Geh' und sammle meine Kinder...
Liebe Brüder und Schwestern!
Sagen wir alle gemeinsam mit viel Liebe: „Danke, Jesus, daß Du uns Deine Mutter geschenkt hast!" In ihrem Namen komme ich nun zum 13. Mal nach Deutschland. Warum sollte ich erneut kommen? Die Madonna sagte: „Geh' und sammle meine  kleinen Kinder. Du wirst sie alle unter der Last großer Leiden finden. Schließe sie in den Zufluchtsort meines Unbefleckten Herzens ein, denn die Zeiten sind gekommen, wo meine Kinder mich an ihrer Seite fühlen müssen, als Mutter, die sie liebt, die sie tröstet, die sie schützt und verteidigt, denn die Zeiten der großen Prüfung sind gekommen, die Zeiten der großen Bedrängnis, die Zeit der Strafe."
Nicht Gott schickt die Strafe, denn er ist barmherzig. Die Menschheit hat sie sich mit ihren eigenen Händen selbst bereitet. Warum? Weil sie unter der Macht des großen Drachen steht. Habt Ihr die erste Lesung gehört? Wer ist der große Drache? Ja, Satan. Die Menschheit steht unter der Macht Satans, dem es gelungen ist, sie durch den Stolz zu verführen.
Das Wesen Satans ist der Stolz, und durch ihn versucht er, alle zu verführen; er hat die Menschheit verführt, indem er sie von Gott entfernt hat und sie Opfer des praktischen Atheismus geworden ist, des Materialismus, des Hedonismus. Dies ist der Grund für die vielen Leiden, die noch zunehmen werden. Wenn Gott die Freude ist, dann finden wir ohne Gott nur Leid. Wenn Gott die Liebe ist, dann ist die Welt ohne Gott eine Wüste ohne Liebe. Wenn Gott das Leben ist, dann ist ohne Gott das Leben immer mehr bedroht, schon in seinen Anfängen, im Mutterschoß, durch die schrecklichen Abtreibungen.
Wenn Gott Gemeinschaft ist, dann herrschen ohne Gott überall Spaltung, Entzweiung, Uneinigkeit, in den Familien und zwischen den Staaten. So verbreiten sich Haß, Gewalt, Terrorismus. Johannes Paul II. sagte, daß die Menschheit auf diesem Weg ihrem Untergang entgegengeht.
Meine lieben deutschen Freunde, erinnert euch an den 2. Weltkrieg. Wie viel Zerstörung und Ruinen gab es da! Von dieser Gefahr ist die Menschheit auch heute bedroht. In dieser Zeit leben wir und deshalb will die Madonna an unserer Seite sein.
Mut! Mut! Habt keine Angst!
Warum? Am Himmel erscheint ein anderes Zeichen: die Frau, mit der Sonne bekleidet. Welch ein Wunder! Hier vome steht sie. Wir wollen ihr einen Applaus schenken.
Gott hat sie geschickt, um gegen den Drachen zu kämpfen und ihn zu besiegen. Der Drache fühlt sich bereits als Sieger, weil er sich eine starke Schar gebildet hat, mit den Größten, Mächtigsten, Reichsten dieser Welt, und zwar auf allen Ebenen, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. So fühlt er sich ganz sicher.
Um gegen den Drachen zu kämpfen, muß sich auch die Madonna eine Schar heranbilden. Aber sie ist die demütige Magd des Herrn - „Ecce Ancilla Domini" (Lk l ,38) - und so formt sie sich ihre Schar nicht mit den Mächtigsten, sondern mit den Schwächsten, nicht mit den Reichsten, sondern mit den Ärmsten, nicht mit den Größten, sondern mit den Kleinsten, mit ihren kleinen Kindern. Und mit der Marianischen Priesterbewegung ist ihr dies auf der ganzen Welt gelungen, auch in Deutschland, auch hier in Westfalen, durch euch, ihre kleinen Kinder. Wie wunderschön! Sie sieht, wie der Drache die Menschheit durch den Stolz verführt hat und will sie durch die Demut retten. Sie will die Menschheit auf den Weg der Demut führen, weil das ihre Rettung ist.
Um demütig zu sein, muß man klein sein. Ich sehe, daß ihr so zahlreich gekommen seid und frage mich: Warum? Die Madonna hat euch gerufen! Somit
gehört ihr zu ihrer Schar. Seid ihr froh darüber? Aber ich habe euch gesagt, daß sie ihre Schar mit den Kleinen formt, also müßt ihr alle kleine Kinder werden.
Wie ist das zu verstehen? Nicht im physischen Sinn; es handelt sich um eine geistliche Kindschaft, die in jedem Lebensalter gelebt werden kann.
Dieses Jahr bin ich während meines Aufenthalts in Brasilien 77 Jahre alt geworden. Ich habe aber die Madonna gebeten, immer ein Kind von zwei Monaten zu bleiben. Wollt auch ihr ein Kind von zwei Monaten sein? Wie wird man das?
Durch die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz. Mit diesem Weiheakt nehmt ihr Maria als Mutter an für euer geistliches Leben. Sie wird eure Mutter, weil ihr euch ihr als ihre Kinder anvertraut. Wie schön! Jetzt beginnt sie, euch zu ernähren.
Womit ernährt eine Mutter ihr Kind? Mit Bier? Mit Wein? Nein, mit Milch. Die Madonna nährt euch mit ihrer geistlichen Milch, und das ist die Gnade, von der sie voll ist: „Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnade..." Sie ist voll der Gnade, weil sie die Mutter Jesu, Urheber der Gnade, ist. Sie ist unsere Mutter und will uns mit der Gnade Gottes nähren. Die Gnade ist das göttliche Leben selbst, das Gott uns mitteilt. In der Taufe werden wir der Knechtschaft Satans entrissen und das Siegel der Sklaverei, die Sünde, wird ausgelöscht. Das göttliche Leben wird uns vermittelt, so daß Gott in uns lebt und wir seine Kinder sind. ER ist der Grund unseres Lebens, GOTT.
Darum sagt uns die Madonna: Auch wenn ihr in diesem Land, das wieder heidnisch geworden ist, lebt, sollt ihr nicht für das Vergnügen leben, für die Lust, für das Geld, für den Stolz, für die Sünde, für die Unreinheit. Ihr sollt für Gott leben, zur Ehre Gottes!
Wie Maria! Dann kann das Unbefleckte Herz den Drachen durch euch besiegen.
Ist es nicht schön, so zu leben? So soll Gott heute auch in Deutschland durch Maria, durch ihre kleinen Kinder, die ihr seid, verherrlicht werden. Welch ein Wunder!
Dort, wo der Drache herrscht, verwandelt sich die Welt in einen Turm zu Babel; man redet, redet und redet - durch die Presse, durch Rundfunk und Femsehen, und am Ende haben wir den Kopf voll. Auch in der Kirche spricht man heute viel zu viel und betet wenig. Die Madonna sagt: Sprecht wenig, betet viel. Sie führt euch dazu, daß ihr Geschmack findet am Gebet. Beten heißt, mit Gott sprechen.
Um welches Gebet bittet die Gottesmutter immer wieder? - Ja, um den Rosenkranz. Im Blauen Buch gibt es wunderschöne Texte über den Rosenkranz. „Er ist die goldene Kette, die euch an mein Herz bindet. Er ist das Mittel, durch das ich immer bei euch bin. Er ist die Waffe, die ihr gebrauchen sollt, Satan zu besiegen." Mit jedem Rosenkranz, den ihr betet, brecht ihr sozusagen dem Teufel ein Horn ab. Ihr habt in der Lesung gehört, wie viele Homer der Drache hat. Jeder Rosenkranz bricht ihm ein Horn ab; letztlich hat er keines mehr, dann kommt die Madonna und zertritt ihm den Kopf. Darum sagt sie, der Rosenkranz ist die Waffe des Sieges.
Die Muttergottes nimmt euch an der Hand und führt euch auf den Weg zu Jesus, auf den Weg der Demut, des Glaubens, der Liebe, der Heiligkeit. Manchmal kommt es auch vor, daß ihr fallt, daß ihr durch Schwäche sündigt, denn der Drache will zuschlagen, aber ihr gehört Maria, und sie führt euch zur Beichte.
Das ist einer ihrer weiteren Siege. Heute ist in der Kirche die persönliche Einzelbeichte fast verschwunden. Aber durch euch, die ihr zur häufigen Beichte gerufen seid, wird die Beichte langsam, langsam wieder aufblühen.
Und meine lieben Priesterbrüder, die von so vielen Tätigkeiten in Beschlag genommen sind, werden auch wieder in die Beichtstühle zurückkehren, und viele Menschen werden dorthin kommen. Das ist der Triumph des Herzens Mariens über den Drachen, durch ihre Priester und durch euch, ihre kleinen Kinder.
Heute hat der Drache auch die Kirche durch den Stolz verführt, so daß viele das Wort Gottes nur mit dem Verstand erfassen wollen und nur gilt, was über den Intellekt verstanden werden kann. Wie aber können wir mit unserer begrenzten Intelligenz das unergründliche Geheimnis Gottes begreifen? Wir können nur eine begrenzte Wahrheit erkennen, eine Teilwahrheit, und die ist irreführend. Durch diesen Rationalismus verbreiten sich so viele Irrlehren, auch in Deutschland, und oft werden sie von Theologen gelehrt, so daß die Gefahr besteht, den wahren Glauben zu verlieren. Die Madonna sagt: Kommt mit mir auf den Weg der Demut, der Kleinheit, der Liebe. Und wenn Gott spricht, dann hört auf ihn, liebt ihn, urteilt nicht über sein Wort, nehmt es mit dem Herzen auf und lebt es, dann geht ihr sicher auf dem Weg des Glaubens in dieser Zeit, in der sich der Glaubensabfall so sehr verbreitet.
Liebe Brüder und Schwestern, ich bitte euch, bleibt treu. Es ist die Zeit der Treue. Hier in Deutschland gibt es ein Phänomen, das man in Italien so nicht kennt: Ihr seid umgeben von vielen protestantischen Brüdern und Schwestern, von anderen Konfessionen und Sekten. Wie sollt ihr euch verhalten? Liebt alle, ohne Ausnahme, denn im Ersten Gebot heißt es: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst." Liebt in der Wahrheit. Und die Wahrheit ist, daß Jesus Christus nur eine Kirche gegründet hat, nicht mehrere; eine heilige, katholische, apostolische Kirche, gegründet auf Petrus.
Liebe Brüder und Schwestern, seid treu und seid stark. Die Stärke soll euch auszeichnen, die Stärke in der Treue. Und seid vereint. Ich möchte euch im Namen des Blutes Christi auf Knien bitten: Liebe Bischöfe, liebe Priesterbrüder, liebe Gläubige, seid und bleibt immer mit dem Papst vereint, dann bleibt ihr in der Fülle des Glaubens und der Einheit.
Es ist mir eine große Freude, wieder mit euch zusammen zu sein und euch zu sagen, daß ihr auch in meinem Gebet seid. Wir erleben die Zeit der großen Bedrängnis gemeinsam, aber wir leben sie in Freude. Lebt alle in der Freude, denn ihr gehört zu Maria, seid Teil ihrer siegreichen Schar! Und
s i e kämpft gegen den Drachen. Lebt im Vertrauen und vor allem in der Hoffnung. Das ist die Tugend, die in diesen Zeiten gelebt werden soll. Was ist der Grund unserer Hoffnung? Nur ein einziger: Jesus Christus, eingeborener Sohn des Vaters, Mensch geworden im jungfräulichen Schoß der Gottesmutter durch das Wirken des Heiligen Geistes, am Kreuz gestorben. Warum? Für unsere Rettung und Erlösung.
Heute morgen war ich im Dom von Paderborn und habe mich vor dem schönen Kreuz niedergekniet und eine Kerze für euch alle entzündet, um Jesus Dank zu sagen. „Du bist unser Heiland und Erlöser."
Wir leben in Zeiten des Globalismus, wo man auch versucht, alle Religionen in einen Topf zu werfen. Wir müssen uns einer Sache bewußt sein: Nur Jesus Christus, der Gekreuzigte, ist unser Retter und Erlöser. „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst." Er ist auferstanden, weil er Gott ist. Jesus, der Auferstandene, ist mitten unter uns. Er führt die Ereignisse der Menschheitsgeschichte bis zu seinem größten Triumph, der sich bei seiner Wiederkunft in Herrlichkeit realisieren wird. Er wird alles neu machen, einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Ein neues Deutschland - wie schön wird es sein! Dann möchte ich wiederkommen, um es zu sehen.
Gehen wir vereint in der Erwartung dieser glorreichen Wiederkunft des Herrn.
Wir erleben jetzt den zweiten Advent. Gehen wir gemeinsam, mit Maria, indem wir uns an den Händen halten, in der Freude und in Erwartung der herrlichen Wiederkunft Jesu. Möge dies unser Gebet sein: Komm, Herr Jesus!
Ja, Jesus wird wiederkommen im Glanz seiner göttlichen Herrlichkeit. Wie schön bist du, Jesus, wie herrlich und strahlend im Licht deiner Glorie. Du siehst das Leid dieser Menschheit, dieses leidende Deutschland. Höre das Seufzen unseres Herzens, das dich anfleht, das dich bittet: Herr, Jesus, komm bald!
Gelobt sei Jesus Christus.
(Quelle: Rundbrief der Marianischen Priesterbewegung, Nr. 4 2007, S: 13ff., Tengen)
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