Predigt von Bischof Dr. Franz
Kramberger, Maribor/Slowenien am 13.3.2003 in Tirschenreuth
(Quelle: aus "Bote von Fatima" 7/2003,
S. 98f., bitte bestellen Sie diese sehr wertvolle Zeitschrift!)
Wenn wir die Bibelstellen, vor allem aber alle neutestamentlichen Texte, die (direkt mit Namen) über Maria sprechen, zusammenfassen wollten, dann gäbe es nur einen Text. Gemeint ist damit derjenige, den wir eben gehört haben, wo es heißt, daß der Engel Maria die Botschaft brachte, sie werde vom Hl. Geist empfangen und den Erlöser gebären. - Und wenn wir den Inhalt dieses Textes nur mit einem einzigen Satz ausdrücken wollten, würde dieser Satz lauten: Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort (Lk 1,38). "Es geschehe! Es werde! Fiat!" In der Geschichte der Menschheit und der gesamten Schöpfung ertönt das lateinische Wort "Fiat", nämlich "Es geschehe" oder "Es werde" dreimal:
Das schöpferische "Fiat"
1. Zum erstenmal hören wir dieses Wort
ganz am Anfang der Geschichte, da die Welt erschaffen wurde. Es wurde von
dem Schöpfer ausgesprochen, da er in der Leere der Zeit und des Raumes
alles, was es gibt, ins Dasein rief, da die Existenz bzw. das Leben
allem, was besteht, gegeben wurde. Das war das schöpferische "Es werde!"
Es war die göttliche Unterschrift zur ganzen Schöpfung und der
gesamten Menschheit. - Es werde Licht. Und es wurde Licht. - Am Anfang
schuf Gott Himmel und Erde. Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein,
... das größere, das über den Tag herrscht, das kleinere,
das über die Nacht herrscht, auch die Sterne. So geschah es. Das Land
bringe alle Arten von lebendigen Wesen hervor; sie sollen sich vermehren
und die Erde bevölkern. So geschah es!
Mit seinem schöpferischen Wort rief Gott
zuletzt den Menschen ins Dasein, ja, ihn, der die Krone der Schöpfung
ist. Es geschah. Nach seinem Bild hat er den Menschen erschaffen und bereicherte
ihn mit der Vernunft,
dem freien Willen
und mit der Unsterblichkeit.
Mit seiner freien Entscheidung für das
Gute, mit der Anerkennung, der Hochachtung und Verehrung Gottes, nämlich
mit dem Gebet, der Liebe und der vertrauensvollen Ergebenheit sollte der
Mensch im Dialog mit Gott stehen und dadurch die gesamte, zwar seiende,
jedoch schweigende Natur vertreten. Der hl. Irenäus sagt: "Der Mensch
ist die Ehre Gottes hier auf Erden."
Die Hl. Schrift berichtet uns davon, was der
erste Mensch tat, wie er dem Schöpfer antwortete. Vom Vater der Lüge,
d.h. vom Teufel verleitet, wandte sich der Mensch mit den ihm gegebenen
göttlichen Gaben gegen Gott und versagte ihm den Gehorsam. Er wollte
wie Gott werden. Das
war die erste Sünde, der Fall des ersten Menschen. (Man
vergleiche übrigens mit der heutigen Zeit: z.B. Gentechnik, Klonung,
...). Die Verbundenheit zwischen Gott und
dem Menschen wurde zerrissen. Zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf,
ja, zwischen Gott und der Menschheit entstand eine riesige Entfernung der
Sünde. Im Lichte unseres Geistes können wir diese Ruine des menschlichen
Lebens schauen und erfassen.
Das marianische "Fiat"
2. Um den derart entstandenen Zustand gutzumachen,
war es wiederum nötig, das Wort "Es geschehe! Fiat!" auszusprechen.
Zum ersten Mal war dieses Wort vom Schöpfer selber ausgesprochen worden,
zum zweiten Mal sollte es vom Geschöpf gesagt werden. Das erste Mal
war der Schöpfer derjenige, der es ausgedrückt hatte, das zweite
Mal war der Mensch dazu eingeladen, es zum Ausdruck zu bringen. - Und
der vollkommenste Mensch, das schönste Geschöpf, die Heilige,
die Makellose, die unbefleckt Empfangene, die Maria
hieß, sprach das Wort "Mir geschehe!" in Nazareth
aus, da der Erzengel Gabriel zu ihr gesandt wurde.
Die Niederschrift dieses einmaligen Dialogs zwischen Maria und dem Engel,
dem Gesandten Gottes, ja, diese entscheidende Wechselrede zwischen dem
Schöpfer und dem Geschöpf, zwischen Gott und dem Menschen, ist
uns heute im Evangelium vermittelt worden. Der Inhalt dieses Gesprächs
zwischen Maria und dem Engel wird dreimal
täglich wiederholt, da wir in der
früh, mittags und am Abend das Angelus-Gebet
sprechen.
In diesem Dialog gab Maria die Antwort; sie
tat es in ihrem Namen und im Namen der gesamten Menschheit, indem sie "Mir
geschehe! Fiat!" sagte. Und es geschah. Was geschah? Gott
wurde Mensch. Die zweite göttliche
Person, das Wort Gottes, ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
"Mir geschehe nach deinem Wort!" Damit
verband Maria Himmel und Erde, ja, Gott und den Menschen (wieder) miteinander.
(Wir
verstehen so die Miterlöserschaft Mariens besser!) -
Sie empfing den Sohn Gottes, unseren Erlöser. Sie wurde Gottesmutter
und unsere Mutter, die Mutter des Erlösers und Mutter der Erlösten.
- Und darin besteht der Inhalt der Verkündigung des Herrn, jenes Festes
also, das am 25. März
begangen wird. (Man vergleiche die große
Bedeutung der letzten beiden Kometen!)
Das messianische "Fiat"
3. Noch ein drittes Mal hören wir das
Wort: "Es geschehe!", und zwar am Ölberg, im Garten Getsemani, nach
dem letzten Abendmahl am Gründonnerstag, da die Stunde unseres Erlösers
schlug.
Mit der Bürde unserer Sünden belastet,
angesichts des Kelchs des Leidens das Blut schwitzend, betete der Mensch
gewordene Gott, Gottessohn Jesus Christus, dreimal: "Vater, wenn du willst,
nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen!"
(Lk 22,42).
Dreimal wiederholte er sein erlösendes
"Es geschehe!". Erstens tat er es für die Vergangenheit, für
alle Geschlechter bis Adam und Eva zurück; zweitens sagte er es für
alle Menschen seiner Zeit, für seine damalige Gegenwart; drittens
sprach er es aus für alle Generationen der Zukunft, die es bis zum
letzten Tag geben wird. Alle wurden in sein errettendes "Es geschehe!"
mit hineingenommen. Niemand und nichts wurde ausgeschlossen. Und so geschah
es. Was geschah? Es geschah der Karfreitag
(Man
vergleiche die große Bedeutung der letzten beiden Kometen!),
und
es geschah der Ostersonntag, der Tod und die Auferstehung unseres Heilands
geschahen. Es geschah unsere Erlösung!
Auf des Schöpfers "Es werde! Fiat!" hin
erschien der nach dem Bild Gottes erschaffene Mensch am Horizont der Weltgeschichte.
- Auf Marias "Mir geschehe! Fiat!" erschien Gott als Mensch am Horizont
der Weltgeschichte. - Auf Christi "Es geschehe!" wurde am Horizont der
Welt das Kreuz als das Zeichen der Länge und Breite, der Höhe
und Tiefe (Eph 3,18-19) der göttlichen LIEBE errichtet, jener Liebe
nämlich, die alle erlöst, heilig macht und sie dem neuen Himmel
und der neuen Erde entgegen auf den Weg stellt.
Und nun sind wir dazu berufen,
daß wir ergeben und demütig, wie Maria es war, nach dem Beispiel
des Herrn bewußt und überlegt die Worte im "Vater unser" wiederholen,
die da heißen: 'Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.'
-
Das
ist unsere Antwort Gott, dem Schöpfer, der unser Vater ist; weiter
ist das unsere Entgegnung Christus, dem Gottessohn, der unser Erlöser
ist; es ist ebenso unsere Erwiderung dem Heiligen Geist, der uns heilig
macht, nicht zuletzt ist das unsere Antwort Maria gegenüber, die Gottes
Mutter und unsere (uns liebende himmlische) Mutter ist.
MARIA - unser Leit- und Vorbild
1. Weil ich deinen Jesus liebe,
geht mein Blick auch hin zu dir;
da er mir zum
Bruder wurde, wurdest Mutter du auch mir.
2. Gottes Huld hat dich berufen,
Jungfrau-Mutter ihm zu sein;
nicht aus eigenem
Verdienste, sondern durch die Gnad' allein.
3. Bei des Engels hoher Botschaft
sprachst du als die Magd des Herrn:
"Mir gescheh'
nach deinem Worte", folgtest seinem Willen gern.
4. Gott zu dienen war dein Streben,
Dienst an unserem Heil zugleich;
Leit- und Vorbild
war dein Leben auch für uns in Gottes Reich.
5. Als Elisabeth dich brauchte,
eiltest hilfsbereit du hin,
gabst so allen
dieses Zeichen: sich dem Nächsten entziehn.
6. Auch bei Kanas Hochzeitssorgen
zeigst du dich als Helferin:
wiesest auch
in dieser Stunde auf den Retter Jesus hin.
7. Wo sich Gottes Walten zeigte,
öffnest du ihm ganz dein Ohr,
dachtest nach,
was es bedeute, nie dein Herz sein Wort verlor.
8. Mutig folgst du deinem Sohne,
als den Kreuzweg er betritt.
Littest seine
Todesqualen unterm Kreuz als Mutter mit.
9. Kündest so, daß auch
im Leiden wir zum Herrn in Treue stehn,
bis nach allen
Dunkelheiten wir zum Leben übergehn.
10. Als die Jünger in dem Saale im Gebet
des Geistes Kraft
für ihr
Wirken heiß erflehten, weil nur er das gute schafft,
11. warst auch du in ihrem Kreise eine treue
Beterin.
Dein Gebet
beim Gottessohne macht dich uns zur Mittlerin.
12. Hilf auch uns, nach deinem Beispiel Christi
treue Jünger sein,
seinen Brüdern
selbstlos dienen und ihm unser Leben weih'n.
Oh,
haben wir eine gute Mutter! Haben wir eine gute Mutter im Himmel!
(Ausruf des jungen Priesters, der das in Garabandal angekündigte "Große
Wunder"
vorerleben durfte und vor Freude noch am gleichen Tag gestorben ist!)