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UNSERE LIEBE FRAU DER SCHMERZEN UND IHRE BLEIBENDE BEDEUTUNG
Prof. Mark Miravalle von Ohio sprach über
das Fest der Schmerzen Mariens (15. September) folgendes:
"Das liturgische Fest der Schmerzen Mariens
ist ein Tag, der so bedeutsam ist wie eh und je, sagt ein bekannter Mariologe.
Mark Miravalle, Professor für Theologie und Mariologie an der Franziskanischen
Universität von Steubenville, ist Verfasser eines neuen Buches mit
dem Titel “Mit Jesus: Die Geschichte Mariens, der Miterlöserin” (Queenship
Publikation).
Bei der Gedächtnisfeier der Schmerzen
Mariens gedenken wir der einmaligen menschlichen Leiden der Jungfrau Maria
in ihrer einzigartigen Rolle, die sie mit Jesus zusammen beim Werk der
Erlösung spielt.
Im päpstlichen Dokument "salvifici-doloris"
Nr. 25 schildert Johannes Paul II. die
Leiden der Mutter Christi,
die sie mit ihrem Sohn teilt, besonders da, wo sie am Fuße des Kreuzes
ihren Höhepunkt erreichen. Sie seien von solcher “Intensität,
die kaum von einem menschlichen Standpunkt aus vorgestellt werden kann,
jedoch auf geheimnisvolle und übernatürliche Weise für die
Erlösung der Welt fruchtbar war.”
Geschichtlich kann dieses Fest bis auf das
15. Jahrhundert zurückgeführt werden. Es wurde durch die im Volk
verbreitete Verehrung der sieben Schmerzen Mariens gefördert, besonders
unter den flämischen Gläubigen und durch seine Verbreitung durch
den Servitenorden (Bettelorden zur besonderen Verehrung der Mutter Gottes).
Bis 1960 wurden jährlich zwei Feste der
Leiden Mariens liturgisch begangen, das erste am Freitag nach Palmsonntag.
Es hob die “compassio”, das “Mit-Leiden” Mariens am Kalvarienberg, hervor;
das zweite am 15. September, an dem ihres ganzen dem miterlösenden
Leiden gewidmeten Lebens gedacht wird, auf das sieben Schlüsselereignisse
im Neuen Testament jeweils ein Schlaglicht werfen.
Was sind nun die “sieben Schmerzen” Mariens
und warum bestärkt uns die Kirche in der Betrachtung dieser Schmerzen,
in der Liturgie und im persönlichen Gebet?
Die bestimmte Zahl der Schmerzen, die ursprünglich
variierte, wurde an folgenden sieben Ereignissen festgemacht: 1)
an Simeons Prophezeiung im Tempel; 2) der Flucht der Heiligen Familie nach
Ägypten; 3) der Suche nach dem zwölfjährigen Jesus; 4) der
Begegnung Mariens mit Jesus auf dem Kreuzweg; 5) der Kreuzigung und dem
Tod Jesu; 6) der Kreuzabnahme; und 7) der Grablegung.
Die Kirche fordert uns auf, die Leiden der
Schmerzensmutter zu betrachten, damit wir das Opfer tiefer würdigen,
das die Jungfrau von Nazareth erduldet hat, um
mit und Jesus untergeordnet an der Erlösung der Menschheit mitzuwirken
und durch dieses Leiden die geistliche Mutter (bzw. FRAU!)
aller Völker zu werden, wie es
ihr gekreuzigter Sohn vom Kreuz aus aufgetragen hat: “‘Frau, siehe da,
dein Sohn'! ... 'Siehe deine Mutter! '”
Auch wir sind aufgerufen, in das Geheimnis
der Passion Christi und des Mit-leidens (compassio) Mariens einzutreten,
um unsere Leiden mit ihrer beider Leiden zu vereinigen, um so auf geheimnisvolle
Weise die Gnaden der Erlösung für die vielen geistlichen Nöte
der Kirche und der Welt freizusetzen. Das Stabat Mater, die mittelalterliche
Sequenz, die an diesem Gedenktag gebetet wird, erinnert uns:
“Wer könnt‘ ohne Tränen sehen Christi
Mutter also stehen in so tiefen Jammers Not?
Wer nicht mit der Mutter weinen, seinen Schmerz
mit ihrem einen, leiden bei des Sohnes Tod! Ach für seiner Brüder
Schulden sah sie ihn die Marter dulden.....”
Dauern nun die Leiden Mariens heute noch fort?
Hat das Phänomen der “Tränen” Mariens mit dem Thema ihrer fortdauernden
Leiden zu tun?
Es ist schwer vorstellbar, daß eine
Mutter nicht leidet, wenn ihre Kinder leiden. In der Tat leidet das mütterliche
Herz Mariens auf mystische Weise weiter aufgrund ihrer Rolle als geistliche
Mutter aller Völker inmitten der neuen Gefahren und Drangsale, die
gegenwärtig die Menschenfamilie bedrängen.
Die Tränen der Muttergottes:
In seiner Angelusansprache am 31. August 2003
nahm der Heilige Vater Bezug auf die Tränen Mariens als einem Phänomen,
das auf geheimnisvolle Weise ihre tiefe mütterliche Sorge um die Menschheit
ausdrückt und eine sinnfällige Mahnung zu geistlicher Umkehr
und Frieden darstellt.
Zu diesen Tränen Mariens sagte er: “Wie
geheimnisvoll sind diese Tränen! Sie sprechen von Leiden und Zärtlichkeit,
von Trost und göttlicher Barmherzigkeit. Sie sind ein Zeichen mütterlicher
Nähe und ein Appell zur Umkehr zu Gott, eine Mahnung dazu, den Weg
zum Bösen zu verlassen, um Jesus Christus gläubig zu folgen.
In einem gewissen Sinn ist das Fest der schmerzensreichen
Mutter der liturgische Ausdruck des theologischen Titels meines neuen Buches
und der Lehre von Maria als der Miterlöserin.
Der Coredemptrix-Begriff, wie er von der Kirche
gebraucht wird, bezieht sich auf Marias einzigartiges, wenn auch untergeordnetes,
Mitwirken und Mit-Leiden mit Jesus in der Vollbringung der Erlösung.
Das Präfix “co” bedeutet “ mit” (im Lateinischen “ cum”) und
nicht “gleich (mit)”.
Mariens Mitwirken “mit Jesus” von der Verkündigung
bis zum Kalvarienberg umfaßt ihre Rolle als Coredemptrix und das,
was an diesem Fest verehrt wird.
Der Coredemptrix-Titel ist weit
über 600 Jahre alt und die Frucht einer
allmählichen Entwicklung in der Kirche von der apostolischen Zeit
an.
Der Coredemptrix-Titel erscheint zum ersten Mal in einem Salzburger Hymnus ungefähr um das 15. Jahrhundert herum. Der Zusatz des Präfixes “co” zu dem früher benutzten Redemptrix-Titel hebt besonders die rechtmäßige Unterordnung unserer Lieben Frau unter den göttlichen Erlöser hervor. Einer der führenden Theologen des Tridentinischen Konzils, der Jesuit Alphonsus Salmerón, verteidigt wiederholt die Rechtmäßigkeit des Coredemptrix-Titels ebenso wie ihre sich daraus ergebenden Titel Mediatrix (Mittlerin) und Advocata (Anwältin). Während des 17. Jahrhunderts, der “Blütezeit” des Glaubens an die Miterlöserschaft Mariens, wurde die Lehre und der Titel in über 300 theologischen Werken verteidigt, wobei all ihre grundsätzlichen soteriologischen Aspekte behandelt wurden.
Die Päpste des 19. und 20. Jahrhunderts nahmen das Wertvollste dieser übereinstimmenden Entwicklung der Lehre von Maria als Coredemptrix in die Lehre des ordentlichen Lehramts auf, in Anbetracht der Tatsache, daß diese Lehre durch Enzykliken und andere päpstliche Lehrschreiben weitergegeben und ihr Titel immer wieder vom Heiligen Stuhl verwendet wurde, während des Pontifikats des hl. Papstes Pius X. und ausdrücklich von Pius XI. bei drei Gelegenheiten und von Johannes Paul II. bei sechs Gelegenheiten.
Bemerkenswerterweise gibt es einen Zusammenhang
zwischen Unserer Lieben Frau der Schmerzen und der damaligen zeitgenössischen
Fatimabotschaft, die auch das Pontifikat Johannes Pauls des II. einbezieht:
Die Botschaft von Fatima ist ein Appell Mariens,
“Mit-Arbeiter”, Mit-Erlöser mit Jesus zu sein-- siehe 1. Korinther
3,9 -- . Unsere Liebe Frau trägt den jungen Visionären auf, sich
“für Sünder zu opfern” und fragt sie, “seid ihr bereit, euch
Gott anzubieten und alle Leiden zu tragen, die er euch senden wird, als
Akt der Wiedergutmachung für die Bekehrung der Sünder”?
Die geistliche Praxis, dem Unbefleckten Herzen
Mariens Wiedergutmachung anzubieten, wie wir sie besonders in den Andachten
an den ersten Samstagen eines jeden Monats finden, ist eine wirksame geistliche
Praxis, die dazu dient, das Unbefleckte Herz zu trösten, das in übernatürlichem
Sinne durch jene verwundet wird, die ihre geistliche Mutterschaft ebenso
wie ihre anderen Vorrechte, die ihr von Gott verliehen wurden, ablehnen.
Während der Erscheinung am 13. Oktober
1917 und des nachfolgenden Sonnenphänomens erschien die Mutter Jesu
den Kindern gerade als unsere Liebe Frau der Schmerzen,
indem sie um die Anerkennung ihres miterlösenden Leidens und um Wiedergutmachung
an ihrem Unbefleckten Herzen bat.
Schwester Lucia verteidigt in ihrem jüngsten Buch, “Aufrufe aus der Botschaft von Fatima” den Coredemptrix-Titel und die entsprechende Lehre an sechs verschiedenen Stellen mit inspirierter Beredsamkeit. Die Visionärin von Fatima bezeugt, daß die Rolle Mariens als Coredemptrix ohne Zweifel integraler Bestandteil der Fatimabotschaft und ihre allerletzte Erfüllung in dem prophezeiten “Triumph” des Unbefleckten Herzens Mariens ist.
So sind also geschichtlich und theologisch
das Fest und die Lehre Unserer Lieben Frau der Schmerzen fester Bestandteil
unseres katholischen Lebens. Das Fest Unserer
Lieben Frau der Schmerzen und die entsprechende Lehre von Maria als Miterlöserin
ist unser Erbe.
Die Geschichte des Leidens Mariens “mit Jesus”
ist tief eingegraben in das 2.000-jährige Gedächtnis und Leben
der Kirche, das wir “Tradition” nennen. Wir sollten diese Tradition über
Maria, die Miterlöserin, unsere geistliche Mutter der Schmerzen, nicht
leugnen, sondern sollten die Mittel benutzen, mit denen wir am genauesten
die Wahrheit dieser Überlieferung artikulieren und “leben” können,
in ihrem richtigen biblischen und ökumenischen Kontext.