„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl Geistes.“
Amen
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn.
Über das Gebet, möchte ich jetzt einmal etwas mehr deutlich
machen, es scheint mir doch wichtig zu sein, daß wir uns über
das Gebet Gedanken machen. Ein 14 jähriger Junge hat einmal gesagt:
Ich bete nicht mehr, beten bringt ja nichts. Ein Familienvater sagte: Bei
uns ist es Tradition zu Hause, da wird Mittags still gebetet, jeder
betet für sich, da mache ich immer das Kreuzzeichen, dann zähle
ich bis zehn und dann mache ich wieder das Kreuzzeichen. Wenn man solche
Äußerungen hört, dann ist es doch ein Zeichen dafür,
daß diese Menschen überhaupt nicht verstanden haben, was
das Gebet wirklich bedeutet, wie wichtig es für unser Leben ist. Ja,
so mancher hört auf zu beten, vielleicht auch aus dem Grunde,
weil er Erfahrungen gemacht hat, daß er gebetet hat und das Gebet
ist nicht so erhört worden wie er es wünschte. Es sieht jedenfalls
so aus. Ich muß ganz ehrlich sagen, solche Erfahrungen habe ich auch
gemacht, auch als Priester noch. Ich habe oft gebetet und hatte nicht den
Eindruck, daß etwas passiert ist. Dann habe ich eines Tages zu Gott
gebetet und habe gesagt: Herr zeige mir jetzt mal, warum du meine Gebete
nicht erhörst. Danach habe ich eine interessante Erfahrung gemacht.
Gott spricht ja auch oft zu uns durch Erfahrungen. Da ist folgendes geschehen:
Ich war auf Urlaub und da war ein kleiner Junge der war ca. 5 Jahre alt
und wir hatten uns vorgenommen wir fahren alle zusammen in den Harz.Der
kleine Junge sollte mitfahren und urplötzlich wurde er krank. Er bekam
hohes Fieber, es ging ihm nicht gut. So war er ganz traurig, daß
er den nächsten Tag nicht mitfahren konnte. Da habe ich ihm gesagt,
du mußt beten. Dann hat der Junge aus vollem kindlichem Herzen zu
Gott gebetet. Es hat mich tief ins Herz getroffen. Gott hat sein kindliches
einfaches aber inniges Gebet erhört und am nächsten Morgen war
kein Fieber mehr da, es ging ihm wunderbar. Er konnte mitfahren. Später
habe ich noch so einige andere Dinge dazu erlebt und dann ist mir klar
geworden, was meinem Gebet fehlte war der kindliche tiefe Glaube. Ich habe
zu sehr verkopft, das heißt mit dem Verstand gebetet. Wenn ein Kind
Probleme hat, dann überlegt es nicht erst, ob wohl mein Vater oder
meine Mutter mir helfen können, sondern das rennt mit seinen Problemen
sofort zu den Eltern und im Herzen ist es ganz sicher, der Vater wird mir
helfen oder die Mutter weiß bestimmt Rat. Das Kind wird in der Regel
nicht enttäuscht. Das ist genau die Haltung, die wir auch haben müssen
beim Gebet, wenn wir unsere Bitten zu Gott hintragen. Dieses Vertrauen
im Herzen, wir dürfen zum Vater im Himmel gehen, der Vater weiß
schon Rat, der Vater wird mir helfen. Ja, und dann habe ich gemerkt, daß
ich dieses kindliche Vertrauen in das Gebet gar nicht hatte und dann habe
ich zu Gott gebetet: „Herr, hilf du mir, schenke du mir kindliches Vertrauen
in meinem Gebet“. Kurze Zeit später kam eine Frau aus Norddeutschland
zu mir. Sie kam hier in die Kirche und sprach mich an und sagte: Sie habe
ganz gewaltige Probleme und ob ich ihr nicht einen guten Rat geben könne.
Da hatte sie mir ihre ganzen Familiennöte erzählt und sie wollte
dann einen Rat haben. Aber ich wußte nicht was ich ihr sagen sollte,
ich war total hilflos und dann auf einmal kam mir ein Gedanke. Ich habe
ihr gesagt: Wir wollen jetzt einfach einmal still werden und auf Gott hören.
Vielleicht zeigt uns Gott etwas und dann kam mir ganz klar das Wort: Wenn
zwei einmütig um etwas bitten, dann wird es ihnen zuteil werden. Dann
habe ich ihr gesagt: Wissen Sie was wir jetzt machen, sie haben mir die
ganze Situation geschildert. Ich formuliere das jetzt im Gebet zu Gott
hin und immer dann, wenn sie den Eindruck haben, jawohl das stimmt so,
dann sagen sie immer still: "Herr darum bitte ich dich auch." Und so haben
wir gebetet. Am Ende des Gebetes sagte die Frau: jetzt ist mir richtig
leicht geworden. Sie fuhr dann gleich danach mit dem Zug nach Hause. Gegen
Abend kam sie an und sie schrieb mir dann einen langen Brief und
berichtete wie sich die Situation zu Hause total verändert hatte.
Mit der Tochter hatte sie immer Probleme gehabt, sie hatte keinen Handschlag
im Haushalt getan und es gab immer nur Zank und Streit. Als sie nach Hause
kam, kam ihr die Tochter aus dem Haus entgegen gelaufen und fiel der Mutter
um den Hals und sagte: "Schön daß du wieder da bist", und dann
sah die Mutter, daß die Tochter das Haus von oben bis unten sauber
gemacht hatte. Dann kam Ihr Mann, sie waren im Streit auseinander gegangen
und beide haben sich versöhnt. Da war noch ein anderes massives Problem,
das hat sich auch innerhalb weniger Tage gelöst. Da ist mir klar geworden,
wie wichtig kindliches Vertrauen ist im Gebet, damit Gott auch unser Gebet
erhören kann. Sicher es gibt noch andere Bedingungen. Wir dürfen
zum Beispiel, wenn es wirklich um wichtige Dinge geht, nicht im Zustand
der schweren Sünde sein. Da ist es gut vorher zur Hl. Beichte zu gehen
um mit reinem Herzen Gott zu bitten oder wenn wir mit anderen Menschen
in Zank und Streit liegen, dann ist es wichtig, daß wir uns
erst versöhnen und dann unsere Bitten zu Gott tragen. Ja, es
ist wirklich wichtig, daß wir das richtige tun, damit unser Gebet
auch Segen bringen kann, daß unsere Gebete auch erhört werden.
Wenn wir auf das Evangelium schauen, dann sehen wir, da ist auch
eine Frau in einer großen Not. Ihre Tochter ist von einem Dämon
besessen und sie weiß im Grunde genommen, nur einer kann helfen,
Jesus. Aber sie ist keine Jüdin, sondern Heidin und sie hat es bestimmt
schwer, aber sie macht den Weg zu Jesus hin. Das erste was sie auszeichnet,
sie weiß wer Jesus ist. Darum redet sie ihn an mit dem Wort „Herr“
und sie bezeichnet ihn als den Sohn Davids. Ich glaube auch für uns
ist es wichtig, wir müssen wissen wer Gott für uns ist. Gott
ist nicht, wie manche uns heute weis machen wollen „der Kumpel“ der auf
der selben Ebene ist wie wir. Er ist der große Gott, der alle Macht
hat, im Himmel und auf der Erde. Wenn wir unsere Bittgebete zu Gott bringen,
dann wissen wir; wir beten zu einem Gott, der groß ist, der allmächtig
ist und dann können wir mit ganz anderer innerer Kraft auch unsere
Bitte zu Gott hinbringen. Das zweite was für diese Frau wichtig war,
das ist, daß sie demütig ist, sie weiß um ihre eigene
Nichtigkeit, um ihre Armseligkeit und das zeigt sich darin, daß sie
sich vor Jesus ganz klein macht. Demütig fällt sie vor ihm nieder
und dann sagt sie nur: „Herr hilf mir“. Ich glaube das ist auch für
uns wichtig, daß wir mit demütigem Herzen Gott begegnen. In
der Bibel steht ja: „Den Demütigen schenkt er seine Gnade“. Wenn wir
demütig zum Herrn gehen, wenn wir wissen, daß wir im Grund genommen
ein Nichts vor Gott sind, aber daß er alles für uns tut, dann
werden wir auch mit ganz anderem Herzen beten. Und das 3. was wir von dieser
Frau sagen können: sie hat einen starken Gauben gehabt. Dieser starke
Glaube zeigt sich darin, daß sie nicht nachläßt,
daß sie mit Beharrlichkeit ihre Bitten vor Gott hinträgt, sie
gibt einfach nicht auf und dann kann Jesus ihr sagen: „Frau, dein Glaube
ist groß, wie du willst, so soll es geschehen“. Auch für uns
ist es wichtig, daß wir mit Beharrlichkeit beten. Viele Menschen
machen den Fehler, daß sie zu schnell aufgeben. Ich habe mir auch
mal überlegt, warum hat Jesus 3 mal die Frau zurückgewiesen mit
ihrer Bitte. Vielleicht war ihr Glaube noch nicht stark genug und durch
dieses immer wieder neu die Bitte vortragen, da ist ihr Glaube stärker
geworden. Dann wenn der Glaube stark ist, dann kann Gott auch helfen. „Dein
Glaube hat dir geholfen“. Das hat Jesus so oft gesagt. Darum ist es auch
für uns so wichtig, daß wir beten um einen starken Glauben und
daß wir im Gebet jeden Tag mit Gott verbunden sind. Dann kommt nämlich
die Kraft Gottes in unser Leben hinein. Ein Mensch der täglich
betet, der kann dann auch ganz anders beten, wenn es um entscheidende,
um wichtige Dinge geht. Ja, das ist also für uns wichtig, daß
wir uns immer wieder bewußt machen, eine Wurzel im Gebet ist ganz
wichtig für unser Leben. Ja durch das Gebet wird wirklich etwas bewegt
und ausgelöst. Das Gebet hilft uns zum lebendigen Christ sein.
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl Geistes.“
Amen