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Die
Gemeinschaft der Heiligen - ein paar Gedanken zu Allerheiligen / Allerseelen
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Die
Seele des Menschen wird vom Augenblick ihrer Erschaffung durch Gott im
Mutterschoß an ewig leben. Jede Seele hat Gott aus Liebe und für
die Liebe erschaffen. Mit dieser Liebe möchte Er diese Seele in ihrem
Leben auf der Erde, und dann die ganze Ewigkeit hindurch beschenken.
Gott hat die Seele
zusammen mit dem Embryo erschaffen, und seitdem bildet die Verbindung zwischen
Seele und Leib die Ganzheit des Menschen. Deshalb wird am
Jüngsten
Tag jede Seele ihren Leib wiedererlangen, von dem sie im Augenblick des
Todes getrennt worden ist. Es gibt nur zwei menschliche Leiber, die sich
bereits an der Herrlichkeit des Himmels erfreuen. Das sind die heiligen
und verherrlichten Leiber Jesu und Mariens. Alle anderen werden erst am
Jüngsten Tag auferstehen.
Der Tod ist ein sowohl
faszinierender als auch dramatischer Zustand, er ist die Konsequenz unseres
Lebens auf der Erde und wird bis zum Letzten Gericht und bis zur Auferstehung
zum ewigen Leben andauern. So kommt es, daß wir von der Empfängnis
an während unseres irdischen Lebens, das durchschnittlich 70 bis 80
Jahre beträgt, entweder eine unvorstellbar glückliche oder aber
schreckliche Ewigkeit erlangen.
Wiewohl das menschliche
Leben auf der Erde real ist, weil es durch die Sinne, den Verstand, das
Bewußtsein, Erfahrungen und alle zugänglichen Instrumente der
Wissenschaft bestätigt wird, so ist der Abschnitt nach dem Tod zwar
genauso real wie der vorherige, wird aber von einem Geheimnis, einem Schleier
umhüllt, den nur der Glaube zu lüften vermag.
Der Glaube an ein
Leben nach dem Tod begleitet die Menschheit seit ihren Anfängen; die
ältesten Spuren der Zivilisation sprechen von einem Kult der Verstorbenen.
Im zweiten Buch der Makkabäer tritt dieser Glaube uns schon in sehr
vertiefter Form entgegen: Der Anführer Judas „(...)
veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte
etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer
darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an
die Auferstehung. Hätte er nicht erwartet, daß die Gefallenen
auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und
sinnlos gewesen, für die Toten zu beten. Auch hielt er sich den herrlichen
Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit
sterben. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten
entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden" (2 Makkabäer
12, 43-45).
In diesem Fragment
aus dem Alten Testament sind bereits die folgenden Glaubenswahrheiten enthalten:
Daß der Mensch nach dem Tod weiterlebt, daß er Verantwortung
für seine Taten auf der Erde trägt, daß
das Gebet und das Opfer der noch auf der Erde Lebenden ihm bei der Buße
für seine Sünden helfen,
und daß die Sorge um die Befreiung des Menschen von den Strafen für
die Sünden eine heilige und fromme Sache ist. Im Neuen Testament gibt
es in zwei Fragmenten des Evangeliums Worte Jesu, die sehr bewegend sind
und das Leben nach dem Tod betreffen: Es ist zum einen die Beschreibung
des Jüngsten Gerichts bei Matthäus (vgl. 25, 31-46), und zum
anderen die Parabel vom reichen Mann und Lazarus beim Evangelisten Lukas
(vgl. 16, 19-31). Es liegt eine tiefe Wahrheit verborgen in der Feststellung,
daß man so stirbt, wie man gelebt hat, und die Ewigkeit diesem Tod
entsprechen wird. Nachdem Schwester Faustine
die Vision einer verstorbenen Seele hatte, die kam, um ihr mitzuteilen,
daß sie aus dem Fegefeuer in den Himmel gekommen sei, schrieb sie
in ihr Tagebuch: „Ich begriff,
wie eng die drei Etappen im Leben der Seelen miteinander verbunden sind:
Erde, Fegefeuer, Himmel" (Tagebuch, 594).
Im Credo bekennen
wir unseren Glauben an die „Gemeinschaft der Heiligen", obwohl es uns vielleicht
nicht ganz bewußt ist, daß es sich nicht nur um die Heiligen
handelt, die die Kirche kennt. Es ist hier vielmehr die Rede von der reellen,
immer aktuellen Verbindung zwischen den auf der Erde Lebenden und den Erlösten
im Himmel, sowie den ebenfalls Erlösten, die sich aber noch auf die
Herrlichkeit des Himmels vorbereiten. Bei den Letzteren handelt es sich
um Seelen aus dem Fegefeuer.
Die
wertvollste Hilfe für die Verstorbenen stellen das Heilige Meßopfer
sowie der Kommunionempfang in ihren Anliegen dar.
Was
ist das Fegefeuer? Es ist kein
konkreter Ort - es ist ein Zustand des Menschen, der sich nach dem Tod
im Antlitz der höchsten Heiligkeit, Vollkommenheit und Liebe schauen
durfte. Ganz bewußt erkennt er, daß er in seiner ganzen Unvollkommenheit,
Sündhaftigkeit und seinem ganzen Elend vor Gott steht. Er verurteilt
sich selber und möchte diese Unschuld und Würde wiederfinden,
die er verloren hat, nun aber wiedererlangen möchte, damit ihn nichts
mehr von dem Feuerherd der Allmächtigen Liebe, die Gott ist, trennt.
Im Angesicht dieses Feuerherds ist der ganze Kosmos nicht viel mehr als
ein elendiges Staubkörnchen.
Der Mensch selbst
beurteilt, was für einen Weg er gehen muß, damit er würdig
ist, vor das Antlitz der Höchsten Liebe zu treten, die er im Laufe
seines Lebens so viele Male geringgeschätzt hat. Für einige Menschen
wird es ein langer, für andere ein kurzer Reinigungsprozeß werden,
ganz in Abhängigkeit vom verursachten Bösen, auf jeden Fall aber
wird es ein schmerzhafter Weg sein. Der Gerechtigkeit muß Genüge
getan werden. Die schlechten Taten verfolgen den Menschen: Auf der Erde
bleiben diejenigen zurück, die er verletzt, betrogen, zum Schlechten
verführt hat, und auch diejenigen, denen er keine Dankbarkeit gezeigt
hat...
Für die Seelen,
die im Fegefeuer büßen, gibt es eine große Freude und
ein Glück: Das Bewußtsein, daß Gott ihnen dank des Erlösungsopfers
Jesu Christi, Seines geliebten Sohnes, verziehen hat; die Erlösung
ist ihnen sicher, die Hölle droht ihnen nicht mehr, sie werden nicht
mehr sündigen, aber das begangene Böse muß gesühnt
und wiedergutgemacht werden.
Die
Seelen im Fegefeuer können sich selber nicht mehr helfen, dabei leiden
sie sehr.
Die Ursache ihres Leidens
ist zunächst die durch nichts zu stillende Sehnsucht nach Gott, der
sich ihnen im Augenblick des Gerichts nach dem Tod offenbarte. Eine weitere
Ursache des Schmerzes ist die Reue über die begangenen Sünden,
die Vernachlässigungen, die vergeudeten Gnaden und die versäumten
Gelegenheiten, Gutes zu tun; es ist auch das Bewußtsein, daß
das begangene Böse sich weiter verbreitet: das schlechte Beispiel,
die fehlende religiöse Erziehung der Kinder, die Demoralisierung der
Jugend ...
Das Fegefeuer ist
trotz des Leidens, welches es mit sich bringt, ein Zeichen der göttlichen
Barmherzigkeit: Selbst der größte Sünder kann durch einen
Augenblick der Reue und die Anrufung von Gottes Namen die ewige Glückseligkeit
der Gottesschau erlangen, nachdem er das Fegfeuer durchlitten hat. In der
Glaubenswahrheit über die „Gemeinschaft der Heiligen" kann das Fegefeuer
einen durchaus privilegierten Platz haben. Einerseits findet dort die Vorbereitung
der zukünftigen Himmelsbewohner statt, andererseits fordert es die
auf der Erde Lebenden dazu auf, im Gebet stets an die Verstorbenen zu denken.
Nicht nur die im Fegefeuer Büßenden sehnen sich nach Gott, auch
Jesus sehnt sich nach denen, für die er den Tod erlitten hat, Er möchte
sie so schnell wie möglich für immer bei sich haben. Derjenige,
der den büßenden Seelen dabei behilflich ist, ihr Leiden und
Warten auf den Himmel zu verkürzen, sammelt Schätze der Dankbarkeit
vonseiten dieser Armen Seelen, aber auch vonseiten des Erlösers. Juda
der Makkabäer war davon überzeugt, als er für seine gefallenen
Soldaten betete und opferte. Die Gemeinschaft der Heiligen wäre unvollkommen
ohne das Gebet und die Opfer für die Armen Seelen im Fegefeuer. Wir
bitten die Heiligen im Himmel um ihre Fürsprache, die Armen Seelen
hingegen bitten uns um unsere Unterstützung, und wenn sie dann in
den Himmel kommen, helfen sie uns weiter. So sollte der Kreislauf der Liebe
im Himmelreich aussehen.
Die
wertvollste Hilfe für die Verstorbenen stellen das Heilige Meßopfer
sowie der Kommunionempfang in ihren Anliegen dar, gefolgt von Gebeten,
insbesondere dem Kreuzweg, die Gewinnung von Ablässen, die Vergebung
des Bösen, das die sich nun im Fegefeuer befindlichen Seelen einander
einstmals angetan haben. Auch das gute Gedenken an die Verdienste und Vorzüge
der Armen Seelen gegenüber denen, die sie kritisieren, ist sehr hilfreich.
Dies alles ist viel wichtiger als Grabpflege und Blumenschmuck.
Seit den Zeiten der
Apostel waren der Kirche Andachten für Verstorbene sehr wichtig. In
der Kirchengeschichte gibt es sehr viele Heilige, die für dieses Anliegen
sehr empfänglich waren. Einige dieser Heiligen hatten die Gnade, in
Kontakt mit den Verstorbenen treten zu dürfen, einen Teil ihrer Leiden
zu tragen, damit diese schneller in den Himmel kommen konnten. Unter den
vielen Helfern der Armen Seelen sollte man wenigstens einige nennen: die
heilige Katharina von Genua, der heilige Franz von Sales, die heilige Schwester
Faustine; und in unseren Tagen Schwester Lucia aus Fatima sowie Maria Simma
aus Österreich. Sie starb im Jahre 2004 und hatte ihr ganzes Leben
lang den Armen Seelen geholfen. In ihren Notizen finden wir die folgende
Überlegung: „Es gibt so viele Arten von Fegefeuer, wie es Seelen gibt.
Keine einzige Seele würde das Fegefeuer verlassen, um hierher zurückzukehren,
um so wie wir in den Dunkelheiten zu leben, denn sie verfügt über
ein Wissen, das wir uns gar nicht vorstellen können. Die Seele möchte
das Fegefeuer, die Reinigung, ebenso wie das Gold sich im Feuer von allen
Zusätzen reinigen will ... Gott hat sich ihr in solch einer strahlenden,
blendenden Schönheit und Reinheit gezeigt, daß keine Macht in
der Lage wäre, diese Seele dazu zu bringen, selbst mit dem allerkleinsten
Makel vor das Angesicht Gottes zu treten. Erst die reine, vollkommene Seele
hat den Mut, vor das Antlitz des Ewigen Lichtes und der Göttlichen
Vollkommenheit zu treten, um Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen".
Teresa Tyszkiewicz
(Quelle: "Liebet
einander!", Nr. 2 - 2011, S. 12 ff., Societas Christi, Sevinghauser Weg
101, 44867 Bochum, Tel. +49 162 7630642, - Sehr empfehlenswerte Zeitschrift!)
Bitte lesen Sie
auch:
Gebete
für die Armen Seelen im Fegefeuer
Arme
Seelen warten auf Eure Gebete!
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