|
am "Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit" |
„Totus
tuus - Ganz der Deine"
Zur
Seligsprechung von Papst Johannes Paul II.
Hingabe bis zum letzten
Augenblick
Noch heute stehen
uns die Bilder der auf dem Petersplatz betenden Gläubigen lebendig
vor Augen. „Santo subito", so las man auf den Plakaten am Tag seines Begräbnisses.
Was war das Geheimnis dieses Papstes, das alle so sehr begeisterte? - „Hingabe
bis zum letzten Augenblick" betitelte der L' Osservatore Romano den Abschied
von Papst Johannes Paul II., und er hatte damit das Geheimnis dieses Papstes
zutiefst erfaßt1. Es war die Hingabe bis zum Letzten, die sich in
seinem Pontifikat, einem der längsten der Kirchengeschichte, zeigte
sowohl in den Tagen seines kraftvollen Anfangs als auch, ja vielleicht
noch mehr, in den letzten Jahren seiner schweren Krankheit und zunehmenden
Gebrechlichkeit. Hingabe bis zum Letzten, das machte Johannes Paul II.
bereits deutlich durch seinen Wahlspruch „Totus tuus"- „Ganz der Deine",
wodurch er in Anlehnung an den hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort (1673-1716)
seine Liebe, seine Ganzhingabe an Maria zum Ausdruck brachte.
Kein Gegensatz zwischen
Marienverehrung und Christozentrik
Wie viel Johannes
Paul II. gerade diesem Heiligen für die Ausprägung und Reifung
seiner Marienfrömmigkeit verdankte, berichtet er selbst mit Bezug
auf seinen Wahlspruch „Totus tuus" in einem Interview mit dem italienischen
Schriftsteller und Journalisten Vittorio Messori.
Ihm gegenüber
äußerte er auf dessen Feststellung, die Erneuerung der Marientheologie
und Marienverehrung sei eines der Hauptanliegen seines Pontifikats: „Dieser
Wahlspruch ist nicht
nur ein Zeichen von Frömmigkeit und auch nicht einfach nur Ausdruck
der Hingabe. Er besagt mehr. Die Hinwendung zu dieser Frömmigkeit
hat
sich in mir vollzogen,
als ich während des Zweiten Weltkriegs in einer Fabrik arbeitete.
Zunächst schien es mir, als müsse ich mich zugunsten der Christozentrik
ein wenig von der Marienverehrung meiner Kindheit entfernen.
Dank des hl. Ludwig
Maria Grignion de Montfort begriff ich jedoch, daß gerade die wahre
Verehrung der Muttergottes christozentrisch und tief im Geheimnis der Dreifaltigkeit
Gottes sowie in den Geheimnissen der Fleischwerdung und der Erlösung
verwurzelt ist. So entdeckte ich mit einem neuen Bewußtsein die Marienfrömmigkeit
wieder, und diese
reife Form der Muttergottesverehrung ist mir geblieben: Ihre Früchte
sind ,Redemptoris Mater' und ,Mulieris dignitatem'2. „Was die Marienfrömmigkeit
angeht", betont Johannes Paul II. in seinem Gespräch mit V. Messori
weiter, „so müssen wir uns alle im klaren darüber sein, daß
es sich hierbei nicht nur um ein Bedürfnis des Herzens, um eine sentimentale
Neigung, handelt, sondern daß sie der objektiven Wahrheit über
die Muttergottes entspricht. Maria ist die ,neue Eva', die Gott dem neuen
Christus-Adam gegenüberstellt"3. Johannes Paul II. beschreibt anschließend
den Weg und die Formen seiner Marienverehrung. Er berichtet, daß
er sich selbst besonders
im achten Kapitel der dogmatischen Kirchenkonstitution „Lumen gentium"
des Zweiten Vatikanischen Konzils wiedererkannte und hier alle seine Erfahrungen
wiederfand bis hinein in seine Jugendzeit. Dabei gehe die erste und älteste
Form seiner Marienverehrung auf sein Innehalten vor dem Bild der Muttergottes
von der Immerwährenden Hilfe in der Pfarrkirche von Wadowice zurück
und stehe in Verbindung mit der „sehr beredten und symbolträchtigen
Tradition des Skapuliers der Karmeliten", mit welcher er bereits in seiner
Jugendzeit durch das Karmeliterkloster seiner Geburtsstadt Bekanntschaft
gemacht habe. Seine auf Christus hin zentrierte Marienfrömmigkeit
verdanke er neben dem hl. Ludwig Maria Grignion aber auch dem Wallfahrtsort
Kalwaria Zebrzydowska. Johannes Paul II. erklärt dazu: „Diese Wallfahrtsstätte
hat als Besonderheit, nicht nur marianisch, sondern auch zutiefst christozentrisch
zu sein. Die dort eintreffenden Pilger gehen während ihres Aufenthalts
an der heiligen Stätte vor allem die ,Wege' ab: Sie beten den Kreuzweg,
auf dem der Mensch durch Maria seinen Platz neben Christus wiederfindet.
(...). Seit meiner frühesten Kindheit war die Marienfrömmigkeit
in mir stets an die christologische Dimension gebunden. Und diese Erziehung
verdanke ich im wesentlichen der Wallfahrtsstätte Kalwaria"4. Johannes
Paul II. gibt uns damit einen tiefen Einblick in die Entwicklung seiner
Verehrung der Gottesmutter. Maria begleitete und schützte ihren treuen
Diener, nicht zuletzt bei dem auf ihn verübten Attentat vor 30 Jahren
am 13. Mai 1981. Johannes Paul II. war persönlich fest davon überzeugt,
daß Unsere Liebe Frau von Fatima die Kugel gelenkt und ihn vor dem
Tod bewahrt habe. Maria trug und führte ihn über alle Stationen
seines Lebens hinweg bis hin zu seinem Todestag, einem Herz-Mariä-Sühne-Samstag
und zugleich dem Vorabend des Barmherzigkeitssonntags. Echte Liebe zur
Gottesmutter Maria und wahre Christusbeziehung schließen einander
nicht aus.
Maria führt immer
zu ihrem göttlichen Sohn. Das Leben, Wirken und Sterben Papst Johannes
Pauls II. zeigen uns dies auf eindrucksvolle Weise.
Die Tore öffnen
für Christus
„Totus tuus" - das
wollte Johannes Paul II. sein für Christus, für die Gottesmutter,
aber auch als Oberhaupt der Weltkirche für die ihm anvertrauten Menschen.
Dabei lagen ihm vor allem die Jugendlichen am Herzen. Die Feier der Weltjugendtage,
die sich beständig mehr an Zuwachs erfreuten - der nächste wird
ja in wenigen Monaten in Madrid stattfinden -, geben bis heute davon Zeugnis.
Johannes Paul II. suchte die Begegnung mit den Menschen. In jedem sah er
das Abbild Gottes, erlöst durch das Blut Jesu Christi. Diesem Anliegen
galten seine zahlreichen Reisen, mit denen er - wie ein Paulus der Neuzeit
- die Botschaft des Evangeliums aller Welt kündete und Christus präsent
machte, auch dort, wo ihm politische Schranken den Weg versperren wollten.
Immer wieder betonte Johannes Paul II. die Notwendigkeit einer „Neuevangelisation"
und mit ihr verbunden, den Aufbau einer „Zivilisation der Liebe", einer
neuen „Kultur des Lebens" entgegen der sich ausbreitenden „Kultur des Todes".
Und immer noch klingen seine Worte nach, die er bei der Ansprache am 22.
Oktober 1978, seinem Amtsantritt, der ganzen Menschheit zurief: „Habt keine
Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!"5
Jesus Christus in alle Welt zu tragen, weil er allein „der Erlöser
des Menschen"6 ist, das betrachtete Johannes Paul II. als seinen Auftrag
und als erste Aufgabe der Kirche. Dabei war ihm „der Mensch (...) der erste
Weg, den die Kirche bei der Erfüllung ihres Auftrags beschreiten muß:
(...) der erste und grundlegende Weg der Kirche, ein Weg, der von Christus
selbst vorgezeichnet ist und unabänderlich durch das Geheimnis der
Menschwerdung und der Erlösung führt"7.
Verwurzelt in der Liebe
Christi
Der Persönlichkeit
Johannes Paul II. in wenigen Zeilen gerecht zu werden, stellt eine Unmöglichkeit
dar. Lassen wir das abschließende Wort einem seiner engsten Mitarbeiter,
einem Mann, der ihn wohl wie wenige kannte und sein Nachfolger werden sollte,
Papst Benedikt XVI. In seiner Begräbnisansprache würdigte er
ihn mit folgenden Worten: „Die Liebe Christi war die bestimmende Kraft
in unserem geliebten Heiligen Vater; wer ihn hat beten sehen, wer ihn hat
predigen sehen, weiß das. Und
so konnte er dank
dieser tiefen Verwurzelung in Christus eine Last tragen, die rein menschliche
Kräfte übersteigt:
Hirt der Herde Christi,
seiner universalen Kirche zu sein"8. Papst Benedikt wird nun seinen großen
Vorgänger am 1. Mai 2011 in Rom zur Ehre der Altäre erheben.
Unzählige Menschen in aller Welt werden dieses Ereignis mit ihrer
Aufmerksamkeit und ihren Gebeten begleiten. Wir freuen uns zusammen mit
der ganzen Weltkirche, besonders mit unseren polnischen Mitchristen, deren
Nation und geistlicher Tradition wir diesen großen marianischen Papst
verdanken.
GFS
1 Vgl. L' Osservatore
Romano (dt.) Nr. 15/15.04.2005, S. 1.
2 Johannes Paul II.,
Die Schwelle der Hoffnung überschreiten, hrsg.
von Vittorio Messori,
Hamburg 1994, S. 237 f.
3 Ebd., S. 238.
4 Ebd., S. 239.
5 Ansprache von Johannes
Paul II. am Beginn des Pontifikats, in:
www.vatican.va.
6 Vgl. Antrittsenzyklika
von Papst Johannes Paul II. „Redemptor ho-
minis" vom 4. März
1979.
7 Ebd., Nr. 14.
8 Predigt von Kardinal
Joseph Ratzinger zum Begräbnis seiner Hei-
ligkeit Papst Johannes
Paul II., in: L' Osservatore Romano (dt.) Nr.
15/15.04.2005,8.2.
Bedingungen
Um in den Genuß
dieses großen Versprechens zu kommen, nämlich daß die
Gottesmutter uns im Augenblick des Todes mit allen heilsnotwendigen Gnaden
beisteht, sind
diese Bedingungen
unerläßlich:
1. Beichte
An jedem ersten Samstag
ist die Beichte in der Absicht der Wiedergutmachung erforderlich, das heißt
die dem Unbefleckten Herzen Mariens zugefügten Beleidigungen wiedergutzumachen.
Diese Beichte kann an einem beliebigen Tag vor oder nach dem ersten Samstag
abgelegt werden, vorausgesetzt man kann die Kommunion im Stande der
Gnade empfangen.
2. Hl. Kommunion zur
Wiedergutmachung
3. Gebet des hl. Rosenkranzes
und Meditation der Geheimnisse
Die viertelstündige
Meditation kann sich auf ein oder mehrere Geheimnisse beziehen.
Diese drei Bedingungen
erfordern ausdrücklich die Absicht der Wiedergutmachung der Beleidigungen,
die dem Unbefleckten Herzen Mariens zugefügt wurden.
(Quelle: "Bote
von Fatima" April/2011, S. 42f., Regensburg)