Die Gnade Gottes ist überreich
Generalaudienz über den Eröffnungshymnus des Epheserbriefes
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Worte Papst Benedikts XVI. am Mittwoch während der Generalaudienz (Auszüge):
Vor dem Hintergrund des "Loblieds auf den Heilsplan Gottes" aus dem Epheserbrief (1,3-19) ließ der Heilige Vater vor rund 40.000 Pilgern die gesamte Schöpfungs- und Heilsgeschichte Revue passieren, die in Jesus Christus, dem Haupt der Kirche, ihre Vollendung findet.
 


Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus:
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.

Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor Gott;
er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen,

zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn;
durch sein Blut haben wir die Erlösung,
die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.

Durch sie hat er uns mit aller Weisheit und Einsicht reich beschenkt
und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan,
wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat:

Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
in Christus alles zu vereinen,
alles, was im Himmel und auf Erden ist.




1. Jede Woche wird der betenden Kirche im Stundengebet der Vesper der feierliche Eröffnungshymnus aus dem Brief an die Epheser vorgelegt, den wir soeben vernommen haben. Er gehört zum "berakot"-Genre, zu jenen "Lobsprüchen" also, die bereits im Alten Testament auftauchen und später in der jüdischen Tradition weite Verbreitung gefunden haben. Somit handelt es sich um einen nicht abreißenden Fluß von Lobpreisungen, die zu diesem Gott aufsteigen, der im christlichen Glauben als "Vater unseres Herrn Jesus Christus" geehrt wird.

Aus diesem Grund steht die Gestalt Christi, in der sich das Werk Gottes des Vaters enthüllt und vollendet, auch im Mittelpunkt unseres Lobhymnus. Und tatsächlich führen die drei Hauptverben dieses langen und kompakten Liedes immer zum Sohn.

2. In ihm hat uns Gott erwählt (vgl. Eph 1,4) und dazu berufen, heilig zu sein, Adoptivkinder Gottes und deshalb auch Brüder Christi. Dieses Geschenk, das unseren Zustand als Geschöpfe radikal verwandelt, wird uns "durch Jesus Christus" (Vers 5) dargereicht. Sein Werk gehört zum großen göttlichen Heilsplan, zu diesem liebevollen "gnädigen Willen" (Vers 5) des Vaters, den der Apostel voll Rührung betrachtet.

Das zweite Verb, das auf jenes der Erwählung folgt ("hat er uns erwählt"), bezeichnet das Gnadengeschenk: die herrliche Gnade, die Gott uns geschenkt hat in seinem geliebten Sohn (vgl. ebd.). Im Griechischen stoßen wir zweimal auf dieselbe Wurzel, "charis" und "echaritosen", wodurch hervorgehoben wird, daß die göttliche Initiative völlig unverdient ist und jeder menschlichen Antwort zuvorkommt. Die Gnade, die uns der Vater in seinem einzig geborenen Sohn schenkt, ist daher Epiphanie [Selbstoffenbarung] seiner Liebe, die uns umgibt und verwandelt.

3. Und damit kommen wir zu dem dritten Hauptverb des paulinischen Gesanges: Gegenstand ist immer die göttliche Gnade, mit der er uns alle "reich beschenkt" hat (Vers 8). Wir stehen also vor einem Verb, das Erfüllung ausdrückt. Ja, ausgehend vom Original könnten wir sogar von einer Überfülle sprechen, von einer Hingabe, die keine Grenzen und Vorbehalte kennt.

So gelangen wir zur unendlichen und glorreichen Tiefe des Geheimnisses Gottes, das demjenigen aus Gnade offenbart wird, der aus Gnade und Liebe dazu berufen ist, denn es ist unmöglich, zu dieser Offenbarung mit der bloßen Kraft des Verstandes und allein menschlichen Fähigkeiten vorzustoßen. "Wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2,9-10).

4. Das "Geheimnis des göttlichen Willens" hat ein Zentrum, das dazu dient, die gesamte Existenz und die ganze Geschichte zu koordinieren. Es soll zu jener Fülle führen, die dem Willen Gottes entspricht: "Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist" (Eph 1,10). In diesem "Plan", auf Griechisch "oikonomia", das heißt in diesem harmonischen Konstruktionsplan des Seins und der Existenz ragt Christus heraus als das Haupt jenes Leibes, der die Kirche ist, und er ist zugleich die Hauptachse, weil er in sich alles vereint - "alles, was im Himmel und auf Erden ist". Jede Zerstreuung und jede Begrenzung wird überwunden und jene "Fülle" hergestellt, die das wahre Ziel des Heilsplans ist, den Gott seit Anbeginn der Welt gewollt hat.

Wir befinden uns somit vor einem großartigen Fresko der Schöpfungs- und Heilsgeschichte, das wir jetzt mit einem Wort des heiligen Irenäus tiefer betrachten und verstehen wollen. Auf einigen maßgeblichen Seiten seines Traktats "Adversus haereses" ("Gegen die Häresien") hat der große Kirchenlehrer aus dem zweiten Jahrhundert seine eigene Betrachtung über das Erlösungswerk Christi niedergeschrieben.

5. Drin erklärt er, daß es gemäß dem christlichen Glauben "nur einen einzigen Gott und einen Jesus Christus" gibt, unseren Herrn. Und dieser sei gekommen, "um alle Dinge in sich zu vereinen. Zu all diesen Dingen gehört auch der Mensch, der nach der Art Gottes geschaffen wurde. Somit hat er auch den Menschen wiederhergestellt. Der Unsichtbare wurde sichtbar, der Unbegreifbare machte sich verständlich, das Wort wurde Mensch" (3,16,6: "Già e non ancora" [Schon und noch nicht], CCCXX, Mailand 1979, 268).

Das "Wort Gottes" wird wahrhaftig und nicht nur dem Anschein nach Mensch, denn andernfalls wäre "sein Werk nicht wahr". Vielmehr ist er tatsächlich der gewesen, "der er zu sein schien: Gott, der zu seinem alten Geschöpf, zum Menschen, wird, um die Sünde zu töten, den Tod zu zerstören und den Menschen zu beleben. Und aus diesem Grund sind seine Taten wahr" (3,18,7: ebd., 277-278).

Genau zur rechten Zeit machte er sich zum Haupt der Kirche, um alle an sich zu ziehen. Beten wir in diesem Sinne:

Ja, Herr, zieh uns an dich; zieh die Welt zu dir und gewähre uns Frieden, deinen Frieden.



Liebe Brüder und Schwestern!

Mit den Worten des Hymnus aus dem Epheserbrief preist die Kirche immerfort den allmächtigen Schöpfergott für das Heilswerk, das sich in Christus enthüllt und vollendet. Der Herr hat "uns mit allem Segen des Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel" (Vers 3). Durch das Erlösungsopfer des Sohnes sind wir als Getaufte erwählt, Gottes Kinder zu sein und teilzuhaben an Christi Heiligkeit. Dieses Gnadengeschenk geht jeder menschlichen Leistung voraus.

In Christus offenbart uns Gott das "Geheimnis seines Willens" (vgl. Vers 9): Als Haupt der Kirche ist der Sohn Gottes für uns alle der Weg zum himmlischen Vater. Denn Gott selbst hat beschlossen, "in Christus alles zu vereinen, alles was im Himmel und auf Erden ist" (Vers 10).

Liebe Freunde, der Glaube der Kirche schenkt uns eine tiefere Kenntnis Christi. Aus ihm schöpfen wir auch die Kraft zu einem Leben in der Nachfolge des Herrn. Geben wir einzeln und gemeinsam Zeugnis von der Liebe des Erlösers!


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