Fasten an zwölf Freitagen

Papst Eugenius schreibt und lehrt: Wenn man an den zwölf folgenden Freitagen zu Ehren der Allerseligsten Jungfrau mit Wasser und Brot fastet und sich in der Tugend übt und vor Sünden hütet, dem schickt die liebe Muttergottes zwölf Tage vor seinem Ende zu seiner Hilfe und zu seinem Tröste die Schar der hl. Engel, und ihm werden gegeben die sieben Gaben des Hl. Geistes.
1. Gabe: daß man keines bösen Todes sterben werde,
2. Gabe: daß man nicht verdammt werde,
3. Gabe: daß man in keine Armut hienieden komme,
4. Gabe: daß man nicht ohne das hochwürdigste Sakrament sterben werde,
5. Gabe: daß einem zwölf Tage vor seinem Ende der Sterbetag geoffenbart werde,
6. Gabe: daß ihm die liebe Muttergottes mit allen Heiligen dienen will,
7. Gabe: daß die liebe Muttergottes Maria seine Seele in Empfang nehmen und in das ewige Leben führen will.

Wer diese Freitage weiß, soll sie auch anderen mitteilen.
Der 1. Freitag ist vor der Fastnacht,
der 2. Freitag ist vor Maria Verkündigung,
der 3. Freitag ist der hl. Karfreitag,
der 4. Freitag ist vor Christi Himmelfahrt,
der 5. Freitag ist vor dem hl. Pfingstfest,
der 6. Freitag ist vor Johann Baptist,
der 7. Freitag ist vor Peter und Paul,
der 8. Freitag ist vor Maria Himmelfahrt,
der 9. Freitag ist vor St. Michael,
der 10. Freitag ist vor Simon u. Judas (Thaddäus),
der 11. Freitag ist vor St. Andreas,
der 12. Freitag ist vor dem hl. Christfest.

Anno 1737 am 17. Juli ist in Köln am Rhein ein Mann gestorben auf dem Heumarkt mit Namen Franz Webelmann, welcher an den genannten Freitagen zu Ehren der lieben Muttergottes gefastet hat und in seiner letzten Stunde freudig bekannte, er habe die liebe Muttergottes zwölf Tage vor seinem Ende gesehen und sei ihm auch von ihr die letzte Stunde seines Todes verkündet worden.
(Das Büchlein, welchem diese Zeilen entnommen wurden, ist von der hl. Congregation wie auch von der Sacr. Collegio d. Propaganda fide sowie von Papst Clemens XII. approbiert und gutgeheißen worden.)

Erneuert oft diese Aufopferung
„Himmlischer Vater, durch Maria opfere ich Dir allen Sühne- und Genugtuungswert meines heutigen Tagewerks auf
für die Armen Seelen; ihnen will ich auch alle Ablässe zuwenden, die ich heute gewinnen kann. Amen."


Schutzengel-Gebet des heiligen Petrus Kanisius
Ihr himmlischen Geister, ihr Diener Gottes! Da die stolzen, neidischen, hartnäckigen und listigen bösen Geister sich zu unserem Untergang verschworen haben, so rufen wir euren Beistand an, auf daß die so große Zahl übermütiger, listiger und mächtiger Feinde weder im Leben noch im Tod über uns siege. Steht uns bei, ihr heiligen Engel Tag und Nacht und kämpft getreu für uns in diesem immerwährenden Kampf. Besonders empfehle ich mich deinem Beistand, heiliger Engel, dessen beständigem Schutz die göttliche Güte mich anvertraut hat. Ich bitte dich, führe mich Blinden, belehre mich Unwissenden, stärke mich Schwachen, beschütze mich Unwürdigen, führe mich zurück, wenn ich irregehe, sporne mich Trägen an, wecke mich, wenn ich schlafe, hilf mir voran, wenn ich gehe. Hilf mir ganz besonders, daß jener letzte und schwere Kampf, der mir mit den bösen Geistern in der Todesstunde bevorsteht, für mich einen glücklichen Ausgang nehme, damit meine Seele in die Gesellschaft der Engel gelange und nach errungenem Sieg freudig singe: “Der Strick ist zerrissen, und wir sind befreit” (Ps. 123, 7.)
Alle Ihr lieben Engel und Erzengel, bittet für uns!

WIE HILFSBEREIT SIND DIE HEILIGEN ENGEL ZU UNS MENSCHEN!

Sie warten Tag und Nacht auf Arbeit, die wir Ihnen im Weinberg unseres Herrn übergeben, aber wir müssen zuerst mal an die Gegenwart der guten und bösen Engel glauben, wir müssen, wenn die guten heiligen Engel uns helfen sollen, in bestem Einvernehmen mit ihrem und unserem Herrn und Gott stehen, denn sie werden uns nur jene Wünsche erfüllen, die auch Gottes Wünsche sind, dazu allein sind sie beauftragt; also erst sich prüfen, bin ich gewillt, allein Gottes heiligen Willen zu erfüllen, wenn ja, warten sie schon mit viel Liebe und Sehnsucht, unsere Bitten und Wünsche zu unserm großen liebenden Gott zu bringen, sogar auf Umwegen, wenn es nötig ist; sie verlieren nicht so schnell den Mut wie wir armen sterblichen Menschen.
In erster Linie wartet unser heiliger Schutzengel auf unsere Inanspruchnahme.
Wir können ihn auf folgende Weise zu unserem Ehegatten, Sohn oder Tochter, Eltern oder Geschwistern, Priester, Bischof, zum Heiligen Vater oder sonst jemanden schicken, indem wir für jeden, zu dem wir ihn schicken, fünfmal täglich beten:
Heiliger Schutzengel mein, laß den (die)... dir empfohlen sein, laß sein (ihr) Herz von Sünden frei, allzeit Gott gefällig sein, führe ihn (sie) an deiner Hand in das himmlische Vaterland. Amen. Vater unser...
Gegrüßet seist Du, Maria...
Gegrüßet seist Du Königin, o Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süßigkeit, unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu Dir rufen wir elende Kinder Evas, zu Dir seufzen wir trauernd und weinend im Tale der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende Deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht Deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. In aller Trübsal, Angst und Not komm uns zu Hilfe, Du allerseligste Jungfrau Maria!
Glaubensbekenntnis...
Ehre sei dem Vater...

Gebet
Mein Jesus, hab Erbarmen
mit Deinem schwachen Kind,
ganz hilflos steh ich Armer,
der Böse mich umringt,
doch allzeit kämpfe, siege,
in mir Du starker Gott,
damit ich siegreich bliebe,
durch Dich in aller Not.
Ich danke Dir von Herzen,
mein Jesus, Liebster, mein,
Maria hilf mir danken,
jetzt und zu jeder Zeit. Amen.

Gebet
Maria, liebste Mutter mein,
nimm Du mein armseliges Gebet,
mach es liebevoll, würdig und rein,
damit es dem lieben Gott
wohlgefälliger sei.
Meinen herzinnigen Dank dafür,
allerliebste Mutter mein!

Dankgebet

Himmlischer Vater, DU bist die ewige Liebe,
Deine Allmacht, Weisheit und treusorgende Vatergüte ist unermeßlich,
Deine Liebe und Barmherzigkeit ohne Grenzen,
Deine Gnaden und Wohltaten unerschöpflich.
Täglich beschenkst Du uns mit überreichen Gaben,
Täglich wollen wir Dir danken.
Von Dir allein kommt alles Gute, und nichts ist gut außer Dir.
Darum sei Dir von allen Geschöpfen Himmels und der Erde ewig Preis und Dank gesagt.
Unser Dank, vereint mit Maria, allen Engeln und Heiligen, soll nie enden, bis wir Dich einst loben und preisen dürfen in Deiner ewigen Herrlichkeit. Amen.
Wir wollen Gott, dem allmächtigen Vater, ewigen herzinnigen Dank sagen für seinen eingeborenen Sohn, Jesus Christus, unseren göttlichen Erlöser.
Alle: Wir danken von ganzem Herzen!
Danken wollen wir unserem lieben Heiland für sein Ja in seiner bitteren Ölbergnacht, wo Er unsere vielen Sünden auf sich nahm, und Er, der Reinste unter den Menschenkindern, als Gottessohn, all unsere Schuld zu tilgen verlangte vor seinem und unserem himmlischen Vater, durch sein qualvolles Leiden und Sterben, um uns dadurch die ewige Seligkeit zu erwerben. Wir danken...
Danken wollen wir dem Heiligen Geist, der uns zur Erkenntnis der Wahrheit führt. Wir danken...
Danken wollen wir für unsere liebe Himmelsmutter, die Unbefleckte Empfängnis und Gottesmutter Maria, unser vollkommenstes Vorbild des christlichen Lebens, unsere Miterlöserin, Mittlerin und Fürsprecherin und ihre unermeßlich große Liebe und Barmherzigkeit zu uns Menschen. Wir danken...
Danken wollen wir unserem ewigen Hohenpriester Jesus Christus für das Priestertum, das Er uns geschenkt hat, als Vermittlung zwischen Gott und den Menschen. Wir danken...
Danken wollen wir für das Ja zu unserem Leben und für die heilige Taufe, durch die wir zu Kindern Gottes und Erben des Himmels geworden sind. Wir danken...
Danken wollen wir Jesus für die liebevolle Verzeihung all unserer Sünden im heiligen Bußsakrament. Wir danken...
Danken wollen wir Jesus für alle heiligen Messen und seine gnadenreiche Seelenspeise. Wir danken...
Danken wollen wir für das Sakrament der heiligen Firmung, durch das Er uns zu Streitern Christi ausgerüstet hat. Wir danken...
Danken wollen wir für unsere guten Schutzengel, unsere getreuen Ermahner und liebevollen Beschützer. Wir danken...
Danken wollen wir für unsere Fürsprecher am Throne Gottes und ihre große Hilfsbereitschaft. Wir danken...
Herzinnigen Dank unserer lieben Himmelsmutter für Ihre Sühneleistung als Ersatz für unsere Undankbarkeit. Wir danken...
Danken wollen wir der Heiligsten Dreifaltigkeit, unserer lieben Himmelsmutter und allen Mächten des Himmels für die wunderbare Führung und Kraft, mit der wir im Weinberg unseres lieben Herrn und Heilandes arbeiten dürfen. Wir danken...
Danken wollen wir der Heiligsten Dreifaltigkeit für unsere Eltern und christlichen Erzieher, für unsere Gesundheit, für unsern Arbeitsplatz und für alle segensreichen Krankheiten. Wir danken...
Danken wollen wir für alle Gnaden der Liebe, Demut, Geduld, Sanftmut, Ruhe, Dankbarkeit, Gottesfurcht, Weisheit, Ergebung, Enthaltsamkeit, Kraft, Reinheit des Schweigens und der Heiligkeit. Wir danken...
Danken wollen wir dem großen Gott für alle Freunde, die uns in Freud und Leid zur Seite stehen. Wir danken...
Danken wollen wir für alle Feinde und Widerwärtigkeiten, an denen wir uns den Himmel verdienen dürfen, indem wir sie lieben, wie unser Heiland sie geliebt hat. Wir danken...
Danken wollen wir dem unendlich barmherzigen Gott, daß wir für andere danken dürfen, die nicht danken und zur Rettung der Seelen beitragen dürfen. Wir danken...
Danken wollen wir der Heiligsten Dreifaltigkeit, daß die armen Seelen uns helfen dürfen und wir ihnen zur Abkürzung ihrer Leiden im Fegfeuer. Wir danken...
Danken wollen wir der Heiligsten Dreifaltigkeit für die große Liebe zu uns, trotz unserer großen Sündhaftigkeit. Wir danken...
Danken wollen wir, daß der unendlich große Gott wünscht, daß wir IHN lieben, trotz unserer armseligen Wenigkeit, wo wir IHN so schrecklich und so viel beleidigen. Wir danken...
Danken wollen wir allen, die uns verhelfen werden zu einer glückseligen Sterbestunde. Wir danken...
Nicht kann, o Herr, ich danken Dir genug, es soll Dir danken jeder Atemzug, es soll Dir danken jeder Herzensschlag bis zum letzten Tag.
Es sollen Dir danken alle meine Gedanken. O könnt ich danken Dir genug, lobpreisen sollen Dich alle Deine Werke, glorreich und hocherhaben in Ewigkeit. Amen. — O Maria, unsere liebe Mutter, hilf uns für alle Gnaden danken. Wir danken Dir!
All Ihr lieben Engel und Heiligen, helft uns danken am Throne der göttlichen Barmherzigkeit. Wir danken Euch!
Heiliger gerechter und Dreieiniger Gott, Du siehst mit Wohlgefallen auf jene herab, die Dir von Herzen dankbar sind und belohnst sie dafür reichlich mit Wohltaten. In Deiner göttlichen Barmherzigkeit verzeihe allen, die sich ihrer großen Dankesschuld nicht bewußt sind. Nimm unseren geringen Dank an und vervollkommne ihn durch den ewigen Dank unseres lieben Herrn und Heilandes und unserer lieben Himmelsmutter an Dich, o liebender Vater, zur Sühne für die undankbare Menschheit, zur größeren Ehre des Dreieinigen Gottes und zum Heile unserer Seelen. Amen.
O mein Jesus, ich empfehle mich in Dein göttliches Herz, ich versenke mich in Deine unergründlich überströmende Barmherzigkeit, ich übergebe mich ganz und gar Deiner Liebe und Deiner väterliche Treue.
Ich bitte Dich, o mein Jesus, Du mögest Dich Deinem Vater zum Ersatz anbieten für alle Zeit, die ich armer Sünder in Deinem Dienste verloren habe. Sei Du Deinem Vater ein vollkommenes Opfer für mein armes, undankbares Leben. Bedecke mit Deiner großen Barmherzigkeit alle meine Sünden und Undankbarkeiten und bilde mich durch die Macht Deiner Gnade ganz nach Deinem heiligen Willen. Amen.
Lied: Nun danket all' und bringet Ehr'...

Dankes-Rosenkranz

Wir danken von ganzem Herzen Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist und Dir, liebe Himmelsmutter; heilige Maria, Mutter Gottes, hilf Du uns armen Sündern danken, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
Dieser Rosenkranz wird wie üblich mit Glaubensbekenntnis, Glaube, Hoffnung und Liebe, Vaterunser und Ave Maria gebetet.

Segen
Der Segen des Vaters
die Liebe des Sohnes,
die Kraft des Heiligen Geistes,
der mütterliche Schutz der Himmelskönigin,
der Beistand der heiligen Engel,
die Fürbitte der Heiligen
und die Gottessehnsucht der Armen Seelen
sei mit uns und begleite uns auf dieser Pilgerfahrt
und in unserem Alltag.

“Wenn ein Priester segnet, segnet der Heiland!”

Ein betagter Priester sagte einmal: Es ist mir ein großer Trost, wenn ich daran denke, daß ich in meinem Priesterleben viel gesegnet habe, gesegnet nicht nur die Meinen, sondern alle Menschen, besonders die Kranken, die Leidenden, Sterbenden, alle Ungläubigen, alle Sünder und Gefangenen, alle Gottgeweihten und Opferseelen, auch alle armen Seelen im Fegfeuer; daß ich gesegnet habe bei Tag und bei Nacht, manchmal mit letzter Kraft auf hartem Krankenlager. Ich durfte die Segenskraft auch bei mir spüren, an Leib und Seele und war immer dankbar dafür.
Wer einmal in Rom erlebte, wie Papst Pius XII. die Pilgerscharen gesegnet hat, wird das nie mehr vergessen. Dieses Ausweiten seiner Arme, dieses Aufheben seiner Hände gegen Himmel, als wollte er alle Gnaden von dort herunterholen, und dann die vielen Segenskreuze nach allen Richtungen: das waren Augenblicke, die tief ergriffen haben. Mit derselben Innerlichkeit und Ergriffenheit segnet der jetzige Heilige Vater, Papst Paul Vl.
Brüder, Schwestern! Es ist etwas Großes und Heiliges um den Segen eines Papstes, und den Segen eines Bischofs, ja eines JEDEN Priesters.
Alle Priesterhände sind Segenshände, die des einfachen Pfarrers nicht weniger als die des Heiligen Vaters. Sie sind geweiht von Bischofshand; sie sind gesalbt vom Heiligen Geist. Sie bewirken aber auch die Kraft des Heiligen Geistes und vermitteln Gottes Gnaden und Hilfe. Der Segen holt Menschen und Dinge heim aus dem Herrschaftsbereich des Satans. “Die ganze Schöpfung seufzt ja noch unter dem Fluch der Erbsünde” (Römerbrief). Priesterhände strahlen im Namen unseres Herrn Jesus Christus Segen aus über Menschen und Tiere, über alles Geschaffene.
“Der Priesterstand ist die Liebe des heiligsten Herzens Jesu”
Das ist das wunderbare Wort des heiligen Pfarrers von Ars. Das Priestertum ist geboren aus dem liebenden Herzen Jesu. Es wird immer wieder neu aus seinem liebenden Herzen geboren. Jesus lebt im Priester, wirkt, betet, sorgt, segnet und liebt im Priester. Der Priester ist ein zweiter Christus. So herrlich durfte einmal eine Seele hören: “Wenn ein Priester segnet, dann segne Ich. Dann strömen aus meinem göttlichen Herzen Gnaden in reichster Fülle auf dich herab. Ich habe meinem Segen große Kräfte verliehen...”
“Bedenke, daß etwas Großes geschieht, wenn du den Segen eines Priesters empfängst. Der Segen ist ein Ausstrahlen meiner göttlichen Heiligkeit... Durch meinen Segen bekommst du Liebe zum Lieben, Kraft zum Leiden, Stärkung für Leib und Seele. Mein heiliger Segen enthält alle Hilfe für die Bedürfnisse der Menschenkinder.
Er kommt aus der unendlichen Liebe meines Herzens. Je andächtiger er gespendet und empfangen wird, desto gewaltiger ist seine Wirkung... Der Segen ist größer, unendlich größer als tausend Welten... Du kannst von meinem Segen nie genug erwarten. So oft du gesegnet wirst, bist du neu berührt mit mir, neu geheiligt, neu eingehüllt in meines Herzens Gnade, Liebe und Schutz... Sei ein Kind des Segens, dann wirst auch du für andere überall ein Segen sein!”
“DAZU SEID IHR BERUFEN, SEGEN ZU ERBEN!” (1 Petr 3, 9). Der Heiland schenkte als letzte Tat seiner Liebe seinen Segen. Christus will in seinen Jüngern immer segnend wirksam sein. Gewiß wollen wir eine scharfe Grenze setzen zwischen Sakrament und Sakramentale. Letzteres ist nicht von Christus eingesetzt und bewirkt nicht die heiligmachende Gnade, aber es schenkt helfende Gnade kraft unseres Glaubens an die unendlichen Verdienste Jesu Christi. Der Priestersegen schöpft aus den unendlichen Reichtümern des Herzens Jesu und hat darum viel heilende und heiligende Kraft, viel bannende und schützende Macht. Das heilige Opfer kann der Priester einmal am Tage feiern, die Sakramente gelegentlich spenden, segnen aber kann er immer und überall. Auch der kranke Priester, auch der verfolgte und eingekerkerte.
SO ERGREIFEND ERZÄHLT EIN KZ-PRIESTER, der lange in Dachau in einer SS-Fabrik arbeitete, wie er eines Tages von einem Buchhalter gebeten wurde, schnell in die im Dachgeschoß eingebaute Wohnung zu kommen und seine Familie zu segnen: “Da stand ich nun, ein armer Häftling im Zebrakleid des KZlers. Kaum jemals hatte ich meine Arme mit solcher Ergriffenheit ausgebreitet wie in jener Stunde. Obwohl schon jahrelang zum Auswürfling gestempelt, war ich doch noch Priester; denn man hatte mich gebeten, das Einzige und Letzte zu schenken, was ich noch hatte, den Segen.”
EINE TIEFGLÄUBIGE BÄUERIN SAGT: “So war es immer Glaube in unserem Haus: Wenn ein Priester bei uns einkehrt, kehrt der Herr selbst ein. Wir freuen uns jedesmal über seinen Besuch. Wir lassen keinen Priester aus unserem Hause gehen, ohne ihn um seinen Segen zu bitten. In unserer Familie mit ihren zwölf Kindern ist auch buchstäblich der Segen greifbar.”
EIN PRIESTER: “Wahrhaftig, ein unendlicher Reichtum ist in meine Hände gelegt. Christus selber will im Segen durch mich schwachen Erdenmenschen wirksam werden. Wie er einst segnend durch die Lande ging, will er stets im Priester weitersegnen. Ja, WIR PRIESTER SIND MILLIONÄRE NICHT AN GELD, NEIN AN GNADE, die wir vermitteln. Wir dürfen Sendestationen des Segens sein. Irgendwo auf der ganzen Welt sind Antennen, die die Segensstrahlung auffangen, Kranke, Gefangene, Verstoßene usw. Mit jedem Segen aber, den wir geben, wächst unsere Segenskraft, wächst unser Segenseifer. Was aber tut uns Priestern mehr not als Optimismus und Freude! Diese aber wachsen mit jedem gläubig gegebenen Segen.” — Auch in unserer heutigen bedrängten Zeit.
SO ERNST SPRICHT KATHARINA EMMERICK: “Es ist gar traurig, wie nachlässig in unseren Tagen die Priester mit dem Segen sind. Es ist, als wüßten sie oft nicht mehr, was der Priestersegen ist. Viele glauben kaum daran und schämen sich des Segens als einer veralterten und abergläubischen Zeremonie. Viele endlich gehen mit dieser heiligen, von Jesus Christus gegebenen Kraft und Gnade ganz gedankenlos und obenhin um. Wird das Segnen an mir versäumt, so empfange ich wohl zuweilen von Gott den Segen, aber da der Herr das Priestertum eingesetzt hat und ihm die Gewalt der Segnungen übergab, muß ich oft aus der Sehnsucht nach dem Segen beinahe verschmachten. Alles ist ja ein Leib in der Kirche, und was der eine versagt, danach muß der andere hungern.”
EINE GOTTLIEBENDE UNSERER TAGE SCHREIBT: “Jede Priestersegnung, die ich empfangen darf, ist wie eine neue Lebenskraft, die mir geschenkt wird. Die Auswirkung eines Priestersegens können wir gar nicht ermessen. Mit dem Christussegen wächst die Christusliebe in unseren Herzen; besonders die Liebe zur Reinheit... Ich durfte mich schon in jungen Jahren davon überzeugen. Der Priestersegen ist so lichtvoll wie die Sonne am Mittagshimmel, wenn sie alle große Kraft ausstrahlt. Der Priestersegen ist eine hohe Gnade.” (Maria Th. Meyer-Bernhold, + 29.3.52.)
DER OFTMALIGE PRIESTERSEGEN IST EIN GEBOT DER STUNDE. Der Priestersegen war noch nie so notwendig wie heute. Eine “Zeit der Dämonokratie” hat ein berühmter Prediger unsere Tage genannt. Es sind so viele Teufel heute am Werk.
So viel Unglück hat seine Ursache in der Macht des Satans. Die Sünde gibt ihm Macht. Verfluchungen und Verwünschungen tragen sehr mit bei. Darum Abkehr vom Bösen als erstes und Abwehr im Segen als zweites! — So wie die Radiostrahlen die Atmosphäre durchkreuzen, dürfen die Segnungen die Welt durcheilen. Durch sie werden die bösen Geister in ihrem Wirken stark gehindert. Priester, die viel segnen, bannen ungeheuer viel böse Macht.
Ein Seelsorger unserer Tage schreibt so treffend:
“Der Segen ist die Waffe meines Herzens. Alle, die mir aus dem Wege gehen, segne ich. Alle, die mich verleumden und hassen, segne ich. — Man flucht uns, wir aber segnen” (1 Kor 4, 12). — “Jeden Morgen bete ich den Exorzismus, und jeden Abend hebe ich die Hände segnend über die Pfarrei. Das Segenskreuz reicht weit, reicht über die ganze Welt hin. Seine Balken umfangen in der Verlängerung das ganze Weltall.”— Wie mancher Priester segnet bei jedem Stundenschlag. Das ist eine immerwährende Liebestat, ein Fortwirken der unendlichen Liebe Christi. Das ist ein immer neuer Sieg über das Böse. Auf diese Weise dürfen die Segenspriester immerzu geistige Sendestationen sein: irgendwo in der Welt sind Antennen, das heißt segensbedürftige, segenverlangende Herzen, die dadurch Segenskraft erlangen.
DER SEGEN VERLANGT AUFNAHMEBEREITSCHAFT. Der Heiland hat zu seinen Aposteln gesagt: “Wo immer ihr in ein Haus kommt, da sagt zuerst: Friede sei diesem Haus, und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wo nicht, so wird er auf euch zurückkehren” (Lk 10, 5). — Das will heißen: Frieden und Segen den Häusern und den darin Wohnenden, aber letztere müssen empfänglich dafür sein. Die Menschen müssen den Segen gläubig erbitten. Es hängt soviel vom Glauben und Vertrauen, von der Aufnahmebereitschaft ab.
DIE PRIESTERLICHE HANDAUFLEGUNG WIRKT WUNDER. Das Wort bei Mk 16, 18, “Kranken werden sie die Hände auflegen, und diese werden gesund werden”, ist schon tausendfach wahr geworden und wird es immer wieder. Eine Kreuzträgerin unserer Tage schreibt: “Wie oft durfte ich schon in schwerer Krankheit den priesterlichen Segen als heilend empfinden. Wie oft bin ich schon in schwerem Fieber gelegen. Ganz plötzlich weicht dieses; ich spüre Erleichterung, spüre die segnende Hand des Priesters auf meinem Kopf, und das Fieber ist weg” (Mutter M. Th. Meyer-Bernhold). Freilich soll im Sinn der Heiligen Schrift der Arzt nicht ausgeschaltet werden (vgl. Eccli 38, 1). Bischof Waitz schreibt in seiner “Botschaft von Konnersreuth”: “Nie noch in meinem Leben habe ich die Kraft des Priestersegens so sehr beobachtet wie bei Therese Neumann in ihrem schweren Leiden.”—
Was könnten der armen kranken Menschheit durch den häufigen Priestersegen Kräfte geschenkt werden! Spender und Empfänger aber müßten einen bergeversetzenden Glauben haben!
EINE LEIDGEPRÜFTE SEELE, SCHON JAHRZEHNTE KRANK: “Sehr oft schon wurde ich in meiner Krankheit von Priestern gesegnet; jedesmal spüre ich — ich kann es gar nicht so ausdrücken — wie mir eine Kraft zuteil wird, mein Leiden zu bejahen; mich aufs neue ganz dem heiligen Willen Gottes hinzugeben, auch und gerade, weil es so schwer ist. Das Bewußtsein, daß ich von einem Priester von der Ferne sehr viel gesegnet werde, gibt mir plötzlich in den schwersten Versuchungen und in den Stunden der tiefsten Niedergeschlagenheit Kraft und Mut zum Durchhalten. O, wie oft hat mir der Priestersegen schon Friede und Ruhe gebracht bei meinen inneren Kämpfen und Stürmen!”
JEDES KREUZZEICHEN IST WIE EINE KONSEKRATION FÜR MENSCHEN und Dinge. Der Priester segnet immer mit erhobener Hand in Kreuzesform. (Segnen kommt vom lateinischen signare = bezeichnen.)
Damit ist klar ausgedrückt, daß alle Segenswirkung vom Kreuzestod Christi ausgeht. Am Kreuze geschah die Erlösung. Im Kreuz geschieht sie immer neu beim heiligen Opfer. Von jedem Kreuzzeichen darf Erlösung ausstrahlen. Es ist das Zeichen seines Blutes, das Zeichen seines Sieges. Consecratio mundi, die Heiligung der Welt war das große Herzensanliegen des Heiligen Vaters Pius XII. Durch Christi Kreuz wurde und wird immer wieder Heiligung geschenkt.
Durch den priesterlichen Kreuzsegen erhalten nicht nur die Menschen, auch die Dinge, die Orte und die Arbeit Weihe und Segen. Wie wunderbar sind die Segensgebete der Kirche nicht nur über die Mütter, über die Kinder und Kranken, sondern auch über das Wasser, das geweiht wird, über die Häuser und Ställe, über die Arbeitsstätten, Arbeitsgeräte und Arbeitserzeugnisse, über die Beförderungsmittel aller Art, Traktoren, Autos und Flugzeuge. Mit dem Tagewerk des Menschen sollen alle seine Hilfsmittel unter dem Kreuzessegen stehen, sollen konsekriert, d. h. dem Dienste Gottes geweiht werden. Jedes Kreuzzeichen wirkt heiligend, erst recht, wenn es von geweihter Priesterhand im Auftrag der Kirche gegeben wird.
Es ist etwas Wunderbares um einen Priester, der oft und oft seine gesalbten Hände zum Segen erhebt — bei Tag und bei Nacht. Aus diesem Segen strömt so viel bannende Kraft gegen den Bösen, so viel heilende Kraft für den Körper, so viel heiligende für die Seelen! Priesterhände sollten nimmer müde werden im Segnen. Immer dürfen sie im Namen der Kirche segnen. Immer ist es der Heiland selber, der in ihnen segnet, segnet mit seiner durchbohrten Hand, darin die Blutbahn seiner Liebe fließt. — Der Verfasser dieses Büchleins segnet mehrmals am Tag die Leser seiner Schriften.

AUCH DIE GOTTESMUTTER SCHÄTZTE DEN PRIESTERSEGEN. In der “Geheimnisreichen Stadt Gottes” berichtet Maria von Agreda: “Alle Tage erbat sich Maria von den Aposteln den Segen. Anfangs suchten alle auszuweichen, um diese Handlung nicht Maria gegenüber ausüben zu müssen, die sie als ihre Königin und Mutter ihres Meisters verehrten. Die weiseste Jungfrau aber machte es allen zur Pflicht, als Priester und Diener des Allerhöchsten ihr den Segen zu erteilen. Sie erklärte ihnen ihre hohe Würde sowie die Pflichten, die ihnen diese auferlegte. Da es sich nun in diesem Wettstreit darum handelte, wer sich am meisten zu verdemütigen wisse, so war es im voraus gewiß, daß Maria Siegerin bliebe, die Jünger hingegen besiegt und durch das Beispiel Mariä unterrichtet werden müßten.”

Alle Christenhände sind Segenshände

Des Priesters Segensgewalt ist eine amtliche, im Namen und Auftrag der Kirche, die Laien aber dürfen segnen kraft ihres Glaubens an das Kreuz und den Namen Jesu Christi, dürfen segnen als lebendige Glieder des geheimnisvollen Leibes Christi (Taufe), als Tempel des Heiligen Geistes (Firmung).
Mit dem Kreuzzeichen segnen sich alle Christen selbst. So oft sie das Kreuz über sich machen, segnen sie ihr Denken, ihr Reden und ihr Wollen.
MIT DEM KREUZZEICHEN DÜRFEN CHRISTEN AUCH ANDERE SEGNEN. Der heilige Franz von Assisi gab seinen berühmten, eigenhändig geschriebenen Laiensegen als Testament für alle kommenden Jahrhunderte.
So lautet er:
Der Herr segne dich und bewahre dich. Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner. Er wende sein Angesicht zu dir und gebe dir den Frieden. Der Herr gebe dir seinen heiligen Segen. Amen.
ELTERN SIND DIE ERSTBERUFENEN ZUM SEGNEN. Das sagt die Heilige Schrift: Des Vaters Segen stützt der Kinder Häuser (Eccli. 3, 11).
Von Eltern gesegnet, heißt von Gott gesegnet. Die Segenskraft der Eltern liegt zunächst im Geheimnis ihrer schöpferischen Sendung. Sie haben Anteil an der Schöpfermacht Gottes erhalten; sie haben die schwere Verantwortung, nicht nur für das leibliche Wachstum ihrer Kinder zu sorgen, sondern auch für geistiges und seelisches.
Der Elternsegen wurzelt ferner in dem Geheimnis der priesterlichen Sendung. Durch das “große Sakrament der Ehe” (Eph 5, 32) werden Mann und Frau, Vater und Mutter geweiht (Sakrament der Elternweihe). Sie erhalten, wie Augustinus sagt, dadurch eine priesterliche Kraft, die ihnen nicht mehr genommen werden wird. Die Macht und die Kraft zu segnen liegt endlich auch in der amtlichen Würde der Eltern als Stellvertreter Gottes. Gott selber steht hinter ihnen, er bestätigt und erfüllt ihre Segenswünsche. Der Elternsegen ist gleichsam “das Sakramentale des häuslichen Herdes”. Weil am Elternsegen so viel gelegen ist, darum sollen Vater und Mutter vom ersten Tag an ihr Kind segnen, schon wenn die Mutter das neue Leben unter dem Herzen spürt und es dem Lichte entgegentragen darf. Gläubig und vertrauensvoll sollen sie mit Weihwasser das Segenskreuz über ihre Kinder machen und dabei sprechen: “Durch die Fürsprache Mariens segne dich Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.” Es soll in unseren katholischen Familien die Regel gelten:
Kein Tag ohne Elternsegen!
“Wenn das Kind den Elternsegen von klein an gewöhnt ist, wird sich selbst der 14-jährige nicht genieren, wenn Vater und Mutter ihn vor dem Schlafengehen segnen”, so sagt eine erfahrene Mutter. Gebt darum, liebe Eltern, täglich den Morgen? und Abendsegen für eure Kinder; gebt den Elternsegen besonders am Tag der ersten heiligen Kommunion. Gebt ihn, wenn ein Kind in die Fremde geht, und vergeßt nie, eure Kinder in der Fremde zu segnen. “Elternsegen geht über Berg und Tal und findet die Kinder überall.” Gebt auch den elterlichen Segen mit Weihwasser und Kreuzzeichen am Morgen des Hochzeitstages und ganz besonders in der Stunde eures Sterbens. Dieser letzte Segen faßt alle Segnungen des ganzen Lebens noch einmal zusammen und begleitet eure Kinder hilfreich auf allen Wegen. Darum sagt der heilige Cyprian: “Legt die Krone nicht ab! Legt die Stola nicht weg, ihr Könige und Hohenpriester der Familie!”
Das Recht zu segnen, besitzen auch die Großeltern und Urgroßeltern für ihre Kindeskinder, auch Erzieher und Erzieherinnen und nicht zuletzt alle Brautleute und Gatten. Gerade letztere sollen sich immer wieder mit einem Kreuzlein gegenseitig auf die Stirn segnen. Sie geben sich viel Kraft dabei, bändigen ungestüme Leidenschaft, lösen gewittrige Spannungen und heiligen Leib und Seele.
ERGREIFEND SCHREIBT EINE HOCHBETAGTE, EDLE MUTTER: “Hochwürden, immer suchte und begehrte ich von Herzen den Priestersegen, aber auch ich segnete Tag und Nacht, beim Arbeiten und Rasten, beim Sorgen und Freuen, beim Lachen und beim Weinen; immer im Namen Jesu! Gar oft bewegte sich ganz unbemerkt und ganz heimlich, verbunden mit “Seiner” Hand in den verschlungensten Lebenslagen meine Rechte, und immer ist ein Segenskreuzlein meine Waffe und Hilfe gewesen. Vor vielen Jahren wurde ich plötzlich Witwe; ich verlor den besten Mann, mit dem ich in unaussprechlich glücklicher Ehe lebte. Ich hatte ein vierjähriges Büblein, einen Hof mit 150 Hektar und 20 Arbeitern und meine schwachen Hände, dazu, Gott sei Dank, ein unbändiges Gottvertrauen. Damals rief ich in der ersten Not: ‘Lieber Herrgott, geh Du jetzt mit mir, gib mir Deine Hand und gehen wir zu zweit! Niemand kann und soll es wissen, wie wir jetzt zusammengehen und wie wir uns bei den Händen halten. Ich suche nichts mehr als Deine Hand und Deinen Willen, ich suche nichts mehr als meine Pflichten allein, allen gegenüber.’ Betend und segnend fing ich an zu wirtschaften, ging Kreuzlein machend durch Haus und Hof, durch Felder, Wiesen und Wald. Ich segnete Dürre, Nässe, Hagel (oft 90 Prozent) und Mißwuchs. Ich segnete Arbeiter und Wohnstätten; segnete die Stallungen in Glück und Unglück, segnete alle die Meinen; segnete die Büblein Tag und Nacht; segnete sie später beim Weggehen zum Studium und wenn sie heimkamen. Ja, als kleinen Kindern zeichnete ich ihnen mitten in der Nacht ein Kreuzlein auf die Stirne, und manchmal dachte ich es mir, es wäre kein Wunder, wenn jeder, nun volljährig geworden, ein Kreuzlein auf der Stirne trüge. So oft zeichnete ich es ihnen auf die Stirne und gar, als sie an die Front mußten. Was hab ich von da an gesegnet! Jeden Abend ging ich in ihr Zimmer und segnete es; sie selber aber in der Ferne. Und gab ich ihnen die Hände zum Gruß oder Abschied, dann außer einem Segenskreuzlein auf die Stirne auch eines unbemerkt in die hohle Hand. Und abends ging ich zu einem kleinen Muttergottesstöckl, betend und segnend in die Richtung, wo ich sie wußte. (Sie waren lange im Feindesland.)
Bomben und Krieg, Not und Plünderung gingen wie durch ein Wunder am alten väterlichen Hof vorbei. Alles konnte ich überwinden, überbrücken und rechtlich bezahlen; ich konnte neue und schöne Arbeiterwohnstätten errichten; dem lieben Gott manche Freude bereiten durch mannigfache Kirchenspenden; konnte den Söhnen jedwede Bildung zuwenden und brave, Jahrzehnte hier arbeitende Taglöhnerfamilien in reichlicher Zahl beschäftigen. Alles, alles schreibe ich ganz allein Gottes Segen zu. Alles der heimlichen Hand, die mich bei Tag und Nacht führte, und die mit mir segnete. Es war trotz der vielen Dornen ein gesegneter, schöner Lebensweg mit Jesus zu zweit.”
Und zum Schluß stehen die wunderbaren Sätze: “Weil wir als Katholiken aber weltweit denken und lieben sollen, so machte ich ein Segenskreuzlein immer auch in die Ferne hin zum Heiligen Vater, zu unseren Bischöfen und Priestern, zu unseren Theologen und auch zur Diaspora. Dies ist das stille Geheimnis, das ich am Abend meines Lebens einem Priester lüften wollte.”
Inzwischen hat sich Gottes liebende Hand wieder schwer auf diese edle Mutter gelegt und ihr ein ganz hartes Krankheitskreuz aufgeladen. Trotzdem segnet sie weiter. Ja, ihr Segen wird geradezu jetzt verzehnfacht, ja verhundertfacht werden.
Kreuzzeichen bedeutet heimholen zu Christus
Durch seinen Liebestod am Kreuze hat Christus den Fluch der Sünde von der Welt genommen. Weil aber Menschen und Dinge immer wieder dem Fluch durch Schuld und Sünde verfallen, muß die Kirche in seinem Namen immer wieder Erlösung bewirken helfen. Das geschieht vornehmlich durch das heilige Meßopfer und die Sakramente, aber auch durch die Sakramentalien: Priestersegen, Weihwasser, geweihtes Licht, geweihtes Öl usw. Jedes gläubig gemachte Kreuzzeichen ist schon ein Segenszeichen. Vom Kreuze ergießt sich ein Segensstrom durch die Welt, hinein in jede Seele, die an Gott und die Kraft des Kreuzes glaubt. Jeder gottverbundene Mensch darf mit dem heiligen Kreuzzeichen jedesmal Erlösung vollziehen. Der Segen des Kreuzes ist ja der Segen des Blutes Christi. Das Kreuz ist das Zeichen, das immerzu Liebe ausstrahlt. Es darf heimholen zu Christus. Ja, das Kreuzzeichen schon bedeutet ein Heimholen zu Christus und durch ihn zum Vater. Wer den Glauben eines Kindes hat, wird das begreifen.
Darum haben die Christen schon von Anfang an sich und die anderen mit dem heiligen Kreuzzeichen gesegnet. Schon Tertullian berichtet davon. So müßten darum auch wir alle das Kreuzzeichen viel häufiger machen; über uns und über andere, und mit größerer Ehrfurcht, mit tieferem Glauben. Es ist das Zeichen höchster Liebe, es ist das Zeichen immerwährenden Sieges. “In diesem Zeichen wirst du siegen.”
DER SEGEN GEHÖRT ABSOLUT ZUM CHRISTEN. So hat der Heiland gesagt: “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen bittet, so wird er es euch geben” (Joh 16, 23). Wo immer also der Name des Herrn steht, da ist der Segen, wo immer das Zeichen seines heiligen Kreuzes damit verbunden wird, ist Hilfe. “Du klagst über die Schlechtigkeit der Welt oder über die Rücksichtslosigkeit und den Unverstand deiner Umgebung. Deine Geduld und Nerven werden manchmal auf eine harte Probe gestellt und gehen dir oft durch, trotz der besten Vorsätze; versuch einmal das Mittel und Rezept des täglichen Segens” (P. Kieffer OCap.). Nimm also jeden Morgen Weihwasser, mach ein Segenskreuzlein und sprich: “Im Namen Jesu segne ich meine ganze Familie, segne alle, die mir heute begegnen; segne alle, die sich meinem Gebet empfohlen haben; segne unser Haus und alle, die da gehen ein und aus.” — Es gibt eine größere Anzahl Männer und Frauen, die das täglich tun. Der Erfolg bleibt nicht aus, auch wenn die Wirkung nicht immer gleich greifbar ist. Hauptsache: Das Kreuzzeichen sehr langsam machen und die Gebetsworte mit Seele sprechen.
O WIE VIEL HABE ICH GESEGNET! So berichtete die Oberstleutnantsgattin Maria Theresia Meyer-Bernhold. “Ich stand als erste am frühen Morgen auf, segnete den noch ruhenden Mann, betete oft über ihn geneigt und gab ihm Weihwasser; dann trat ich in das Kinderzimmer, weckte die Kleinen, faltete ihre Händchen und ließ sie das Morgengebet laut verrichten, dann machte ich auf ihre Stirne das heilige Kreuzzeichen, segnete sie und sprach kurz irgend etwas über den heiligen Schutzengel.
Wenn sie alle vom Hause weggegangen waren, Vater und Kinder, dann fing ich das Segnen nochmals an. Meistens ging ich durch alle Zimmer und bat um Schutz und Segen. Dabei erwähnte ich stets: “Alle, die Du mir anvertraut hast, mein Gott, halte sie in Deinen Vaterhänden, alles Gut, alle Habe, die ich verwalte; denn alles ist Dein Eigentum. Du hast es gegeben. Bewahre es vor Schaden; möge es uns dienen, doch nie zur Sünde gereichen.”
Wenn bei mir GÄSTE geladen waren, so betete ich vielfach für sie, bevor diese mein Heim betraten und schickte ihnen den Segen. Sehr häufig wurde mir gesagt, daß man bei mir so etwas Besonderes, einen großen Frieden empfände. Es läge eine unbegreifliche Ruhe in meinen Räumen. Oft geschah es, daß mir Damen sagten: ‘Maria, ich habe mich bei Ihnen innerlich wieder erholen dürfen. Ich danke Ihnen dafür aufrichtig. Wie schön, daß Sie glauben können. Wir bringen es nicht fertig. Wir sind arm; Sie sind glücklicher als wir. Wir fühlen das, wenn wir bei Ihnen sind. Beten Sie für uns! Segnen Sie uns!’ — Das hörte ich von Andersgläubigen und Ungläubigen. Sie alle fühlten es und brachten es zum Ausdruck. Segen und Gebet, das ist der große Ozean mit dem heilbringenden Wasser, wodurch die Seelen Ruhe finden.
Welch einen Eindruck machte es auf meine Seele, wenn diese Armen vor mir standen, für Augenblicke vergessend, was sie sind, wo ihnen der Reichtum nichts mehr bedeutete, ihr Reichtum — , ihre Augen mit dem bittenden Ausdruck auf mich gerichtet, die ärmer war als sie, weit ärmer.
O, ich liebte diese Seelen, welche so wenig oder gar  nichts um die Gottesnähe wußten! Ich hätte sie in meiner Liebe umarmen können, und ich versprach, für sie zu beten. Ich tat aber mehr als das. Ich litt für sie und schenkte ihnen durch den Segen Liebe aus meinem Herzen, das ja ganz Gott angehörte. — Auf der Straße bei meinen Besorgungen oder sonstigen Gängen segnete ich gar viele Menschen, welche an mir vorübergingen; mit Vorliebe aber die gesegneten Frauen und die Arbeiter.”
“Befand ich mich außerhalb der Stadt, dann gehörte meine Liebe der Natur, der reifenden Saat, den Blumen. O, wie viel habe ich da gesegnet — auch Kirchen segnete ich gern. Wie oft sprach ich dabei: ‘Vater, segne Dein Haus! Schütze es! Lasse es hineinstrahlen in die erkalteten Herzen der Großstadt! Rufe die Menschen zu Dir!’ —
Des Nachts stehe ich gern segnend am Fenster. Ich segne die Sorgen der Welt, die Schmerzen der Menschen; ich segne nach Rom, von wo aus viel Segen gegeben wird, ich segne Sie mit Ihrer Pfarrgemeinde, die Seminare; ich segne Seelen, die mir anempfohlen sind, ich segne die Gefängnisse, die Sterbenden, alle, die im Augenblick in Gefahr sind. Ich blickte auf zum Firmament und segne liebend die Sternenstraße am Himmelszelt. Und so segne ich oft und lange in die Stille der Nacht hinaus, segne vieles, was unerwähnt bleibt.
Es ist wohl nicht viel, was ich Ihnen sagen konnte; aber ich habe es erleben dürfen an mir und an anderen, daß Segnungen eine lebendige, große Kraft sind und daß immer wieder gilt: ‘Am Segen ist alles gelegen...’
Gebe Gott, daß in meiner Sterbestunde eine Priesterhand mich segnen darf, weil ich den Segen so sehr liebte und im Leben übte.”
Der Herr hat diese Bitte erfüllt. Der Heilige Vater selbst schickte ihr am 25. März 1952 seinen persönlichen Segen; am selben Tage besuchte sie der hochwürdigste Herr Weihbischof von R., zwei Marktredwitzer Primizianten breiteten ein paarmal in diesen letzten Lebenstagen die Segenshände über sie aus und auch in der letzten Stunde am 29. März stand ein Priester segnend an ihrem Sterbelager. (Siehe: “Briefe der Gottesliebe”, Credo-Verlag, von A. M. Weigl herausgegeben.)
DIE KRAFT IHRES SEGENS WAR SPÜRBAR: Von der am 3. November 1958 in Altötting heiligmäßig verstorbenen wahrhaft edlen Freiin von Gebsattel, die als 60-jährige in die Gemeinschaft der Schwestern vom heiligen Ludwig Maria Grignion eintrat und diese die letzten fünf Jahre ihres Lebens leitete, schreibt eine Schwester ergriffen: “Es ist mir noch wie heute und bleibt mir unvergeßlich, wie ich das erste Segenskreuzlein von Mutter Ancilla bekam, das mir durch und durch ging. Die paar Worte von der Ergebung und Hingabe, die sie mir dazu sagte, gaben mir sehr viel Mut und Kraft und begleiteten mich durch meine Krankheit. Es war gerade zu Beginn derselben, und ich ahnte noch nicht, daß ich über zwei Jahre in der Lungenheilstätte zubringen würde.”
Eine andere Schwester schreibt: “Ein besonderer Zug in ihrem Leben war ihre segnende Hand. Ihr Segnen geschah mit einer Ehrerbietung, wie das nur bei heiligen Seelen sein kann. Selbst als sie kaum mehr sprechen konnte, und ihr jeder Besuch zu viel war, durften wir doch noch täglich zu ihr kommen, um das Segenskreuz zu empfangen.”
Wenn ich es nur zu erkennen gab, wie wirksam ihr Segenskreuzlein gewesen, so lenkte sie sogleich ab und sagte: “Das war nicht ich; das hat die Mutter Gottes getan” (vgl. Weigl: “Eine große Liebende” Grignion-Verlag, Altötting).

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