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In freudiger Erwartung: Papstbesuch in Regensburg am 12. Sept. 2006

 Liebe Leser, liebe Mitglieder der Anna-Schäffer-Bruderschaft!
In diesen Wochen bereiten wir uns intensiv vor auf den Heimatbesuch unseres Heiligen Vaters, Papst Benedikts XVI. Viele organisatorische Fragen müssen erörtert, Sicherheitsvorkehrungen getroffen und Quartiere bestellt werden. Das Wichtigste aber, und darauf hat auch unser Diözesanbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller immer wieder hingewiesen, ist die innere, geistliche Vorbereitung auf dieses Jahrtausendereignis. Der Papst kommt in seine Heimat. Und wir dürfen zusammen mit ihm und durch ihn die Kirche wieder neu als unsere Heimat entdecken.
Daß uns in Benedikt XVI. durch Gottes Vorsehung ein überragender Theologe und Mann des Geistes als Papst geschenkt wurde, ist eine große Gnade. Daß in ihm aber auch ein bayerischer Landsmann auf dem Stuhl Petri das Volk Gottes weiden darf, ist eine Auszeichnung für unser Land, für unsere und seine Heimat, die uns zu neuem Glaubenseifer und neuer Glaubensfreude führen sollte.
Wer ist der Papst und welchen Auftrag und Dienst hat er im und für das Volk Gottes? Wir wollen diesen Fragen ein wenig nachgehen, um so die Bedeutung seines Besuches bei uns zu erfassen und aus seinem Besuch die notwendigen Konsequenzen für unser Glaubensleben zu ziehen.
Unter den vielen Titeln, die der Heilige Vater als Bischof von Rom, als Nachfolger des heiligen Petrus und Oberhaupt der Weltkirche führt, sind zwei von besonderer Bedeutung: „Stellvertreter Jesu Christi" und „Diener der Diener Gottes".

Stellvertreter Jesu Christi
Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt uns, daß Christus während seines Erdendaseins die zwölf Apostel nach Art eines Kollegiums einsetzte, an dessen Spitze er den Apostel Simon stellte (vgl. KKK 880). Einzig diesem gab er den Beinamen „Petrus - Fels" und ihm hat er die Schlüssel der Kirche, die Schlüssel des Himmelreiches übergeben mit den weithin bekannten Worten: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein" (Mt 16,19). Damit hat Christus Petrus zum Hirten der ganzen Kirche bestellt. So kann des II. Vatikanische Konzil sagen: Der Papst ist „das immerwährende und sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit sowohl von Bischöfen als auch von Gläubigen" (LG 23). Von daher kommt es ihm auch zu, daß er kraft seines obersten Hirtenamtes als Stellvertreter Jesu Christi auf Erden die „volle, höchste und allgemeine Vollmacht über die Kirche" immer und frei ausüben kann (vgl. KKK 882).

Wer von Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, schon einmal die Peterskirche in Rom betreten hat, dem sind dort gewiß die eben zitierten Worte aus dem Matthäus-Evangelium aufgefallen, da sie, in großen goldenen lateinischen Buchstaben auf einem durchlaufenden Band gesetzt, den Petersdom wie ein krönender Reif umgeben. Sie verkünden aller Welt den Willen Christi. Er wollte, daß seine Jüngerschaft um Simon Petrus geschart, seine Kirche bildet. Im Papst, dem sichtbaren Prinzip und Fundament der Einheit, soll sie ihren Halt und ihre Orientierung finden, inmitten der geistigen Strömungen der Zeit. Der Papst als römischer Bischof und Haupt des Bischofskollegiums erfreut sich kraft seines Amtes der Unfehlbarkeit, wenn er als oberster Hirt und Lehrer der Christenheit seine Schwestern und Brüder im Glauben stärkt, indem er eine Glaubens- oder die Sittenlehre in einem endgültigen Akt in feierlicher Weise verkündet. Solche feierliche Lehrentscheidungen bildeten u. a. in letzter Zeit das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter Maria (1854 unter dem seligen Papst Pius IX.) und das Dogma von der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel (1950 unter Papst Pius XII.).
Wenn uns der Heilige Vater in wenigen Wochen besuchen wird, dann kommt es entscheidend darauf an, daß wir auf seine Weisung und sein Wort hören; es will der Stärkung unseres Glaubens dienen, damit unser Land, unsere Gesellschaft wieder das werden, was sie jahrhundertlang waren: ein christlich geprägter Staat und eine nach christlichen Wertvorstellungen handelnde Gesellschaft, eine Gesellschaft, in der die Menschen, und unter ihnen in erster Linie die Christen, hellhörig sind gegen alle Tendenzen, die dieses christliche Erbe zerstören oder aushöhlen wollen. Nennen wir als wenige, aber sehr auffallende Beispiele die furchtbare Katastrophe der Abtreibungen, die moralische Verführung der Jugend (nicht zuletzt betrieben durch staatlich empfohlene und geförderte Sexualerziehung) und das unerlaubte, wilde Zusammenleben, ohne sich vor Gott im Sakrament der Ehe das Ja-Wort versprochen zu haben.
Es genügt nicht, den Papst nur äußerlich zu empfangen und die Fahnen zu schwenken. Wir müssen auf die Botschaft des Glaubens hören, die er uns im Namen Christi als oberster Lehrer der Kirche in heiliger Pflicht verkündet. Machen wir ihm dieses Amt nicht schwerer, als es ohnehin auf seinen Schultern lastet. Weil der Heilige Vater nicht nur ein berühmter Politiker oder gefeierter Star ist, sondern weil er Stellvertreter Christi ist, deshalb kommt seinen Weisungen für uns in dieser Zeit besondere Bedeutung zu, auch für die innere Erneuerung unseres Landes und der Christenheit. Öffnen wir dafür unsere Ohren und mehr noch unsere Herzen!
 
Wenn du den Leib und das Blut Christi empfängst, sollst du mit Leib und Blut eins mit ihm werden. So werden wir Christusträger, da sein Leib und sein Blut unsere Glieder durchdringt.
So erhalten wir nach dem heiligen Petrus Anteil an der göttlichen Natur, (vgl. 2 Petr 1, 4).
(Hl. Cyrill von Jerusalem)

Der Heilige Vater ist aber nicht nur Stellvertreter Christi auf Erden, sondern ebenso Diener der Menschen wie Christus. Papst Benedikt versteht sich seit dem ersten Tag seines Pontifikats wirklich als „Diener der Diener Gottes". In seiner zeichenhaften, menschlichen Demut und edlen Bescheidenheit sieht er sich als erster Diener der Kirche. Er weiß, daß es die Herde Christi ist, die ihm zu weiden anvertraut wurde, die nicht ihm gehört, sondern die der Sohn Gottes sich selbst mit seinem eigenen Blut erkauft hat (vgl. Offb 5, 9).
Schon am Abend seiner Wahl drückte Benedikt XVI. diese seine innerste Haltung aus, als er auf der Segensloggia des Petersdomes unmittelbar nach Antritt des Petrusamtes vor dem ersten päpstlichen Segen die unvergessenen Worte an die Menschen auf dem Petersplatz und in aller Welt richtete: „Nach dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Herren Kardinale mich gewählt, einen einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Mich trös-
tet die Tatsache, daß der Herr auch mit ungenügenden Werkzeugen zu arbeiten und zu wirken weiß. (...). Der Herr wird uns helfen, und Maria, seine allerseligste Mutter, steht uns zur Seite" (OR 16/2005, S. 1).
Als einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn, so versteht sich Benedikt XVI. Und trotz seiner hohen theologischen Qualifikation sieht er sich als ungenügendes Werkzeug, denn er weiß, daß ohne die Gnade Gottes und ohne seine Hilfe alles menschliche Denken, Planen und Organisieren fruchtlos verlaufen wird. Nur der Herr selber und seine heiligste Mutter Maria können ihm helfen, daß sein Pontifikat in der Geschichte der Kirche jene Frucht trägt, die ihm von Gott her zugedacht ist.
Liebe Leser, mühen auch wir uns um solche echte und tiefe Demut im Dienste Gottes für die Menschen. Nur durch sie kann die Kirche auferbaut werden. „Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst", so wandte sich der Papst bei seinem Amtsantritt an die Gläubigen. Die höchste Form der Demut hat uns der Sohn Gottes selbst vorgelebt in seiner Kreuzigung. Sie war der letzte und größte Dienst seiner Liebe an die Menschheit. Und jeder, der zu Christus gehört, muß ihm darin auf je seine Weise nachfolgen, jeder an seinem Platz, wo Gott ihn hingestellt hat. „Diener der Diener Gottes" zu sein, das ist wahrhaft ein hoher Titel, aber eine noch größere Aufgabe und Herausforderung. Beten wir für unseren Heiligen Vater, daß ihm die Kraft zu diesem Dienst geschenkt ist und erhalten bleibe!
„Keine Liebe ohne das Leid der Verwandlung" Liebe Verehrer der seligen Anna Schäffer, liebe Bruderschafts- mitglieder! Wir dürfen uns glücklich schätzen, daß Anna Schäffer für Papst Benedikt keine Fremde ist, sondern daß ihm ihr Leben, ihr Sühneleiden und Sterben wohl vertraut ist. Am Tage vor der feierlichen Seligsprechung Anna Schäffers, am 6. März 1999, hat Papst Benedikt, damals noch als Kardinal und Präfekt der römischen Glaubenskongregation, während der abendlichen Eucharistiefeier in der Basilika St. Paul vor den Mauern Annas Leben und Leiden als vorbildhaft und wegweisend für unsere Zeit vorgestellt. Damals sagte er zu den vielen Tausenden von Pilgern, unser Auftrag bestehe darin, den Menschen zu helfen, das Leiden zu erlernen, das Leiden anzunehmen. Wörtlich sagte er: „Es gibt keine Liebe ohne das Leid der Verwandlung. Nur darin können wir überhaupt reifen. Es gibt keine Treue ohne den Schmerz und die Geduld der Verwandlungen, die wir brauchen. Und wenn reich nur werden kann, wer viel verwandelt worden ist, dann kann reich nur werden, wer auch wirklich Leiden angenommen hat und Leiden anzunehmen gelernt hat".
Den Menschen unserer Umgebung zu helfen, das Leiden im Geiste Christi neu zu lernen und anzunehmen, dazu will auch unsere Anna-Schäffer-Bruderschaft beitragen. Allen Mitgliedern darf ich von dieser Stelle aus noch einmal herzlich danken für ihren Beitritt und ihre Bereitschaft, nach dem Vorbild Anna Schäffers Christus im eucharistischen Sakrament anzubeten und sich den Notleidenden und Kranken entweder im aktiven Liebesdienst oder durch Gebet zuzuwenden. Die Mitgliederzahl hat sich bereits auf über 700 Beitritte aus unterschiedlichen Ländern erhöht. Das darf uns mit Freunde und Dankbarkeit erfüllen und uns ermutigen, weiterhin für unsere Bruderschaft zu werben (Anmeldungsformular s. Seite 46), Menschen darauf anzusprechen und so das geistige Erbe Anna Schäffers weiterzutragen.

An dieser Stelle möchte ich auch wieder meinen guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Causa Anna Schäffer in der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse ein herzliches Wort des Dankes sagen für alle Mithilfe bei der Bearbeitung des Prozesses und der zahlreichen Posteingänge: meinen Sekretärinnen Frau Staudinger, Frau Steidl, Frau Zankl, ebenso Frau Fidorra und Frau Dotzler für Ihre wertvolle Unterstützung. Herrn Karl Dotzler ein herzliches Vergelt' s Gott für seinen ehrenamtlichen und umsichtigen Dienst der Buchführung für die verschiedenen Causen unserer Abteilung. Nicht zuletzt auch ein herzliches Wort des Dankes an H. H. BGR Pfarrer Johann Bauer und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren eifrigen Einsatz am Grabe Anna Schäffers in Mindelstetten.


Gebet zur Vorbereitung auf den Pastoralbesuch
des Heiligen Vaters in Regensburg am 12. September 2006 Herr Jesus Christus
Herr Jesus Christus,
Sohn des lebendigen Gottes,
du hast den heiligen Petrus berufen,
Menschen für das Evangelium zu gewinnen.
Stärke den Nachfolger des Apostels Petrus,
Papst Benedikt, in seinem universalen Hirtendienst.
Schenke uns die Gewißheit,
im Glauben nie allein zu sein.
Laß den Pastoralbesuch unseres Heiligen Vaters
zu einem Fest des Glaubens werden.
Schenke deiner Kirche neue Kraft,
damit sie dich in der Welt glaubwürdig bezeugt.
Dir sei Anbetung und Ehre
mit dem Vater und dem Heiligen Geist,
Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. - Amen.

Heilige Maria, Mutter der Kirche bitte für uns.
Heiliger Benedikt, Schutzpatron Europas bitte für uns.
Heiliger Bischof Wolfgang bitte für uns.
Alle Heiligen und Seligen unseres Bistums bittet für uns.

(Quelle: "Selige Anna Schäffer" Mindelstetten, Juli 2006, Brief 49, S. 3ff.)


Beten Sie mit und für den Papst:
„Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück." (Papst Benedikt XVI.)

Segenswunsch

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden (4 Mose 6,24-26)

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