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„MARIALIS CULTUS" Die rechte Pflege und Entfaltung der Marienverehrung |
Christus
als Mittelpunkt der Marienverehrung
Die von Uns gewünschte
Entfaltung der Andacht zur Jungfrau Maria, die - wie Wir eingangs angedeutet
haben - in den Rahmen des einen Kultes eingefügt ist, der mit gutem
Recht christlich genannt werden kann, da er von Christus seinen Ursprung
und seine Wirksamkeit hat, in Christus seinen vollkommenen Ausdruck findet
und durch Christus im Heiligen Geiste zum Vater führt, ist ein Element,
das die echte Frömmigkeit der Kirche kennzeichnet. Denn mit innerer
Notwendigkeit läßt sie im liturgischen Leben der Kirche den
Erlösungsplan Gottes widerspiegeln, durch den Maria im Hinblick auf
die einzigartige Stellung, die sie in ihm einnimmt, eine einzigartige Verehrung
zukommt. So folgt auch jeder echten Entfaltung des christlichen Kultes
notwendig ein echtes Wachstum in der Verehrung der Mutter des Herrn.
Im Übrigen zeigt
die Geschichte des religiösen Lebens auf, wie „die verschiedenen Formen
der Verehrung der Gottesmutter, die die Kirche im Rahmen der gesunden und
rechtgläubigen Lehre gutgeheißen hat", sich in harmonischer
Unterordnung unter die Christusverehrung entfalten und um ihn kreisen wie
um ihren natürlichen und notwendigen Mittelpunkt. Auch in unserem
Zeitalter ist dies so der Fall. Die Betrachtung der Kirche unserer Tage
über das Geheimnis Christi und über ihr eigenes Wesen
haben sie dahin geführt, in der Wurzel des Christusgeheimnisses und
in der Krönung ihres Wesens dieselbe Frauengestalt vorzufinden: die
Jungfrau Maria, die Mutter Christi und Mutter der Kirche. Und die
tiefere Erkenntnis der Sendung Mariens hat sich in jubelnde Verehrung zu
ihr gewandelt und in anbetende Ehrfurcht gegenüber dem weisen Plan
Gottes, der in seiner Familie - der Kirche -, wie in jedem Heim, die Gestalt
einer Frau gegenwärtig wissen sollte, die verborgen und in der Haltung
einer Dienerin wach „und in Güte schützend ihre Schritte zum
Vaterland lenkt, bis der glorreiche Tag des Herrn kommt".
Christliche
Frömmigkeit und Marienverehrung in neuer Zeit
Die Wandlungen, die
sich in unserer Zeit im gesellschaftlichen Leben, im Empfinden der Völker,
in den Ausdrucksformen der Literatur und der Kunst wie auch in den Formen
der Massenmedien vollzogen haben, sind auch nicht spurlos an den Äußerungen
des religiösen Lebens vorübergegangen. Bestimmte kultische Übungen,
die in einer nicht allzu fernen Vergangenheit geeignet schienen, das religiöse
Empfinden der Einzelnen wie der christlichen Gemeinschaften zum Ausdruck
zu bringen, erscheinen heute ungenügend oder ungeeignet, weil gebunden
an sozialkulturelle Schemen der Vergangenheit, während man heute großenteils
neue Ausdrucksformen sucht für die unveränderliche Beziehung
der Geschöpfe zu ihrem Schöpfer, der Kinder zu ihrem Vater. Das
kann bei einigen vorübergehendes Befremden auslösen. Wer aber
in vertrauensvollem Aufblick zu Gott über solche Gegebenheiten nachdenkt,
entdeckt, daß viele Bestrebungen der heutigen Frömmigkeit -
zum Beispiel die Verinnerlichung des religiösen Lebens - dazu angetan
sind, zur Entfaltung der christlichen Frömmigkeit im Allgemeinen und
der Verehrung der Allerseligsten Jungfrau im Besonderen beizutragen. So
wird unser Zeitalter in treuer Befolgung der Überlieferung und in
aufmerksamer Erwägung der theologischen und wissenschaftlichen Fortschritte
seinen Beitrag leisten zum Lobe jener, die nach ihren eigenen prophetischen
Worten alle Geschlechter seligpreisen werden
(vgl. Lk 1, 48).
(Aus: Rudolf Graber/Anton
Ziegenaus, Die Marianischen Weltrundschreiben der Päpste von Pius
IX. bis Johannes Paul II. (1849-1988). Dritte, erweiterte und überarbeitete
Auflage mit einer Einführung von Prof. Dr. Leo Scheffczyk, Regensburg
1997)
(Quelle: "Bote
von Fatima", Febr. 2012, S. 24, Regensburg)