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Die immer größer werdenden Massen
von Pilgern, haben den Bau einer Basilika herausgefordert. "Mantara" stammt
vom arabischen Wort "matara" ab, das "warten" bedeutet. Maria wird hier
"Unsere Wartende Frau" (Saydet-el-Mantara) genannt, weil sie hier auf ihren
Sohn Jesus gewartet hat, während er in der Gegend von Tyrus und Sidon
gepredigt hat. Im Evangelium heilt er hier die Tochter einer kanaanäischen
Frau (Mt 15, 21-28).
Der Überlieferung nach, wartete die
Heilige Jungfrau hier in einer Grotte auf ihn, weil es jüdischen Frauen
verboten war, heidnische Städte zu betreten. Die Grotte wurde im 18.
Jahrhundert wiederentdeckt, zurzeit als Mgr. Aftinios Saifi, Bischof von
Tyrus, Sidon und Marjaium (Cäsarea Philippi), die Einheit mit Rom
verkündete. Damals befand sich ein Hirte in der Gegend der Grotte.
Auf seiner Flöte spielend, hütete er unter einer Eiche sitzend
seine Herde. Plötzlich vernahm er das schmerzliche Meckern eines seiner
Zicklein. In die Richtung des Schreiens laufend, fand er es, es war in
einen Brunnen gefallen (eine Öffnung, die sich heute noch über
dem Altar im Dach der Grotte befindet. Er nahm sein Messer, um den Ort
vom Dornengestrüpp zu befreien und sich einen Weg zu bahnen und entdeckte
einen schmalen Pfad, der in das Innere einer Grotte führte. Er kroch
hinein und fand an ihrem Ende eine Ikone der Heiligen Jungfrau auf einem
alten Altar. Eilig kroch er wieder heraus, verliess seine Herde und lief,
die gute Nachricht zu verbreiten...
Unsere Liebe Frau von Mantara, Sidon,
Libanon (II)
Sofort lief eine große Menschenmenge
herbei, um diese Grotte, die so lange in Vergessenheit geraten war, wieder
zu entdecken und die Ikone der Heiligen Jungfrau zu betrachten. Es läuteten
die Glocken, um das Ereignis zu verkünden und Prozessionen zur Grotte
wurden im Dorf organisiert. So begann die Verehrung der Ikone in dieser
Grotte.
Viele Heilungen werden Unserer Lieben Frau von Mantara seither zugeschrieben. Zwei kleine Büchlein, 1910 vom Bischof von Sidon verfasst, erzählen von den ersten 16 Wunderheilungen an diesem Ort, unter anderem auch von jener, die einer Nonne des Heiligen Josef das Augenlicht wiedergeschenkt hat. Fast die Hälfte der Heilungen betrifft Kinder und unfruchtbare Frauen, Saydet-el-Mantara ist in der Tat den ganz Kleinen zugeneigt, für sie vollbringt sie die meisten Wunder, deshalb wird sie auch manchmal "Unsere Liebe Frau der Kinder" genannt.
Bis heute werden sehr viele Kinder in der Grotte getauft und in der Folge der Muttergottes geweiht.
Am Sonntag, den 11. Juni 1911, pilgerten mehrere angesehene Persönlichkeiten von Sidon, der Direktor der ottomanischen Tabakregie Joseph Aumann und seine Frau, der Vertreter des französischen Konsulats, ein Priester, Pater Nicolas Halabi und mehrere andere Personen zum Heiligtum. Am Abend, bevor sie wieder hinabstiegen, wollten sie ein letztes Mal Unsere Liebe Frau grüssen: "Als sie die Grotte betraten, sahen sie mit Staunen und Entzücken wie ihnen die Heilige Jungfrau auf dem Bild zulächelte, als wollte sie ihnen zeigen, wie sehr sie über ihren frommen Besuch zufrieden und gerührt war. Dieses wunderbare Ereignis hielt zehn Minuten lang an, während dieser Zeit weinten die Anwesenden vor Freude, indem sie sich gegenseitig überrascht und glücklich ansahen. Sich ihm zuwendend, bat Pater Nicolas den französischen Konsul um seine Meinung. Dieser nahm eine Kerze, zündete sie an und näherte sich dem heiligen Bild, um festzustellen, ob sie wirklich lächelt ?
Mehrere andere Wunder werden in einem Buch
von Mgr. Haggiar, melkitisch-griechisch-katholischer Erzbischof von Sidon,
zu Beginn des XX. Jahrhunderts erzählt.
Nazareth verbirgt eine permanente Botschaft für die Kirche. Weder im Tempel, noch auf dem Heiligen Berg, beginnt der Neue Bund, sondern im bescheidenen Haus der Jungfrau, im Haus des Arbeiters, an einem vergessenen Ort des "heidnischen Galiläas", von dem niemand etwas Gutes erwartete.
Die Kirche muß sich immer von diesem Ausgangspunkt wiederkehrend regenerieren. Sie wird der Rebellion unseres Jahrhunderts gegen die Macht des Reichtums keine richtige Antwort geben können, wenn Nazareth nicht in ihr bleibt wie eine erlebte Realität.
Kardinal Josef Ratzinger
Zitiert in der
Zeitschrift "Magnificat", 19. März 2007