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kniende Mundkommunion der Seherkinder |
(Teil 1)
Die hier wiedergegebene
Predigt in der Gnadenkapelle von Wigratzbad, 14. Mai 2010, wurde für
die Drucklegung mit einigen Fußnoten bereichert.
Die Engel sind Boten
Gottes, die in seinem Auftrag uns beistehen und uns auf dem Weg zum Himmel
begleiten. Wo Christus auftritt, dort sind auch seine Engel
gegenwärtig,
wie uns das Neue Testament sehr deutlich zeigt: Vor allem in der Kindheitsgeschichte
und beim Ostergeschehen, aber auch beim Leiden Jesu auf dem Ölberg
werden die himmlischen Wesen erwähnt. Nach den Worten Jesu haben alle
„Kleinen", das heißt alle hilfsbedürftigen Menschen (zu denen
wir uns alle rechnen dürfen), einen Engel, der allezeit das Angesicht
des himmlischen Vaters schaut (Mt 18,10). Mit anderen Worten: Der Engel
hat in der seligen Gottesschau eine unmittelbare Erkenntnis der himmlischen
Geheimnisse, ist aber auch denen nahe, die des Lichtes Gottes bedürfen.
Wie das Auftreten
Jesu auf Erden gleichsam eingerahmt wird von der Erscheinung der Engel,
so begleiten die himmlischen Geister auch die prophetischen Kundgebungen
der Gottesmutter. Das gilt in ganz besonderer Weise für Fatima.
Die Engelserscheinungen
im Jahre 1915
Schon bevor Maria
zum ersten Mal vor den drei Kindern erscheint (am 13. Mai 1917), werden
die Kinder auf das Kommen der Gottesmutter durch die Erscheinungen
eines Engels vorbereitet1.
Die ersten, wenngleich noch weniger deutlichen Begegnungen ereigneten sich
bereits im Jahre 1915. Lucia erzählt, wie sie in Begleitung
von drei Gefährtinnen
mit ihren Herden einen Berghang emporsteigt. Als die vier Mädchen
nach dem Mittagessen beginnen, den Rosenkranz zu beten, geschieht etwas
Unerwartetes: „Kaum hatten wir angefangen, als wir vor unseren Augen über
den Bäumen wie in der Luft schwebend eine Gestalt sahen, als wäre
es eine Statue
aus Schnee, die die
Sonnenstrahlen ein wenig durchsichtig machten. ,Was ist das?' fragten meine
Gefährtinnen, halb erschrocken. ,lch weiß nicht'. Wir setzten
unser Gebet fort, die Augen immer auf die besagte Gestalt gerichtet, die,
sobald wir geendet hatten, verschwand"2. Das gleiche Geschehen ereignet
sich am selben Ort noch zweimal.
Bemerkenswert scheint
hier die Verbindung zwischen der Kundgebung des Engels und dem Gebet. Der
Engel wird nicht durch spiritistische Manipulationen herbeigezwungen, sondern
zeigt sich ganz unerwartet aus eigener gottergebener Initiative. Engel
sind Boten Gottes.
Wenn wir beten, dürfen
wir auch ihrer Nähe gewiß sein, selbst dann, wenn wir sie nicht
sehen. Die Sichtbarkeit der Engel für unsere Sinne ist immer eine
Ausnahme. In
der irdischen Welt
gehen wir im Glauben einher und nicht im Schauen. Nur für besondere
ausgewählte Situationen gibt es sichtbare Kundgebungen der himmlischen
Wirklichkeit.
Der Rosenkranz, so
dürfen wir annehmen, ist besonders mit der Gegenwart der Engel verbunden.
Immerhin finden sich die ersten Grußworte des „Ave Maria" bei der
Verkündigung
Mariens im Munde des Erzengels Gabriel: „Gegrüßet seist du Maria,
voll der Gnade, der Herr ist mit dir".
Die Engelserscheinungen
und die Sühnekommunion im Jahre 1916
Während die ersten
drei Engelserscheinungen im Jahre 1915 noch unbestimmt bleiben sowie unter
den zukünftigen Seherkindern nur Lucia betreffen, sind die ebenfalls
drei Erscheinungen im Jahre 1916 wesentlich konkreter. Die erste Erscheinung
geschieht, nachdem die drei Hirtenkinder Lucia, Jacinta und Francisco ihr
Mittagbrot gegessen und den Rosenkranz gebetet haben. Lucia erzählt:
„Wir hatten ein Weilchen gespielt und siehe, ein starker Wind schüttelte
die Bäume und ließ uns schauen, was da vor sich ging, denn es
war ein ruhiger Tag. Wir sahen dann jene Gestalt, von der ich schon erzählte,
über den Olivenhain auf uns zukommen.... Wie sie sich uns näherte,
konnten wir ihr Aussehen erkennen: Ein Jüngling von 14 bis 15 Jahren,
noch weißer als der Schnee, die Sonne machte ihn durchsichtig, als
wäre er aus Kristall, und er war von großer Schönheit".
Halten wir an dieser
Stelle einen Augenblick inne. Die Erscheinung des Engels entspricht offenbar
keineswegs irgendwelchen ikonographischen Stereotypen, die im
Unbewußten der
Seherkinder geruht hätten und dann durch irgendeinen inneren Impuls
in der Phantasie sichtbar geworden wären. Eine solche Theorie scheitert
an
den geschichtlichen
Fakten. Der Engel stellt sich nicht, wie man von den damals üblichen
künstlerischen Darstellungen annehmen könnte, mit Flügeln
dar, sondern
(wie in den biblischen
Osterberichten) als lichtumstrahlter Jüngling; das griechische Wort
für „weiß" im Neuen Testament können wir auch mit „strahlend"
übersetzen.
Die ersten Worte des
Engels, die sich an die Seherkinder richten, entsprechen genau den ersten
Worten der Gottesmutter bei der Erscheinung am 13. Mai 1917:
„Habt keine Angst!"
Darauf folgt die Vorstellung: „Ich bin der Engel des Friedens!"3 Gemeint
ist damit, daß seine Sendung darin besteht, den Frieden zu fördern,
den
Frieden der Waffen
(wir sind damals mitten im Ersten Weltkrieg) und den Frieden der Menschen
mit Gott. Bei der zweiten Erscheinung bekundet sich der Engel als
Schutzengel Portugals4.
Der Engel beugt seine
Stirn bis zum Boden und lädt die Seherkinder ein, dreimal die folgenden
Gebetsworte zu wiederholen: „Mein Gott, ich
glaube an Dich, ich bete
Dich an, ich hoffe
auf Dich, ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für alle, die
nicht glauben, Dich nicht anbeten, nicht hoffen und Dich nicht lieben".
Danach erhebt er sich und sagt: „So
sollt ihr beten. Die Herzen Jesu und Mariens hören auf eure Bitten"5.
Lucia bemerkt daraufhin:
„Seine Worte gruben sich so tief in unser Gedächtnis, daß wir
sie niemals mehr vergaßen"6.
Bei der zweiten Erscheinung,
an einem Brunnen im Hof der Familie von Lucia, lud der Engel die Kinder
ein, dem Allerhöchsten ständig „Gebete und Opfer" darzubringen.
„Bringt
alles, was ihr könnt Gott als Opfer dar, als Akt der Wiedergutmachung
für die Sünden, durch die Er verletzt wird und als Bitte um die
Bekehrung der Sünder. ... Vor allem nehmt an und tragt mit Ergebung
die Leiden, die der Herr euch schicken wird"7.
Nachdem die Kinder
über eine gewisse Zeit hin das vom Engel gelehrte Gebet regelmäßig
verrichtet haben, erscheint der Engel ein drittes Mal an dem erwähnten
Berghang mit einem
Kelch in der Hand; „darüber (so berichtet
Lucia) schwebte eine Hostie, von der einige Bluttropfen in den Kelch fielen.
Der Engel ließ den Kelch in
der Luft schweben,
kniete sich zu uns und ließ uns dreimal wiederholen:
Heiligste Dreifaltigkeit,
Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich opfere Euch auf den kostbaren Leib,
das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus,
gegenwärtig in
allen Tabernakeln der Welt, zur Sühne für die Schmähungen,
Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch welche Er selbst beleidigt
wird. Durch die unendlichen Verdienste seines heiligsten Herzens und durch
die des Unbefleckten Herzen Mariens, erflehe ich von Euch die Bekehrung
der armen Sünder"8.
Danach empfingen die
Kinder die heilige Kommunion:
Lucia in der Form
der Hostie, Francisco und Jacinta hingegen das Heilige Blut aus dem Kelch.
Dabei spricht der Engel: „Empfangt den Leib und trinkt das Blut Christi,
der durch die undankbaren
Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnet ihre Sünden und
tröstet Euren Gott".
Danach kniete sich
der Engel auf die Erde und wiederholte dreimal mit den Kindern das Gebet
an die Dreifaltigkeit.
„Warum hat Gott diesen
drei Kindern einen Engel gesandt? Die Antwort kann nur lauten: Dieser himmlische
Bote sollte nach dem Willen Gottes der Vorläufer der
Himmelskönigin
sein; er sollte sie auf ihre Sendung als Vertraute Mariens vorbereiten.
Was aber soll die mystische Kommunion, die die Kinder aus Engelshand empfangen
durften, bedeuten? Lucia empfing nur die heilige Hostie, Francisco und
Jacinta aber durften aus dem Kelch das Kostbare Blut trinken. Darf man
etwa annehmen, daß dies so geschah, um anzudeuten, daß diese
beiden Kinder schon bald das Opfer ihres Lebens bringen und den Kelch des
Leidens trinken sollten nach der Absicht der Gottesmutter? Wie Jesus die
beiden Zebedäussöhne Jakobus und Johannes gefragt hat: ,Könnt
ihr den Kelch trinken, den Ich trinken werde?' (Mk 10,38),
so wurden gleichsam diese beiden Kinder... gefragt, ob sie mit Christus
und seiner schmerzensreichen Mutter den Kelch des Leidens im Geist der
Sühne zu trinken bereit seien. Sie waren dazu bereit, wie sich in
ergreifender Weise bei ihrer Todeskrankheit und bei ihrem bereitwilligen
Sterben zeigte"9.
Die Erfahrung der
Seherkinder ist auch für uns bedeutsam. Die Engel führen uns
zur Anbetung, gerade auch während der Meßfeier. Diese
Anbetung zeigt sich auf besonders deutliche Weise in der knienden
Mundkommunion, welche die Kinder praktizierten und wofür
uns der Heilige Vater ein leuchtendes Beispiel gibt bei den Papstmessen
für die Gläubigen, denen er selbst die heilige Kommunion reicht.
Daß die heiligen Engel bei der Meßfeier und bei der Anbetung
des Allerheiligsten besonders gegenwärtig sind, ist schon die Überzeugung
der alten Kirche, wie beispielsweise der heilige Kirchenvater Johannes
Chrysostomus bezeugt, der den Ehrentitel des „eucharistischen Lehrers"
trägt (doctor eucharisticus). Er berichtet von einer Vision über
die Anbetung der Engel beim eucharistischen Opfer.Eine
große Schar von Engeln, „eingehüllt in glänzende Gewänder",
habe sich „rings um den Altar" tief zu Boden geneigt, „so ähnlich
etwa wie man Soldaten dastehen sehen kann in Gegenwart des Königs"10.
(Fortsetzung folgt!)
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1 Vgl. dazu SCHWESTER
LUCIA, Die Aufrufe der Botschaft von Fatima,
Fatima 2002, 55.
2 Lucia, Zweite Erinnerung
11,1: Schwester Lucia spricht über Fatima,
Fatima ^O?/, 55. Vgl.
auch Vierte Erinnerung, II, Kap. 1: a. a. 0.
141.
3 Vgl. Lucia, Zweite
Erinnerung, II, 2: a. a. 0. 57.
4 Vgl. a. a. 0. 58.
5 Lucia, Zweite Erinnerung,
II, 2: a. a. 0. 57.
6 Ibd.
7 Lucia, Zweite Erinnerung,
II, 2: a. a. 0. 58.
8 Lucia, Zweite Erinnerung,
II, 2: a. a. 0. 58.
9 HOLBÖCK, Ferdinand,
Vereint mit den Engeln und Heiligen. Heilige,
die besondere Beziehungen
zu den Engeln hatten, Stein am Rhein
='1986,406.
10 Johannes Chrysostomus,
De sacerdotio VI, 4. Vgl. HOLBÖCK (1986) 146.
(Quelle: "Bote
von Fatima", März 2011, S. 26f., Regensburg)
12 Verheißungen
des Heiligsten Herzens Jesu:
• Den Verehrern meines
Herzens werde ich alle Gnaden schenken, die sie in ihrem Stande brauchen,
• Ihren Familien werde
ich den Frieden bringen und sie darin bewahren.
• Ich werde sie in
allen ihren Leiden trösten.
• Ich werde ihnen
während ihres Lebens, besonders aber in der Todesstunde, eine sichere
Zuflucht sein,
• Über ihre Arbeit
und ihre Unternehmungen werde ich überreichen Segen ausgießen.
• Die Sünder
werden in meinem Herzen eine unerschöpfliche Quelle der Barmherzigkeit
finden.
• In den lauen Seelen
wird diese Verehrung größeren Eifer entfachen.
• Die eifrigen Seelen
werden schon bald zu großer Vollkommenheit gelangen.
• Mein Segen wird
auf allen Wohnungen ruhen, in denen das Bild meines Heiligsten Herzens
aufgestellt ist und verehrt wird.
• Den Priestern, die
mein Herz besonders verehren. werde ich die Gabe verleihen, selbst die
verhärtetsten Herzen zu rühren.
• Die Namen derer,
die diese Andacht verbreiten, werden für immer in meinem Herzen eingeschrieben
sein.
• Allen, die an den
ersten Freitagen von neun aufeinanderfolgenden Monaten die Kommunion empfangen,
werde ich die Gnade der Ausdauer bis zum Ende und das ewige
Heil verleihen.