(Quelle: "Bote von Fatima" 4/2003, S. 50f., Autor: Leo Kardinal SCHEFFCZYK, München)
Unser Heiliger Vater hat am 30.
April 2000
weltweit den Weißen Sonntag
zum
"Sonntag der Göttlichen
Barmherzigkeit"
erklärt.
Jesus selbst hat sich der heiligen Schwester
Faustyna in einer Vision als der barmherzige Heiland gezeigt und um die
Verehrung seiner göttlichen Barmherzigkeit sowie um die Einsetzung
dieses Tages gebeten.
In seiner Predigt am 13. Sept. 2002 zum Fatimagebetstag
in Haader/Bistum Regensburg legte Seine Eminenz Leo Kardinal Scheffczyk
die Bedeutung der Barmherzigkeit, die in keiner Zeit so mißverstanden
wurde wie in der unsrigen, in dreifacher Weise dar:
1. Barmherzigkeit als menschliche Tugend,
2. Barmherzigkeit als göttliche Tugend
und
3. Maria - Mutter der Barmherzigkeit.
Alle Fatimafreunde wies der Kardinal schließlich
darauf hin, daß die Botschaft von Fatima eng miteinander verbunden
seien.
Im heutigen Gottesdienst begehen wir das Gedächtnis
des fünften Erscheinungswunders der Gottesmutter vor den Kindern von
Fatima am 13. Sept. 1917. Das ist uns ein Anlaß, die Fatima-Botschaft
wieder einmal neu und tiefer zu bedenken. Sie ist eng mit dem Glauben an
die Barmherzigkeit Gottes verbunden. Gerade dieser Glaube und seine Wahrheit
werden in der Marienwallfahrt von Haader besonders innig gepflegt. Davon
legt ein äußerlich sichtbares Zeichen allein schon die Anordnung
des "Heiligen Platzes" ab mit den beiden Steinbildern des barmherzigen
Jesus und der Fatima-Herz-Mariä-Statue.
Tatsächlich ist die Botschaft von Fatima
eng mit der Offenbarung der Barmherzigkeit Gottes verbunden. Besonders
deutlich kommt dies in dem Gebet zum Ausdruck, das den Kindern bei der
dritten Erscheinung mitgeteilt wurde. Es wird zwischen den Gesätzlein
des Rosenkranzes gebetet und endet mit der Bitte für die Menschen,
"die
Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen".
Die Bedeutung der Barmherzigkeit Gottes für unser Leben ist in der
letzten Zeit besonders hervorgehoben worden durch die Heiligsprechung der
Sr. Faustyna und durch die Einführung des Sonntags der Barmherzigkeit
nach dem Osterfest durch den Hl. Vater.
Die Tugend der Barmherzigkeit
1.) Die Barmherzigkeit Gottes ist nämlich
in unserer Zeit in der die Menschen Gott immer mehr aus dem Leben entfernen
und ihn ins Jenseits abdrängen, weithin in Vergessenheit geraten.
Das liegt zum einen Teil auch daran, daß wir das Verständnis
für die Barmherzigkeit als menschlicher Tugend nicht mehr lebendig
in uns tragen. Wir kennen zwar dem Namen nach die leiblichen und geistigen
Werke der Barmherzigkeit. Aber wir wissen nicht mehr Tieferes über
den Geist der Barmherzigkeit.
Es handelt sich bei der menschlichen Tugend
der Barmherzigkeit um eine Form der Nächstenliebe, ja, eigentlich
um die höchste Form der Nächstenliebe.
In der Barmherzigkeit wendet sich der Mensch nämlich aus tiefstem
Herzen dem anderen, dem Nächsten zu, vor allem dem Geringen, dem Armen,
dem Leidenden. Barmherzigkeit zeigt sich darin, daß wir nicht schlecht
von ihm denken, uns nicht über ihn erheben, sondern bereit sind, ihm
sogar zu dienen, vor allem, wenn er in Not ist oder gar in Schuld geraten
ist.
Die höchste Form der Barmherzigkeit aber
erweist ein Mensch dem anderen, wenn dieser ihm Unrecht getan hat und er
diesem verzeiht. Es gibt aber wohl nichts Schwereres, als dem anderen eine
Beleidigung oder eine Verleumdung zu verzeihen. Solche Barmherzigkeit ist
eine Haltung, in der der Mensch gleichsam über sich hinauswächst,
um dem Nächsten zu dienen, und zwar um Gottes Willen. Wer solche Barmherzigkeit
zu üben versucht, wird erkennen, daß er das gar nicht aus eigenen
Kräften zu leisten vermag, sondern nur aus der Kraft und der Gnade
Gottes. So weist uns die hohe und schwere Tugend menschlichen Erbarmens
auf Gott. Wir lernen verstehen, daß diese Tugend der Barmherzigkeit
von Gott kommt, nur von ihm kommen kann, weil er in seinem ganzen Wesen
der Barmherzige oder Barmherzigkeit ist.
Gott neigt sich zum Menschen
2.) Wenn wir es recht bedenken, können
wir auch von Gott sagen: In der Barmherzigkeit wächst Gott gleichsam
über sich selbst hinaus. Denn zuerst verbinden wir mit unserem Glauben
an Gott ja immer die Anerkennung seiner unvergleichlichen Größe
als Schöpfer und Erhalter der Welt, als den Vater des Himmels und
der Erde, wie wir im Glaubensbekenntnis beten, als den Unendlichen und
Ewigen, der alle Zeiten und Räume übersteigt. Wir verehren ihn
vor allem in seiner Heiligkeit, vor der wir als sündige Menschen gleichsam
als ein Nichts erscheinen und wie Petrus ausrufen müssen: "Herr, geh
weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch" (Lk 5,9).
Wenn wir diese Größe und Heiligkeit
Gottes anerkennen, geht uns das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes erst
richtig und vollkommen auf; dieser unendliche und heilige Gott beugt sich
in seinem Erbarmen zum geringen, nämlich sündigen Menschen nieder
und erweist ihm trotz dessen Schwäche und Sünde wieder sein Wohlwollen
und seine Liebe. Das ist angesichts des gewaltigen Abstandes zwischen der
Unendlichkeit Gottes und der Niedrigkeit des Menschen, zwischen Heiligkeit
und Sünde, eine unvergleichlich größere Tat, als sie ein
Mensch vollbringt, der einem anderen seine Beleidigung verzeiht oder eine
materielle oder geistige Schuld erläßt; denn hier, im menschlichen
Bereich, neigt sich im Grunde immer nur ein Armer einem anderen Armen,
ein Elender einem anderen zu. Da ist kein großer Unterschied festzustellen
und zu überwinden. Wenn das aber der große, unendliche Gott
gegenüber einem niedrigen Menschen tut, dann ist der Unterschied gewaltig.
Eine solche göttliche Gesinnung gegenüber dem menschlichen Geschöpf
hat etwas unvergleichlich Großes und Einzigartigkeit an sich.
Aber Gott ist nicht nur in seiner Gesinnung
dem schwachen Menschen gegenüber barmherzig. Er hat seine Barmherzigkeit
in einer einzigartigen Tat geoffenbart. Er ist selbst in seinem Sohne zur
sündigen Menschheit herabgestiegen, hat sich dem sündigen Menschen
unterworfen und für ihn sogar den Tod am Kreuz auf sich genommen,
um dem Menschen dadurch die Sündenvergebung, die Gnade um ein neues
göttliches Leben zu schenken.
In der heutigen Zeit wird der Tod Jesu Christi
für die Menschheit manchmal total mißverstanden, gelegentlich
auch wissentlich völlig falsch gedeutet. So fragt und sagt man: "Was
ist das für ein grausamer Gott, der seinen Sohn in den Tod schickt
und das Opfer seines Lebens verlangt?" In Wirklichkeit war das die äußerste
Tat der barmherzigen Liebe Gottes, die allein fähig war, den Menschen
zu helfen; denn der Sünder, der die Gnade Gottes verspielt hat, kann
sich diese Gnade nicht selbst wiederverschaffen. Das kann nur Gott in Jesus
Christus, aus dessen am Kreuz gebrochenen Herzen die Gnade auf die sündige
Welt hinabfloß. Das hat Gott in Jesus Christus einmal getan, aber
er tut es unbegrenzt immer wieder während des heiligen Meßopfers.
Davon können wir uns auch durch
den Anblick eines lebendigen Bildes versichern.
Es ist das Bild eines Strahlen aussendenden Herzens Jesu, das uns anschaulich
vorführt, was Jesus für uns getan hat und immer noch tut. Es
zeigt uns das Herz Jesu als Mittelpunkt
der sich nach allen Richtungen ausbreitenden Gnade und der auf die Welt
überströmenden, alles umfassenden Barmherzigkeit Gottes. Dieser
Strahlenkranz ist grenzenlos. Er kann jeden Menschen in jeder noch so verzweifelten
Situation erreichen und erfüllen, er erreicht jede leibliche und geistige
Not des Menschen, wenn sich der Mensch den Strahlen der Barmherzigkeit
Gottes nur öffnet. Das ist die gewaltige Botschaft von Gottes Barmherzigkeit
auch für unsere Zeit, von der wir doch, ohne sie herabreißen
und die betroffenen Menschen schlecht machen zu wollen, sagen dürfen:
Sie steckt in einer kulturellen und geistigen Not wie sie in unserer
Geschichte noch nie vorgekommen ist. Noch
nie war dem Menschen ein Recht auf Kindestötung, auf gleichgeschlechtliche
Ehe oder auf Euthanasie eingeräumt. Viele
Menschen geraten in Begeisterung über die angebliche "Freiheit". Und
doch wissen sie, daß dabei die Sünde herrscht, die sie ins Unglück
reißt. Aber nun geht der Gedanke der Barmherzigkeit Gottes wieder
vor uns auf. Sie dringt an das Gewissen auch in dieser Welt und an das
Herz jedes einzelnen, auch des Sünders. Sie ist dem Menschen auch
dieser Zeit als Angebot Gottes immer nahe. Deshalb dürfen wir über
keinen lebenden Menschen wie über unsere ganze Zeit nicht verzweifeln,
sondern müssen sie der Barmherzigkeit Gottes unermüdlich empfehlen
und die Menschen aber immer auch an die Barmherzigkeit Gottes erinnern
und mahnen, damit sie sich ihr öffnen.
Mutter der Barmherzigkeit
3.) An dieser Stelle geht nun unser Blick
auch auf Maria, die, wie wir wissen, eine besondere Rolle bei der Mitteilung
und Ausbreitung der Barmherzigkeit Gottes in Jesus Christus spielt. Maria
ist nämlich der einzigartige Mensch, der sich der Barmherzigkeit Gottes
vollkommen und vorbehaltlos geöffnet hat. So konnte die Barmherzigkeit
Gottes in ihrer ganzen Fülle und Kraft in sie eingehen und von ihr
gänzlich Besitz ergreifen. Maria nahm die Barmherzigkeit Gottes in
Jesus Christus zwar nicht wie die sündigen Menschen als Sünderin
an, denn sie war ja die Sündenlose. Umso ungebrochener konnte sie
die Barmherzigkeit Gottes in sich einströmen lassen. Das tat sie in
ihrem Jawort auf die Botschaft des Engels mit dem ganzen Wissen um die
Bedeutung der Barmherzigkeit Gottes für die anderen, für alle
Menschen. Denn sie stand bei der Aussprache dieses Jawortes (stellvertretend)
an Stelle der ganzen Menschheit, von der Gott ihre Zustimmung zur Erlösung
einholen wollte, weil er nichts gegen den freien Willen des Menschen tut.
Indem Maria aber dieses Jawort gab, hat sie die Kräfte der Erlösung,
der Gnade des Heiles, eben die ganze Kraft der göttlichen Barmherzigkeit
auf uns übergeleitet. Sie ist so zur Durchgangspforte der Barmherzigkeit
Gottes für die ganze Welt geworden und hat
damit an der Erlösung mitgewirkt.
Das sollte sie aber nicht nur einmal tun, sondern ständig als ihre
Aufgabe in der Welt fortsetzen. Darum hat ihr die Christenheit schon bald
den hoheitsvollen Titel der "Mutter der Barmherzigkeit" angetragen und
zu ihr in allen Nöten der persönlichen und allgemeinen Geschichte
Zuflucht genommen, um von ihr die Gnade Gottes zu erlangen.
Schon in dem ersten Mariengebet der Christenheit,
in dem Gebet "Unter deinen Schutz und Schirm",
das bereits aus dem dritten Jahrhundert stammt, haben die Christen Maria
um die Vermittlung der Gnade, der göttlichen Huld und d.h. der Barmherzigkeit
Gottes angerufen. In der heutigen Liturgie tun wir dasselbe, wenn wir in
der heiligen Messe von "Maria, der Königin und Mutter der Barmherzigkeit"
sie anrufen als die gütige Königin, welche die Barmherzigkeit
Gottes in einzigartiger Weise erfahren hat und mitteilen kann. Das ist
aus ihrer Stellung als Mutter des Herrn und als seine Helferin zu
verstehen. Indem sie uns das Leben in Christus und seine Gnade brachte
und immer neu bringen will, ist sie auch unsere Mutter geworden. So kann
sie uns mit ihrer Vollmacht
die Barmherzigkeit Christi beharrlich erbitten. Damit verstärkt sie
unser Vertrauen auf Gottes Gnade und auf das Ergehen des Heils. So gewinnen
wir durch sie eine ungeheure Stärkung, daß wir Gottes Gnade
und Heil wirklich erlangen.
Aber "die Mutter der Barmherzigkeit" ist nicht
nur eine zusätzliche Kraft zur Erlangung der göttlichen Hilfe
und Gnade. Es kommt bei Maria als Mittlerin der Gnade nicht nur auf ihre
zusätzliche Fürbittkraft an, mit der sie uns die Barmherzigkeit
Gottes sicher zuwendet. Es kommt auch auf die Art und Weise an, wie sie
uns als unsere Mutter für die Barmherzigkeit Gottes öffnet, uns
für ihr Einströmen zubereitet und dafür innerlich reif macht.
Das geschieht in der ihr allein eignenden menschlich-mütterlichen
Weise, die durch nichts zu ersetzen ist. Sie ist uns als Mutter menschlich
nahe wie keine andere. Mit ihrem mütterlichen Instinkt weiß
sie um all unsere Not. Mit ihrer mütterlichen Zuneigung vermag sie
im Menschen und gerade auch im Sünder Zuversicht und Vertrauen zu
erwecken. Mit ihrer menschlichen Mütterlichkeit vermag sie uns gleichsam
bei der Hand zu nehmen und uns Christus zuzuführen. So werden wir
von ihr zur Quelle der Barmherzigkeit in Christus geführt und auf
den Empfang seiner Gnade so vorbereitet, daß diese Quelle frei und
ungehindert über Maria auf uns überströmen kann.
So hat die Christenheit immer darum gewußt,
daß zum barmherzigen Gott in Jesus Christus auch die Mutter der Barmherzigkeit
gehört. Sie hilft, Gottes Barmherzigkeit
in den Menschen auf menschlich-mütterliche Weise zu vollenden. Deshalb
können wir ihre Mithilfe niemals entbehren. Darin tritt sie als Ausspenderin
der Barmherzigkeit Gottes an die Seite Jesu Christi, auch wenn sie ihm
unterstellt bleibt. Das drückt die alte marianische Frömmigkeit
in dem schönen Gebet aus:
Nun bitten wir die Mutter - und auch der Mutter
Kind,
Die Reine wie den Guten - daß sie uns
Helfer sind,
Ohn' eure starke Hilfe kann niemand hier gedeih'n,
Und wer uns das bestritte, der muß recht
töricht sein.
(Quelle: "Bote von Fatima" 4/2003,
S. 50f., Autor: Leo Kardinal SCHEFFCZYK, München)
So bitte ich Sie mitzuhelfen, Gottes unerschöpfliche Barmherzigkeit
bekanntzumachen! Tun Sie das bitte eifrig! Gott wird es Ihnen reichlich
lohnen: schon jetzt und erst recht einst im Himmel oben! Und die Heiligen,
die Sie anrufen, werden Ihnen bestimmt helfen, v.a. der hl. Joseph, die
hl. Jungfrau Maria, Ihr Namenspatron usw!
Dieses
Gebet diktierte Jesus, der Herr, der hl. Schwester Faustyna in Wilno
im Jahre 1935. In den folgenden Offenbarungen zeigte ihr Jesus den Wert
und die Wirksamkeit dieses Gebetes und die hl. Sr. Faustina überlieferte
die mit ihm zusammenhängenden Verheißungen.
Bete diesen Rosenkranz zur göttlichen
Barmherzigkeit besonders in der Todesstunde Jesu: um 3 Uhr nachmittags!
Die Stunde der großen
Barmherzigkeit: "Um 15 Uhr flehe Meine Barmherzigkeit an, besonders
für die Sünder. Vertiefe dich wenigstens kurz in Mein Leiden,
vor allem in Meine Verlassenheit während des Sterbens. Das ist die
Stunde der großen Barmherzigkeit für die Welt. Ich erlaube dir,
in Meine Todestrauer einzudringen. In dieser Stunde versage Ich nichts
der Seele, die Mich durch Mein Leiden bittet." (TB 1320)
siehe auch: barmherzig.html