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Der berühmte Mainzer „Arbeiterbischof" des 19. Jahrhunderts, Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler (1811 - 1877) wurde gegen Bismarck im preußischen Kulturkampf zu einem entschiedenen Kämpfer für die Freiheit der Kirche im Kampf gegen deren Bevormundung durch die preußische Staatsregierung in Berlin. Im Leben dieses großen Sozialbischofs gibt es ein weithin unbekanntes Hintergrundgeheimnis, das für jeden Christen äußerst lehrreich ist. Im Jahre 1869 unterhielt sich dieser Mainzer Bischof (seit 1850) mit einem Amtskollegen, der ihm seine Anerkennung aussprach. Bischof Ketteler wehrte ab, indem er erklärte, es gebe eine Person, die ihr ganzes Leben dem lieben Gott für ihn aufgeopfert habe. Ihr habe er alles in seinem Leben und Wirken zu verdanken, auch seine Berufung zum geistlichen Stand. Ursprünglich wollte er gar nicht Priester werden. Er hatte die Staatsprüfung als Jurist abgelegt und wollte möglichst schnell Karriere machen. Er dachte an Ehre, Genuß, Ansehen und Geld.
Eines
Abends saß er in seinem halbdunklen Zimmer und dachte an seine ehrgeizigen
Zukunftspläne. Plötzlich sah er über sich Jesus Christus
in einer strahlenden Wolke. Der Erlöser zeigte ihm sein Herz. Vor
ihm kniete eine Ordensfrau und hob flehend die Hände zu Christus.
Aus Jesu Mund hörte er die Worte: „Sie betet ohne Unterlaß für
Dich." Ketteler sah deutlich die Gestalt der Beterin. Ihre Gesichtszüge
behielt er in seinem Gedächtnis. Es handelte sich um eine einfache
Ordens- und Laienschwester im ärmlichen Habit. Ihre Hände waren
schwielig und gerötet von schwerer, körperlicher Arbeit. Ketteler
war bis ins Mark erschüttert. Er beschloß 1841, im Alter von
30 Jahren, Priester zu werden. Bei den anschließenden Exerzitien
besprach er alles mit seinem Beichtvater, der seinen Plänen zustimmte.
1844 wurde er zum Priester geweiht, am 25. 7. 1850 erfolgte seine Weihe
zum Bischof von Mainz. Kehren wir nun zurück zum Gespräch von
Bischof Ketteler mit seinem bischöflichen Confrater im Jahre 1869.
(Zu diesem Zeitpunkt war er 58 Jahre alt und seit 19 Jahren Bischof in
Mainz.) Am nächsten Tag feierte Bischof von Ketteler die hl. Messe
in der Kapelle von Ordensfrauen in der Nähe ihres Treffpunkts. Beim
Austeilen der hl. Kommunion kam in der letzten Reihe eine Nonne auf ihn
zu, bei deren Anblick der Zelebrant vor Schreck stehen blieb. Ein Zittern
befiel ihn. Aber er raffte sich zusammen und sie empfing die Hostie aus
seiner Hand. Keiner hatte etwas bemerkt. Nach einer ungewöhnlich langen
Danksagung waren die beiden Bischöfe zum Frühstück im Kloster
eingeladen. Ketteler bat die Oberin um eine Versammlung aller Hausschwestern.
Er überflog alle Versammelten und grüßte sie, mußte
jedoch die Frage stellen: „Sind wirklich alle Schwestern da?" Die Oberin
gab zu, daß eine Laienschwester fehle. Sie besorgte in musterhafter
Weise den Stall und vergaß dann in ihrem Eifer manchmal andere Dinge.
Nun holte man sie herbei und der Bischof erbleichte, es durchschauerte
ihn. Er wollte sie unter vier Augen sprechen. Bei dieser Unterhaltung stellte
sich heraus, daß die Schwester den Bischof nicht kannte. Sie hatte
ihn noch nie gesehen und auch noch nie etwas von ihm gehört. Sie
erklärte, sie bete am liebsten zum Heiligsten Herzen Jesu. Die Arbeit
im Kloster sei ihr oft zuwider, aber aus Liebe zum Herzen Jesu wolle sie
alles gern anpacken, was sie Überwindung koste. Dies opfere sie auf
für eine Seele, die das besonders brauche. Sie wisse nicht, um wen
es sich dabei handle. Aber das sei auch nicht wichtig, der Vater im Himmel
wisse es und das sei genug. In derselben Meinung opfere sie auch die tägliche
eucharistische Anbetungsstunde zwischen 20.00 und 21.00 Uhr auf. So stelle
sie ihre kleinen Verdienste dem Heiligsten Herzen Jesu zur Verfügung.
Er möge in seiner Allwissenheit und Weisheit alles dem zugute kommen
lassen, für den er es für richtig halte.
Diese Schwester war vor 33 Jahren geboren, genau an dem Tag, als Ketteler
sich auf Grund seiner kleinen Vision bekehrt hatte. Seit 20 Jahren betete
diese Schwester für diese ihr unbekannte Seele. Und Gott hatte im
voraus schon ihre Gebete und Opfer angenommen und am Tag ihrer Geburt seine
Bekehrung bewirkt, im Vorauswissen ihrer fürbittenden guten Werke.
Für die demütige, einfache Schwester blieben diese Dinge verborgen.
Der Bischof bat sie, im Namen Gottes, ihre Frömmigkeit weiter zu leben.
Dann kniete sie vor ihm nieder und erbat seinen Segen. Feierlich erhob
der Bischof seine Hände zum Himmel und sprach mit tiefer Bewegung
und Ergriffenheit: „So segne ich Sie in all
der Kraft und Gewalt, die ein Bischof zum Segnen hat. Ich segne Ihre Seele,
ich segne Ihre Hände und deren Arbeit, ich segne Ihr Beten und Opfern,
Ihr Überwinden und Gehorchen, ich segne Sie für und für
und ganz besonders Ihre letzte Stunde und bitte Gott, daß er Ihnen
mit all seinem Trost beistehen möge. Das gebe Gott der Vater und der
Sohn und der Heilige Geist." Und die arme
Laienschwester sagte Amen, erhob sich und ging aus dem Zimmer. Der Himmel
liebt die stille, unauffällige Heiligkeit, die sich selbst verzehrt
in der Liebe zu Gott und dem Nächsten, die in Treue und Gehorsam liebt
und dient in Ruhe und Schweigen. Daraus erwachsen echte Berufungen für
den Priester- und Ordensstand. Übergeben wir nach unserer Ganzhingabe
an Jesus durch Maria beiden die Entscheidung, wem unsere guten, verdienstvollen
Werke zugutekommen. Bleiben wir demütig. Das ist der kürzeste
Weg zur Selbstheiligung und Heiligung anderer Seelen. Verborgenes,
verschwiegenes Leben zur Ehre Gottes wirkt Großes in der Kirche.
Auf
die Fürsprache aller heiligen Bischöfe und Ordensleute segne
alle kleinen eucharistischen, marianischen und papsttreuen Seelen der allmächtige,
dreifaltige GOTT, der f VATER, der t SOHN und der + HEILIGE GEIST.
Euer
Pfarrer Reinhold Franz Maria Lambert
(Quelle:
"Rundbrief" des Marianischen Segenskreises Nr. 122, Nov. 2005)
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