Seligsprechung von + Papst Johannes Paul II am 1. Mai 2011
am "Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit"

„Totus tuus - Ganz der Deine"
Zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II.

Als in den Abendstunden des 2. April 2005 die Nachricht vom Tod Papst Johannes Pauls II. (1978-2005) bekannt gegeben wurde, war vielen bewußt, mit ihm hatte eine der bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Zeit diese Welt verlassen. Schon in den vorausgegangenen Kar- und Ostertagen war es absehbar: Sein Leben neigt sich unaufhaltbar zu Ende. In aller Welt begleiteten die Menschen - auch Nichtchristen - mit innerer Anteilnahme das Sterben dieses großen Papstes.

Hingabe bis zum letzten Augenblick
Noch heute stehen uns die Bilder der auf dem Petersplatz betenden Gläubigen lebendig vor Augen. „Santo subito", so las man auf den Plakaten am Tag seines Begräbnisses. Was war das Geheimnis dieses Papstes, das alle so sehr begeisterte? - „Hingabe bis zum letzten Augenblick" betitelte der L' Osservatore Romano den Abschied von Papst Johannes Paul II., und er hatte damit das Geheimnis dieses Papstes zutiefst erfaßt1. Es war die Hingabe bis zum Letzten, die sich in seinem Pontifikat, einem der längsten der Kirchengeschichte, zeigte sowohl in den Tagen seines kraftvollen Anfangs als auch, ja vielleicht noch mehr, in den letzten Jahren seiner schweren Krankheit und zunehmenden Gebrechlichkeit. Hingabe bis zum Letzten, das machte Johannes Paul II. bereits deutlich durch seinen Wahlspruch „Totus tuus"- „Ganz der Deine", wodurch er in Anlehnung an den hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort (1673-1716) seine Liebe, seine Ganzhingabe an Maria zum Ausdruck brachte.

Kein Gegensatz zwischen Marienverehrung und Christozentrik
Wie viel Johannes Paul II. gerade diesem Heiligen für die Ausprägung und Reifung seiner Marienfrömmigkeit verdankte, berichtet er selbst mit Bezug auf seinen Wahlspruch „Totus tuus" in einem Interview mit dem italienischen Schriftsteller und Journalisten Vittorio Messori.
Ihm gegenüber äußerte er auf dessen Feststellung, die Erneuerung der Marientheologie und Marienverehrung sei eines der Hauptanliegen seines Pontifikats: „Dieser
Wahlspruch ist nicht nur ein Zeichen von Frömmigkeit und auch nicht einfach nur Ausdruck der Hingabe. Er besagt mehr. Die Hinwendung zu dieser Frömmigkeit hat
sich in mir vollzogen, als ich während des Zweiten Weltkriegs in einer Fabrik arbeitete. Zunächst schien es mir, als müsse ich mich zugunsten der Christozentrik ein wenig von der Marienverehrung meiner Kindheit entfernen.
Dank des hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort begriff ich jedoch, daß gerade die wahre Verehrung der Muttergottes christozentrisch und tief im Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes sowie in den Geheimnissen der Fleischwerdung und der Erlösung verwurzelt ist. So entdeckte ich mit einem neuen Bewußtsein die Marienfrömmigkeit
wieder, und diese reife Form der Muttergottesverehrung ist mir geblieben: Ihre Früchte sind ,Redemptoris Mater' und ,Mulieris dignitatem'2. „Was die  Marienfrömmigkeit angeht", betont Johannes Paul II. in seinem Gespräch mit V. Messori weiter, „so müssen wir uns alle im klaren darüber sein, daß es sich hierbei nicht nur um ein Bedürfnis des Herzens, um eine sentimentale Neigung, handelt, sondern daß sie der objektiven Wahrheit über die Muttergottes entspricht. Maria ist die ,neue Eva', die Gott dem neuen Christus-Adam gegenüberstellt"3. Johannes Paul II. beschreibt anschließend den Weg und die Formen seiner Marienverehrung. Er berichtet, daß
er sich selbst besonders im achten Kapitel der dogmatischen Kirchenkonstitution „Lumen gentium" des Zweiten Vatikanischen Konzils wiedererkannte und hier alle seine Erfahrungen wiederfand bis hinein in seine Jugendzeit. Dabei gehe die erste und älteste Form seiner Marienverehrung auf sein Innehalten vor dem Bild der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe in der Pfarrkirche von Wadowice zurück und stehe in Verbindung mit der „sehr beredten und symbolträchtigen Tradition des Skapuliers der Karmeliten", mit welcher er bereits in seiner Jugendzeit durch das Karmeliterkloster seiner Geburtsstadt Bekanntschaft gemacht habe. Seine auf Christus hin zentrierte Marienfrömmigkeit verdanke er neben dem hl. Ludwig Maria Grignion aber auch dem Wallfahrtsort Kalwaria Zebrzydowska. Johannes Paul II. erklärt dazu: „Diese Wallfahrtsstätte hat als Besonderheit, nicht nur marianisch, sondern auch zutiefst christozentrisch zu sein. Die dort eintreffenden Pilger gehen während ihres Aufenthalts an der heiligen Stätte vor allem die ,Wege' ab: Sie beten den Kreuzweg, auf dem der Mensch durch Maria seinen Platz neben Christus wiederfindet. (...). Seit meiner frühesten Kindheit war die Marienfrömmigkeit in mir stets an die christologische Dimension gebunden. Und diese Erziehung verdanke ich im wesentlichen der Wallfahrtsstätte Kalwaria"4. Johannes Paul II. gibt uns damit einen tiefen Einblick in die Entwicklung seiner Verehrung der Gottesmutter. Maria begleitete und schützte ihren treuen Diener, nicht zuletzt bei dem auf ihn verübten Attentat vor 30 Jahren am 13. Mai 1981. Johannes Paul II. war persönlich fest davon überzeugt, daß Unsere Liebe Frau von Fatima die Kugel gelenkt und ihn vor dem Tod bewahrt habe. Maria trug und führte ihn über alle Stationen seines Lebens hinweg bis hin zu seinem Todestag, einem Herz-Mariä-Sühne-Samstag und zugleich dem Vorabend des Barmherzigkeitssonntags. Echte Liebe zur Gottesmutter Maria und wahre Christusbeziehung schließen einander nicht aus.
Maria führt immer zu ihrem göttlichen Sohn. Das Leben, Wirken und Sterben Papst Johannes Pauls II. zeigen uns dies auf eindrucksvolle Weise.

Die Tore öffnen für Christus
„Totus tuus" - das wollte Johannes Paul II. sein für Christus, für die Gottesmutter, aber auch als Oberhaupt der Weltkirche für die ihm anvertrauten Menschen. Dabei lagen ihm vor allem die Jugendlichen am Herzen. Die Feier der Weltjugendtage, die sich beständig mehr an Zuwachs erfreuten - der nächste wird ja in wenigen Monaten in Madrid stattfinden -, geben bis heute davon Zeugnis. Johannes Paul II. suchte die Begegnung mit den Menschen. In jedem sah er das Abbild Gottes, erlöst durch das Blut Jesu Christi. Diesem Anliegen galten seine zahlreichen Reisen, mit denen er - wie ein Paulus der Neuzeit - die Botschaft des Evangeliums aller Welt kündete und Christus präsent machte, auch dort, wo ihm politische Schranken den Weg versperren wollten. Immer wieder betonte Johannes Paul II. die Notwendigkeit einer „Neuevangelisation" und mit ihr verbunden, den Aufbau einer „Zivilisation der Liebe", einer neuen „Kultur des Lebens" entgegen der sich ausbreitenden „Kultur des Todes". Und immer noch klingen seine Worte nach, die er bei der Ansprache am 22. Oktober 1978, seinem Amtsantritt, der ganzen Menschheit zurief: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!"5 Jesus Christus in alle Welt zu tragen, weil er allein „der Erlöser des Menschen"6 ist, das betrachtete Johannes Paul II. als seinen Auftrag und als erste Aufgabe der Kirche. Dabei war ihm „der Mensch (...) der erste Weg, den die Kirche bei der Erfüllung ihres Auftrags beschreiten muß: (...) der erste und grundlegende Weg der Kirche, ein Weg, der von Christus selbst vorgezeichnet ist und unabänderlich durch das Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung führt"7.

Verwurzelt in der Liebe Christi
Der Persönlichkeit Johannes Paul II. in wenigen Zeilen gerecht zu werden, stellt eine Unmöglichkeit dar. Lassen wir das abschließende Wort einem seiner engsten Mitarbeiter, einem Mann, der ihn wohl wie wenige kannte und sein Nachfolger werden sollte, Papst Benedikt XVI. In seiner Begräbnisansprache würdigte er ihn mit folgenden Worten: „Die Liebe Christi war die bestimmende Kraft in unserem geliebten Heiligen Vater; wer ihn hat beten sehen, wer ihn hat predigen sehen, weiß das. Und
so konnte er dank dieser tiefen Verwurzelung in Christus eine Last tragen, die rein menschliche Kräfte übersteigt:
Hirt der Herde Christi, seiner universalen Kirche zu sein"8. Papst Benedikt wird nun seinen großen Vorgänger am 1. Mai 2011 in Rom zur Ehre der Altäre erheben.  Unzählige Menschen in aller Welt werden dieses Ereignis mit ihrer Aufmerksamkeit und ihren Gebeten begleiten. Wir freuen uns zusammen mit der ganzen Weltkirche, besonders mit unseren polnischen Mitchristen, deren Nation und geistlicher Tradition wir diesen großen marianischen Papst verdanken.                              GFS
1 Vgl. L' Osservatore Romano (dt.) Nr. 15/15.04.2005, S. 1.
2 Johannes Paul II., Die Schwelle der Hoffnung überschreiten, hrsg.
von Vittorio Messori, Hamburg 1994, S. 237 f.
3 Ebd., S. 238.
4 Ebd., S. 239.
5 Ansprache von Johannes Paul II. am Beginn des Pontifikats, in:
www.vatican.va.
6 Vgl. Antrittsenzyklika von Papst Johannes Paul II. „Redemptor ho-
minis" vom 4. März 1979.
7 Ebd., Nr. 14.
8 Predigt von Kardinal Joseph Ratzinger zum Begräbnis seiner Hei-
ligkeit Papst Johannes Paul II., in: L' Osservatore Romano (dt.) Nr.
15/15.04.2005,8.2.


Die Feier der ersten fünf Monatssamstage
Maria-Sühnesamstag
Diese Andachtsübung wurde Schwester Lucia von der Allerseligsten Jungfrau selbst aufgezeigt und hat den Zweck
der Wiedergutmachung aller Beleidigungen gegenüber dem unbefleckten Herzen Mariens: „Ich verspreche, in der Todesstunde mit den heilsnotwendigen Gnaden allen beizustehen, die jeweils am ersten Samstag von fünf aufeinander folgenden Monaten die Beichte ablegen, die hl. Kommunion empfangen, ein Drittel des hl. Rosenkranzes beten (z. B. den sog. freudenreichen Rosenkranz) und mir eine Viertelstunde lang durch Meditation über die Geheimnisse des Rosenkranzes Gesellschaft leisten in der Absicht der Wiedergutmachung mir gegenüber" (die Gottesmutter zu Schwester Lucia am 10. Dezember 1925). „Wer sich im Übrigen diese Form der Wiedergutmachung zu eigen macht, wirkt mit am Triumph des Guten gegenüber dem Bösen, am Heil aller Seelen und am Frieden in der Welt" (Erscheinung vom 13. Juli 1917).

Bedingungen
Um in den Genuß dieses großen Versprechens zu kommen, nämlich daß die Gottesmutter uns im Augenblick des Todes mit allen heilsnotwendigen Gnaden beisteht, sind
diese Bedingungen unerläßlich:
1. Beichte
An jedem ersten Samstag ist die Beichte in der Absicht der Wiedergutmachung erforderlich, das heißt die dem Unbefleckten Herzen Mariens zugefügten Beleidigungen wiedergutzumachen. Diese Beichte kann an einem beliebigen Tag vor oder nach dem ersten Samstag abgelegt werden, vorausgesetzt man kann die Kommunion im Stande der
Gnade empfangen.
2. Hl. Kommunion zur Wiedergutmachung
3. Gebet des hl. Rosenkranzes und Meditation der Geheimnisse
Die viertelstündige Meditation kann sich auf ein oder mehrere Geheimnisse beziehen.
Diese drei Bedingungen erfordern ausdrücklich die Absicht der Wiedergutmachung der Beleidigungen, die dem Unbefleckten Herzen Mariens zugefügt wurden.
(Quelle: "Bote von Fatima" April/2011, S. 42f., Regensburg)



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