| Papst
Benedikt XVI.:
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Maria
hat nicht nur keinerlei Sünde begangen, sondern wurde sogar vor jenem
dem Menschengeschlecht gemeinsamen Erbe bewahrt, das die Erbschuld ist,
und zwar aufgrund der Sendung, zu der Gott sie von jeher bestimmt hatte:
die Mutter des Erlösers zu sein. All dies ist in der Glaubenswahrheit
der „Unbefleckten Empfängnis"
enthalten. Die biblische Grundlage dieses Dogmas findet sich in den Worten,
die der Engel an die junge Frau aus Nazaret richtete: „Sei
gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir" (Lk 1,28).
„Begnadete" - im griechischen Original „kecharitomene" - ist Marias schönster
Name, der Name, den Gott selbst ihr gegeben hat, um zu zeigen, daß
sie seit jeher und für immer die Geliebte und Erwählte ist, dazu
auserwählt, das kostbarste Geschenk aufzunehmen: Jesus, „die fleischgewordene
Liebe Gottes" (Enzyklika Deus caritas est, 12). Wir können uns fragen:
Warum hat Gott aus allen Frauen gerade Maria von Nazaret auserwählt?
Die Antwort liegt verborgen im unergründlichen Geheimnis des göttlichen
Willens. Es gibt jedoch einen Grund, den das Evangelium deutlich herausstellt:
ihre Demut. Sehr gut betont dies Dante Alighieri im letzten Gesang des
Paradieses: „Jungfrau und Mutter, Tochter deines Sohnes, vor allen Wesen
groß und voll von Demut, vorbestimmtes Ziel im ewigen Rate" (Paradies
XXXIII,1-3). Die Jungfrau selbst sagt in ihrem Lobgesang, dem „Magnifikat":
„Meine
Seele preist die Größe des Herrn ... Denn auf die Niedrigkeit
seiner Magd hat er geschaut" (Lk 1,46.48).
Ja,
Gott wurde von Marias Demut angezogen, und sie hat bei Gott Gnade gefunden
(vgl. Lk 1,30). So wurde sie zur Mutter Gottes, zum Bild und Vorbild der
Kirche, unter den Völkern erwählt, um den Segen des Herrn zu
empfangen und ihn auf die ganze Menschheitsfamilie zu verteilen. Dieser
„Segen" ist kein anderer als Jesus Christus. Er ist die Quelle der Gnade,
mit der Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins an erfüllt war.
Sie hat
Jesus
voll Glauben aufgenommen und hat ihn voll Liebe der Welt geschenkt. Das
ist auch unsere Berufung und unsere Sendung, die Berufung und Sendung der
Kirche:
Christus
in unser Leben aufzunehmen und ihn der Welt zu schenken, „damit
die Welt durch ihn gerettet wird" (Joh 3,17).
Wie ein Leuchtfeuer erhellt das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen
Jungfrau und Gottesmutter Maria die Adventszeit, die eine Zeit des wachsamen
und vertrauensvollen Wartens auf den Retter ist. Während wir dem Herrn,
der
kommt, entgegengehen, blicken wir auf Maria, die „als Zeichen der sicheren
Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk" voranleuchtet (Lumen
gentium, 68). In Maria erstrahlt uns die Schönheit der Schöpfung.
Denn Gott hat sie zur Mutter seines Sohnes erwählt und im Hinblick
auf dessen Erlösungsopfer vor jeder Sünde bewahrt. Auf ihre Fürsprache
hin schenke der Herr auch uns die Gnade, ihm mit einem reinen Herzen zu
dienen.