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Die belebende Quelle von Konstantinopel |
Deshalb
wandte er sich an Maria und nannte sie "Frau" und nicht "Mutter"; diese
Bezeichnung hingegen gebrauchte er, als er sie dem Jünger anvertraute:
"Siehe,
deine Mutter!" (Joh 19,27). So vollendete
der Sohn Gottes seine Sendung: Geboren von der Jungfrau Maria, hat er wie
wir als Mensch gelebt, in allem uns gleich ausser der Sünde, und hinterliess
im Augenblick seiner Rückkehr zum Vater in der Welt das Sakrament
der Einheit der Menschheit (vgl. Dogmatische Konstitution Lumen gentium,
1): die "in der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
verbundene" Familie (hl. Cyprian, De Orat.Dom.23:PL 4,536), deren ursprünglicher
Kern eben diese neue Verbindung zwischen der Mutter und dem Jünger
ist. Auf diese Weise bleiben die göttliche Mutterschaft und die Mutterschaft
in Bezug auf die Kirche unauflöslich miteinander verbunden.
Papst
Benedikt XVI.
Predigt
im Marienheiligtum in Ephesus, Türkei
Die belebende Quelle von Konstantinopel
Der
byzantinische Historiker Nicéphore Calliste Xanthopoulos (13. -
14. Jhdt.), berichtet, daß Kaiser Leo I. von Thrakien (5. Jhdt.),
den Ort der Quelle entdeckt hat. Als er noch einfacher Soldat war, befahl
ihm eine himmlische Stimme, indem sie zu ihm wie zu einem Herrscher sprach:
„Kaiser
Leo, geh tief in diesen Wald hinein, schöpfe mit deinen Händen
das schlammige Wasser und stille den Durst des Blinden; bestreiche die
Augen dieses Blinden und du wirst sofort wissen, wer ich bin, ich, die
ich seit langer Zeit Bewohnerin dieses Ortes bin.“
Der Blinde erlangte sein Augenlicht wieder und als Leo Kaiser war, ließ
er gegen 474 an dieser Stelle eine Kirche bauen.
Als lange Zeit danach der Tempel einmal einzustürzen drohte, erschien die Mutter Gottes und stützte ihn solange, bis die sich darin befindende Menschenmenge ihn verlassen hatte. 1453, nach der Einnahme Konstantinopels durch die Türken, sind die Kirche und das Kloster nur noch Ruinen, aber die Kranken eilen weiterhin zur Quelle, wo Wunder und Heilungen sich vermehren: „Welche Zunge könnte beschreiben, was dieses Wasser alles veranlaßt hat und bis zum heutigen Tag noch alles bewirkt, denn die Wunder, die wir täglich beobachten, übersteigen in Zahlen die Regentropfen, die Sterne des Himmel oder die Pflanzen der Erde!“ (Triode der Fastenzeit, Apostolische Diakonie 1993).
Im 19. Jahrhundert wird die Kirche, so, wie sie auch heute noch existiert, wieder aufgebaut, gemeinsam mit einer kleineren, die die Quelle vor Wind und Wetter schützt. Dieser Ort nennt sich heute „Balikli“ oder „Baloukli“, vom Türkischen „balik“, was „Fisch“ bedeutet; das Wasser ist dort in der Tat sehr fischreich. Seit 1824 werden alle Patriarchen von Konstantinopel in diesem Kloster beerdigt. Dieses Wasser des Heiles fließt immer noch … für die Heilung der Krankheiten des Körpers und der Seele:
„Oh Heilige Jungfrau,
du bist in Wahrheit die Quelle des belebenden Wassers;
du allein löscht
durch deine Berührung die qualvollen Krankheiten der Seele und des
Körpers aus,
in dem du Christus
wie das Wasser des Heiles über uns ausgießt.“
(Orientalisches
Gebet zur Feier dieses Tages).