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Das Fest der Immaculata
am 8. Dezember ist in Italien ein Feiertag und in Rom besonders populär:
Seit 1953 ist es Brauch, dass der Papst an der Mariensäule mit den
Gläubigen betet und Blumen niederlegt. Sie erinnert an das Dogma
der Unbefleckten Empfängnis,
das am 8. Dezember 1854 von Papst Pius IX. verkündet wurde.
(Quelle: Arbeitsübersetzung
MPB-Sekretariat)
Liebe Brüder und
Schwestern,
Das Hochfest der Immaculata
lädt uns jedes Jahr von Neuem ein, uns an einem der schönsten
Plätze Roms zu versammeln, um die Mutter Christi und unsere Mutter
zu ehren.
Euch alle, die ihr hier anwesend oder über Radio oder Femsehen mit
uns verbunden seid, grüße ich sehr herzlich. Und ich danke euch
für eure gemeinschaftliche Teilnahme an diesem Gebet.
Die Marienstatue,
die die Säule krönt, um die wir uns geschart haben, erinnert
zum Teil an den soeben vorgetragenen Text aus der Apokalypse: „Dann
erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet;
der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf
Sternen auf ihrem Haupt" (Offb 12,1). Was
bedeutet dieses Bild? Es repräsentiert zugleich die Gottesmutter und
die Kirche.
Die „Frau" der Apokalypse
ist Maria. Sie erscheint „mit der Sonne bekleidet", das heißt mit
Gott bekleidet: Die Jungfrau Maria ist tatsächlich ganz vom Licht
Gottes umhüllt und lebt in Gott. Dieses Sinnbild des leuchtenden Gewandes
verdeutlicht einen Seinszustand Mariens: Sie ist „voll der Gnade", erfüllt
von der Liebe Gottes. Und „Gott ist Licht"
sagt der Hl. Johannes (Joh 1,5).
Darum spiegelt die „Immaculata", die „voll der Gnade" ist, mit ihrer ganzen
Person das Licht der „Sonne" wider, die Gott ist.
Diese Frau, die den
Mond unter ihren Füßen hat, der den Tod und die Sterblichkeit
symbolisiert, ist vollständig einbezogen in den Sieg ihres Sohnes
Jesus Christus über Sünde und Tod. Sie ist frei von jeglichem
Todesschatten und erfüllt von Leben. So wie der Tod keine Macht mehr
hat über den auferstandenen Jesus (vgl. Rom 6,9), so hat auch Maria
ihn hinter sich gelassen und überwunden, auf Grund eines besonderen
Gnadenprivilegs des allmächtigen Gottes. Und das offenbart sich in
den zwei großen Geheimnissen ihres Lebens: Zu Beginn wurde sie ohne
Erbsünde empfangen - dieses Geheimnis feiern wir heute - und am Ende
wurde sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen, in die Herrlichkeit
Gottes. Aber auch ihr ganzes irdisches Leben war ein Sieg über den
Tod, weil es ganz im Dienste Gottes stand, in der vollen Hingabe ihrer
selbst an Ihn und an den Nächsten. Darum ist Maria an sich ein Lobgesang
an das Leben. Sie ist das Geschöpf, in dem sich das Wort Christi bereits
verwirklicht hat: „Ich bin gekommen, damit
sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10).
In der Vision der
Offenbarung gibt es ein weiteres Detail: Auf dem Haupt trägt die mit
der Sonne bekleidete Frau „einen Kranz von zwölf Sternen". Dieses
Zeichen weist auf die zwölf Stämme Israels hin und bedeutet,
dass die Jungfrau Maria im Zentrum des Volkes Gottes und der ganzen Gemeinschaft
der Heiligen steht. So führt uns dieses Bild des Sternenkranzes zu
einer zweiten großen Deutung des himmlischen Zeichens der „mit der
Sonne bekleideten Frau". Dieses Zeichen stellt nicht nur die Muttergottes
dar, sondern verkörpert die Kirche, die christliche Gemeinschaft aller
Zeiten. Sie ist in dem Sinne schwanger, als sie Christus in ihrem Schoß
trägt und ihn für die Welt gebären muß: Das sind die
Geburtswehen der pilgernden Kirche auf Erden, die zwischen den Tröstungen
Gottes und den Verfolgungen der Welt Jesus zu den Menschen bringen muß.
Gerade weil die Kirche
Jesus trägt, trifft sie auf einen wütenden Gegner, der in der
apokalyptischen Vision als „ein Drache groß
und feuerrot" beschrieben ist (Offb
12,3).
Dieser Drache hat
vergeblich versucht, Jesus zu verschlingen - „einen
Sohn, der über alle Völker herrschen wird" (12,5)
- vergeblich deshalb, weil Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung
zu Gott aufgefahren ist und auf seinem Thron Platz genommen hat. Darum
richtet der Drache, der ein für allemal im Himmel besiegt wurde, seine
Angriffe in der Wüste der Welt gegen die Frau -die Kirche. Aber in
jedem Zeitalter wird die Kirche vom Licht und von der Kraft Gottes gestützt,
der sie in der Wüste mit dem Brot seines Wortes und der heiligen Eucharistie
nährt. Darum geht die Kirche aus allen Nöten, Prüfungen
und Verfolgungen, die sie im Laufe der Zeiten und in den verschiedenen
Teilen der Welt erleidet, als Siegerin hervor. Auf diese Weise gewährleistet
die christliche Gemeinschaft die Gegenwart der Liebe Gottes gegen jegliche
Ideologie des Hasses und des Egoismus.
Die einzige Nachstellung,
vor der die Kirche Angst haben kann und soll, ist die Sünde ihrer
Mitglieder. Während Maria unbefleckt ist, frei von jedem Makel der
Sünde, ist die Kirche heilig, aber zugleich von unseren Sünden
gezeichnet. Darum wendet sich das pilgernde Gottesvolk auf Erden an seine
himmlische Mutter und erfleht ihre Hilfe, damit sie den Glaubensweg begleite,
uns im Bemühen um ein christlichen Leben ermutige und in der Hoffnung
stärke. Wir brauchen ihre Hilfe, vor allem in dieser für Italien,
für Europa und viele Teile der Welt so schwierigen Zeit. Maria möge
uns helfen, das Licht jenseits des Nebels zu sehen, der die Realität
zu bedecken scheint. Darum wollen auch wir besonders an diesem Gedenktag
nicht aufhören, mit kindlichem Vertrauen ihre Hilfe zu erbitten: