|
Ein klares Bischofswort S.E. Bischof Kurt Koch, Basel- kath.net |
"Statt anderen, zumal dem Papst, vorzuwerfen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen, wäre man gut beraten, über die eigenen Bücher zu gehen und zu überprüfen, wie man selbst zum Konzil steht." Das schreibt der Bischof von Basel, Kurt Koch, auf der Homepage der Diözese, konkret der "Bistumsseite für Pfarrblätter vom Juli 2009", und fordert "mehr Ehrlichkeit" in der Diskussion um das Zweite Vatikanum. Sein Text im Wortlaut: Was bewegt mich?
Mehr Ehrlichkeit
bitte!
In
den vergangenen Wochen ist von journalistischer, aber auch von pastoraler
Seite viel über Papst Benedikt geurteilt worden. Darunter befand sich
auch viel Halbwahres, Unwahres und Verleumderisches. Der schlimmste Vorwurf
behauptet, der Papst wolle hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückgehen.
Ein solcher Vorwurf ist deshalb schlimm, weil er unterstellt, der Inhaber
des universalkirchlichen Lehramtes würde die Autorität eines
Konzils untergraben. Ein solches Urteil ist aber völlig verfehlt.
Benedikt XVI. hat bereits als junger Theologe viel zum Konzil beigetragen.
Wer ihn jetzt als Papst nicht nur aus den Medien wahrnimmt, sondern auch
liest, was er sagt, wird feststellen, daß er sein ganzes Lehramt
am Konzil orientiert. Wie muß man dann aber den genannten Vorwurf
verstehen? Nicht wenige haben eine Petition für eine uneingeschränkte
Anerkennung des Konzils unterschrieben. Bereits diese Formulierung irritiert
mich, weil ich niemanden - mich eingeschlossen - kenne, auf den dieses
vollmundige „uneingeschränkt" zutreffen würde. Es mag genügen,
einige willkürlich ausgewählte Beispiele zu nennen:
- Das Konzil hat das Latein in der Liturgie nicht abgeschafft. Es hat vielmehr betont, daß im römischen Ritus der Gebrauch der lateinischen Sprache, soweit nicht Sonderrecht entgegensteht, erhalten bleiben soll. - Wer von den lautstarken Konzilsverteidigern hält sich daran „uneingeschränkt"?
- Das Konzil hat erklärt, die Kirche betrachte den Gregorianischen Gesang als „den der römischen Liturgie eigenen Gesang" und er müsse deshalb „den ersten Platz einnehmen". - In welcher Pfarrei wird dem „uneingeschränkt" nachgelebt?
- Das Konzil hat die staatlichen Obrigkeiten ausdrücklich gebeten, freiwillig auf geschichtlich zugewachsene Rechte auf Mitwirkung bei Bischofswahlen zu verzichten. - Welcher Konzilsverteidiger setzt sich „uneingeschränkt" dafür ein?
- Das Konzil hat das Wesen der Liturgie als Feier des Pascha-Mysteriums und das Opfer der Eucharistie als „Vollzug des Werks unserer Erlösung" bezeichnet. - Wie ist damit meine Feststellung zu vereinbaren, die ich in verschiedenen Pfarreien machen muß, daß der Opfergedanke völlig aus der liturgischen Sprache verschwunden ist und die Messe nur noch als Mahl oder „Teilen des Brotes" gesehen wird? Mit welchem Recht beruft man sich für diese schwerwiegende Veränderung auf das Konzil?
- Wohl kein zweites Amt hat das Konzil derart neu gewichtet wie das Bischofsamt.- Wie ist damit die weitgehende Relativierung dieses Amtes in der Kirche in der Schweiz unter Berufung auf das Konzil zu verstehen - so wenn zum Beispiel Hans Küng den Bischöfen ein Lehramt überhaupt abspricht und ihnen nur das pastorale Amt der Leitung läßt?
Diese
Litanei ließe sich unschwer verlängern. Sie dürfte auch
so zeigen, warum ich in der heutigen Auseinandersetzung um das Konzil mehr
Ehrlichkeit einfordere. Statt anderen, zumal dem Papst, vorzuwerfen, hinter
das Konzil zurückgehen zu wollen, wäre man gut beraten, über
die eigenen Bücher zu gehen und zu überprüfen, wie man selbst
zum Konzil steht. Denn nicht alles, was nach dem Konzil gesagt und getan
wird, ist bereits deshalb nach (=gemäß) dem Konzil - auch im
Bistum Basel nicht. Die vergangenen Wochen haben mir jedenfalls gezeigt,
daß ein Hauptproblem in der gegenwärtigen Situation eine fehlende
und teilweise sehr einseitige Aufnahme des Konzils ist - auch bei Katholiken
und Seelsorgenden, die das Konzil „uneingeschränkt" verteidigen. Diesbezüglich
haben wir alle - mich wiederum eingeschlossen - noch einigen Nachholbedarf.
Deshalb nochmals meine dringliche Einladung: Mehr Ehrlichkeit bitte!
+
Kurt Koch, Bischof von Basel
(Quelle:
"Schweizer Fatima-Bote" 3/2009, S. 16f., CH-6208 Oberkirch)
Impressum
Täglicher Ruf um Schutz zur Königin der Engel und Besiegerin der Hölle