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Ehemalige lutherische Pastorin wird zur Künderin männlichen kath. Priestertums

 Die ehemalige evangelische Pastorin Jennifer Ferrara hätte früher nie gedacht, einmal zu einer Art Verkünderin für das ausschließlich männliche katholische Priestertum zu werden. Genau das ist es jedoch, was aus der früheren lutherischen Pfarrerin, die zum Katholizismus konvertiert ist, geworden ist. Ferrara, die 1998 katholisch wurde, hat jüngst die Geschichte ihrer Konversion in „The Catholic Mystique: Fourteen Women Find Fulfillment in the Catholic Church“ (Our Sunday Visitor) („Die katholische Mystik: 14 Frauen finden in der Katholischen Kirche Erfüllung“) erzählt, das sie zusammen mit Patricia Sodano Ireland, einer anderen früheren lutherischen Pastorin, herausgegeben hat. Ferrara erzählte, wie im lutherischen Seminar ihre Suche nach einer theologischen Rechtfertigung für die Weihe von Frauen schließlich ihre Meinung zum Priesteramt änderte und ihr Herz sich für die Katholische Kirche öffnete.

Frage: Wie sind Sie als frühere lutherische Pastorin zur Einsicht gekommen, daß Frauen nicht zur Priesterin geweiht werden sollen und können?

Ferrara: Als ich ins Seminar eintrat, war ich eine gewöhnliche Feministin, die daran glaubte, daß Männer und Frauen im Wesentlichen gleich sind. Ich hielt es für sehr einleuchtend, daß Frauen geweiht werden sollten. Ich habe mich mit dem Thema wirklich wenig auseinandergesetzt, und wenn, dann unter dem Gesichtspunkt, daß es eine Frage der Gleichberechtigung sei. Ich war auch nicht gerade orthodox in meinen Überzeugungen. Ich hatte auf der Universität Religion studiert. Dabei habe ich zwar nicht meinen Glauben verloren, aber ein Mischmasch von häretischen Ideen angenommen. Während ich im Seminar war, wurde ich nach und nach theologisch orthodox, was – in Anbetracht der Umgebung von traditionellen protestantischen Seminaren – ein kleines Wunder war. Langsam begann es mir zu dämmern, daß die Weihe von Frauen eine neue Entwicklung war, die eine theologische Rechtfertigung brauchte. Ich gelangte nicht zu einer ausgereiften Verteidigung, bis ich Jahre später Pastorin in einer Pfarrei war. Zu dieser Zeit sah ich mich selbst als eine „evangelische Katholikin“. "Evangelische" Katholiken sehen das Luthertum als eine Reformbewegung innerhalb und für die eine Kirche Christi. Daher haben Lutheraner die Verantwortung, auf eine Aussöhnung mit Rom hinzuarbeiten.
Die Tatsache, daß ich eine lutherische Pastorin war, brachte mich theologisch betrachtet in eine unangenehme Situation. Ich war ein Hindernis für die Aussöhnung, nach der ich trachtete. Das brachte mich dazu, einen strengen Blick auf das Thema der Weihe von Frauen zu werfen.

Frage: Was hielt Luther selbst von der Idee von Priesterinnen?

Ferrara: Obwohl Martin Luther nicht an die Weihe von Frauen glaubte, fand ich Unterstützung für diesen Gedanken in seinen Schriften. In seinen „Vorlesungen über die Genesis“ argumentiert er, Gott habe nicht beabsichtigt, daß Männer und Frauen verschiedene Rollen haben. Die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern ist ein Ergebnis des Sündenfalls unserer Stammeltern. Als eine Art Strafe sind die Frauen den Männern unterworfen, und daher wurde ihnen die Möglichkeit genommen, Aufgaben außerhalb des Haushalts, darunter die in der Kirche, auszuüben.

Luther glaubte, daß die männliche Vorherrschaft eine Frage des Naturgesetzes sei. Als lutherische Pastorin war ich damit nicht einverstanden. Die Akzeptanz der Gleichheit zwischen den Geschlechtern durch die gesamte westliche Welt hindurch bewies das Gegenteil. Laut Luther sollte die gesellschaftliche Ordnung innerhalb der Kirche erhalten bleiben, damit wir dem Evangelium keine Schande bereiten. Ich dachte, daß die Beschränkung der Weihe auf Männer zu einer Schande in der modernen Zeit geworden war. Die Weihe von Frauen schien der beste Weg zu sein, dem Herrn hier und heute zu dienen.

Als ich darüber nachzudenken begann, römisch-katholisch zu werden, stimmte ich mit der Lehre der Kirche zur Weihe von Frauen nicht überein. Ich habe auch tatsächlich darüber nachgedacht, einen Artikel zu verfassen, der umreißen sollte, welche theologischen Mängel ich an der katholischen Position feststellen konnte, was mir im Rückblick eine reine Hybris erscheint. Um mich darauf vorzubereiten, las ich die „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. Dort erkannte ich eine Sicht der Schöpfung, die alle meine feministischen Vorstellungen über Männer und Frauen stark in Frage stellte.

Frage: Wie kam das?

Ferrara: Laut Johannes Paul II. sind Männer und Frauen im Wesentlichen nicht gleich geschaffen. Das Maskuline und das Feminine sind nicht nur Attribute, sondern vielmehr ist die Funktion des Geschlechts ein grundlegender Teil einer Person. Mann und Frau drücken beide den Menschen aus, aber sie tun das auf unterschiedliche und komplementäre Art und Weise. Ob Sie es glauben oder nicht, das war eine völlig neue Idee für mich. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau liegen in der Art und Weise, wie sie Liebe für einander ausdrücken. Männer haben die aktivere Rolle in einer Beziehung: Der Ehemann ist jener, der liebt, während die Frau jene ist, die geliebt wird und im Gegenzug Liebe schenkt. Wahre Autorität wird ausgeübt durch den Dienst. Wie Johannes Paul II. sagt: „Regieren heißt dienen.“

Wie auch immer, Männer und Frauen dienen in besonderer maskuliner und femininer Art und Weise. Im Herzen dieser Vielfalt der Rollen liegt der Unterschied zwischen Mutterschaft und Vaterschaft. Unabhängig davon, was Männer und Frauen tun, bringen sie väterliche und mütterliche Charaktereigenschaften in ihre Berufung mit ein. Das gilt genau so für jene, die das Ordensleben gewählt haben, wie für jene, die biologische Eltern werden.
Das bedeutet, daß der römisch-katholische Priester nicht einfach nur eine Vaterfigur ist: Er ist ein spiritueller Vater. Nur um zu erklären, was in einer Gesellschaft nicht mehr klar ist, die vom Prinzip der Androgynität regiert wird: Mutter und Vater sind nicht austauschbar. Frauen sind keine Männer, daher können sie genauso wenig Priester sein, wie sie im physischen Sinne Väter sein können. Wenn Frauen in die Rolle der Priester schlüpfen können, dann ist das Priestertum nicht mehr eines der Vaterschaft. Um das zu verstehen, mußte ich meine funktionelle Sicht des priesterlichen Dienstes aufgeben. In den meisten protestantischen Konfessionen spielt der Pastor eine Rolle innerhalb des allgemeinen Priestertums. Er oder sie predigt das Wort Gottes und spendet die Sakramente.
In der Katholischen Kirche handelt der Priester „in persona Christi“. Christus ist der Bräutigam, die Kirche ist seine Braut. Das Hochzeitsgeheimnis ist durch das Alte und Neue Testament verkündet.

Nach dem katholischen Verständnis des Priesteramtes vertritt der Priester Christus selbst, den Schöpfer des Neuen Bundes, den Bräutigam und das Haupt der Kirche. Das ist besonders wahrhaftig im Fall der Eucharistie, wenn Christus seinen Dienst der Erlösung ausübt.
Man muß schon zutiefst die Bedeutung des bräutlichen Mysteriums für die Ökonomie des Heils mißachten, um ein Argument für die Weihe von Frauen zu finden. Wenn die Kirche Frauen weihen würde, ginge das gesamte Verständnis der Bedeutung des Femininen und Maskulinen im Wirken unserer Erlösung verloren. Hier steht viel auf dem Spiel. Als ich das wirklich erkannte, war es für mich relativ leicht, meine Weihe aufzugeben und die Position der Katholischen Kirche anzunehmen.


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