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von Pater André CABES, Professor für marianische Theologie und Gemeindepfarrer in den Hautes-Pyrénées
Mitten im Herzen der ersten fünfzehn Erscheinungen gräbt Bernadette am 25. Februar 1858 auf die Anweisungen Mariens hin im Schlamm von Massabielle und bringt so eine Quelle zum Fließen. Zunächst ist es eine Schlammpfütze, dann wird das Wasser immer klarer. Diese Quelle ist nicht das Werk eines Augenblicks, sondern entsteht aus der Erde wie ein Angebot zu neuem Leben: Keine neue Welt wird uns vorgestellt, vielmehr wird unsere Welt von der Gnade durchströmt und mit Leben erfüllt Das Leben wird aus dem Wasser wiedergeboren, das vom Hauch des Geistes befruchtet wurde. Auf diesem Weg wollen wir jetzt die Hoffnung der Menschen aufnehmen, wie Gott sie im Lauf der Jahrhunderte erweckt, damit wir in Jesus, dem Sohn Gottes und dem Sohn Mariens gestern, heute und immerdar eine vollkommene Antwort darauf geben können.
Ich war gefangen
in den Fesseln des Todes, vernichtende Fluten stürzten auf mich ein.
(PS 18,5)
Das
Wasser ist bei weitem nicht immer ein Zeichen von Wohlwollen. Dem Menschen
der Bibel, der in den Psalmen die Ängste, Hoffnungen und Freuden aller
Menschen zum Ausdruck bringt, machen die großen Wasser Angst, denn
sie bedrohen sein Leben: Allein Gott kann den davon befreien, der sich
an Ihn wendet (PS 144,7); Ihm allein gehorchen die Wasser (PS 104, 7-9;
107, 29-30); Er ist „der Herr".
Maria
weist den Weg zum Felsen, ihr Herz ist der Weg zur lebendigen Quelle
geworden:
Auch euch geschehe,
wie Er gesagt hat.
So wird das Meer vom Wort Gottes bezwungen, es überflutet die Ägypter, läßt jedoch die Kinder Israels durchziehen. Dem erwählten Volk wird das Brot gegeben und ist das Wasser treu (Jes 33,16). Gott öffnet den Felsen und läßt Wasser entspringen (PS 105,41); Und dieser Felsen war Christus, (1 Kor 10,4). Das Volk macht bei seiner Wanderung durch die Wüste, bei den Ereignissen während seiner Ansiedelung im Gelobten Land, mitten in seiner Undankbarkeit und seiner Untreue die Erfahrung der liebenden und anspruchsvollen Gegenwart seines Gottes. Vom Tempel aus, in dem Er Wohnung genommen hat, wird er jene mit Wohltaten überschütten, die Ihn lieben: Er wird eine Quelle an der rechten Seite des Altars entspringen lassen, die zum Strom des Lebens wird, der sogar das Tote Meer zu reinigen vermag (Ez 47).
Sogleich floß
Blut und Wasser heraus. (Job 19,34)
Das
Wasser der Quelle des Lebens entspringt nicht durch eine Art magische Handlung.
Vielmehr schenkt Gott sich selbst: Er läßt sich von der Hand
des Sünders durchbohren, damit alle Menschen betend betrachten können,
welche Liebe sie umgibt, damit alle Menschen das lebendige Wasser trinken
können, das aus seinem Herzen überströmt. Gott ist nur darauf
angewiesen, daß der Mensch Ihm vertraut bis in den Abgrund seiner
Sünde hinein. Wenn du wüßtest,
was Gott schenken will und wer dich jetzt um Wasser bittet, dann hättest
du ihn um Wasser gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
(Joh 4,10) Das lebendige Wasser entsprang
aus der Seite des gekreuzigten Jesus, die von der Lanze des Soldaten durchbohrt
wurde. Der Mensch muß getauft und in dieses Wasser getaucht werden,
damit sein altes, sündiges Leben in der Flut der Liebe des Herzens
Gottes untergeht und er auferstehen kann wie der Sohn Gottes, von seinem
Blut durchtränkt. Das erste Geschöpf, das auf diese Weise wiedergeboren
werden konnte, ist die Frau, die aufrecht unter dem Kreuz stand. Alle haben
aufgegeben. Selbst auf dem Kalvarienberg glaubte der Jünger, den Jesus
liebte, erst dann, als er das leere Grab sah (Joh 20,8). Sie war die einzige,
die im Glauben ihres Herzens dieses Wort aufnehmen konnte, das sie wie
ein Schwert durchbohrte: „Siehe, dein
Sohn." Das ist nicht mehr der
Sohn Gottes, sondern der Sohn eines Fischers vom See Gennesaret. Wie sollte
sie in eine solche Entäußerung einwilligen? Maria wurde erst
in diesem Augenblick die Mutter, jene Mutter, die von Gott mit Seinem Opfer
und der Fruchtbarkeit seiner Hingabe vereint wird. In diesem Augenblick
empfing Maria die Fülle des Geistes, die sie seit der Verkündigung
überschattete, diesen Geist, den Jesus hingab, als er sein Leben aushauchte,
und der die ganze Erde erfüllen soll. Als der Jünger sie zu sich
nahm, empfing auch er anfanghaft den Geist des Pfingstfestes.
„Trinken Sie an
der Quelle und waschen Sie sich darin!"
Es gibt drei Zeugen:
den Geist, das Wasser und das Blut. (l Joh 5, 7-8)
Wenn es um die Fleischwerdung geht, kann das Wasser nicht nur ein einfaches
Symbol sein, das zudem noch ein zwiespältiges Symbol ist, da es Zeichen
von Leben und von Tod sein kann. Das Wasser entspringt aus dem Herzen Jesu,
das für die Sünder hingegeben wird. Maria empfing diese Gabe
für die Kirche und wurde so in Sein Opfer mit hineingenommen, wie
es ihr der greise Simeon angekündigt hatte: Ein
Schwert wird deine Seele durchdringen. (Lk 2,35)
In diesem Augenblick öffnete sich die Tür für Gott; in diesem
Augenblick bekam die Liebe wieder einen Platz in unserer Welt, jedoch immer
unter der Voraussetzung, daß sie Herzen findet, die verfügbar
sind für ihr Feuer.
In
einer Welt, die sich in ihrem Hochmut eingeschlossen hat oder sich in ihren
Ängsten abkapselt, konnte Maria, die ihrem Sohn als erste nachgefolgt
ist, die kleine irdische Mama der LIEBE, das Herz einer kleinen Tochter
von armen Leuten öffnen, da dieses junge Mädchen ihr ähnlich
war. Bernadette hat alles an sich geschehen lassen, sie hat die Situation
jener Sünder nachgeahmt, die die Liebe ablehnen, die sich weigern,
sich von der Lebenskraft von oben ergreifen zu lassen, und die schließlich
auf allen Vieren gehen wie die Tiere: Die
Herrlichkeit ihres Gottes vertauschten sie mit dem Bild eines Ochsen, der
Gras frißt. (PS 106,20) Bernadette mußte
Gras essen und Schlamm trinken, um zu bezeugen, daß selbst im tiefsten
Grab des Egoismus, in dem der Mensch versunken ist, die Liebe Gottes noch
stärker ist als alles andere: Hier kann eine Quelle entspringen. Maria
weist den Weg zum Felsen, ihr Herz ist der Weg zur lebendigen Quelle geworden:
Auch euch geschehe, wie Er gesagt hat. (Vgl. Lk 1,38; Joh 2,5)
• ...
„Der
Mensch muß getauft werden, damit sein altes Leben in der Flut der
Liebe des Herzens Gottes untergeht..."
Quelle:
"Lourdes-Magazine" Nr. 106, Okt./Nov. 2001, S. 54f., Lourdes. Veröffentlichung
mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Bitte bestellen Sie diese sehr
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R. Rapp, Mengen, "Neuabo"; Email: lourdes-magazine(bei)lourdesbruecke.de,
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"Meine
Seele dürstet nach Dir, mein Gott!"
"Herr,
gib mir dieses lebendige Wasser!"
"Öffne
meine Augen für die Wunder Deiner Liebe, für das Leiden meiner
Brüder!"
"Reinige
mein Herz und meine Lippen!"
"Berühre
meine Ohren!"