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Liebe
Leser, liebe Mitglieder der Anna-Schäffer-Bruderschaft!
In
diesen Wochen bereiten wir uns intensiv vor auf den Heimatbesuch unseres
Heiligen Vaters, Papst Benedikts XVI. Viele organisatorische Fragen müssen
erörtert, Sicherheitsvorkehrungen getroffen und Quartiere bestellt
werden. Das Wichtigste aber, und darauf hat auch unser Diözesanbischof
Dr. Gerhard Ludwig Müller immer wieder hingewiesen, ist die innere,
geistliche Vorbereitung auf dieses Jahrtausendereignis. Der Papst kommt
in seine Heimat. Und wir dürfen zusammen mit ihm und durch ihn die
Kirche wieder neu als unsere Heimat entdecken.
Daß
uns in Benedikt XVI. durch Gottes Vorsehung ein überragender Theologe
und Mann des Geistes als Papst geschenkt wurde, ist eine große Gnade.
Daß in ihm aber auch ein bayerischer Landsmann auf dem Stuhl Petri
das Volk Gottes weiden darf, ist eine Auszeichnung für unser Land,
für unsere und seine Heimat, die uns zu neuem Glaubenseifer und neuer
Glaubensfreude führen sollte.
Wer
ist der Papst und welchen Auftrag und Dienst hat er im und für das
Volk Gottes? Wir wollen diesen Fragen ein wenig nachgehen, um so die Bedeutung
seines Besuches bei uns zu erfassen und aus seinem Besuch die notwendigen
Konsequenzen für unser Glaubensleben zu ziehen.
Unter
den vielen Titeln, die der Heilige Vater als Bischof von Rom, als Nachfolger
des heiligen Petrus und Oberhaupt der Weltkirche führt, sind zwei
von besonderer Bedeutung: „Stellvertreter
Jesu Christi" und „Diener
der Diener Gottes".
Stellvertreter Jesu
Christi
Der
Katechismus der Katholischen Kirche sagt uns, daß Christus während
seines Erdendaseins die zwölf Apostel nach
Art eines Kollegiums einsetzte, an dessen Spitze er den Apostel Simon stellte
(vgl. KKK 880). Einzig diesem
gab er den Beinamen „Petrus - Fels" und ihm
hat er die Schlüssel der Kirche, die Schlüssel des Himmelreiches
übergeben mit den weithin bekannten Worten: „Ich
werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden
wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen
wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein" (Mt 16,19).
Damit hat Christus Petrus zum Hirten der ganzen Kirche bestellt. So kann
des II. Vatikanische Konzil sagen: Der Papst ist „das immerwährende
und sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit sowohl
von Bischöfen als auch von Gläubigen" (LG 23). Von daher kommt
es ihm auch zu, daß er kraft seines obersten Hirtenamtes als Stellvertreter
Jesu Christi auf Erden die „volle, höchste und allgemeine Vollmacht
über die Kirche" immer und frei ausüben kann (vgl. KKK 882).
Wer
von Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, schon einmal die Peterskirche in
Rom betreten hat, dem sind dort gewiß die eben zitierten Worte aus
dem Matthäus-Evangelium aufgefallen, da sie, in großen goldenen
lateinischen Buchstaben auf einem durchlaufenden Band gesetzt, den Petersdom
wie ein krönender Reif umgeben. Sie verkünden aller Welt den
Willen Christi. Er wollte, daß seine Jüngerschaft um Simon Petrus
geschart, seine Kirche bildet. Im Papst, dem sichtbaren Prinzip und Fundament
der Einheit, soll sie ihren Halt und ihre Orientierung finden, inmitten
der geistigen Strömungen der Zeit. Der Papst als römischer Bischof
und Haupt des Bischofskollegiums erfreut sich kraft seines Amtes der Unfehlbarkeit,
wenn er als oberster Hirt und Lehrer der Christenheit seine Schwestern
und Brüder im Glauben stärkt, indem er eine Glaubens- oder die
Sittenlehre in einem endgültigen Akt in feierlicher Weise verkündet.
Solche feierliche Lehrentscheidungen bildeten u. a. in letzter Zeit das
Dogma von der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter
Maria (1854 unter dem seligen Papst Pius IX.) und das Dogma von der leiblichen
Aufnahme Marias in den Himmel (1950 unter Papst Pius XII.).
Wenn uns der Heilige
Vater in wenigen Wochen besuchen wird, dann kommt es entscheidend darauf
an, daß wir auf seine Weisung und sein Wort hören;
es will der Stärkung unseres Glaubens dienen, damit unser Land, unsere
Gesellschaft wieder das werden, was sie jahrhundertlang waren: ein christlich
geprägter Staat und eine nach christlichen Wertvorstellungen handelnde
Gesellschaft, eine Gesellschaft, in der die Menschen, und unter ihnen in
erster Linie die Christen, hellhörig sind gegen alle Tendenzen, die
dieses christliche Erbe zerstören oder aushöhlen wollen. Nennen
wir als wenige, aber sehr auffallende Beispiele die furchtbare Katastrophe
der Abtreibungen, die moralische Verführung der Jugend (nicht zuletzt
betrieben durch staatlich empfohlene und geförderte Sexualerziehung)
und das unerlaubte, wilde Zusammenleben, ohne sich vor Gott im Sakrament
der Ehe das Ja-Wort versprochen zu haben.
Es genügt
nicht, den Papst nur äußerlich zu empfangen und die Fahnen zu
schwenken. Wir müssen auf
die Botschaft des Glaubens hören, die er uns im Namen Christi als
oberster Lehrer der Kirche in heiliger Pflicht verkündet. Machen wir
ihm dieses Amt nicht schwerer, als es ohnehin auf seinen Schultern lastet.
Weil der Heilige Vater nicht nur ein berühmter Politiker oder gefeierter
Star ist, sondern weil er Stellvertreter Christi ist, deshalb kommt seinen
Weisungen für uns in dieser Zeit besondere Bedeutung zu, auch für
die innere Erneuerung unseres Landes und der Christenheit. Öffnen
wir dafür unsere Ohren und mehr noch unsere Herzen!
| Wenn
du den Leib und das Blut Christi empfängst, sollst du mit Leib und
Blut eins mit ihm werden. So werden wir Christusträger, da sein Leib
und sein Blut unsere Glieder durchdringt.
So erhalten wir nach dem heiligen Petrus Anteil an der göttlichen Natur, (vgl. 2 Petr 1, 4). (Hl. Cyrill von Jerusalem) |
Der
Heilige Vater ist aber nicht nur Stellvertreter Christi auf Erden, sondern
ebenso Diener der Menschen wie Christus. Papst Benedikt versteht sich seit
dem ersten Tag seines Pontifikats wirklich als „Diener der Diener Gottes".
In seiner zeichenhaften, menschlichen Demut und edlen Bescheidenheit sieht
er sich als erster Diener der Kirche. Er weiß, daß es die Herde
Christi ist, die ihm zu weiden anvertraut wurde, die nicht ihm gehört,
sondern die der Sohn Gottes sich selbst mit seinem eigenen Blut erkauft
hat (vgl. Offb 5, 9).
Schon
am Abend seiner Wahl drückte Benedikt XVI. diese seine innerste Haltung
aus, als er auf der Segensloggia des Petersdomes unmittelbar nach Antritt
des Petrusamtes vor dem ersten päpstlichen Segen die unvergessenen
Worte an die Menschen auf dem Petersplatz und in aller Welt richtete: „Nach
dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Herren Kardinale mich
gewählt, einen einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des
Herrn. Mich trös-
tet
die Tatsache, daß der Herr auch mit ungenügenden Werkzeugen
zu arbeiten und zu wirken weiß. (...). Der Herr wird uns helfen,
und Maria, seine allerseligste Mutter, steht uns zur Seite" (OR 16/2005,
S. 1).
Als
einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn, so versteht
sich Benedikt XVI. Und trotz seiner hohen theologischen Qualifikation sieht
er sich als ungenügendes Werkzeug, denn er weiß, daß ohne
die Gnade Gottes und ohne seine Hilfe alles menschliche Denken, Planen
und Organisieren fruchtlos verlaufen wird. Nur der Herr selber und seine
heiligste Mutter Maria können ihm helfen, daß sein Pontifikat
in der Geschichte der Kirche jene Frucht trägt, die ihm von Gott her
zugedacht ist.
Liebe
Leser, mühen auch wir uns um solche echte und tiefe Demut im Dienste
Gottes für die Menschen. Nur durch sie kann die Kirche auferbaut werden.
„Die
Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst",
so wandte sich der Papst bei seinem Amtsantritt an die Gläubigen.
Die höchste Form der Demut hat uns der Sohn Gottes selbst vorgelebt
in seiner Kreuzigung. Sie war der letzte und größte Dienst seiner
Liebe an die Menschheit. Und jeder, der zu Christus gehört, muß
ihm darin auf je seine Weise nachfolgen, jeder an seinem Platz, wo Gott
ihn hingestellt hat. „Diener der Diener Gottes" zu sein, das ist wahrhaft
ein hoher Titel, aber eine noch größere Aufgabe und Herausforderung.
Beten wir für unseren Heiligen Vater, daß ihm die Kraft zu diesem
Dienst geschenkt ist und erhalten bleibe!
„Keine
Liebe ohne das Leid der Verwandlung" Liebe Verehrer der seligen Anna Schäffer,
liebe Bruderschafts- mitglieder! Wir dürfen uns glücklich schätzen,
daß Anna Schäffer für Papst Benedikt keine Fremde ist,
sondern daß ihm ihr Leben, ihr Sühneleiden und Sterben wohl
vertraut ist. Am Tage vor der feierlichen Seligsprechung Anna Schäffers,
am 6. März 1999, hat Papst Benedikt, damals noch als Kardinal und
Präfekt der römischen Glaubenskongregation, während der
abendlichen Eucharistiefeier in der Basilika St. Paul vor den Mauern Annas
Leben und Leiden als vorbildhaft und wegweisend für unsere Zeit vorgestellt.
Damals sagte er zu den vielen Tausenden von Pilgern, unser Auftrag bestehe
darin, den Menschen zu helfen, das Leiden zu erlernen, das Leiden anzunehmen.
Wörtlich sagte er: „Es gibt keine Liebe ohne das Leid der Verwandlung.
Nur darin können wir überhaupt reifen. Es gibt keine Treue ohne
den Schmerz und die Geduld der Verwandlungen, die wir brauchen. Und wenn
reich nur werden kann, wer viel verwandelt worden ist, dann kann reich
nur werden, wer auch wirklich Leiden angenommen hat und Leiden anzunehmen
gelernt hat".
Den
Menschen unserer Umgebung zu helfen, das Leiden im Geiste Christi neu zu
lernen und anzunehmen, dazu will auch unsere Anna-Schäffer-Bruderschaft
beitragen. Allen Mitgliedern darf ich von dieser Stelle aus noch einmal
herzlich danken für ihren Beitritt und ihre Bereitschaft, nach dem
Vorbild Anna Schäffers Christus im eucharistischen Sakrament anzubeten
und sich den Notleidenden und Kranken entweder im aktiven Liebesdienst
oder durch Gebet zuzuwenden. Die Mitgliederzahl hat sich bereits auf über
700 Beitritte aus unterschiedlichen Ländern erhöht. Das darf
uns mit Freunde und Dankbarkeit erfüllen und uns ermutigen, weiterhin
für unsere Bruderschaft zu werben (Anmeldungsformular s. Seite 46),
Menschen darauf anzusprechen und so das geistige Erbe Anna Schäffers
weiterzutragen.
An
dieser Stelle möchte ich auch wieder meinen guten Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern für die Causa Anna Schäffer in der Abteilung
für Selig- und Heiligsprechungsprozesse ein herzliches Wort des Dankes
sagen für alle Mithilfe bei der Bearbeitung des Prozesses und der
zahlreichen Posteingänge: meinen Sekretärinnen Frau Staudinger,
Frau Steidl, Frau Zankl, ebenso Frau Fidorra und Frau Dotzler für
Ihre wertvolle Unterstützung. Herrn Karl Dotzler ein herzliches Vergelt'
s Gott für seinen ehrenamtlichen und umsichtigen Dienst der Buchführung
für die verschiedenen Causen unserer Abteilung. Nicht zuletzt auch
ein herzliches Wort des Dankes an H. H. BGR Pfarrer Johann Bauer und seinen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren eifrigen Einsatz am Grabe
Anna Schäffers in Mindelstetten.
Heilige
Maria, Mutter der Kirche bitte für uns.
Heiliger
Benedikt, Schutzpatron Europas bitte für uns.
Heiliger
Bischof Wolfgang bitte für uns.
Alle
Heiligen und Seligen unseres Bistums bittet für uns.
(Quelle:
"Selige Anna Schäffer" Mindelstetten, Juli 2006, Brief 49, S. 3ff.)
Segenswunsch