Kyrill und Methodius - die heiligen Patrone Europas
Zum Fest der heiligen Cyrill (+ 869) und Methodius (+ 885) am 14. Februar - Patrone Europas
Die beiden leiblichen Brüder Cyrill und Methodius gehören zu den großen Missionaren Osteuropas. Als Söhne eines hohen byzantinischen Hofbeamten genossen sie eine hervorragende Ausbildung in Konstantinopel, die für den ihnen von Gott vorgesehenen Lebensauftrag dienlich sein sollte. Cyrill war seinen Zeitgenossen als Konstantin bekannt; erst später, kurz vor seinem Tod, wechselte er seinen Namen. Vom Charakter her waren beide Brüder unterschiedlich veranlagt. Cyrill hatte eine Neigung zur Philosophie, Methodius dagegen war eher praktisch ausgerichtet und widmete sich zunächst seiner politischen Laufbahn. So übte er bis zu seiner Berufung als Mönch das Amt des Statthalters über die unter byzantinischer Herrschaft stehenden Slawengebiete aus. Im Auftrag der Kaiserin Theodora machten sich schließlich dann beide Brüder im Jahr 860 zur Missionierung der heidnischen Chazaren auf den Weg, kurz darauf sandte sie Kaiser Michael im Jahr 863 auf Bitten des mährischen Fürsten ins Großmährische Reich, wo sie erfolgreich missionieren konnten. Der Überlieferung nach sollen sie auch die Gebeine des hl. Papstes Clemens l., der mit einem Anker um den Hals im Schwarzen Meer ertränkt wurde, gefunden und nach Rom gebracht haben.

Verkünder des Evangeliums und Förderer der slawischen Sprache
Cyrill war der eigentliche Betreiber der Slawenmission. Er achtete die slawische Kultur und verkündete auf dieser Basis das Evangelium. Dazu entwickelte er eine eigene Schrift, die aus Zeichen bestand, welche zum Teil an christliche Symbole erinnerten. Diese Schrift wurde von Cyrills Schüler Klemens von Ohrid zur heute bekannten „kyrillischen Schrift" entwickelt. Leider führte der Gebrauch der slawischen Sprache im Gottesdienst zu Konflikten mit fränkischen und bayerischen Bischöfen, so daß Cyrill und Methodius ihr Anliegen Papst Hadrian II., der kurz zuvor den Stuhl Petri bestiegen hatte, vortrugen. Bald darauf erkrankte Cyrill zu Tode und starb am 14. Februar 869 in Rom. Von der großen Wertschätzung, die Papst Hadrian Cyrill und seinen Anliegen entgegenbrachte, zeugt seine Anordnung, „daß alle Griechen, die in Rom waren, und die Römer sich mit Kerzen in den Händen bei ihm versammelten und über ihm sangen, daß sie einen Leichenzug hielten wie bei einem Papst" (vgl. Lektionar zum Stundenbuch, Bd. II/2, de ea die). Nach dem Tod seines Bruders wirkte Methodius, vom Papst zum Bischof geweiht, bis 885 mit kurzer Unterbrechung als Missionar in Mähren. Dabei geriet er erneut in Auseinandersetzungen und schwere Anfeindungen, so daß Methodius bei einem Scheingericht auf der Synode zu Regensburg im Jahr 870 zu Verbannung und Kerkerhaft verurteilt wurde. Eine Gedenktafel an der Außenmauer der Stiftsbasilika Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle am Alten Kornmarkt in Regensburg erinnert seit 1985 an den Aufenthalt des Heiligen in dieser Stadt. Nachdem schließlich 880 durch eine päpstliche Bulle die offizielle Anerkennung des Slawischen als Kirchensprache erfolgte, übersetzte Methodius weitere kirchliche Texte in diese Sprache. Elf Jahrhunderte später erhob Papst Johannes Paul II. das heilige Brüderpaar Cyrill und Methodius zu Patronen Europas.

Fürsprecher für den Verkündigungsauftrag Europas
Was sagen uns die beiden Slawenapostel Cyrill und Methodius, wenn wir ihren Einsatz für das Evangelium betrachten? Die Botschaft ist eindeutig: Wer das Evangelium verkünden will, muß denjenigen, denen er begegnet, mit großer Achtung, ja mit Liebe zuvorkommen. Nicht Macht oder Gewalt, politische Klugheit oder taktisches Verhalten öffnen dem Evangelium den Weg zu den Herzen der Menschen; allein die Liebe und die Wertschätzung des anderen tun dies.
Als Patrone Europas mögen Cyrill und Methodius den Menschen unseres europäischen Kontinents die Augen öffnen für ihren Auftrag in unserer Zeit, in welcher der christliche Glaube zu verdunsten droht. Bischof Dr. Rudolf Graber, der 1969 die Herausgabe des Directorium Spirituale veranlaßte und der in vielen seiner Ansprachen und Predigten immer wieder den Europa-Gedanken aufgriff, wurde nicht müde, auf die Bedeutung Europas für die Weitergabe des christlichen Glaubens an die Welt hinzuweisen. „Europa darf nicht untergehen; Europa ist berufen. Diese Auszeichnung unseres Erdteils bedeutet auch Verpflichtung", so betont Bischof Rudolf. Und indem er Donoso Cortes mit folgenden Worten zitiert: „Noch immer ist also das Abendland die bevorzugte Stätte des göttlichen Segens, der Ort, wo die Gnade Christi sich bis auf den heutigen Tag nicht unbezeugt gelassen hat", schließt Bischof Graber: „Ein herrliches Wort, das uns Hoffnung gibt. Aber beachten wir das kleine Wort, das wir ja nicht übersehen dürfen: ,noch', d. h. heute gerade noch. Wie wird es morgen sein? Dafür sind wir verantwortlich, jeder von uns."
(Quelle: "Bote von Fatima", Febr. 2009, S. 16f, Regensburg)
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