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Predigt von Papst Benedikt XVI. am 13. Mai 2010 in Fatima |
Zur Papstmesse am 13.
Mai 2010 hatten sich Pilgergruppen aus über 35 Nationen angemeldet.
In seiner Ansprache vor rund 300.000 Gläubigen betonte Benedikt XVI.,
er sei nach Fatima gekommen, um mit der Gottesmutter und den anwesenden
Pilgern für die Menschheit
zu beten. In Fatima habe Maria die drei Seherkinder wie eine Lehrerin in
die „innerste Erkenntnis der dreifaltigen Liebe" eingeführt und sie
angeleitet, sich an Gott als dem „schönsten Gut ihres Lebens" zu erfreuen.
Aus der Erfahrung dieser Gnade sei das Leben der Seherkinder von einer
großen Liebe zu Gott erfüllt gewesen. Obwohl ihnen die Gnade
der Schau zuteil geworden sei, verweise die Heilige Schrift aber auf den
Glauben. Gott habe die Macht, durch die inneren Sinne zu uns vorzudringen
und unsere Seele sanft zu berühren. Freilich bedürfe es zur Wahrnehmung
dessen der inneren Wachsamkeit des Herzens. Zur bleibenden Aktualität
der Botschaft von Fatima unterstrich der Heilige Vater, Gott suche auch
heute nach Menschen, die sich ihm hingeben und alle Leiden ertragen als
Sühne für die Sünden. Die Gottesmutter sei vom Himmel
herabgekommen, um in unser Herz die göttliche Liebe zu legen. Schließlich
schloß der Papst mit dem Wunsch: Der Triumph des unbefleckten Herzens
Mariens möge bis zum hundersten Jahrestag ihrer Erscheinungen näherkommen.
„Ihre Nachkommen werden
bei allen Nationen bekannt sein (...) Das sind die Nachkommen, die der
Herr gesegnet hat" (Jes 61,9). Diese Worte,
mit denen die erste Lesung dieser Eucharistiefeier begonnen hat, finden
ihre wunderbare Erfüllung in dieser gottesdienstlichen Gemeinschaft,
die sich so andächtig zu Füßen der Gottesmutter versammelt
hat. Liebe Schwestern und Brüder, auch ich bin als Pilger nach Fatima
gekommen, zu diesem „Haus", das Maria erwählt hat, um in unserem modernen
Zeitalter zu uns zu sprechen. Ich bin nach Fatima gekommen, um mich an
der Gegenwart Marias und ihrem mütterlichen Schutz zu erfreuen. Ich
bin nach Fatima gekommen, weil die pilgernde Kirche, die ihr Sohn als Werkzeug
der Evangelisierung und Sakrament des Heils stiften wollte, am heutigen
Tag an diesem Ort zusammenströmt. Ich bin nach Fatima gekommen, um
mit Maria und so vielen Pilgern für unsere Menschheit zu beten, die
von Leid und Not geplagt wird. Und schließlich bin ich mit den gleichen
Gefühlen nach Fatima gekommen, von denen auch die seligen Francisco,
Jacinta und die Dienerin Gottes Lucia erfüllt waren, um der Gottesmutter
vertrauensvoll zu bekennen, daß ich Jesus „liebe", daß die
Kirche und die Priester Jesus „lieben" und ihren Blick fest auf ihn richten
wollen. Zudem möchte ich zum Abschluß des Priesterjahres die
Priester, die Männer und Frauen des geweihten Lebens, die Missionare
und alle Menschen, die Gutes tun und so das Haus Gottes zu einem gastfreundlichen
und angenehmen Ort werden lassen, dem mütterlichen Schutz Marias anempfehlen.
„Das sind die Nachkommen,
die der Herr gesegnet hat ..." Eine vom Herrn gesegnete Nachkommenschaft
bist du, geliebte Diözese Leira-Fatima, mit deinem Hirten Bischof
Antonio Marto, dem ich für das Wort des Grußes danke, das er
zu Beginn dieses Gottesdienstes an mich gerichtet hat, und für die
Fürsorge, die er mir in diesem Heiligtum auch durch seine Mitarbeiter
entgegenbringt. Ich grüße den Herrn Staatspräsidenten und
alle weiteren Vertreter des öffentlichen Lebens, die im Dienst dieser
ruhmreichen Nation stehen. Im Geiste schließe ich alle Diözesen
Portugals, die hier durch ihre Bischöfe vertreten sind, in die Arme
und vertraue alle Völker und Nationen der Erde dem Schutz des Himmels
an. In Gott trage ich alle ihre Söhne und Töchter in meinem Herzen,
vor allem jene, die Situationen der Not und Verlassenheit durchleben, und
möchte ihnen jene große Hoffnung vermitteln, von der mein Herz
erfüllt ist und die hier an diesem Ort gleichsam greifbar zu spüren
ist. Diese unsere große Hoffnung möge Wurzeln fassen im Leben
eines jeden von euch, liebe hier versammelte Pilger, sowie all jener, die
durch die sozialen Kommunikationsmittel mit uns verbunden sind.
Ja, der Herr ist unsere
große Hoffnung, er ist bei uns. In seiner barmherzigen Liebe gibt
er seinem Volk eine Zukunft: eine Zukunft in Gemeinschaft mit ihm. Das
Volk Gottes, das die Erfahrung der Barmherzigkeit und des Trostes Gottes
gemacht hat, der es bei seiner beschwerlichen Rückkehr aus der babylonischen
Gefangenschaft nicht alleingelassen hat, ruft aus: „Von
Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln
über meinen Gott" (Jes 61,10). Die erhabenste
Tochter dieses Volkes ist die Jungfrau und Gottesmutter von Nazaret, die
Begnadete, die über das Wirken Gottes in ihrem jungfräulichen
Schoß erstaunt war. Und auch sie bringt
eben diese Freude
und Hoffnung im Gesang des Magnifikat zum Ausdruck: „Mein Geist jubelt
über Gott meinen Retter." Dabei sieht sie sich aber nicht als Privilegierte
inmitten eines unfruchtbaren Volkes, sondern sie sagt ihnen vielmehr die
süßen Freuden einer wunderbaren Gottesmutterschaft voraus, denn
„er
erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten"
(Lk 1,47.50).
Beredtes Zeichen hierfür
ist dieser heilige Ort. In sieben Jahren werdet ihr euch erneut hier einfinden
zur Feier des hundertsten Jahrestages der ersten Erscheinung jener Frau,
die „vom Himmel gekommen ist" und als Lehrerin die Seherkinder in die innerste
Erkenntnis der dreifaltigen Liebe einführt und sie dazu anleitet,
sich an Gott als dem schönsten Gut ihres Lebens zu erfreuen.
Durch diese gnadenvolle
Erfahrung haben sie zur Liebe Gottes in Jesus gefunden, so daß Jacinta
ausrufen konnte: „Es bereitet mir so große Freude, Jesus zu sagen,
daß ich ihn liebe! Wenn ich es ihm mehrmals sage, dann habe ich den
Eindruck, ich hätte ein Feuer in der
Brust, das mich aber
nicht verbrennt." Und Francisco sagte: „Am meisten hat es mir gefallen,
unseren Herrn in jenem Licht zu sehen, das unsere Mutter uns ins Herz gelegt
hat. Ich habe Gott so lieb!" (Memorias da Irma Lucia - Erinnerungen von
Schwester Lucia, l, 40 und 127).
Brüder und Schwestern,
wenn wir diese unschuldigen und tiefsinnigen mystischen Bekenntnisse der
Hirtenkinder hören, könnte manch
einer
angesichts dessen, was sie gesehen haben, mit ein wenig Neid auf sie blicken
oder mit der enttäuschten Resignation jener, denen dieses Glück
nicht zuteil geworden ist, die aber trotzdem gerne sehen würden. Jenen
Menschen sagt der Papst mit den Worten Jesu: „Ihr
irrt euch, denn ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes" (Mk
12,24). Die Heilige Schrift lädt uns
zum Glauben ein: „Selig sind, die nicht sehen
und doch glauben" (Joh 20,29), doch Gott -
der tiefer ist als unser eigenes Innerstes (vgl. hl. Augustinus, Bekenntnisse,
III, 6,11)-hat die Macht,-vor allem durch die inneren Sinne - zu uns vorzudringen,
so daß die Seele sanft berührt wird von einer Realität,
die über das sinnlich Wahrnehmbare hinausgeht und sie befähigt,
zum Nichtsinnlichen zu gelangen, zu dem, was den
menschlichen Sinnen
nicht zugänglich ist. Hierzu bedarf es einer inneren Wachheit des
Herzens, die unter dem Druck der gewaltigen äußeren Wirklichkeiten
und der die Seele erfüllenden Bilder und Gedanken meistens nicht gegeben
ist (Theologischer Kommentar zur Botschaft von Fatima, 2000). Ja, Gott
kann uns erreichen, indem er sich unserer inneren Schau darbietet.
Zudem ist jenes aus
der Zukunft Gottes kommende Licht, von dem die Hirtenkinder erfüllt
waren, dasselbe Licht, das sich gezeigt hat, als die Zeit erfüllt
war, und das für alle gekommen ist: der menschgewordene Sohn Gottes.
Daß er die Macht hat, auch die kältesten und
traurigsten Herzen
zu entflammen, sehen wir an den Emmausjüngern (vgl. Lk 24,32). Unsere
Hoffnung hat daher eine reale Grundlage, denn sie beruht auf einem Ereignis,
das in der Geschichte geschehen ist und sie zugleich übersteigt, nämlich
Jesus von Nazaret.
Die Begeisterung,
die seine Weisheit und sein Heilswirken bei den Menschen seiner Zeit hervorrief,
war so groß, daß - wie wir im Evangelium gehört haben
- eine Frau aus der Menge rief: „Selig die Frau, deren Leib dich getragen
und deren Brust dich genährt hat." Jesus aber erwiderte: „Selig
sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen" (Lk
11,27.28). Doch wer nimmt sich die Zeit, sein
Wort zu hören und sich von seiner Liebe ergreifen zu lassen? Wer wacht
mit betendem Herzen in der Nacht des Zweifels und der Ungewißheit?
Wer erwartet das Morgengrauen des neuen Tages, ohne dabei die Flamme des
Glaubens verlöschen zu lassen? Der
Glaube an Gott läßt
den Menschen offen werden für eine sichere Hoffnung, die nicht enttäuscht;
er gibt ihm ein festes Fundament, auf dem er sein Leben furchtlos aufbauen
kann; er verlangt von ihm, daß er sich vertrauensvoll der göttlichen
Liebe überantwortet, von der die Welt getragen wird.
„Ihre Nachkommen werden
bei allen Nationen bekannt sein (...) Das sind die Nachkommen, die der
Herr gesegnet hat" (Jes 61,9): Er hat sie
gesegnet mit einer unerschütterlichen Hoffnung, aus der die Frucht
einer Liebe hervorgeht, die sich für die anderen aufopfert, statt
sie zu opfern; vielmehr gilt, was wir in der zweiten Lesung gehört
haben: „Sie erträgt alles, glaubt alles,
hofft alles, hält allem stand" (1 Kor 13,7).
Ein anspornendes Beispiel hierfür sind die Hirtenkinder, die ihr Leben
für Gott hingegeben und es aus Liebe zu Gott mit ihren Nächsten
geteilt haben. Die Gottesmutter hat ihnen geholfen, ihre Herzen der Universalität
der Liebe zu öffnen.
Vor allem die selige
Jacinta war unermüdlich in ihrer Sorge um die Armen und in ihrem aufopferungsvollen
Wirken für die Bekehrung der Sünder. Nur mit dieser von Brüderlichkeit
und Anteilnahme beseelten Liebe wird es uns gelingen, die Zivilisation
der Liebe und des Friedens aufzubauen.
Wer glaubt, daß
die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich. Hier an diesem
Ort wird jener Plan Gottes wieder lebendig, der die Menschheit seit frühesten
Zeiten mit der Frage konfrontiert: „Wo ist
dein Bruder Abel? (...) Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden"
(Gen 4,9). Dem Menschen ist es gelungen, einen
Kreislauf des Todes und des Schreckens zu entfesseln, den er nicht mehr
zu durchbrechen vermag ... In der Heiligen Schrift ist häufig davon
die Rede, daß Gott nach Gerechtigkeit sucht, um die Stadt der Menschen
zu retten, und ebendies tut er hier, in Fatima, wenn die Muttergottes die
Frage stellt: „Wollt ihr euch Gott hingeben, um alle Leiden ertragen zu
können, die er euch aufzubürden gedenkt, als Sühne für
die Sünden, durch die er geschmäht wird, und als flehentliche
Bitte um die Bekehrung der Sünder?" (Memorias da Irma Lucia - Erinnerungen
von Schwester Lucia, l, 162).
In Anbetracht einer
Menschheitsfamilie, die bereit ist, ihre heiligsten Pflichten auf dem Altar
kleinlicher Egoismen im Namen der Nation, Rasse, Ideologie, Gruppe oder
des Individuums zu opfern, ist unsere gebenedeite Mutter vom Himmel herabgekommen,
um all jenen, die sich ihr anvertrauen, voller Hingabe die göttliche
Liebe ins Herz zu legen, die auch in ihrem Herzen brennt.
Zu jener Zeit waren
es nur drei Personen, deren Lebensbeispiel sich - insbesondere durch die
Weitergabe der Wandermuttergottes - in zahllosen Gruppen auf der ganzen
Erde verbreitet und vermehrt hat, die sich dem Anliegen brüderlicher
Solidarität widmen. Möge in den
sieben Jahren, die uns noch vom hundertsten Jahrestag der Erscheinungen
trennen, der angekündigte Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens
zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit näherkommen.
(aus: OR, 21. Mai
2010/Nr. 20)
(Quelle: "Bote
von Fatima" Nr. 7, Juli/2010, S. 74ff., Regensburg)
Papst
Benedikt erneuerte die Weihe der Priester an das Unbefleckte Herz Mariens
Neu: 16.5.2010
Melodie: Segne Du Maria
Königin von Deutschland,
führe uns zum Herrn.
Lehre uns ihn lieben,
was er hat sehr gern.
Lass uns sein geborgen,
in des Sohnes Herz.
Königin von Deutschland,
tröste Seinen Schmerz.
Königin von Deutschland,
tröste Seinen Schmerz.
Königin von Deutschland,
segne dieses Volk.
Lass uns alle treu
sein unser´m Herrn und Gott.
Rette Du die Deutschen,
schütz das Vaterland.
Fleh´ für
uns am Throne, um der Liebe Band!
Fleh´ für
uns am Throne, um der Liebe Band!
Königin von Deutschland,
sei uns allen nah.
Deinem reinsten Herzen
bringen wir uns dar.
Auch die Armen Seelen
wollen wir dir weih´n.
Tröste du sie
alle, in ihrer bittern Pein,
Tröste du sie
alle, in ihrer bittern Pein.