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Maria ist die Mutter aller Menschen
Maria ist Frucht und Zeichen der Liebe Gottes
Wallfahrt Benedikts XVI. am 1. Mai
Ansprache im "Santuario del Divino Amore" am Stadtrand Roms

Die Mutter Jesu, die sich Gott vorbehaltlos hingegeben und als wahrhaft "Liebende" gelebt habe, ist die Mutter aller Menschen, betonte Benedikt XVI. anläßlich einer Wallfahrt zum Heiligtum der "Madonna del Divino Amore", der Mutter Gottes der göttlichen Liebe.

Zum Auftakt des Marienmonats Mai begab sich der Papst gestern, Montag, nach Castel di Leva in der Nähe von Rom, wo sich der Marienwallfahrtsort befindet. Nach dem Empfang durch Msgr. Pasquale Silla, dem Rektor, betete der Heilige Vater mit den zahlreichen Gläubigen den Rosenkranz.

Die Geschichte des Marienheiligtums geht auf das Jahr 1740 zurück: Ein Pilger hatte sich verirrt und war auf die Fürsprache der Gottesmuter aus Todesgefahr errettet worden. Die Nachricht dieses Wunders verbreitete sich in Windeseile und führte zu Pilgerströmen, die bis heute anhalten.

Für die Stadt Rom gibt es aber in Bezug auf das "Santuario del Divino Amore" noch ein zweites wichtiges Ereignis: In der Zeit der Nationalsozialisten wurde 1943 unter anderem auch die Hauptstadt Italiens bombardiert, worauf ein ganzes Stadtviertel beinahe vollständig dem Erdboden gleichgemacht wurde. Nach einem Aufruf von Papst Pius XII. begaben sich am 4. Juni 1944 zahlreiche italienische Gläubige in die römische Kirche des heiligen Ignatius, wohin das Gemälde der Madonna der Göttlichen Liebe gebracht worden war. Sie baten um die Befreiung Roms und versprachen gleichzeitig, in Zukunft besser zu leben, das Heiligtum wiederaufzubauen und ein Hilfswerk einzurichten. Ihre Bitte wurde erhört und die Ewige Stadt befreit.

Nach den drei Besuchen von Papst Johannes Paul II., der das neue Heiligtum bei seinem letzten im Jahr 1999 eingeweiht hatte, besuchte nun auch sein Nachfolger die Wirkstätte der Madonna. Nach dem Rosenkranzgebet wandte sich Benedikt XVI. an die Anwesenden. Durch das Mariengebet hätten sie sich auf den Glauben Mariens besonnen. Die Mutter Jesu habe sich Gott vorbehaltlos gewidmet und sich ihm vollständig überantwortet. So sei sie nicht nur zur Gottesmutter geworden, sondern auch zur Mutter aller Menschen. Der Papst erinnerte die Gläubigen mit einem Zitat aus Deus caritas est an die Tatsache, daß Maria eine Frau gewesen sei, die aus ganzem Herzen zu lieben verstanden habe. So sei sie "Frucht und Zeichen" der unendlichen Liebe Gottes geworden.

Nach diesen Worten begann der Heilige Vater, die Fürsprache der Madonna anzurufen. Er betete insbesondere für jene Familie, die vom tragischen Unglück auf der Ferieninsel Ischia heimgesucht worden war: Durch die starken Regenfälle hatte sich am Sonntag ein Berghang gelöst und eine ganze Familie unter sich begraben. Nur die Mutter und die dreijährige Nichte konnten lebend aus den Schlammassen geborgen werden. Für den Vater und die drei Töchter kam jede Hilfe zu spät.

Benedikt XVI. gedachte auch der drei gefallenen italienischen Soldaten. Sie waren am Donnerstag bei einem Attentat in Nassiriya (Irak) ums Leben gekommen. Diese traurigen Ereignisse zeigten, daß es auch heute noch der Bekehrung zu Gott bedürfe - "zu diesem Gott, der die Liebe ist, damit die Welt von den Kriegen und vom Terrorismus befreit wird".

Der Bischof von Rom betete für alle Menschen um kräftige spirituelle Unterstützung, vor allem für die Diözese Rom. Seine Ansprache schloß er mit einem eindringlichen Appell: "Verwirklichen wir die Liebe und lassen wir so das Licht Gottes in die Welt eintreten."



Maria - Frucht und Zeichen der Liebe Gottes
Am 1. Mai 2006 griff Papst Benedikt XVI. eine Tradition seines Vorgängers auf und besuchte das Marienheiligtum Unserer Lieben Frau von der Göttlichen Liebe. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die Gläubigen Roms vor dem Gnadenbild die von deutschen Truppen bedrohte Stadt der Gottesmutter geweiht und versprachen den Bau einer neuen Wallfahrtskirche. Rom blieb verschont. Nun waren auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Gläubige gekommen, um mit Papst Benedikt den Rosenkranz zu beten. Im Heiligtum der göttlichen Liebe wiederholte der Heilige Vater seinen Aufruf, Kirche und Welt unter den besonderen Schutz der Gottesmutter zu stellen.
Hier die Ansprache Papst Benedikts XVI. nach dem Rosenkranzgebet im römischen „Santuario del Divino Amore":
Es ist für mich Grund des Trostes und der Stärkung, heute bei euch zu sein, um in diesem Heiligtum der „Muttergottes von der Göttlichen Liebe" den heiligen Rosenkranz zu beten. Dieses Heiligtum ist Ausdruck der frommen Zuneigung zur Jungfrau Maria, die in der Seele und der Geschichte der Bevölkerung Roms tief verwurzelt ist. Besonders freut mich der Gedanke, daß ich auf diese Weise die Erfahrung meines geliebten Vorgängers Johannes Pauls II. erneuere, der nun vor genau 27 Jahren, am 1. Mai 1979, diesem Wallfahrtsort seinen ersten Besuch als Papst abstattete. Wir haben den heiligen Rosenkranz gebetet und dabei die fünf „freudenreichen" Geheimnisse betrachtet, die die Anfänge unseres Heils vor den Augen unseres Herzens vorbeiziehen lassen, von der durch den Heiligen Geist bewirkten Empfängnis Jesu im Schoß der Jungfrau Maria bis zum Wiederauffinden des nun bereits zwölfjährigen Jesus im Tempel von Jerusalem, wo er den Lehrern zuhörte und ihnen Fragen stellte. Wir haben die Worte des Engels gehört: „Freue dich, Maria, du Begnadete, der Herr ist mit dir", und haben sie uns zu eigen gemacht, ebenso wie die Worte, mit denen die hl. Elisabet die Jungfrau Maria empfing, die sich sogleich aufgemacht hatte, um ihr zu helfen und ihr zu dienen: „Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes". Wir haben den fügsamen Glauben Marias betrachtet, die Gott vorbehaltlos vertraut und sich vollkommen in seine Hände legt. Auch wir haben uns, mit den Hirten, dem in der Krippe liegenden Jesuskind nahe gefühlt und haben in ihm den ewigen Sohn Gottes, der aus Liebe unser Bruder und so auch unser einziger Erlöser geworden ist, erkannt und angebetet. Auch wir sind, mit Maria und Josef, in den Tempel eingetreten, um das Kind Gott zu weihen und den Reinigungsritus zu vollziehen. Hier hörten wir, wie uns in den Worten des alten Simeon zusammen mit dem Heil der Widerspruch und das Kreuz angekündigt wurden, ebenso wie jenes Schwert, das unter dem Kreuz des Sohnes durch die Seele der Mutter dringen wird: und eben auf diese Weise wird sie nicht nur zur Mutter Gottes, sondern auch zu unser aller Mutter. Liebe Brüder und Schwestern, in diesem Heiligtum verehren wir die allerseligste Jungfrau Maria mit dem Titel „Muttergottes von der Göttlichen Liebe". So wird das Band, das Maria vom Anfang ihres Daseins an mit dem Heiligen Geist verbindet, ins volle Licht gerückt: Bei ihrer Empfängnis nahm der Geist, die ewige Liebe des Vaters und des Sohnes, in ihr seine Wohnung und bewahrte sie vor jeglicher Sünde; dann ließ der gleiche Geist den Gottessohn in ihrem Schoß entstehen; weiterhin fand im gesamten Verlauf ihres Lebens durch die Gnade des Geistes der Ausspruch Marias: „Ich bin die Magd des Herrn" vollkommene Erfüllung; und schließlich wurde Maria in der Kraft des Heiligen Geistes mit ihrer ganzen konkreten Menschennatur neben dem Sohn in die Herrlichkeit Gottes, des Vaters, aufgenommen. „Maria", so habe ich in der Enzyklika Deus caritas est geschrieben, „ist eine Liebende. (...) Als Glaubende und im Glauben mit Gottes Gedanken denkend, mit Gottes Willen wollend kann sie nur eine Liebende sein" (Nr. 41). Ja, liebe Brüder und Schwestern, Maria ist die Frucht und das Zeichen der Liebe Gottes zu uns, seiner Zärtlichkeit und seines Erbarmens. Deshalb wenden wir uns in unseren Bedürfnissen und Hoffnungen, in den freudigen und schmerzlichen Ereignissen unseres Lebens an sie, gemeinsam mit unseren Brüdern und Schwestern im Glauben aller Orte und aller Zeiten. Mit dem Monat Mai steigt die Zahl derer, die aus den römischen Pfarrgemeinden, aber auch aus vielen anderen Gegenden hierher pilgern, um zu beten und auch um die Schönheit und erholsame Ruhe dieses Ortes zu genießen. Von hier, von diesem Heiligtum der „Muttergottes von der göttlichen Liebe" erhoffen wir uns also kraftvolle geistliche Hilfe und Unterstützung für die Diözese Rom, für mich als ihren Bischof und für die anderen Bischöfe, meine Mitarbeiter, für die Priester, für die Familien, für die Berufungen, für die Armen, die Leidenden und die Kranken, für die Kinder und die alten Menschen. Wir erhoffen uns besonders die innere Kraft, das Gelöbnis einzulösen, das die Römer am 4. Juni 1944 machten, als sie die Muttergottes von der Göttlichen Liebe feierlich baten, diese Stadt vor den Schrecken des Krieges zu bewahren, und erhört wurden: das Gelöbnis und das Versprechen, das eigene sittliche Verhalten zu korrigieren und zu verbessern, um es der Haltung Jesu immer ähnlicher zu machen. Auch heute ist die Bekehrung zu Gott - zu Gott, der die Liebe ist - notwendig, damit die Welt von Krieg und Terrorismus befreit werde.
(Quelle: O.R. Nr. 20 v. 19.05.2006, Seite 11)
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