|
Fatima
als Botschaft des Friedens
|
Die
Botschaft von Fatima
gedeutet
von Bischof Dr. Rudolf Graber (+)
Fatima
als Botschaft des Friedens
Maria
- Königin des Friedens
Die Gottesmutter ist
zu Fatima erschienen, um der Menschheit den Frieden zu schenken. Und hier
stehen wir wieder vor einer Reihe von seltsamen Entsprechungen auf der
politischen Weltbühne, die den Wundercharakter Fatimas noch mehr unterstreichen.
Bedenken wir doch Folgendes: Während die Mutter Gottes vom nahen Kriegsende
spricht und zugleich die Bedingungen angibt, unter denen ein dauernder
Friede möglich ist, überschneiden sich die verschiedensten Friedensaktionen
der Kabinette. Am 29. Januar 1917 hatte Kaiser Karl von Österreich
einen Friedensfühler ausgestreckt über die Person des Prinzen
Sixtus von Bourbon-Parma; die Verhandlungen, die sich dann zerschlugen,
zogen sich bis in den Sommer dieses Jahres hin. Bedeutsam aber war eine
Note der päpstlichen Kurie vom 13. (!) Juni, in der die Kurie an die
Reichsregierung das Ersuchen stellte, die deutschen Friedenswünsche
mitzuteilen.
Aufgrund der dadurch
ausgelösten Verhandlungen erließ dann Benedikt XV. seine Friedensnote
vom 1. August, in der er alle Völker und Regierungen zur Herbeiführung
eines gerechten und dauerhaften Friedens aufforderte. Über das geschäftige
Hin und Her, das daraufhin in allen Hauptstädten einsetzte, und über
das unehrliche Spiel, das da gespielt wurde, kann man sich in den einschlägigen
historischen Werken orientieren. Als England, das bis zuletzt auf eine
günstige Antwort der deutschen Reichsregierung betreffs seiner Kriegsziele
gewartet hatte, seine Akten über dieser tragischen Episode schloß,
geschah dies am 13. Oktober (!) 1917. Es war dies der Tag der letzten Erscheinung
Mariens in Fatima. Wieder einmal hatte sich das Wort bewahrheitet: „Wenn
du doch gerade an diesem deinem Tag erkannt hättest, was dir zum Frieden
dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen" (Lk 19,42). Am 5. Mai
1917 hatte der Stellvertreter Christi auf jene hingewiesen, von deren Vermittlung
er den Frieden erwartete: auf die Gottesmutter, und hatte verfügt,
daß von nun an die Anrufung „Königin
des Friedens - bitte für uns"
für immer in der Lauretanischen Litanei eingefügt bleibe.
In der dritten Erscheinung
am 13. Juli 1917 sagte die Gottesmutter: „Wenn man meine Forderungen beachtet,
wird Rußland sich bekehren, und man wird Frieden haben." Ist das
nicht eine Voraussage, die uns mit Begeisterung erfüllen müßte,
die eigentlich von allen Parlamenten und Regierungen aufgegriffen werden
müßte? Friede!
Ja, Friede - wie notwendig
wäre er! Und die Gottesmutter hat ihn uns angeboten, allerdings unter
den drei Bedingungen:
1. Gebet und Buße;
2. Weihe an ihr makelloses
Herz und
3. die Sühnekommunion
am ersten Samstag des Monats.
Zu jeder dieser Bedingungen
wäre viel zu sagen. Ich beschränke mich heute hier auf Gebet
und Buße: Wie stellt sich nun die Welt zu diesem Friedensangebot
des Himmels? Nicht anders als damals zu dem Friedensangebot des Papstes
und der Friedensmission des Nuntius Pacelli 1917. Damals hat man die üblichen
schönen Worte gemacht, wie sie in der Diplomatensprache gang und gäbe
sind, wenn man etwas ablehnen will: Selbstverständlich sei man für
die Friedensvermittlung sehr dankbar,
man werde alles sorgsam
prüfen und die Möglichkeiten ins Auge fassen, aber..., und der
Krieg ging weiter bis zum bitteren Ende.
Genauso erging es
auch dem Friedensangebot des Himmels, sogar noch viel schlechter: Man hat
überhaupt keine Notiz von ihm genommen. In Fatima verlangte Maria:
Sie sollen den Herrn nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt
wird, also nicht mehr sündigen. Wer hat dieses Wort ernst genommen?
Und heute verlacht man jeden, der überhaupt von Sünde redet.
Es kam, wie es kommen
müßte: der Zweite Weltkrieg, schrecklicher noch als der Erste.
Jetzt stehen wir also vor der furchtbaren Voraussage: „Wenn man aber das
nicht tut, dann wird Rußland seine Irrtümer über die Welt
verbreiten und Kriege entfesseln; viele der Guten werden gemartert, der
Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet..."
Das also sind demgemäß unsere Zukunftsperspektiven!
Wie sagte doch der
ermordete Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, John F. Kennedy,
am 23. September 1961 vor der UNO? „Heute muß jeder Bewohner unseres
Planeten auf den Tag gefaßt sein, da dieser nicht mehr bewohnbar
ist. Jeder Mensch, jede Frau, jedes Kind lebt unter einem nuklearen Damoklesschwert,
das am dünnsten aller Fäden hängt, der jeden Augenblick
durch einen Zufall, eine Fehlkalkulation oder Wahnsinnstat zerschnitten
werden kann." Und Präsident Johnson erklärte im Januar 1965,
daß die aufgehäuften nuklearen Waffen in Ost und West ausreichen,
um die gesamte Menschheit nicht bloß einmal, sondern fünfzigmal
zu vernichten. Wer an Fatima nicht glaubt, der möge doch diesen beiden
Staatsmännern glauben.
Maria
- Mutter der Kirche
So grüßen
wir nun zum Schluß Maria als das große Zeichen am Himmel, das
dem Kommen ihres Sohnes vorausgeht, weil die Mutter immer dem Sohn vorausgeht.
Wir grüßen sie als die, die in Fatima der Welt den Frieden bringen
wollte, wenn man die Forderungen ihres mütterlichen Herzens erfüllt.
Wir grüßen sie als die Rosenkranzkönigin und versprechen
ihr, dieses ihr Gebet treu zu verrichten, und erinnern uns an das Wort
des Dichters: „Was wäre die Welt, wenn sie eins wäre im Gebet!"
Wir grüßen
sie als die Siegerin in allen Schlachten Gottes und als die Mutter der
Kirche, die den Karfreitag der Kirche beenden und der Kirche ein neues
Ostern schenken wird. Wir grüßen sie als die Königin des
Friedens, die auf unser Gebet hin der Welt den ersehnten Frieden bringen
wird, wenn ihr makelloses Herz triumphiert. Dann werden wir das ewige Magnifikat
anstimmen, das Magnifikat des Ruhmes, der Liebe und des Dankes an das Herz
Jesu, in dem allein wir den Weg, die Wahrheit und den Frieden finden.
(aus: Fatima.
Bischof Graber deutet die Botschaft, hrsg. vom Institutum Marianum Regensburg
e. V, Würzburg 1987)
(Quelle: "Bote
von Fatima", 8/9-2011, S. 96, Regensburg)
Impressum
zurück
zur Hauptseite