WORTE ZUR OSTERZEIT
Von Bischof Dr. Rudolf Graber +
 
Zu den österlichen Gestalten gehört auch eine Frau: Maria Magdalena. Die Liebe, die sie auf Kaivaria führt und dort unter dem Kreuz ausharren ließ, führt sie auch ans Grab des Herrn. Auch sie erkennt den Auferstandenen nicht, genauso wenig wie die Emmausjünger, und sie vermeint, in ihm einen Gärtner zu sehen. Erst als sie die vertraute Stimme hört, da erkennt sie ihn. Sie ringt nach einem Wort - wie soll sie ihn nur rasch nennen - es fällt ihr nichts anderes ein als „Rabboni", mein Meister; sie will ihn fassen, aber er, der Auferstandene, wehrt ab und gibt den Auftrag, zu den Brüdern zu gehen und ihnen seine bevorstehende Heimkehr zum Vater zu verkünden. Maria Magdalena, die einstige Sünderin, wird Diakonin oder Diakonisse des Evangeliums, der Frohbotschaft des Ostergeheimnisses. In Maria Magdalena hat jede christliche Frau den Auftrag erhalten, die österliche Frohbotschaft zu verkünden. - Es ist eigenartig, wie häufig und wie intensiv sich Kunst und Literatur mit Magdalena beschäftigt haben. Ich zitiere nur drei Namen, die über sie geschrieben haben, Kardinal Bérulle, den Begründer der „Ecole francaise", den französischen Dominikaner Bruckberger, und neuestens Walter Nigg in seinem wunderbar tiefen Buch „Glanz der Legende". Es ist ja schon vom rein Menschlichen her verständlich, daß ein solches Leben aus der Sünde, über das Kreuz zum Ostermorgen das Interesse aller Zeiten hervorrufen muß. Gewiß war diese Konversion das Werk einer außerordentlichen Gnade. Aber die Gnade konnte bei Magdalena an etwas anknüpfen, was selbst in einem sündigen Leben nicht ganz erloschen ist, nämlich die ehnsucht nach dem Hohen und Reinen. Und wenn wir gestern bei den Emmausjüngern als Tor zum Erkennen Christi die Vertiefung in die Heilige Schrift nannten, so ist es heute bei Magdalena die Sehnsucht des Menschenherzens. Diese Sehnsucht, über sich emporzusteigen, ein anderer Mensch zu werden, hat ihr auch die Kraft gegeben, das zu werden, als was sie in die Geschichte und in die Legende eingegangen ist, als die Büßerin. Darüber aber hat gerade Walter Nigg so Schönes gesagt, daß wir damit unsere kurze Besinnung schließen wollen: „Maria Magdalena hat kraft ihrer innigen Liebe zum Herrn die sündige Vergangenheit restlos ausgelöscht und damit die Buße zu einer mystischen Rose des neuen Lebens erhoben. Maria Magdalena steht zwischen Eva und Maria, sie ist die Eva, die zur Madonna aufgestiegen ist und dadurch das lebendige Beispiel für die zeitlose Hoffnung gegeben hat, daß gerade die büßenden Menschen das letzte Wort sprechen werden, auf das wir warten."

Einladung ergeht zu einer Gebetsnacht des Freundeskreises Maria
Goretti in Marienfried bei Ulm am 08./09. April 2011 (2. Freitag i.
M.) für eine vom Glauben geprägte, reine Erziehung unserer Kinder
und Jugendlichen und die Entfernung der Sexualerziehung aus den
Schulen von 20.00 Uhr- 3.30 Uhr.
Es fährt ein Bus nach Marienfried. Information unter: 089-8342050.

(Quelle: "Bote von Fatima" 4-2011, S. 41, Regensburg)


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