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Eucharistie
als Lebensgrundlage
Anna
Schäffer, die selig gesprochene
Frau, die zwischen 1901, als sie in kochende Lauge gefallen war, und 1925,
ihrem Todesjahr, die schmerzvollsten Operationen und Leiden auszuhalten
hatte, drückt ihren Glauben und ihre Liebe zum eucharistischen Heiland
mit den Worten aus: „Wenn mir jemand die Wahl
ließe, entweder ganz gesund zu sein und alle nur erdenklichen irdischen
Freuden zu genießen und keine heilige Kommunion empfangen zu dürfen
oder Tag und Nacht die bittersten Schmerzen ohne jeden Schlaf zu erdulden,
aber alle Tage die heilige Kommunion empfangen zu dürfen, so würde
ich mit größter Liebe das Letztere wählen, denn kein irdisches
Leiden vermag aufzuwiegen, was ich im Herzen leiden müßte, wenn
mir die heilige Kommunion entzogen wäre ... Mein Gott, ohne heilige
Kommunion recht lange krank zu sein, das müßte das schwerste
Opfer sein, nicht so des Leidens wegen, sondern der Entbehrung der heiligen
Kommunion wegen."
Christus
in Brot und Wein gegenwärtig
Die
reale Gegenwart Jesu Christi übersteigt unser menschliches Begreifen.
Jesus identifiziert dieses „Brot des Lebens" mit seinem Fleisch und mit
seiner Person und verspricht denen „ewiges Leben", die ihn essen.
„Ich bin das Brot
des Lebens ... Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat ewiges
Leben ...bleibt in mir und ich in ihm ... Wer mich ißt, wird leben
durch mich ... in Ewigkeit" (Joh 6,35.54.56f).
Auch der Apostel Paulus
verlangt dieses Brot von gewöhnlichem Brot zu unterscheiden. Wer es
nicht tut, wird schuldig, ißt und trinkt sich das Gericht, das heißt
wird von Gott deswegen gerichtet (vgl. 1 Kor 11,29).
Auch wenn es unmöglich
ist, diese Gegenwart zu erklären, denn der Gläubige empfindet
nur gewöhnliches Brot (Thomas von Aquin in seinem Hymnus, Gotteslob
546: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir"), hat der Glaube
der Kirche immer an der realen Gegenwart festgehalten, nämlich daß
Gottheit und Menschheit Christi hier verborgen gegenwärtig sind.
(Thomas: „Einst am
Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz, hier ist auch verborgen deine
Menschheit ganz, beide sieht mein Glaube in dem Brote hier.")
Gefragt, was man hier
auf Erden anbeten dürfe, da man doch nur Gott anbeten darf, antwortete
der heilige Augustinus: "Auf Erden dürfe
man nur Jesus Christus anbeten, „weil er (= der Präexistente, das
heißt schon vor dem Erdendasein Lebende) Fleisch von der Erde und
Fleisch vom Fleisch Mariens angenommen hat;, und weil er hier im Fleisch
gewandelt ist und dieses Fleisch uns zum Heil, uns zum Essen gegeben hat.
Niemand aber ißt
dieses Fleisch, ohne es vorher anzubeten. Gefunden ist also, was angebetet
werden soll."'
Die Katholische Kirche
hat in ihrer Geschichte vom Anfang an bis heute an die reale Gegenwart
Christi geglaubt, doch gab es verschiedene Akzentsetzungen. Diese ergaben
sich bei der Frage, wie das Wesen des Brotes in den Leib Christi gewandelt
sein kann, wenn sich äußerlich, beim Zeichen - beim Sakrament
ist eben die äußere Zeichenhandlung sehr wichtig - nichts ändert.
So lief man die Gefahr der einseitig symbolischen oder der einseitig realistischen
Akzentuierung des Leibes Christi.
Obwohl Augustinus
schon das Thema der eucharistischen Anbetung angesprochen hat, wurde sie
erst im 12. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zwischen
den beiden extremen Sichten intensiver diskutiert. Eucharistische Prozessionen
kamen infolgedessen auf.
Wandlung
bewirkt Verwandlung
Wer die eucharistischen
Themen studiert, stößt immer wieder auf das Extrem, die Wandlung
im geistigen Verständnis von Brot und Wein zu sehen, das heißt
sie bedeute nur den Leib und das Blut Christi. Aber wenn eine Messingmünze,
schön poliert, ausschaut wie eine Goldmünze und den Besitzer
so viel bedeutet wie echtes Gold: Es ist Messing und nicht Gold. Zwischen
Bedeutung und realem Sein ist also ein gewaltiger Unterschied. Die Wandlung
bezieht sich nicht nur auf eine Änderung im Denken, im Kopf des Gläubigen,
sondern auf ein Anderswerden von Brot und Wein.
Nicht nur die Sicht,
sondern die Wirklichkeit wird zuerst verwandelt, geändert, wird anders,
nämlich zum Leib und Blut Christi.
Dauer
der Gegenwart Christi
Eine weitere Frage
betrifft die Dauer der Gegenwart Christi in der Eucharistie, das heißt,
ab wann und bis wann ist Christus in den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig?
Diese Frage wird oft sehr ungenau beantwortet.
Es wird zum Beispiel
gesagt, daß das Brot nicht durch eine korrekt ausgesprochene Formel
in den Leib Christi verwandelt wird, sondern durch das Gebet der Kirche,
also durch das gesamte Hochgebet mit der Bitte um Wandlung der Gaben und
mit dem Verlesen des Berichts vom Letzten Abendmahl.
Brot und Wein werden
in Leib und Blut Christi gewandelt, wenn ein Priester, der geweiht wurde,
um „in der Person Christi zu handeln", die Wandlungsworte spricht. Das
„mein Leib" und „mein
Blut" meint nicht das menschliche Ich des Priesters, sondern Christus,
in dessen Person der Priester handelt.
In der Liturgie macht
der Priester zum ersten Mal nach dem Sprechen der Wandlungsworte eine Kniebeuge
als Ausdruck der Verehrung für den jetzt gegenwärtigen Herrn.
Wie lange dauert die
Gegenwart Christi unter den Gestalten von Brot und Wein? Sie dauert so
lange, als die Gestalten von Brot und Wein da sind. Zum Beispiel sagt der
heilige Thomas von
Aquin, daß Christus nicht mehr gegenwärtig wäre, wenn die
konsekrierte Hostie - was höchst ehrfurchtslos und sakrilegisch wäre
- so klein gestoßen würde, daß nur mehr Mehlstaub übrig
bliebe. Im pulverisierten „Brot" ist deshalb die Gegenwart Christi geschwunden,
im Gegensatz zu den „sehr kleinen Partikeln, so klein sie auch sein mögen",
die noch Brotsgestalt haben und nach dem Konzil von Trient (DH 1653) den
„ganzen Christus" enthalten. 2
Nach Thomas endet
also die sakramentale Gegenwart, wenn die sakramentalen Gestalten
schwinden, zum Beispiel nach dem Genuß, beim totalen Verderb der
Brotsgestalt oder bei übermäßiger Verwässerung des
konsekrierten Weins. Solange die Natur des Brotes bzw. des Weines gewahrt
bleibt, ist Christus gegenwärtig.
Der
Herr tritt nicht nur über die Türschwelle
Ein Nichttheologe
wird vielleicht über solche Haarspaltereien den Kopf schütteln,
aber es handelt sich um die spirituelle Frage der Weise der Danksagung.
Ist Christus noch im Kommunikanten und wie lange? Essen ist ein Vorgang:
Das Brot hat nicht nur den Sinn, gegessen zu werden, sondern auch Nahrung
zu werden. Demnach wird die Gegenwart Christi in den eucharistischen Gestalten
irgendwann (das heißt zeitlich nicht punktuell bestimmbar) schwinden,
wenn
die Gestalten ihre
Eigenart verlieren, aber die Aufnahme, die Assimilation3 gehört zu
jedem Essen, und deshalb gehört auch die geistige Aufnahme der eucharistischen
Nahrung und ihre Verehrung
zum Vorgang des Empfangs des Leibes und Blutes Jesu Christi.
In der Liturgie beten
wir vor der heiligen Kommunion: „Herr, ich bin nicht würdig, daß
du eingehst unter mein Dach." Der Eintretende verflüchtigt sich nicht
schon beim Tritt über die Türschwelle.
Anton
Ziegenaus, em. Professor für Dogmatik
1
Ennerationes. in PS. 98,8
2
Partikelchen, die man mit freiem Auge noch wahrnehmen kann
3
Assimilation = Die aufgenommenen Zeichen (Brot und Wein) gehen in das körperliche
Wesen über; dies dauert aber eine Zeit
(Quelle: Prof.
Anton Ziegenaus in "Betendes Gottes Volk", Heft 2/2011 Nr. 246, S. 12f.,
RSK Wien)