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Großer Katechismus
der Katholischen Religion
(Katechismus nach
dem Konzil von Trient, herausgegeben von den Päpsten Pius V. und Clemens
XIII.)
Von den zehn Geboten
Gottes
201.
Wie lauten die zehn Gebote Gottes?
Antwort:
Die zehn Gebote Gottes lauten:
Erstens,
Du sollst allein an einen Gott glauben.
Zweitens,
Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen.
Drittens,
Du sollst den Feiertag heiligen.
Viertens,
Du sollst Vater und Mutter ehren auf daß Du lange lebst und es Dir
wohl ergehe auf Erden.
Fünftens,
Du sollst nicht töten.
Sechstens,
Du sollst nicht Unkeuschheit treiben.
Siebtens,
Du sollst nicht stehlen.
Achtens,
Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider einen Nächsten
Neuntens,
Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Frau.
Zehntens,
Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Gut.
202.
Sind auch wir verpflichtet, die zehn Gebote Gottes zu halten, die Gott
dem Volk Israel gegeben hat? Antwort: Auch wir sind verpflichtet,
die zehn Gebote zu halten.
Erstens,
weil sie nur das natürliche Sittengesetz erklären, das Gott jedem
Menschen durch das Gewissen zu erkennen gibt.
Zweitens,
weil Jesus Christus die zehn Gebote bestätigt und zu halten befohlen
hat.
„Willst
Du zum Leben eingehen so halte die Gebote!" Mt 19, 17
Die
ersten drei Gebote enthalten die Pflichten gegen Gott.
Die
übrigen sieben enthalten die Pflichten gegen uns und den Nächsten.
Das
erste Gebot Gottes
„Du
sollst allein an einen Gott glauben!"
203.
Was wird in diesem Gebot befohlen?
Antwort:
In diesem ersten Gebot wird befohlen daß wir an Gott glauben auf
ihn hoffen ihn lieben und anbeten.
204.
Was wird im ersten Gebot verboten?
Antwort:
Im ersten Gebot wird verboten: alle Sünden gegen den Glauben, die
Hoffnung und die Liebe.
Sowie
auch Sünden gegen die Anbetung, die wir Gott schuldig sind.
205.
Wodurch sündigt man gegen den Glauben?
Antwort:
Gegen den Glauben sündigt man:
Erstens,
durch Unglauben: wenn man aus eigener Schuld an Gott oder an Gottes Offenbarung
nicht glaubt.
Zweitens,
durch Abfall vom Glauben: Wenn man sich vom Christentum lossagt.
Drittens,
durch Irrglauben:
Wenn
man hartnäckig an Wahrheiten nicht glaubt welche von der Kirche zum
Glauben vorgestellt sind.
Viertens,
durch Verleugnung des Glaubens:
Wenn
man durch sein Reden oder Handeln zum Ausdruck bringen will, daß
man kein katholischer Christ sei.
Fünftens,
durch Gleichgültigkeit im Glauben:
Wenn
man sich um die christliche Religion nicht kümmert oder alle Religionen
für gleich wahr oder gleich gut hält.
Sechstens,
durch Glaubenszweifel:
Wenn
man in den Gedanken einwilligt daß etwas falsch sein könnte
was die Kirche zu glauben vorstellt.
206.
Wodurch sündigt man gegen die Hoffnung?
Antwort:
Man sündigt gegen die Hoffnung:
Erstens,
durch Mißtrauen:
Wenn
man nicht fest und zuversichtlich genug auf Gott vertraut.
Zweitens,
durch vermessentliches Vertrauen: Wenn man sich auf Gott allein verläßt;
und nicht auch selbst tut, was man tun kann und soll.
207.
Wodurch sündigt man gegen die Liebe zu Gott?
Antwort:
Man sündigt gegen die Liebe zu Gott durch Abneigung durch Haß
gegen Gott - durch jede schwere Sünde.
208.
Was heißt anbeten?
Antwort:
Anbeten heißt
Gott
jene Verehrung erweisen die ihm als dem höchsten Herrn allein gebührt.
„Den
Herrn, Deinen Gott sollst Du anbeten und ihm allein dienen!" Mt 4, 10
209.
Wodurch sündigt man gegen die Anbetung?
Antwort:
Gegen die Anbetung sündigt man
Erstens,
durch Abgötterei:
Wenn
man einem Geschöpf göttliche Ehre erweist.
Zweitens,
durch Aberglauben:
Wenn
man Dingen eine geheime Kraft zuschreibt die ihnen von Gott nicht verliehen
ist.
Drittens,
durch Wahrsagerei:
Wenn
man unter ausdrücklicher oder stillschweigender Anrufung des bösen
Feindes verborgene Dinge erforschen will
Viertens,
durch Zauberei:
Wenn
man mit Hilfe des bösen Feindes wunderbare Dinge tun will.
Fünftens,
durch Gottesraub:
Wenn
man gottgeweihte Personen, Orte oder Sachen verunehrt; besonders aber:
Wenn
man das Allerheiligste Sakrament unwürdig empfängt
Sechstens,
durch Versuchung Gottes:
'
Wenn
man verwegenerweise von Gott ein Wunder verlangt oder erwartet.
„Du
sollst den Herrn, Deinen Gott nicht versuchen!" Mt 47
210.
Ist Verehrung der Engel und Heiligen gegen das erste Gebot?
Antwort:
Verehrung der Engel und Heiligen ist nicht gegen das erste Gebot weil wir
sie nicht anbeten, sondern nur verehren und anrufen.
Weil
sie Freunde Gottes sind und weil sie uns lieben und bei Gott für uns
bitten.
211.
Wen sollen wir vor allen Engeln und Heiligen verehren?
Antwort:
Vor allen Engeln und Heiligen sollen wir die Seligste Jungfrau Maria verehren
und anrufen.
Erstens,
weil sie die Mutter Gottes ist.
Zweitens,
weil sie alle Engel und Heiligen an Gnade und Heiligkeit übertrifft.
Drittens,
weil sie durch ihre Fürbitte bei Gott am meisten vermag.
212.
Ist Verehrung der heiligen Bilder gegen das erste Gebot?
Antwort:
Sie ist nicht gegen das erste Gebot.
Wir
verehren Heiligenbilder, weil sie etwas Verehrungswürdiges darstellen.
Die
Verehrung ist aber nicht bloß auf das Bild, sondern vorzüglich
auf das gerichtet, was durch das Bild dargestellt wird.
(Quelle:
"Dienst am Glauben", Heft 4-2006, S.115, Höttinger Gasse 15a, A-6020
Innsbruck)