|
|
Am 18. September 2010 wurde Kardinal J. H. Newman, einer der berühmtesten Konvertiten der Katholischen Kirche, von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen. Newman war ein intellektuell und geistig genialer Mensch, dabei aber auch ein Mensch, der einen tiefen und demütigen Glauben besaß. Seine philosophischen und theologischen Texte gehören zu den größten Schätzen der Menschheit.
Der selige Kardinal John Henry Newman kam am 24. Februar 1801 in London, in der Old Broad Street, zur Welt. Sein Vater war Bankier, und seine Mutter stammte aus einer protestantischen, französischen Familie, die nach England ausgewandert war. John war der Älteste von sechs Geschwistern (er hatte zwei Brüder und drei Schwestern). Von der Mutter und Großmutter lernten die Kinder eine einfache und vertrauensvolle Frömmigkeit. John Henry erinnerte sich, daß er zur täglichen Bibellesung ermuntert wurde, jedoch bis zu seinem 15. Lebensjahr keinerlei religiöse Überzeugungen hatte.
Glaubenskrise
und erste Bekehrung
John Henry Newman
war sehr talentiert und wurde von seinem Vater im Geiste des liberalen
Anglikanismus erzogen. Als er 14 Jahre alt war, las er Bücher, die
die Glaubwürdigkeit der Bibel infrage stellten, die Kirche verunglimpften,
die Existenz von Wundern und die Unsterblichkeit der Seele leugneten. Diese
antichristlichen Inhalte führten dazu, daß der 15-jährige
Henry den Glauben an Gott verlor. Im Herbst des Jahres 1816 kam es im Leben
des Jungen zu einer radikalen Veränderung. Er traf auf einen brillanten
anglikanischen Prediger, der ihm gute Bücher zum Lesen gab. So konnte
Newman seine Glaubenskrise überwinden und daran glauben, daß
das ewige Leben existiert. Er erlangte die Sicherheit wieder, daß
es einen transzendenten Gott gibt, der durch das menschliche Gewissen spricht
und von dem die Erlösung des Menschen abhängt. Leider war John
Henry aufgrund der Lektüre antikatholischer, protestantischer Autoren
davon überzeugt, daß der Papst der Antichrist und die Katholische
Kirche eine demoralisierte, abergläubische Institution ist.
Nach seiner Bekehrung
legte der 15-jährige Newman private Keuschheitsgelübde ab; er
begann, oft die Heilige Kommunion zu empfangen, betete täglich, pflegte
das Bewußtsein der Gegenwart Gottes, meditierte die Texte der Heiligen
Schrift, bekämpfte den Hochmut, die Eitelkeit, sexuelle Versuchungen,
und kontrollierte seine Gefühle und sein Temperament.
Die
Sünde hassen - Die
Ansichten Newmans waren aufgrund ihrer Fortschrittlichkeit eine Vorbereitung
für das 1. und 2. Vatikanische Konzil
Während des Heranwachsens
machte J. H. Newman die Erfahrung starker Versuchungen, mit denen er entschieden
kämpfte. Er schrieb: „Die Menschen in der Welt, die fleischlichen
und ungläubigen, sind davon überzeugt, daß die Versuchungen,
die sie erfahren, und die Sünden, denen sie erliegen, zu ihrer Natur
gehören - und deshalb nicht ihre Schuld sind; auf diese Art und Weise
stellen sie die Existenz der Sünde infrage, die doch das größte
Unglück eines jeden Menschen ist. Man kann nicht den Weg des Glaubens
zur Fülle des Glücks im Himmel beschreiten, wenn man nicht gleich
am Anfang dieses Weges beginnt, die Sünde zu hassen". Deshalb betete
Newman folgendermaßen: „Herr, Du hast uns erschaffen, um uns glücklich
zu machen. Und unser Glück beruht auf dem Gehorsam Dir gegenüber.
Wir haben jedoch das Glück auf unseren eigenen Wegen gesucht - wir
haben Dich verlassen. Oh mein Gott, wie zahlen wir - wie zahle ich es -
Dir heim, wenn wir sündigen! Was für eine furchtbare Undankbarkeit!
Und was für eine Strafe gibt es dafür, wenn wir unser Glück
verwerfen und die Hölle anstatt des Himmels wählen! Ich weiß,
Du wirst sagen: »Er soll tun, was er will! Wenn er das Verderben
und den Untergang sucht, soll er das doch finden! Wenn er meine Gnaden
verschmäht, die ich ihm gebe, so sollen sie für ihn zum Verhängnis
werden!« Du, mein Gott, hast ein Anrecht auf mich, ich bin ganz Dein.
Ich bin Dein Eigentum und Dein Werk, und meine einzige Aufgabe besteht
darin, Dir zu dienen. Ich bekenne, oh mein Gott, daß ich dies oft
vollkommen vergessen habe. Meistens habe ich mich so verhalten, als ob
ich ganz Herr meiner selbst wäre, und war Dir gegenüber trotzig.
Ich tat, was mir gefiel, und fragte nicht, ob es Dir gefiel. Die Verhärtung
und Unempfindlichkeit meines Herzens ist so gewaltig, daß ich gar
nicht wahrnehme, wie groß das Böse ist. Ich begreife nicht,
wie schrecklich die Sünde ist - ich hasse und fürchte sie nicht
so, wie ich es sollte. Sie erfüllt mich weder mit Abscheu noch mit
Ekel, ich wende mich nicht mit Empörung von dem Bösen ab, weil
es Dich beleidigt, vielmehr spiele ich damit, und wenn ich mich auch vor
schweren Sünden hüte, so begehe ich doch die läßlichen
Sünden ohne größeren Widerstand. Oh mein Gott, wie schrecklich
ist doch der Unterschied zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich sein
sollte!"
J. H. Newman betete
darum, die Sünde hassen zu können, und bemühte sich täglich,
den Weg zu beschreiten, der ihn auf die Höhen der reinen Liebe und
Heiligkeit führte.
Er war der Stimme
seines Gewissens gehorsam, die für ihn gleichsam die Stimme Gottes
war. Er schrieb: „So wie wir die grundlegendsten Informationen über
die Welt von unseren Sinnen bekommen, so erhalten wir auch alle maßgeblichen
Informationen über den Herrn und Gott dieses Universums vor allem
von unserem Gewissen (...) Durch die sich die ganze Zeit über wiederholenden
moralischen Niederlagen, bei denen das Gewissen derart wirkt, daß
es uns heftig den Befehl unseres Herrn aufdrängt, bekommen wir immer
wieder neue Beweise für die Existenz eines souveränen Herrschers,
von dem diese einzelnen Befehle, die wir in unserem Bewußtsein erleben,
stammen".
Die
Sehnsucht nach der Wahrheit
Bei seiner Suche nach
der Wahrheit war Newman vollkommen kompromißlos. Er schrieb dazu:
„Ich sehne mich von ganzem Herzen nach der Wahrheit und umfasse sie, wo
auch immer ich sie finde". Im Jahre 1817 begann er sein Studium in Oxford.
Die ersten vier Jahre lang studierte er Literaturwissenschaften, Mathematik
und Jura, später anglikanische Theologie. Aufgrund seiner hervorragenden
Fähigkeiten wurde er bereits im Jahre 1822 zum Theologieprofessor
am Oriel College nominiert. Am 29. Mai 1825, es war Pfingsten, wurde er
zum anglikanischen Geistlichen geweiht. Im Jahre 1828 starb ganz unerwartet
seine geliebte, erst 19-jährige Schwester Mary. Es war eine der schmerzhaftesten
Erfahrungen im Leben des jungen Newman. Es machte ihm die Zerbrechlichkeit
des irdischen Lebens bewußt und rückte die Ewigkeit ins Blickfeld.
Er verstand, daß die moralische und geistige Vollkommenheit, also
die Heiligkeit, viel wichtiger ist als intellektuelle Höchstleistungen.
Im Dezember des Jahres
1832 begann Newman eine lange Schiffsreise nach Spanien, Gibraltar, Algerien,
Malta, Sizilien, Neapel und Rom. Er erreichte die Ewige Stadt am 2. März
des Jahres 1833. Der Anblick der Kirchen Roms, der Kunstschätze und
der Architektur machte einen kolossalen Eindruck auf ihn. Auf dem Rückweg,
während eines Zwischenstopps im wunderschönen Hafen Bonifacio,
schrieb Newman das Gedicht The Pilar oft the
Cloud, das später zu dem bekannten Kirchenlied
Lead, kindly light wurde. Der Autor brachte in diesem Gedicht die Zerbrechlichkeit
seiner Existenz sowie seine vollkommene Hingabe in die Hände des Barmherzigen
Gottes zum Ausdruck. Diese Erlebnisse führten dazu, daß Newman
von ganzem Herzen nach Heiligkeit strebte. Er schrieb: „Wenn
wir Gott nicht lieben, dann geschieht das deshalb, weil wir keine Sehnsucht
danach verspürten, Ihn zu lieben, nicht versucht haben, Ihn zu lieben,
niemals darum gebetet haben, Ihn lieben zu können. Wir trugen auch
nicht täglich diesen Gedanken und diese Sehnsucht in unserer Seele,
wir hatten Ihn nicht die ganze Zeit über in den kleinen Ereignissen
des Alltags vor Augen. Es geht um die Sehnsucht, unseren Schöpfer
kennenlernen zu wollen, und den Drang des Herzens danach, Ihm zu dienen.
Das geht der religiösen Bekehrung voran".
Die
Säule und Stütze der Wahrheit
Einige Tage nach seiner
Rückkehr aus Rom, im Juni des Jahres 1833, initiierte Newman gemeinsam
mit John Keble, Edward Pusey und Richard Froud eine Bewegung zur Erneuerung
der nglikanischen Kirche. Es war die sogenannte Oxforder Bewegung, deren
inoffizieller Anführer Newman war. Eines der Hauptziele dieser Bewegung
bestand in der Befreiung der Kirche von der weltlichen Regierung sowie
in der Bekämpfung des Liberalismus, der die Fundamente des christlichen
Glaubens zerstörte, da er die Existenz der objektiven, offenbarten
Wahrheit infrage stellte. Die Doktrin der anglikanischen Kirche ist in
dem offiziellen Schema der 39 Artikel enthalten, die zu Beginn des 16.
Jahrhunderts unter Elisabeth I. zusammengestellt wurden. Die Oxforder Bewegung
wollte eine Erneuerung des Anglikanismus, eine Rückkehr zu den katholischen
Wurzeln. Um das katholische Antlitz der anglikanischen Kirche zu zeigen,
veröffentlichte Newman in der britischen Zeitung The Times einen Text
unter dem Titel Tract 90,
in dem er aufzeigte, daß die 39 Artikel mit der katholischen Doktrin
übereinstimmen.
Nach der Veröffentlichung
von Tract 90 kam es zu vielen Bekehrungen zur Katholischen Kirche. Die
Entscheidungsträger in Oxford verurteilten Tract 90 eindeutig und
bezeichneten Newman als einen unehrlichen Menschen, der behaupte, man könne
die 39 Artikel mit den „römisch-katholischen Fehlern" vereinbaren.
Der Standpunkt Newmans wurde in den Hirtenbriefen vom Oxforder Bischof
und anderen anglikanischen Bischöfen scharf verurteilt. Newman wurde
zum Objekt einer massiven Verleumdungskampagne in der Presse, hervorgerufen
durch anglikanische Geistliche und liberale Universitätsprofessoren.
Bei seiner Entdeckung
der Wahrheit waren das Studium der Anfänge der Kirche sowie die Schriften
der Kirchenväter für Newman von entscheidender Bedeutung. Es
wurde ihm bewußt, daß eine große Analogie zwischen der
Atmosphäre, in der in den ersten Jahrhunderten des Christentums die
Irrlehre des Arianismus entstanden war, und dem Liberalismus in der anglikanischen
Kirche herrschte. Als er die Wahrheit über die Kirche der ersten Jahrhunderte
entdeckte, schrieb Newman: „Ich hatte die ganze Zeit über den Gedanken
vor Augen, daß es etwas Größeres als die anglikanische
Staatskirche geben müßte, und daß dieses »größere
Etwas« die in den ersten Jahrhunderten gegründete apostolische
und katholische Kirche ist".
Newman hatte die moralische
Sicherheit erlangt, daß sich die anglikanische Kirche im Schisma
befindet, und die römisch-katholische Gemeinschaft die Kirche der
Apostel ist. Das Gewissen sagte ihm, daß sein Platz in der römischkatholischen
Kirche sei. Nur dort könne er erlöst werden. Gleichzeitig verspürte
John Henry Angst. Er versuchte, diese durch geduldiges Warten, ein intensives
Gebetsleben, Sühne und Studium zu überwinden. Jeden Tag verbrachte
er über vier Stunden im Gebet und neun Stunden mit Studium zu. Während
der Fastenzeit hielt er ein strenges Fasten und Abstinenz ein. Am Mittwoch
und am Freitag aß er bis 18 Uhr nichts und las auch keine Zeitungen.
In dieser Zeit erhielt er auch Briefe von seinen Freunden, die ihn vor
den „schrecklichen" Konsequenzen eines Übertritts in die katholische
Kirche warnten.
Newman verzichtete
auf seine Universitätsvorträge. Er zog sich in die Stille seines
Gemeindelebens in Littlemore zurück, um ein klosterähnliches
Leben zu führen. Sechs Jahre lang reifte in ihm die Entscheidung heran,
endgültig in die Gemeinschaft der Katholischen Kirche einzutreten.
Newman beschrieb diesen Prozeß des geistigen Kampfes in seinem Buch
Apologia pro Vita Sua. Im September 1843 predigte er zum letzten Mal in
seiner anglikanischen Kirche in Littlemore. Das Verlassen der anglikanischen
Kirche war für Newman mit der Notwendigkeit verbunden, auch das akademische
Oxforder Umfeld verlassen zu müssen. Über dieses Umfeld schrieb
er: „Von allen menschlichen Dingen ist Oxford meinem Herzen am wichtigsten".
Es war eine ungemein schmerzhafte Erfahrung für Newman.
Gegen Ende des Jahres
1844 begann er mit der Arbeit an einem philosophischen Traktat über
die Theorie der christlichen Doktrin. Je
eingehender er sich mit der Lehre der Kirchenväter beschäftigte,
desto sicherer wurde Newman, daß die Kirche der ersten Jahrhunderte
unangetastet lediglich in der Katholischen Kirche fortlebt. Das göttliche
Glaubensgut in seiner Gesamtheit hatte nur die Katholische Kirche bewahrt.
Newman bekannte: „Durch das Studium der Auseinandersetzungen in der frühen
Kirche reifte in meinem Verstand die klare Erkenntnis heran, daß
wir, die Anglikaner, die Häretiker sind".
Newman, der größte
anglikanische Theologe, verzichtete auf seine akademische Karriere, die
gut bezahlten Posten als Professor und Gemeindepfarrer, um ein Mitglied
der katholischen Kirche zu werden, die seit den Zeiten Henrys VIII. in
England rücksichtslos verfolgt wurde. Im England des 19. Jahrhunderts
waren Katholiken Bürger zweiter Klasse. Die Entscheidung Newmans zum
Eintritt in die Katholische Kirche war für ihn also mit sehr schmerzhaften
Konsequenzen verbunden: dem Verlust der Einnahmequellen, der Wohnung, der
Freunde und des Ansehens.
Am 08. Oktober warf
sich Newman einem katholischen Priester, Pater Dominique Barberi, zu Füßen
und bat um seinen Segen, eine Beichte und die Aufnahme in die Katholische
Kirche. Im Laufe der Jahre folgten einige Hundert hervorragende Universitätsprofessoren
den Spuren Newmans. Sie verzichteten auf ihre akademische Karriere, ihre
Posten als Professoren, ihre Gemeinden ... Die Bekehrung Newmans wurde
zu einer großen Erschütterung für England und die Welt.
Seinem Beispiel folgten Hunderte von anglikanischen Geistlichen, und auch
einflußreiche Persönlichkeiten. Nach dem Erscheinen seines Buches
über die Entwicklung der christlichen Doktrin stieg diese Zahl auf
mehrere Tausend an.
In seinen mitreißenden
Predigten betonte Newman, daß die Kirche „die Säule und das
Fundament der Wahrheit ist" (1. Brief an Timotheus 3, 15). Der Weg zur
Erkenntnis Christi führt über die lebendige Katholische Kirche,
die die Kirche Christi, die wahre Erbin der Kirche der ersten Jahrhunderte
ist. Newman verstand die Kirche als eine Gemeinschaft, in der Christus
lebt, wirkt und lehrt. Er wußte, daß er als Mitglied dieser
Kirche sein Gewissen, seinen Verstand und seine Gefühle der Leitung
und Lehre Christi überlassen mußte. Nicht das subjektive Gewissen,
der Verstand oder die Gefühle sind hier die Entscheidungsinstanzen,
sondern die Autorität Christi, der in seiner Kirche anwesend ist und
lehrt. So erklärte Newman die Wahrheit über die Unfehlbarkeit
des Papstes und der Kirche: „Das
Evangelium ist eine tatsächliche Botschaft des Himmels, die durch
die Gemeinschaft der Katholischen Kirche geschützt und aufbewahrt
wird". Diese offenbarte Botschaft
wurde der Kirche anvertraut, und „die Kirche ist unfehlbar in allem, was
diese anvertraute Botschaft anbetrifft; was versteht man nämlich unter
der Unfehlbarkeit der Lehre anderes, als daß der Lehrer bei seiner
Belehrung vor Fehlern geschützt ist? (...) Wenn der Papst unfehlbar
ist, dann nur deshalb, weil er an der Spitze der Kirche steht, die unfehlbar
ist."
Nachdem
ich katholisch geworden bin
„Nachdem ich ein Katholik
geworden bin," schreibt Newman, „lebte ich in einem vollkommenen Frieden
und einer unzerstörbaren inneren Ruhe, ohne auch noch den geringsten
Zweifel zu haben ... Ich war nicht eifriger als vorher; aber es schien
mir, als wäre ich nach einer turbulenten Reise in einen ruhigen Hafen
eingelaufen, und daß das Glück, welches ich aus diesem Grunde
empfinde, ununterbrochen bis auf den heutigen Tag andauert."
Nach seinem Eintritt
in die Katholische Kirche litt Newman aufgrund von Unverständnis,
Feindseligkeiten, Verleumdungen, Anschuldigungen der Heuchelei... Er ertrug
das alles schweigsam wie Christus vor Pilatus; er reagierte nur dann, wenn
die Anschuldigungen seine Treue der Katholischen Kirche gegenüber
infrage stellten. Er hörte jedoch nicht auf, all diejenigen zu lieben,
die sich nach seiner Bekehrung von ihm abgewendet hatten.
Im Februar des Jahres
1846 begab sich Newman nach Rom. Er trat in das Kolleg De Propaganda Fide
ein, um das theologische Studium aufzunehmen und sich auf die Priesterweihe
vorzubereiten.
Danach schrieb Newman
über die Eucharistie: „Nichts
erfüllt mich dermaßen mit Freude, und nichts spricht so sehr
zu meinem Herzen wie die Heilige Meßfeier. Ich könnte fortwährend
daran teilnehmen und wäre niemals gelangweilt. Es ist das Größte,
was auf der Welt existiert. Der Ewige steigt auf den Altar, so wie Er in
Fleisch und Blut gelebt hat, vor ihm beugen sich die Engel und zittern
die Teufel. Christus hat ein fortwährendes Wunder Seines Leibes und
Blutes in sichtbaren Zeichen eingesetzt (...). Und Er hat Seinen Priestern
die Macht gegeben, das zu tun, was Er getan hat. Er hat sich den Sündern
ausgeliefert. Der schwache, unwissende und nicht erleuchtete, sündige
Mensch bringt dank der ihm verliehenen priesterlichen Macht den Allerhöchsten
auf die Erde nieder, verbirgt Ihn in der Enge des Tabernakels und verteilt
Ihn an das sündige Volk ... Es ist doch klar, meine Brüder, daß
wenn wir Gott nur als den Allmächtigen verkünden, wir Ihn nur
halb erkennen. Wenn wir Ihn vollkommen erkennen wollen, dann müssen
wir Ihn in der Eucharistie als Denjenigen erkennen, der »Gott mit
uns« und »Jesus« (Gott ist die Erlösung) heißt".
Der Heilige Vater
Pius IX. erteilte Newman in Rom die Vollmacht, in England Oratorien des
hl. Philip Neri zu gründen. Newman wurde zum Vorgesetzten der ersten
Gründung in Birmingham ernannt. Dort wirkte er ab dem Jahr 1848. Er
schrieb Artikel und Bücher, arbeitete als Seelsorger bei irischen
Arbeitern, gab die Zeitschrift Rambler (Der Wanderer) für die katholische
Intelligenz heraus. Die Ansichten Newmans waren sehr fortschrittlich und
waren eine Vorbereitung für das 1. und 2. Vatikanische Konzil. In
kurzer Zeit gründete Newman in London ein zweites Oratorium. Auf die
Bitte des Papstes und des irischen Episkopats hin versammelte er einige
hervorragende Professoren um sich, und eröffnete im Jahre 1845 eine
katholische Universität in Dublin. Bis zum Jahre 1858 war er dort
als Rektor tätig.
Newman war der Überzeugung,
daß der Eintritt in die Katholische Kirche für jeden Menschen,
der aufrichtig nach der Wahrheit sucht, die Krönung seiner Suche sein
wird. Er war der Meinung, daß „es in
der wahren Philosophie nichts zwischen dem Atheismus und dem Katholizismus
gibt, und ein wirklich konsequenter Verstand sich für das eine oder
andere entscheiden muß." Zwischen diesen beiden sich entgegenstehenden
Positionen liegt der Protestantismus. Newman liefert eine klare Anweisung
zur Unterscheidung: „Es gibt nur zwei Wege, einen nach Rom und einen zum
Atheismus. Der Anglikanismus ist eine Station in der Mitte des Weges auf
die eine Seite, und der Liberalismus genauso, nur auf die andere Seite."
Die Jahre 1864 - 1874
waren für Newman die fruchtbarsten, was seine theologischen Publikationen
anbetrifft. Viele seiner Artikel, Bücher und Gedichte erlangten Weltruhm.
Im Jahre 1879 berief
Papst Leo XIII. Newman aufgrund seiner Verdienste für die Theologie
in die Reihe der Kardinäle der Katholischen Kirche. Auf seinem Kardinalswappen
ließ Newman das Motto „Cor
adcor loquitur" (Herz spricht zum Herzen)
anbringen.
Wenn Kardinal Newman
predigte, hatte er die übernatürliche Gabe, die menschlichen
Herzen zu Gott zu erheben. Er war ein Genie, das über eine selten
anzutreffende Eloquenz und Frömmigkeit verfügte. Seine größte
Sorge galt der Erweckung des lebendigen Glaubens und des Gehorsams Gott
gegenüber. Denjenigen, die auf der Suche nach der Wahrheit waren,
riet der Kardinal: „Ihr müßt
eine solche Gesinnung in Euch selbst schaffen, daß Ihr jederzeit
dazu bereit seid, Euch vollkommen in die Hände Gottes zu legen, Der
Euch zum vollkommenen Gehorsam führen wird".
Er warnte die reuigen
Sünder vor der Ungeduld, damit sie sich nicht zu viele Gebete und
Sühneopfer auferlegten, und gab ihnen den Rat, mit kleinen Bußübungen
anzufangen und sich vom Beichtvater führen zu lassen.
Der selige Kardinal
Newman versuchte, den frisch konvertierten Christen bewußtzumachen,
daß sie auf dem Weg des Glaubens Proben unterworfen sein werden:
„Ich werde erprobt: Mein Verstand wird erprobt, denn ich werde glauben
müssen; meine Gefühle werden erprobt, denn ich werde Gott gegenüber
gehorsam sein müssen, anstatt den eigenen Wünschen folgen zu
können; mein Körper wird erprobt, denn ich werde ihn mir unterordnen
müssen. (...) Sorge Dich nicht, gehe weiter. »Der
Himmel ist nichts für Feiglinge«,
sagte der hl. Philip. Rufe den Erlöser der Menschenen - Er wird Dich
erhören. Er wird alle Deine Wunden heilen, die Dir während Deines
Dienstes für den Herrn beigefügt wurden".
Der selige Kardinal
Newman starb am 11. August 1890. Vor seinem Tod bat er darum, daß
sich auf seinem Grab die folgenden Worte finden: „Ex
umbris et imaginibus in Veritatem" (Aus den Schatten und Bildern zur Wahrheit).
„Habt
acht, damit die Welt Euch nicht verführt",
warnt uns heute der selige Kardinal Newman. „Sie versucht, Euch davon zu
überzeugen, daß nur sie vernünftig und klug ist, daß
die Religion lediglich ein Überbleibsel ist... Sie wird das Schlechte
als gut bezeichnen und das Gute als schlecht. Und sicherlich werdet ihr
versucht werden, aber »wacht und betet,
damit ihr nicht in Versuchung geratet« (Matthäus 26, 41).
Entweder ihr erobert die Welt, oder die Welt wird Euch erobern ... Wählt,
und denkt daran: »Zur
Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und laßt euch
nicht von Neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!« (Brief an die
Galater 5, 1). Fangen wir mit dem
Glauben an, fangen wir mit Christus an, fangen wir mit Seinem Kreuz und
den Demütigungen an, zu denen es führt. Lassen wir uns von Dem
anziehen, der erhöht wurde, um uns so sich selber und alle Dinge zu
schenken. Suchen wir zunächst »das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit«,
dann »wird euch alles andere dazugegeben«
(Matthäus 6, 33). Es
können nur diejenigen diese Welt nutzen, die mit der unsichtbaren
Welt in Kontakt getreten sind. Nur diejenigen nutzen die Welt, die es zunächst
gelernt haben, sich der Welt zu entledigen und sich ihrer zu enthalten.
Nur diejenigen können wirklich feiern, die vorher gefastet haben.
Nur diejenigen können die Welt nutzen, die es gelernt haben, sie nicht
zu mißbrauchen, und nur diejenigen werden sie erben, die sie als
Schatten der kommenden Welt annehmen und für diese kommende Welt die
jetzige verlassen wollen."
P. M. Piotrowski M
Du bist heilig in allen
Deinen Werken, oh Herr. Die Sünde auf der Welt stammt nicht von Dir
- sie stammt von dem Feind, von mir selbst und von allem, was mir gehört.
Diese Schande betrifft mich und alle anderen Menschen, denn wir sollten
das Gute wollen, haben uns aber dem Bösen übergeben. (...) Du
wirst mich zu Dir rufen, wenn ich sterbe, und wirst mein Richter sein.
„Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und
lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen" (Jesaja 6, 5). Dein Kreuz,
oh Herr, überwindet den Abgrund, der mich von Dir trennt. Es spricht
über meine große Sündhaftigkeit und über Deine unbeschreibliche
Abscheu vor der Sünde. Versenke in mein Gedächtnis, oh geliebter
Herr und Erlöser, die ganze Tiefe der Lehre vom Kreuz, damit ich durch
Dein heiliges Kreuz nicht nur begreife, wie sehr mich die Sünde von
Dir entfernt, sondern auch die Vereinigung mit Dir erreiche!
(Quelle: "Liebet
einander!", Nr. 2 - 2011, S.3 ff., Societas Christi, Sevinghauser Weg 101,
44867 Bochum, Tel. +49 162 7630642, - Sehr empfehlenswerte Zeitschrift!)