bewahrt und wurde
zuletzt von April
bis
Mai 2010 öffentlich
ausgestellt.
Auf dem 4,37 m
langen und 1,11 m
breiten Leinentuch
sind als Negativ-
abdruck Antlitz und
Umrisse eines
Gekreuzigten zu
sehen. Sein Körper
weist Verletzungen
auf, die der in der
Bibel beschriebenen
Marter entsprechen,
den Mißhand-
lungen, der Geiße-
lung, Dornen-
krönung, Wunden
durch Stürze
und
Tragen des Kreuz-
balkens und dem
Lanzenstich.
Erst durch die
Technik der Foto-
grafie wurde auf dem
Negativ des erstmals am 28. Mai 1898 gemachten Grabtuchfotos das „positive"
Bild sichtbar. —»
Damit begann die wissenschaftliche
Erforschung des Tuches, die bis heute andauert.
(Quelle:
MPB RB 1+2/2011)
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