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- und damit eine Existenzfrage jedes Einzelnen! |
Joachim Kardinal Meisner, Köln:
"Zum 25-jährigen Amtsjubiläum
des Papstes schrieb der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner
für die 'neue bildpost' über Papst Johannes Paul II. und die
Gottesmutter.
Die wichtigste Mitarbeiterin des Papstes ist
Maria, die Mutter des Herrn, die schon die
wichtigste Mitarbeiterin Jesu, ihres Sohnes, war. Das große Thema
des Papstes als Priester, Bischof und schließlich als oberster Hirte
der Kirche ist der Mensch, der so sehr von Gott als Ebenbild erschaffen
worden ist, daß er sogar selbst Mensch werden konnte in Jesus Christus.
Die Tatzeugin dafür ist unverzichtbar Maria. Gott
ist Mensch geworden aus der Kraft des Heiligen Geistes durch Maria, die
sich Gott dafür restlos zur Verfügung gestellt hat.
Indem man Maria als Mutter Christi ganz ernst nimmt, nimmt man Gott ernst,
der in seinem Sohn Jesus Christus einer von uns geworden ist. Die
Mariologie - die Lehre von Maria - will die Christologie - die Lehre von
Jesus Christus - sichern und vor aller Verflüchtigung bewahren.Darum
ist Maria dann auch eine normative Gestalt für den Christen geworden.
Bei der Hochzeit zu Kana wird das ganz deutlich.
Maria erblickt als Erste hinter der glänzenden Fassade der Hochzeitsgesellschaft
den Mangel und sie geht zur Quelle
der Fülle, nämlich zu ihrem Sohn Jesus Christus
mit dem Hinweis: Sie haben keinen Wein mehr (Joh 2,3). Daraufhin begibt
sie sich zu den Menschen, nämlich zu den Tischdienern und gibt
ihnen den unvergeßlichen Rat: Was er
euch sagt, das tut! (Joh 2,5). Dann
geschah das Weinwunder, so daß der Speisemeister den Bräutigam
ganz erstaunt fragte, woher der gute Wein käme, es wäre doch
normalerweise umgekehrt: Zu Beginn würde man den guten und erst, wenn
die Gäste schon fast betrunken sind, würde man den weniger guten
anbieten. Hier war es genau umgekehrt. Wo
Gott tätig wird, geht es immer um hohe Qualität und großzügige
Quantität. Maria hält das
Bewußtsein von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in der
Kirche und in der Welt wach. Von ihr heißt es: Maria
aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber
nach (Lk 2,19) und darum
ist Maria das Gedächtnis der Kirche.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht
heiß. - Begeisterung gibt es in der Kirche nur, wo der Mensch weiß,
daß Gott Großes an uns Menschen getan hat, indem er einer von
uns geworden ist. Wir wissen heute selbst, daß man infolge von Krankheit
das Gedächtnis verlieren kann. Und damit verfällt auch die Persönlichkeit
eines Menschen. Deshalb ist es so wichtig, daß Maria in der Kirche
präsent bleibt. Es gibt keine wichtigere Aufgabe eines Papstes, als
das Wissen über Gottes Großtaten in der Kirche lebendig zu erhalten.
Und ein Papst kann dafür keine bessere Bundesgenossin finden als Maria,
die - wie schon erwähnt - Das Gedächtnis der Kirche ist.
Die Kirchengeschichte zeigt
das eindeutig: Wo
man mit Maria nichts mehr anzufangen weiß, schwindet die Begeisterung
in der Kirche, es gibt keine geistlichen Berufungen mehr, die Geistlichen
ziehen ihr geistliches Kleid aus und es wird kalt und rationalistisch.Wo
aber Maria Raum in der Kirche findet, dort gibt es Begeisterung, dort gibt
es geistliche Berufungen und geistliche Bewegungen.
Denn - wie gesagt: Was ich nicht weiß, das macht mich nicht heiß.
Marienverehrung
ist nach der Überzeugung des Papstes nicht eine Frage des Frömmigkeitsgeschmackes
- dem einen liegt's, dem anderen nicht -, sondern sie ist
eine Existenzfrage für die Kirche.
Die
allerletzte testamentarische Verfügung des Herrn an Kirche und Welt
ist Maria, indem er vom Kreuz herab im Hinblick
auf Maria zu Johannes sagt: Siehe deine Mutter!
(Joh 19,27). Man kann Christus nicht lieben,
wenn man die Annahme seiner letzten testamentarischen Verfügung verweigert.
Das versucht der Papst seit 25 Jahren den Christen nahe zu bringen, und
ich meine mit großem Erfolg. Damit hat der Heilige Vater die Kirche
davor bewahrt, eine riesige Institution zu werden. Vielmehr hat er ihr
entscheidend geholfen, der mystische Leib Christi zu bleiben, so daß
die Kirche für die Welt heilswirksam bleiben kann. Vielleicht verstehen
wir von daher, wie wichtig das Motto des Papstes für seinen bischöflichen
und päpstlichen Dienst war und ist: Totus tuus unter dem marianischen
M im Wappen: Ganz dein, Maria, und damit ganz dein, Herr Jesus Christus,
und deshalb ganz euer, ihr Menschenbrüder und -schwestern."