|
nach der Lehre des P. Chaminade mit Imprimatur |
2. Jeder von diesen Beweggründen zur Liebe
ist gut; aber es gibt einen, der noch viel besser ist. Diese Motive können
wohl eine innige Andacht zu meiner Mutter bewirken; doch ist es nicht jene,
die ich bei dir so gerne sehen möchte.
Die Andacht zu meiner Mutter ist etwas so
Großes, etwas so Segensvolles, etwas, das meiner Mutter und mir so
wohlgefällig ist, daß du dich dabei nicht mit dem Mittelmäßigen,
nicht mit dem Ziemlichguten, nicht einmal mit dem Sehrguten zufrieden geben
kannst: das Vollkommenste allein genügt!
3. Kennst du die vollkommenste Andacht zu Maria?
Durchforsche die Bücher, frage die Theologen, wende dich an die Heiligen,
forsche nach dem Geheimnis der größten Marienverehrer, die je
gelebt haben: Nirgends wirst du eine vollkommenere Andacht finden als diese,
die ich dich lehren will, nämlich die Teilnahme an meiner eigenen
Kindesliebe zu meiner Mutter.
Besteht die Vollkommenheit meiner Jünger
nicht in der Ähnlichkeit mit ihrem Meister? Habe ich ihnen nicht das
Beispiel gegeben, damit sie so handeln wie ich selbst? Hat ihnen mein Apostel
Paulus nicht zu wiederholten Malen verkündet, für sie bestehe
alles darin, daß sie Christus nachahmen, "Christus anziehen", "die
Gesinnungen Christi annehmen", um nicht mehr ihr Leben zu leben, sondern
das Leben Christi?
Sage mir nun, kannst du dir meiner Mutter
gegenüber vollkommenere Gesinnungen vorstellen als die meinen?
Die Seele:
O Jesus, was für großartige Aussichten
eröffnet mir die Teilnahme an Deiner kindlichen Liebe zu Deiner Mutter!
Doch, wie könnte ich armer Sünder ein so hohes Ideal verwirklichen?
Wie könnte ich es auch nur verstehen?
2.
Ich bin Mariens Sohn, weil ich
es gewollt.
Jesus:
1. Mein Bruder, um meine kindliche Liebe zu
Maria, meiner Mutter, zu begreifen, versuche zunächst zu verstehen,
daß ich ihr Sohn bin, weil ich es gewollt.
Was ich getan, war nie erzwungen, nie zufällig
oder planlos.
Als ich mich entschloß, hinzugehen,
um die Ehre meines Vaters wiederherzustellen und die Menschheit zu erlösen,
da eröffneten sich mir unendlich viele Wege; allen anderen zog ich
den Weg über Maria vor.
Mit freier Überlegung habe ich Maria
erschaffen, damit sie meine Mutter werde; denn sie hätte nie gelebt,
hätte ich ihr nicht dieses Amt anvertrauen wollen. Mit freier Überlegung
schuf ich sie so, wie sie ist, damit ich so werde, wie ich bin.
Ich bin in aller Wahrheit ihr Kind. Wie jedes
andere Kind wollte ich aus meiner Mutter Fleisch annehmen, wollte von ihrer
Milch ernährt, von ihrer Hand gehegt und gepflegt werden, wollte ich
ihr untertan sein.
Ich bin ihr Kind in viel höherem Grad,
als du das deiner Mutter bist; ist es doch sie allein, aus der ich meine
ganze menschliche Natur annahm.
Ich bin ihr Kind, ganz und gar, als Gottmensch.
Denn der, den sie gebar, ist nur einer.
2. Wisse nun, daß die Liebe es war,
die mich trieb, ihr Kind zu werden, die Liebe zu meinem Vater zunächst,
den ich auf diese Weise mehr verherrlichen konnte und den die Menschen
um ihretwillen besser verstehen und inniger lieben können. Dann die
Liebe zu meiner Mutter, die mir mehr Freude bereiten sollte als alle Engel
und Menschen, und auch die Liebe zu den Menschen, ... die Liebe zu dir,
mein vielgeliebter Bruder!
3.
Betrachte und bewundere
Jesus:
1. Betrachte jetzt, was mir meine Kindesliebe
zu meiner Mutter alles eingegeben hat!
Von Ewigkeit her dachte ich an sie und liebte
sie; denn von Ewigkeit her sah ich in ihr meine künftige Mutter.
Ich dachte an sie, als ich den Himmel mit
den Engeln erschuf; ich dachte an sie, als ich die Erde und die Menschen
bildete.
Ich dachte an sie, als ich das Urteil über
deine Stammeltern aussprach; ich dachte an sie, als ich mich den Patriarchen
und den Propheten offenbarte.
2. Die Liebe zu ihr bewog mich, sie mit Vorzügen
auszustatten, von denen jeder einzelne das Größte übertrifft,
das ich je für alle anderen Geschöpfe getan. Sie und nur sie
allein war durch mich unbefleckt in ihrer Empfängnis, frei von jeder
Begierde und Unvollkommenheit, voll der Gnade mehr als alle Engel und Heiligen,
Mutter Gottes und allzeit Jungfrau, mit Leib und Seele schon vor der allgemeinen
Auferstehung verherrlicht.
3. Ich kam auf die Welt, die Menschen zu erlösen;
und da widmete ich dreißig Jahre meines Lebens meiner Mutter allein,
nur drei Jahre den anderen Menschen.
4. Es war mir nicht genug, sie an meinen Vorzügen
und an meinem Innenleben teilnehmen zu lassen und in innigster Vertrautheit
mit ihr zu leben: Ich wollte, daß sie auch an der Sendung, die mir
mein Vater anvertraut hat, teilhabe. Wie ich der Erlöser bin, wollte
ich, daß sie Miterlöserin
sei, und daß sie alles, was ich für das Heil der Welt verdiente,
in voller Teilnahme mitverdiene.
5. Sogar im Himmel wollte ich, daß sie
Fürbitterin bei mir sei, wie ich Fürbitter beim Vater bin, um
den Menschen alle Gnaden auszuteilen, die zu erwerben sie hienieden mitgewirkt
hat. Im Himmel nämlich bin ich noch immer ihr Sohn, wie ich es auf
Erden war. Unendlich glücklich bin ich, ihr durch meine Freigebigkeit
das zu vergelten, was sie einst aus Liebe zu mir getan und gelitten hat.
6. Höre weiter: Ich setze mein Leben
in der Kirche fort, in meinem mystischen Leib, der von meinem Geist geleitet
wird. Alles, was meine Kirche tut, das tue ich: Was die Kirche für
meine Mutter tut, ich bin's, der es für sie tut. Denke nur an all
das, was die Kirche getan, um ihr Verehrung und Liebe zu bezeugen; wie
sie Mariens Vorzüge verteidigte und feierlich verkündete, neue
Feste ihr zu Ehren einsetzte, die Andachten zu ihr förderte, Bruderschaften
und Ordensgesellschaften bestätigte, die sich ihrem Dienst weihten.
Dann betrachte die Frömmigkeit der Kinder dieser Kirche: ihre Heiligen,
die meiner Mutter so ergeben sind, die eifrigen Seelen, die mit außerordentlicher
und stets wachsender Verehrung Maria dienen, und selbst die einfachsten
Gläubigen, die so eifersüchtig über Mariens Ehre wachen,
so scharfsichtig sind für ihre Vorzüge - oft scharfsichtiger
als die Gelehrten -, so von Begeisterung entflammt, wenn es sich darum
handelt, ihr ein Zeichen besonderer Anhänglichkeit zu geben! Was ist
das anderes als eine großartige und doch recht schwache Offenbarung
meiner unvergleichlich großen Kindesliebe zu meiner Mutter?
Füge ferner zu dem, was die streitende
Kirche für Maria getan hat und bis zum Ende der Welt tun wird, das
hinzu, was die triumphierende Kirche die ganze Ewigkeit hindurch für
sie tut! Denn in den Heiligen des Himmels lebe ich in weit höherem
Grade als in den Gläubigen auf Erden. Stelle dir die Gesinnungen der
Dankbarkeit, Ehrfurcht und Liebe vor, die die Seligen ihrer Königin
und Mutter immerfort bezeugen, der sie ihre ewige Seligkeit verdanken!
Immer bin ich es, der in ihnen und durch sie meine Mutter ehrt und liebt!
7. Lasse vor deiner Seele alle diese Beweise
meiner kindlichen Liebe vorüberziehen! Betrachte sie, dringe tief
in sie ein, verstehe, was du davon verstehen kannst, und dann wisse, daß
das, was du nicht zu begreifen vermagst, alles das, was du je davon verstehen
wirst, unendlich übertrifft... und dann sage dir, daß ich dich
an dieser unendlichen Liebe teilnehmen lassen will.
Die Seele:
O Jesus, wie wunderbar! Wie aber könnte
ich Maria auch nur annähernd mit solcher Liebe lieben?
4.
Meine Mutter, deine Mutter
Jesus:
Mein Bruder, nur dann kannst du meine kindliche
Liebe zu Maria wirklich nachahmen, wenn du gleich mir ihr Kind wirst. Weißt
du, bis zu welchem Grad du Kind Mariens bist?
Alle Gläubigen meinen es zu wissen, weil
sie alle Maria ihre Mutter nennen. Die meisten jedoch haben eine recht
unvollkommene Idee von Mariens Mutterschaft ihnen gegenüber.
Manche lieben Maria, wie wenn sie ihre Mutter
wäre. Was aber würde dir wohl deine irdische Mutter antworten,
wenn du ihr sagtest: "Ich liebe dich, wie wenn du meine Mutter wärest!?"
Viele meinen, Maria sei ihre Mutter einzig
und allein kraft jener Worte, die ich vor meinem Tode sprach, als ich damals
meine Mutter und meinen Lieblingsjünger am Fuß des Kreuzes stehen
sah und zu Maria sagte: "Frau, siehe da, deinen Sohn!" und zu Johannes:
"Siehe da, deine Mutter!" Diese meine Worte hätten Maria mit der Aufgabe
einer Mutter betrauen und in ihr Gesinnungen einer Mutter schaffen können;
wäre aber ihre Mutterschaft nur von diesen Worten abhängig gewesen,
besäße sie bloß eine Adoptivmutterschaft. Suche also zu
verstehen, daß Maria in der übernatürlichen Ordnung deine
wahre Mutter ist, ähnlich wie jene, die dich gebar, deine wahre Mutter
ist in der Ordnung der Natur.
2. Eine Mutter ist eine Frau, die das Leben
gibt. Maria hat dir das Leben gegeben, das wertvollste Leben.
Sie gab es dir in Nazareth, auf Kalvaria und
bei deiner Taufe.
Als sie mich in Nazareth empfing, hat sie
zugleich auch dich empfangen.
Sie wußte, daß sie mit einem JA
oder Nein an Gabriel dir das Leben schenken oder dich im Tode lassen würde.
Sie antwortete mit einem JA, damit du das Leben habest. Sie war bereit,
mir das Leben zu geben und dadurch auch dir. Indem sie meine Mutter wurde,
wurde sie auch die deine. Von dieser Stunde an gehörtest du nach den
Absichten Gottes und auch nach den ihrigen - weil sie Gottes Absichten
erkannte und mit ganzer Seele zustimmte - meinem mystischen Leib an. Ich
war das Haupt dieses Leibes, du ein Glied desselben. Und beide trug Maria
in ihrem Mutterschoß (wenn auch auf verschiedene Weise), denn Haupt
und Glieder sind voneinander nicht getrennt.
3. Auf dem Kalvarienberg gebar sie dich, indem
sie mich für dich zum Opfer brachte.
Auf Golgotha erst wurde deine gänzliche
Befreiung von Sünde und Tod bewirkt. Da vollendete ich "die Vernichtung
dessen, der das Reich des Todes beherrscht". Auf Golgotha verdiente ich
dir durch meinen Tod die Gnade, mein Leben zu leben. Es war aber in Vereinigung
mit ihr, Maria, daß ich dieses Werk vollbrachte. Als Opferlamm hat
sie mich empfangen; im Hinblick auf meine Opferung hat sie mich ernährt,
erzogen; in meiner Todesstunde brachte sie mich zu deinem Heil dem Vater
dar und verzichtete zu deinen Gunsten auf alle ihre Mutterrechte über
mich. Sie, die allzeit Jungfrau geblieben, die ihren Erstgeborenen in Freude
geboren hatte, gebar dich und deine Brüder in den furchtbarsten Schmerzen.
4. In diesem Augenblick kam ihre Mutterschaft
über dich zur Vollendung. Das ist der Grund, weshalb ich in diesem
Augenblick diese ihre Mutterschaft laut verkünden wollte, indem ich
Maria Johannes anvertraute und Johannes Maria anempfahl. Meine Worte bewirkten
nicht diese Mutterschaft, sondern bezeugten,
bekräftigten und vollendeten sie in der
feierlichsten Stunde, in der meine Mutter die deine ward im wahrsten Sinne
des Wortes, und in der sie am besten ihre mütterliche Sendung zu begreifen
imstande war.
5. In der Taufe gab dir Maria das Leben selbst,
nicht nur das Recht darauf, wie auf Kalvaria. Deine irdische Mutter brachte
bloß ein totes Kind zur Welt. Die heiligmachende Gnade mußte
dir in der Taufe eingegossen werden, und erst
dann kamst du zum Leben.
Maria war es, die dir diese heiligmachende
Gnade erwirkte, sie, ohne die nie eine Gnade gewährt wird. Als
du aus einem Kinde des Zornes ein Kind Gottes wurdest, da war es Maria,
die dich zum neuen Leben gebar.
6. Verstehst du jetzt, wie Maria dadurch,
daß sie dich am Leben Gottes teilnehmen ließ, wahrhaft deine
Mutter in der übernatürlichen Ordnung ist, gleichwie jene in
der natürlichen Ordnung deine Mutter ist, die dir das leibliche Leben
geschenkt? Doch nein! Maria ist es noch in viel höherem Grade!
Sie ist es viel mehr wegen der Art und Weise,
in der sie dir das Leben gab.
Um dich zu gebären, opferte sie unvergleichlich
mehr als deine irdische Mutter; sie opferte in bitterstem Leid das Leben,
das ihr unendlich teurer war als ihr eigenes Leben.
Sie sorgt für dich dein ganzes Leben
lang, während die irdischen Mütter dies nur so lange für
ihre Kinder tun, bis sie erwachsen sind. Immer bleibst du Mariens Kindlein,
das sie immer von neuem gebiert, bis Christus in dir gebildet ist. Wenn
du aber das Unglück hättest, dein übernatürliches Leben
zu verlieren, so könnte sie dir jedesmal dieses Leben wieder erlangen
und müßte nicht, wie eine irdische Mutter, hilflos an der Leiche
ihres Kindes weinen.
Sie liebt dich, so unvollkommen und undankbar
du auch bist. Sie liebt dich mit einer Liebe, die an Innigkeit und Reinheit
jede Mutterliebe übertrifft!
7. Maria ist deine Mutter, in viel höherem
Maß vor allem wegen der Natur jenes Lebens, das sie dir schenkte.
Nicht ein vergängliches war es, wie dein
irdisches beschaffen ist, sondern ein ewiges, ein Leben ohne Ende; nicht
ein mit Befürchtungen und Unvollkommenheit durchsetztes, sondern ein
unendlich glückliches; nicht ein geschaffenes, menschliches Leben
oder das der Engel, sondern - verstehe es wohl! - ein Leben, das Teilnahme
am ungeschaffenen Leben Gottes, am Leben der Heiligen Dreifaltigkeit selbst
ist. Darum wird dieses Leben kein Ende nehmen und unendlich glücklich
sein, weil es dich teilnehmen läßt an der Ewigkeit und Seligkeit
Gottes. Welche irdische Mutterschaft könnte den Vergleich mit einer
solchen Mutterschaft bestehen?
Nun aber ist Maria deine wahre Mutter, sie
ist eine so vollkommene Mutter, weil sie meine Mutter ist.
Du bist mein Bruder, mein teuerster Bruder,
weil mein Vater dein Vater und meine Mutter die deine ist!
Die Seele:
Nein, Jesus, ich verstand nicht, inwieweit
Maria meine Mutter ist. Wie nahe Du sie mir doch gebracht hast! Danke,
lieber Jesus, für diese Gabe über alle Gaben!
5.
Du liebst Maria.
Nein, nicht mehr du bist es,
der sie liebt, sondern ich liebe sie in dir.
Jesus:
1. Mein Bruder, da mein Leben dein Leben und
meine Mutter deine Mutter ist, fällt es dir wohl nicht schwer, meine
Kindesliebe zu ihr nachzuahmen.
Doch du sollst mich nicht bloß nachahmen
wie ein Jünger seinen Meister oder wie ein Christ hienieden seinen
Schutzpatron im Himmel. Ich bin für dich die innere Quelle des Lebens.
2. Durch mich hast du das Leben. Meine Gesinnungen
müssen die deinen werden.
Ich bin der Weinstock; du bist eine Rebe daran;
der gleiche Lebenssaft kreist im Weinstock und in den Reben.
Ich bin das Haupt; du bist ein Glied meines
mystischen Leibes; das gleiche Blut fließt im Haupt und in den Gliedern.
Bist du rein, so bin ich es, der in dir rein
ist; bist du geduldig, so bin ich es in dir; bist du liebevoll, so übe
ich die Liebe in dir; du lebst, doch nein, nicht mehr du bist es, der lebt,
sondern ich lebe in dir. Du liebst meine Mutter. Nein, nicht mehr du bist
es, der sie liebt, sondern ich liebe sie in dir.
Verstehst du jetzt, warum du immer so glücklich
bist bei deiner Marienliebe? Ich bin es, der in dir so große Freude
hat an der Liebe zu ihr.
3. Du nimmst teil an meinem Leben. Doch ist
mein Leben in dir noch lange nicht vollkommen. Wenn es so wäre, so
würdest du in allem denken, wollen und handeln wie ich. Zu viele Hindernisse
hemmen die freie Entfaltung meiner Tätigkeit in deiner Seele. Zu oft
noch muß ich in dir wie ein Gefangener in seiner Kerkerzelle leben.
Du mußt diese Hindernisse wegräumen.
Durch großmütige Anstrengung mußt du dazu kommen, meine
Gedanken zu denken und meinen Willen zu wollen. Du mußt das ergänzen,
was meinem Leben in dir noch fehlt.
Du nimmst teil an meiner Kindesliebe zu meiner
Mutter. Aber meine Kindesliebe zu ihr ist noch lange nicht vollkommen in
dir.
Du mußt die Hindernisse entfernen: du
mußt durch großmütige Anstrengung dahin gelangen, daß
du meiner Mutter gegenüber mein Denken, mein Fühlen, mein Wollen
und mein Handeln dir zu eigen machst.
Du mußt das ergänzen, was meiner
Kindesliebe zu Maria in dir noch fehlt.
4. Beginnst du zu ahnen, was ich dir bezüglich
deiner Andacht zu Maria offenbaren möchte?
Du sollst meine Mutter lieben, weil ich sie
liebe; du sollst sie gerne haben wie ich; du sollst sie lieben mit jener
Liebe, mit der ich sie liebe.
Die Seele:
O süßer Jesus, o liebster Jesus!
O Jesus, du Sohn Mariens!
Was das Ideal fordert
Jesus:
Mein Bruder! Ich habe dir das Ideal gezeigt.
Ich will dir jetzt die Forderungen zeigen, die es an dich stellt.
Bisher hast du mich mit Freuden angehört.
Höre mich auch weiterhin mit Freuden an, aber auch mit Liebe und Großmut!
Es handelt sich nun nicht mehr bloß
darum, dein Vorbild mit Bewunderung zu betrachten; es gilt, seine Züge
in dir zu verwirklichen.
Einen jeden dieser Züge will ich dir
vor Augen führen. Du wirst sie aber nur ganz unvollkommen verwirklichen
können, wenn du es nicht verstehst, dir selbst zu entsagen und zu
lieben.
1.
Gib dich, gleich mir, ohne Vorbehalt
meiner Mutter hin.
Jesus:
1. Mein Bruder, dadurch, daß ich Mariens
Sohn wurde, schenkte ich mich ihr ganz und gar.
Ich bin der Schöpfer und höchste
Herr aller Dinge; dennoch wollte ich aus Liebe Maria angehören und
von ihr abhängig sein. Ich wollte ihr angehören durch die innigsten
Bande, die es geben kann, durch die Bande der Natur, die niemand zu lösen
vermag.
Von aller Ewigkeit her habe ich mir diese
Beziehungen und diese Abhängigkeit eines Kindes gewählt und sogleich
vom ersten Augenblick meiner Menschwerdung an im Schoß Mariens habe
ich durch meinen menschlichen Willen diesen Beschluß meiner ewigen
Liebe und meines unaussprechlichen Wohlgefallens bestätigt.
Als Sohn einer Jungfrau gehöre ich meiner
Mutter, wie kein anderes Kind seiner Mutter angehört. Diesen Zustand
vollständiger Abhängigkeit wollte ich durch alle Ewigkeit bestehen
lassen, wie es sonst kein anderes Kind zu tun vermag.
Ich verließ meine Mutter nicht nach
der Art der Kinder, die eine eigene Familie gründen wollen. Ich blieb
bei ihr bis zum Augenblick, der für den Beginn meiner öffentlichen
Lehrtätigkeit bestimmt war. Weil meine Mutter stets nur den Willen
meines himmlischen Vaters kannte, sollte er auch das höchste Opfer
fordern, war mein Wille dem ihrigen immer vollkommen gleichförmig.
Mehr noch! Im Himmel denke ich und werde stets
daran denken, daß ich ihr Sohn bin. Obwohl ich dort König und
Gebieter bin, werde ich doch mit vollkommener Kindesliebe in alle Ewigkeit
stets ihren mütterlichen Willen willfahren.
2. Folge meinem Beispiel und gib dich meiner
Mutter hin, ganz und gar, ohne Vorbehalt und für immer, als ihr vielgeliebtes
Kind!
Gib ihr deinen Leib hin mit allen seinen Tätigkeiten,
deine Seele mit ihren Kräften.
Gib ihr alle deine materiellen und geistigen,
deine natürlichen und übernatürlichen Güter hin!
Gib ihr alles, was du bist, was du sein wirst,
alles, was du hast und haben wirst, alles, was du tust und noch tun wirst!
Weder in noch außer dir soll es etwas geben, was nicht ihr angehörte.
3. Gib dich nicht zufrieden, dich Maria zu schenken, um ihr Eigentum zu werden: Du sollst nicht ein lebloses Ding, sondern ein inniggeliebtes Kind sein, das seiner Mutter hilft. Denn sie wird es später sagen: Ihr habe ich in der Welt eine große Rolle anvertraut, und um diese zu erfüllen, will sie deine Hilfe in Anspruch nehmen.
4. Gib dich ihr, ohne an Widerruf zu denken!
Nicht aus Eigennutz, nicht um des Vorteils
willen, nicht der Tröstungen wegen, die du bei deiner Hingabe empfindest,
sondern gib dich hin aus reiner Kindesliebe, so wie ich es selbst getan.
Du wirst Tröstungen haben; doch auch
Prüfungen werden dich treffen. Denke weder an die einen noch an die
anderen! Laß die Mutter sorgen! Was dich betrifft, so sei deine einzige
Sorge, dich vollkommen und aus Liebe hinzuopfern.
5. Gib dich für immer hin!
Zahlreich sind jene, die im Augenblick der
Begeisterung gelobt haben, alles Maria hinzugeben. Aber leider sind die
fast ebenso zahlreich, die zwar alles im allgemeinen hingegeben, dann aber
nach und nach alles wieder zurückgenommen haben.
Sobald in Stunden der Prüfung ihre vollkommene
Hingabe Opfer von ihnen forderte, sagten sie: "Hart ist diese Rede. Wer
kann sie hören?" und wollten auf dem Wege ihrer vollkommenen Weihe
nicht mehr weitergehen.
Wirst du handeln wie sie? Man muß manchmal
ein Held sein, um seiner völligen Zugehörigkeit zu Maria im Leben
treu zu bleiben; denn mit meiner Mutter muß
man bis zum Gipfel des Kalvarienberges gehen. Fühlst
du dich fähig zu solchem Heldentum?
6. Gewöhne dich daran, deine Weihe an
die himmlische Mutter recht oft zu erneuern!
Erneuere sie beim Erwachen, damit dein Tagewerk
Maria gehört! Erneuere sie, so oft du mich in der heiligen Kommunion
empfängst. Wenn du in diesem Augenblick ganz eins bist mit mir, schenke
dich meiner Mutter als ihr vielgeliebtes Kind! Erneuere sie vor den wichtigsten
Handlungen, damit du dich erinnerst, daß du nicht für dich,
sondern für sie allein arbeiten sollst.
Erneuere sie ganz besonders in den Prüfungen
deines Lebens. Sage: "Mutter, als ich mich
in meiner begeisterten Kindesliebe ganz dir schenkte, da konnte ich dieses
Opfer noch nicht voraussehen. Doch ich wollte mich damals schon vollständig
dir schenken, und nun will ich meine Hingabe nicht zurücknehmen. Alles,
was du willst, weil du es willst, koste es, was es wolle!"
7. Willst du so großmütig werden,
um auch stets deine Hingabe im Leben zu verwirklichen, dann schaue nicht
nur auf das Opfer. Schaue auf mich und auf meine Mutter! Liebe wird dich
drängen und die Gnade dich stützen.
Fühlst du deinen Mut sinken, bete! Wird
deine Mutter ihrem Kind nicht helfen, das sie anruft, um ihr treu bleiben
zu können? Wird dein älterer Bruder dir nicht die Kraft geben
im Streben nach dem Ideal, zu dem er selbst sich berief?
Die Seele:
Ganz dein bin ich, o Mutter, und alles, was
mein ist, ist dein!
2.
Liebe meine Mutter, wie ich
sie liebe
a) Warum?
Jesus:
1. Mein Bruder, die Liebe war es, die mich
zum Sohn Mariens gemacht hat. In meinen Beziehungen zu meiner Mutter erklärt
die Liebe alles. Willst du meine Kindesliebe zu ihr verstehen, dann verstehe
vor allem meine Liebe zu ihr.
Oh! Wie wollte ich, daß auch in dein
Herz ein wenig von jener Liebe zu meiner Mutter einströmte, die in
mir brennt! Arbeite an dir, um dich rein, demütig und großmütig
zu machen, damit ich dir möglichst viel von meiner Kindesliebe mitteilen
kann.
2. Überdenke nochmals in Sammlung und Gebet all das, was ich dir von meiner Liebe zu Maria angedeutet habe. Wie ich sie von aller Ewigkeit her erwählt und mit Vorzügen überhäuft habe, wie ich in innigster Vertrautheit mit ihr gelebt und sie an meiner Sendung teilnehmen ließ, wie ich sie liebe und ewiglich lieben werde durch die Heiligen und durch die ganze Kirche auf Erden und im Himmel.
3. Dringe dann tief ein in mein Herz und betrachte
die Beweggründe, die mich zu solcher Liebe zu ihr trieben.
Ich habe sie geliebt und liebe sie, weil sie
meine Mutter ist, eine Mutter von entzückender Schönheit und
Vollkommenheit, eine Mutter, die mir durch das kleinste ihrer Worte, durch
einen ihrer Blicke mehr Freude bereitet als alle Heiligen durch ihre heldenmütigsten
Taten; eine Mutter, deren Liebe zu mir größer ist als die der
Engel und Heiligen; eine Mutter, deren Leben nur mir galt, und die für
mich bereitwillig das furchtbarste Martyrium auf sich nahm, das je ein
Geschöpf erduldete.
4. Ich habe sie geliebt, weil sie mir bei der
Erfüllung der Sendung half, die mir mein Vater anvertraut hatte;
weil sie mir meine menschliche Natur gab,
so daß ich den Menschen die frohe Botschaft verkünden und für
sie sterben konnte;
weil sie sich bei der Ausführung meiner
Sendung mit mir vereinigte durch ihren Willen, ihre Gebete, ihre Opfer,
ihre Gegenwart am Fuß des Kreuzes;
weil sie bis zum Ende der Zeiten nicht ruhen
wird, die Sünder zu bekehren, die Gerechten zu heiligen und mir zahllose
Seelen zuzuführen;
weil sie selbst der große Triumph meines
Erlösungswerkes ist, und weil ich dadurch, daß ich sie auf so
vollkommene Weise erlöste, mehr ist als durch die Erlösung der
Welt.
5. Ich habe sie geliebt und liebe sie, weil
ich es ihr verdanke, daß ich dem Vater Huldigung, Sühne und
Ehre von unendlichem Wert erweisen konnte, was ich ohne die menschliche
Natur, die sie mir gab, nicht hätte tun können.
Ich liebe sie, weil sie sich in meinen Huldigungen
an den Vater mit mir vereinte und ihn anbetete, verehrte und liebte, wie
es alle Engel und Heiligen miteinander nie vermochten, noch je vermögen
werden, und weil man durch sie meinen Vater besser verstehen und kindlichere
Gesinnungen gegen ihn hegen wird.
6. Werde nicht müde, meine unermeßliche
Liebe zu meiner Mutter zu betrachten! Nie wirst du damit fertig werden,
nicht einmal in der Ewigkeit.
Versetze dich bei dieser Betrachtung an meine
Stelle. Werde Jesus, erstgeborener Sohn Mariens! Denn mein Leben ist ja
dein Leben! Versuche, das zu fühlen, was auch ich gefühlt habe.
7. Betrachte sodann die besondere Liebe, die
Maria zu dir trägt.
Sie liebt dich, weil ich dich so sehr lieb
hatte, daß ich für dich starb. Alles, was ich liebe, liebt auch
sie.
Sie liebt dich, weil ich sie zu deiner Mutter
gemacht habe, und Mutter sein, heißt lieben.
Sie liebt dich, weil eine Mutter ihr Kind
um so mehr liebt, je mehr es sie gekostet hat, und du hast sie unaussprechliche
Schmerzen gekostet.
Sie liebt dich, weil sie mich in den Tod hingeben
mußte, um dir das Leben zu geben.
Sie liebt dich, weil du eins bist mit mir,
und indem sie dich liebt, liebt sie mich.
Die Seele:
O Jesus, ich liebte Maria schon, als ich nur
unbestimmt ahnte, was sie für mich ist. Jetzt, da ich anfange zu begreifen,
daß sie wirklich meine Mutter ist, jetzt, da ich Deine Liebe zu ihr
und ihre Liebe mir gegenüber zu verstehen beginne, sollte ich sie
da nicht mit allen Fasern meines ganzen Wesens lieben?
3.
Liebe meine Mutter wie ich sie
liebe!
b) Wie?
Jesus:
1. Mein Bruder, liebst du meine Mutter wirklich,
sie, die ich so sehr liebe, und die dich so liebt?
Du meinst es, denn du freust dich, wenn du
mit ihr sprichst, und begeisterst dich, wenn du ihr Lob singst. Doch lieben
bedeutet hienieden nicht so sehr, sich freuen und sich begeistern, als
vielmehr arbeiten und leiden.
2. Wenn du Maria liebst, willst du gerne für
sie arbeiten. Schätze dich glücklich, ihr deine Tätigkeit,
deine Zeit und deine Mühen schenken zu dürfen! Keine Arbeit soll
dir zu schwierig sein, wenn es um ihre Ehre geht; kein Unternehmen wird
dir unmöglich dünken, wenn es sich darum handelt, ihre Interessen
zu fördern.
Am Tage, an dem dir eine Aufgabe zur Ehre
Mariens über deine Kräfte zu gehen scheint, da müßtest
du dir sagen, daß du sie nicht mehr liebst. Meine Mutter nun hat
für dich eine Aufgabe bereit, eine sehr edle und manchmal recht schwierige.
3. Wenn du Maria liebst, wünschest du, etwas für sie zu leiden. Wer Maria nicht mehr liebt, wenn es für sie etwas zu leiden gibt, der hat sie nie geliebt; nur sich selbst hat er geliebt in den Tröstungen, die sie ihm bereitet hat. Weigere dich nicht zu leiden; du würdest dich dadurch weigern zu lieben. Es ist nicht genug, daß du das Leid bloß hinnimmst, liebe es! Fühlst du dich denn nicht glücklich, daß du deine Liebe beweisen darfst?
4. Willst du lernen, deine Liebe stets zu mehren,
so benütze die vier Mittel, die ich dir angeben will:
a) Befleißige dich, mit möglichst
viel Liebe die Anzahl von kleinen Anstrengungen und Opfern des täglichen
Lebens auf dich zu nehmen. Wenn du dahin kommst, in den kleinen Dingen
deiner Mutter nie ein "Nein!" zu sagen, dann wirst du es auch in großen
Dingen nie tun.
b) Höre nie auf, deine Mutter immer besser
kennenzulernen! Lerne aus den Büchern alles, was du darin über
ihre Größe, ihre Aufgabe, ihr Leben finden kannst und über
jene, die sie geliebt und die ihr gedient haben. Dann denke über das
Gelesene nach. Nie wirst du sie völlig kennenlernen, weil du nie verstehen
kannst, was ich für sie, und was sie für mich und für dich
getan hat.
c) Lebe in ständiger Vereinigung mit
ihr! Je vertrauter du mit ihr lebst, um so mehr wirst du sie von Tag zu
Tag deiner Liebe würdiger erachten und sie von Tag zu Tag mehr lieben.
Später werde ich dir erklären, wie du nach meinem Beispiel fortwährend
mit ihr vereint bleiben kannst.
d) Verlange von mir die Gnade, sie zu lieben
und in dieser Liebe stets zu wachsen. Die Liebe zu meiner Mutter ist eine
Gnade, und zwar eine ganz vorzügliche. Die Gnade erhält man durch
das Gebet. Bitte und du wirst empfangen! Bitte unverzüglich, denn
diese Gnade kann unmöglich meinen Absichten entgegen sein. Zögern
hieße, mich und meine Mutter betrüben; hieße, die Möglichkeit
annehmen, ich wollte nicht, daß du sie liebst. Schon das Verlangen
in dir, sie zu lieben, stammt es nicht von mir? Würde ich es dir eingeflößt
haben, wenn ich nicht wollte, daß es befriedigt werde? Flehe täglich
um diese Gnade! Bete darum besonders dann, wenn ich in der heiligen Kommunion
zu dir komme, um mich mit dir zu vereinigen. Als Sohn Mariens komme ich
zu dir, mit jener Menschheit bekleidet, die ich von ihr erhielt und durch
die ich dich an meiner Gottheit teilnehmen lasse. "Wer mich ißt,
wird durch mich leben!" Meine Mutter mit meiner Liebe lieben, heißt
das nicht, durch mich leben? Besonders in der heiligen Kommunion lasse
ich die Liebe zu meiner Mutter aus meinem Herzen in das deine einströmen;
in diesem Augenblick vor allem lebst nicht mehr du, sondern ich in dir
und da liebst nicht mehr du Maria, ich bin es, der sie in dir liebt. Bisher
hast du mich kaum um diese Gnade gebeten. Bitte doch und du wirst empfangen,
damit deine Freude vollkommen sei!
Die Seele:
O guter Jesus, um der Liebe willen, mit der
du deine Mutter liebst, gib mir, ich bitte dich, die Gnade, sie wahrhaft
zu lieben, so wahrhaft, wie du sie geliebt und wie du es willst, daß
man sie liebe!
4.
Gehorche meiner Mutter wie ich
ihr gehorche
Jesus:
1. Mein Bruder, willst du gleich mir deine
Liebe zu deiner Mutter zeigen? Gehorche ihr wie ich es getan!
Als kleines Kind ließ ich sie mit mir
machen, was sie wollte. Ich ließ mich in die Krippe legen, in ihren
Armen tragen; ich ließ mich stillen, in Windeln einwickeln; ich ließ
mich nach Jerusalem, nach Ägypten und Nazareth führen. Sobald
ich dann Kraft genug hatte, beeilte ich mich, eiligst ihre Wünsche
zu erfüllen, ja sie zu erraten und ihnen zuvorzukommen. Nachdem ich
die Gelehrten im Tempel in Staunen versetzt hatte, kehrte ich mit ihr nach
Nazareth zurück und war ihr untertan. Ich blieb bis zum dreißigsten
Lebensjahr bei ihr und erfüllte stets ihre leisesten Wünsche.
2. Ihr zu gehorchen, war für mich ein unaussprechliches Glück. Durch meinen Gehorsam entschädigte ich sie für alles, was sie für mich getan, vor allem für das, was sie einst für mich leiden sollte.
3. Ich gehorchte ihr in aller Einfalt! Obgleich ihr Gott, war ich auch ihr Sohn. Sie war meine Mutter und die Stellvertreterin meines Vaters. In aller Einfalt befahl sie mir, leitete mich und war unendlich glücklich, wenn sie mich um die Ausführung ihrer geringsten Wünsche bekümmert sah. Willst du ihr dieses Glück erneuern, so gehorche ihr, wie ich es getan habe!
4. Maria hat Befehle auch für dich. Sie
befiehlt dir zunächst durch die Stimme der Pflicht. Für gewisse
Menschen besteht die Marienverehrung in Bildern und Statuen, in Kerzen
und Blumen; für andere in Gebetsformeln und Liedern; für wieder
andere in Gefühlen der Zärtlichkeit oder der Begeisterung oder
in freiwilligen Handlungen und Opfern. Es gibt andere, die meinen, sie
liebten Maria sehr, weil sie gern von ihr sprechen oder weil sie sich in
ihrer Einbildung als Helden im Dienste Mariens betrachten oder weil sie
sich bemühen, immer an sie zu denken. Alle diese Dinge sind ja gut,
aber das Wesentliche sind sie nicht. "Nicht die, die zu mir sagen: Herr,
Herr! sind es, die eingehen werden in das Himmelreich, sondern wer den
Willen meines himmlischen Vaters tut, der wird eingehen in das Himmelreich."
Ebenso sind nicht jene echte Kinder Mariens,
die sagen: "Mutter, Mutter!!", sondern jene, die stets ihren Mutterwillen
erfüllen. Nun hat Maria keinen anderen Willen als den meinen. Ich
aber will von dir die Erfüllung deiner Pflicht.
5. Bemühe dich also vor allem, deine Pflicht
zu erfüllen, und zwar ihr zuliebe, mag diese Pflicht groß sein
oder klein, leicht oder schwierig, interessant oder eintönig, ehrenvoll
oder gering.
In der Absicht, deiner Mutter zu gefallen,
sei deinen Vorgesetzten gegenüber gelehriger, freundlicher zu Gleichgestellten,
gütiger gegen Untergebene und zuvorkommender für jedermann. Sei
pünktlicher im Gehorchen, gewissenhafter bei deiner Arbeit und geduldiger
in deinen Prüfungen!
6. Doch vollbringe mit möglichst viel Liebe und froher Miene deine mühevolle Arbeit, deine tägliche Beschäftigung und das eintönige Nacheinander deiner Verpflichtungen, lächle alledem oder vielmehr lächle deiner Mutter zu, die von dir begeisterte Pflichterfüllung als Beweis deiner Liebe fordert.
7. Auf anderem Wege noch zeigt dir Maria ihren Willen, nämlich durch die Einsprechungen der Gnade. Jede Gnade wird dir durch sie zuteil. Wenn dich die Gnade drängt, diesem Vergnügen zu entsagen, jene Neigung zu unterdrücken, jenen Fehler oder jene Nachlässigkeit zu sühnen oder irgend einen Tugendakt zu üben, so ist es Maria, die dir sanft und liebreich ihre Wünsche offenbart. Manchmal erschrickst du vor diesen Forderungen. Fürchte dich nicht! Deine Mutter spricht ja zu dir, deine Mutter, die dein Bestes will. Erkenne ihre Stimme, vertraue ihrer Liebe und antworte mit einem Ja auf alles, was sie von dir verlangt.
8. Auf eine dritte Art kannst du Gehorsam gegen Maria üben. Wenn du nämlich die besondere Aufgabe ausführst, die sie dir anvertrauen will. Sei bereit!
Die Seele:
O Jesus, ich fange an zu verstehen, daß
meine ganze Aufgabe darin bestehen soll, das Wort, welches der Heilige
Geist von dir gesprochen hat, zu verwirklichen: "Er war ihnen untertan."
5.
Ehre meine Mutter nach meinem
Beispiel
Jesus:
1. Mein Bruder, ich bin Gott, vor dem die
Engel ihr Antlitz verhüllen und den sie zitternd verehren. Dennoch
habe ich Maria demütig verehrt. Denn, obwohl ich Gott bin, bin ich
doch auch ihr Sohn. Ich bin es, der das Gebot gab: "Ehre Vater und Mutter!"
Wie hätte ich selbst dieses Gebot nicht in seiner ganzen Vollkommenheit
beobachten sollen?
2. Ich habe Maria geehrt, weil sie meine Mutter ist, eine unvergleichlich heilige und hehre Mutter, die Stellvertreterin meines himmlischen Vaters. Mache dir, wenn du es vermagst, einen Begriff von der tiefen und zugleich zärtlichen Ehrfurcht, mit der ich als kleines Kind, dann als Jüngling und als Mann sie grüßte, wie ich mich in ihrer Gegenwart benahm, sie anhörte, zu ihr sprach und all ihre Wünsche erfüllte. Wie glücklich war sie über die Beweise meiner Ehrerbietung, die sie einfach hinnahm, weil es so der Wille des Vaters war, indem sie stets wiederholte: "Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd, er hat die Demütigen erhöht!"
3. Um sie zu ehren, tat ich noch weit mehr.
War es nicht aus Verehrung für meine Mutter, daß ich bei ihr
eine Ausnahme machte vom Gesetz der Erbsünde, daß ich sie vor
der Begierlichkeit bewahrte, sie mit so viel Schutz umgab, daß nie
der leiseste Hauch einer Sünde die Reinheit ihrer Seele berührte?
War es nicht ein Gefühl unendlicher Ehrfurcht,
das mich bewog, die Unversehrtheit ihres Leibes bei meiner Empfängnis
und meiner Geburt zu bewahren und ihren jungfräulichen Leib in den
Himmel aufzunehmen, bevor die Verwesung im Grabe an ihn herantreten konnte?
War es nicht, um meine Mutter noch höher
zu erheben, daß ich sie von ihrer Unbefleckten Empfängnis an
mit einer Überfülle von Gnaden ausstattete, die größer
war als die aller Geschöpfe zusammen, daß ich sie teilnehmen
ließ an meinem Erlösungswerk und sie zur Königin des Himmels
und der Erde krönte?
Und sind denn jene Ehrenbezeigungen, welche
die Kirche durch die gewichtige Stimme ihrer Hirten einer die des begeisterten
Volkes Maria ohne Unterlaß vielfach dargebracht hat und in Zukunft
in viel größerer Zahl darbringen wird, sind sie nicht, wie ich
dir schon gesagt, eine teilweise Verwirklichung meines Verlangens, sie
zu ehren?
4. "Siehe!" rief sie einst von meinem Geist beseelt aus: "Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter!" Ihre Weissagung muß in Erfüllung gehen. Auf der ganzen Erde muß der Name meines Vaters geheiligt und der Name meiner Mutter verherrlicht werden.
5. Um Maria so zu ehren, wie ich sie geehrt
habe, und wie ich sie geehrt haben will, beginne damit, sie besser verstehen
zu lernen!
Werde nicht müde, ihre Würde, ihre
Vorzüge, ihre Vollkommenheit und ihre Sendung zu betrachten. Dann
verdemütige dich, werde dir deines Elends, deines Nichts bewußt.
Je kleiner du dich machst, desto fähiger wirst du, die Größe
meiner Mutter zu begreifen. Lasse vor allem deine Gesinnungen den meinen
gleich werden! Betrachte Maria mit meinen Augen, bewundere sie mit meinem
Geiste und freue dich über ihre Schönheit mit meinem Herzen!
6. Ehre sie durch deinen Eifer bei der Teilnahme
an öffentlichen Gebeten und Festen ihr zu Ehren!
Ehre sie durch gewisse Andachtsübungen,
die du dir täglich mit Beharrlichkeit darbringst, durch die Opfer,
die du dir auferlegst, um ihre Verherrlichung zu fördern. Ehre sie,
indem du sie deiner Umgebung bekannt machst und die Liebe zu ihr entflammst;
indem du dich mit anderen ihrer auserwählten Kinder zusammenschließt,
um ihr mit ihnen zu dienen. Ehre sie, indem du dich ihr vollkommen schenkst,
für sie und unter ihrem Banner kämpfst. Wie? Sie wird es dir
später offenbaren! Ehre sie besonders durch dein Benehmen! Werde ein
Heiliger und du wirst mehr zu ihrer Ehre beitragen als wenn du gelehrte
Werke über sie schreiben, dabei aber ein mittelmäßiger
Christ bleiben würdest.
7. Ehre sie in meinem und in deinem Namen!
Ehre sie auch für jene, die sie nicht
ehren, für die Heiden, die sie nicht kennen; für die Irrgläubigen,
die sie beleidigen; für die schlechten Christen, die aus Gleichgültigkeit
nicht zu ihr beten, und für die geweihten Seelen, die aber in ihrer
Hingabe so nachlässig sind.
8. Ehre sie nach Kräften; denn sie steht
über jedem Lob, und du kannst sie nicht hinreichend ehren.
Ehre sie und fürchte keine Übertreibung!
Nie wirst du sie in dem Grad verehren, wie ich sie ehre und will, daß
man sie ehre!
Die Seele:
"Gepriesen sei der Name der
Jungfrau Maria, von nun an bis in Ewigkeit!"
6.
Sei meiner Mutter ähnlich
wie ich es bin
Jesus:
1. Mein Bruder, die Kinder gleichen ihrer
Mutter. Ich war meiner Mutter ähnlicher als je ein Menschenkind der
seinen.
Aus ihr allein geboren, erinnerte mein ganzes
Äußeres an meine heilige Mutter. Wer mich sah, erkannte in mir
sofort den Sohn Mariens. Mehr noch als unser Aussehen glichen einander
unsere Seelen. Mein Vater hatte Maria nach meinem Bilde geformt, damit
sie dann als wahre Mutter mich nach dem ihren forme. Und dadurch, daß
sie mit beharrlichem EIfer mich beobachtete und in ihrer Seele alles erwog,
was ich tat und sagte, gestaltete sie in ihrer Seele alle meine Gesinnungen
in unvergleichlicher Vollkommenheit. Gerade darum hatten wir beide in allem
die gleichen Gefühle und Gedanken, denselben Willen. Ihre Seele war
in die meine übergeströmt und meine in die ihrige.
2. Bemühe dich, meiner Mutter ähnlich
zu werden, wie ich es war!
Sei ihr gleich in deinem Äußeren
durch deine Bescheidenheit. Bei deinem Anblick sollte man ein wenig von
jener Ehrfurcht und Sammlung verspüren, die alle empfanden, die meine
Mutter sahen.
3. Sei ihr ähnlich, vor allem durch dein
Inneres!
Ahme ihre Tugenden nach! Sie sind überaus
erhaben und überaus einfach zugleich. Denn Mariens Leben glich sehr
dem deinen, und es ist sehr leicht für dich, zu verstehen oder zu
erraten, wie sie an deiner Stelle handelte oder gehandelt hätte.
Wie sie, mußt auch du zunächst
die Tugenden an mir genau betrachten, dann sollst du deine Mutter ansehen,
damit du weißt, wie sie diese verwirklicht hat. Von mir wirst du
den Unterricht erhalten. Doch du wirst diesen Unterricht besser erfassen,
wenn ihn dir meine Mutter erklärt.
4. Sei rein, damit du ein würdiges Kind
der Jungfrau der Jungfrauen seiest!
Sei demütig und einfach; vergiß
dich selbst, wie sich die Magd des Herrn vergaß!
Sei gesammelt in Gott und betrachte nach dem
Beispiel meiner Mutter alles, was dir über mich geoffenbart worden
ist! Sei fest in deinem Glauben! Glaube den Worten des Herrn, wie sie geglaubt
hat, wenn auch der Anschein für das Gegenteil spricht. Sei allen Willensentscheidungen
Gottes unterwürfig; nur ein Wort sei deine Antwort: "Siehe! Ich bin
der Sohn deiner Magd! Mir geschehe nach deinem Worte!"
Sei voll Liebe für deinen Nächsten,
hingebungsvoll wie Maria bei Elisabeth, zu Kana und besonders auf Kalvaria.
Bemühe dich, von den Tugenden Mariens
vor allem jene nachzuahmen, die dir am meisten fehlt, und deren du am dringendsten
bedarfst.
5. Ahme nicht nur ihre Tugenden nach, sondern auch ihre Gesinnungen jenen Menschen gegenüber, die ihr am nächsten standen: Joachim und Anna, ihre innigstgeliebten Eltern, Johannes, mein Lieblingsjünger und Stellvertreter bei ihr, besonders Joseph, ihr Bräutigam und mein jungfräulicher Vater, den sie mit unaussprechlicher Liebe, Verehrung und Dankbarkeit umgab für all das, was er für mich und für sie getan. Du wärest nicht in Wahrheit ihr Kind, wenn du nicht den, der ihr so teuer war, mit Eifer lieben und verehren würdest.
6. Ahme aber in erster Linie ihre Gesinnungen
mir gegenüber nach!
Maria wurde einzig und allein für mich
erschaffen; nur für mich hat sie geatmet, gearbeitet, gelitten.
Bei ihr wirst du lernen, nur für mich
zu leben und dich vollständig für meine Sache zu opfern. Schnell
und auf vollkommene Weise wirst du das erlernen. Denn die Betrachtung der
Gesinnungen meiner Mutter gegen mich wird eine einzigartige Macht der Anziehung
und Umbildung ausüben, eine Macht, in der Kraft und Zartheit, Verständnis
und Liebe und auch eine ganz besondere Gnade zusammenwirken. An ihrer Seite
wirst du kraft dieser Zuneigung, die zwischen Mutter und Kind herrscht,
das erfahren, was sie an meiner Seite empfand. Was Wunder, wenn du bei
ihr leicht dahin gelangst, meine Gesinnungen anzunehmen?
7. Ihrem Beispiele folgend, wirst du auch zu inniger Vertrautheit mit meinem himmlischen Vater kommen, deren sie, die bevorzugte Tochter, sich seit ihrer Unbefleckten Empfängnis erfreute, auch mit dem Heiligen Geist, der sie zu seiner unendlich geliebten Braut erwählt hatte.
8. Die Nachahmung meiner Mutter wird dir noch eine andere Gesinnung einflößen, die Gesinnung unermeßlicher Liebe für die Seelen. Davon wird sie selbst zu dir sprechen.
Die Seele:
O Jesus, mache mich deiner Mutter ähnlich,
damit sie mich dir ähnlich mache.
7.
Vertraue dich Maria an, wie
ich es tat
Jesus:
1. Mein Bruder, jedes Kind vertraut sich seiner
Mutter an. So habe auch ich mich der meinen anvertraut.
Ich vertraute mich ihr an in meinen materiellen
Bedürfnissen. Ich nähre die Vögel des Himmels und kleide
in Herrlichkeit die Lilien des Feldes. Doch ich wollte die gleiche materielle
Hilfe nötig haben, wie alle anderen Kinder. Ich vertraute mich meiner
Mutter an: sie nährte, kleidete und umsorgte mich. Mein Leben war
bedroht. Ich fürchtete mich nicht; meine Mutter brachte mich in ein
fremdes Land, während ich in ihren Armen friedlich schlief.
2. Ich vertraute mich meiner Mutter an bei
der Erfüllung meiner Sendung.
Kaum empfangen, wollte ich schon meinen Vorläufer
heiligen, mich den Juden und Heiden, dem greisen Simeon und der Prophetin
Anna offenbaren; dabei verließ ich mich auf meine Mutter.
Um die Erbschuld zu sühnen, wollte ich,
der neue Adam, Maria, die neue Eva, zur Mitarbeit im Wollen, Beten und
Opfern heranziehen. Sie verstand mich vollkommen und gab großmütig
ihre Zustimmung.
3. Ich vertraute mich ihr an in allen Mühsalen,
die mir meine Sendung verursachte.
Meine Seele war überaus traurig. Traurig
beim Anblick dieses ganz irdischen, oft heuchlerischen Kultes, den man
meinem Vater darbrachte; traurig ob der Unwissenheit der Menge, ob des
Widerstands und des Unglaubens meiner Feinde und der irdischen Gedanken
und Wankelmütigkeit meiner Freunde; traurig vor allem, weil unzählige
Seelen, unendlich teure Seelen verlorengehen, für die ich vergebens
mein Blut vergießen sollte. Ich war traurig, traurig bis zum Tode,
so traurig, daß ich meinen Vater anflehte, er möge diesen Kelch
von mir nehmen.
Dennoch hatte ich einen großen Trost:
meine Mutter! Sie verstand
mich; sie
wußte Gott anzubeten im Geist und in der Wahrheit;
sie nahm teil an meinen Kränkungen
und Bedrängnissen. Sie
liebte mich um so mehr, je gehässiger ich von den Pharisäern
angegriffen und je bitterer ich durch meine Jünger enttäuscht
wurde. Sie
wachte und betete mit mir während der ganzen Zeit meines verborgenen
Lebens und während der ganzen Zeit meiner öffentlichen Tätigkeit.
Sie
stand
am Fuß des Kreuzes, unerschütterlich, fest im Glauben, während
alle anderen wankten. In ihr gelang
mein Erlösungswerk vollkommen;
sie
war mein höchster Triumph.
4. Vertraue dich nach meinem Beispiel meiner
Mutter an!
Hab Vertrauen! Ihre
Macht ist unvorstellbar groß.
Habe ich sie nicht zur Ausspenderin
aller Gnaden erhoben? Kann sie nicht
alles geben, was sie will, wem sie will und wann sie es will? Gewiß
kann sie es. Sie will ja niemals etwas, was nicht ganz mit Gottes Willen
übereinstimmt.
Hab Vertrauen! Sie ist voll der Güte.
Wenn ich ihr so viel Macht gab, konnte ich sie nicht auch unermeßlich
gütig machen?
Hab Vertrauen! Ich bin ihr Kind. Was könnte
ich meiner Mutter verweigern?
Hab Vertrauen! Du bist ihr Kind. Hat je eine
Mutter ihrem Kinde verweigert, was sie ihm geben konnte?
Hab Vertrauen! Du hast dich ihr ganz geschenkt.
Könnte sie weniger großmütig sein als du?
Hab Vertrauen! Denn, wenn sie dir etwas gibt,
so schenkt sie es mir. Sie weiß ja, daß ich in dir lebe, und
daß man alles, was man dem geringsten meiner Brüder tut, mir
tut. Sooft du sie anrufst, verschaffst du ihr die Freude, auch weiterhin
für mich zu sorgen, mich zu nähren, zu tragen, mich Gefahren
zu entreißen und meine Erziehung zu vollenden.
Hab Vertrauen! Ihr Wunsch, dir Gnaden zu schenken,
ist größer als der deine, sie zu empfangen. Denn sie liebt dich
mehr und liebt dich mehr in dir, als du dich selbst lieben kannst.
Hab Vertrauen! Du würdest ihr durch dein
Zaudern wehe tun; denn zögern hieße zweifeln an der Liebe meiner
Mutter zu dir und zu mir.
5. Und doch, warum ist dein Vertrauen nicht
immer unerschütterlich fest?
Du sagst, du verdienst nicht, von Maria erhört
zu werden wegen deiner Nachlässigkeit in der Hingabe an sie. Mag deine
Feigheit noch so groß sein, sie wird niemals die Größe
der Liebe deiner Mutter erreichen.
Du mußt Vertrauen haben, nicht weil
du
gut bist, sondern, weil sie es ist. Wird sie aufhören, gut
zu sein, weil du schlecht bist?
6. Du weißt aber nicht, ob deine Bitte
den Ratschlüssen Gottes über dich entspricht; deshalb zögerst
du.
Höre! Ich will dich eine Art des Betens
lehren, die stets den Absichten Gottes entspricht, und deren du dich immer
mit unerschütterlichem Vertrauen bedienen kannst.
Verstehe zunächst folgendes:
a) Bezüglich jedes deiner Bedürfnisse
hat deine Mutter ihre liebevollen Absichten.
b) Ihre Absichten stimmen immer mit den Plänen
Gottes überein und sind daher immer durchführbar.
c) Stets sind sie mehr wert als deine eigenen
Absichten; denn Maria weiß besser als du selbst, was du brauchst.
Sie hat mit dir viel Höheres vor, als du nur ahnen kannst.
Bitte also jedesmal Maria, wenn du einen Wunsch
hast, sie möge ihre Absichten dabei verwirklichen, und sei versichert,
daß du unbedingt das erhalten wirst, was du verlangst, oder etwas
Besseres, und daß du nicht nach deinen kleinlichen Begriffen empfangen
wirst, sondern nach ihrer unermeßlichen Liebe.
Die Seele:
O Jesus, wie herrlich wird das sein! Um einen
Glauben zu erlangen, der Berge versetzt, und selbst über meine Erwartungen
hinaus erhört zu werden, wird es genügen, in jeder Lage meine
Mutter zu bitten, ihre Absichten für mich zu verwirklichen.
8.
Lebe wie ich in Vereinigung
mit Maria
Jesus:
1. Mein Bruder, ich habe dir noch einen anderen
sehr wesentlichen Zug meiner Kindesliebe zu Maria zu offenbaren: mein Leben
in Vereinigung mit ihr.
Wenn es schon für jedes Kind nichts Schöneres
gibt als immer bei seiner Mutter zu sein, wie groß waren dann erst
meine Freuden im trauten Einssein mit Maria!
Freuden in jenen neun Monaten der unaussprechlichen
Vereinigung, als ich ganz eins war mit meiner Mutter, und als sie, ein
lebendiger Tabernakel, mich immer in sich trug. Denn im Gegensatz zu anderen
Kindern kannte ich meine Mutter vom ersten Augenblick meines irdischen
Daseins an, und sogleich begann zwischen ihr und mir ein ständiger
Austausch von Gedanken und Liebe.
Freuden in jenen dreißig Jahren der
Vertrautheit ohnegleichen: in Bethlehem, in Ägypten und Nazareth,
als sie mich in ihren Armen trug, an ihrer Seite sah und sich mit mir durch
Worte oder Blicke unterhielt. Dreißig Jahre lang allein mit ihr und
Joseph!
Freuden, nicht minder tiefe, in den letzten
drei Jahren meines Lebens, als ich inmitten von verständnislosen Volksmassen,
schwerverstehenden Freunden und wütenden Feinden jener gedachte, die
mich in ihrem Häuschen von Nazareth mit ihren Gedanken begleitete,
mich verstand, mich liebte und dem Vater für das Gelingen meiner Sendung
ununterbrochen Gebete und Opfer darbrachte.
2. Ich sollte noch andere Freuden kennenlernen: Freuden, die mir die Großmütigkeit meiner Apostel bereitet, der Glaube und Anhänglichkeit einer großen Jüngerschar und der Blick in die Zukunft auf viele Seele, die bis zum Ende der Zeiten an meine Liebe glauben und sich ganz und gar mir hingeben würden. Doch alle diese Freuden zusammengenommen reichen nicht an die geringste Freude heran, die ich in der Vereinigung mit meiner Mutter fand, in diesem Zusammenfließen unserer beiden Seelen in eine einzige.
3. Nun will ich, mein vielgeliebter Bruder,
daß du an dieser Vereinigung teilhabest, um auch an dieser Freude
teilnehmen zu können.
Du wirst darin nicht nur einen unermeßlichen
Trost finden, sondern es wird dir zugleich auch äußerst leicht
gelingen, alle anderen Bezeugungen der Kindesliebe zu üben, die ich
dich gelehrt habe.
Bei Maria wirst du dich wie von selbst befleißigen,
deine vollkommene Weihe an sie zu erneuern und in die Tat umzusetzen. Du
wirst fühlen, wie deine Kindesliebe von Tag zu Tag zunimmt, wie leicht
es ist, all ihrem Verlangen, ja selbst ihren leisesten Wünschen Folge
zu leisten. Du wirst erraten, welche Verehrung ihr am meisten Freude bereitet.
Du wirst dich ganz von selbst bemühen, ihre Tugenden und alle ihre
Gesinnungen nachzuahmen. Du wirst in dir ein unwiderstehliches Vertrauen
auf ihre mütterliche Güte empfinden.
Bei ihr wirst du eine Fülle von Dingen
lernen, die ich dir nicht erklärt habe, weil dein Herz sie von selbst
erraten wird.
4. Bemühe dich also, nach meinem Beispiel
eine möglichst innige Vertrautheit mit meiner Mutter zu suchen.
Vereinige dich mit ihr im Gebet!
Erneuere täglich deine Weihe an Maria;
sei treu im täglichen Rosenkranzgebet und verrichte jeden Tag all
die Gebete, die du dir vorgenommen hast, ihr darzubringen. Erhebe öfters
im Laufe des Tages deinen Blick zu ihr, die ständig auf ihr Kind schaut.
5. Wenn du aber zu ihr betest, denke daran, daß du dich in meinem Namen an sie wendest, daß ich es bin, der ich durch dich fortfahre, meine Mutter in Wort und Tat zu ehren und zu lieben.
6. Wenn du zum Vater oder zum Heiligen Geist oder zu mir sprechen willst, sollst du dich zuerst mit meiner Mutter vereinigen. Mit ihr vereint wird deine Sammlung tiefer sein, dein Glaube fester, dein Vertrauen unbegrenzter und deine Liebe glühender. Denn so werden sich den Gesinnungen deines armen Herzens all die vollkommenen Gesinnungen deiner Mutter anschließen.
7. Nimm besonders dann deine Zuflucht zu Maria, wenn du mich im Sakrament meiner Liebe empfängst. Bitte sie, daß sie dir ihren Glauben leihe, ihre Hoffnung, ihr Vertrauen, ihre Liebe. Bitte sie, daß sie mich dir reiche und dich in mich umwandle.
8. Vereinige dich mit ihr bei deiner Tätigkeit.
Ich arbeitete mit meiner Mutter und für
sie. Mache es auch so!
Opfere ihr jede deiner Beschäftigungen
auf! Doch mache aus dieser Aufopferung keine leere Formel! Tue nur, was
sie will, weil sie es will und wie sie es will.
Gib aber acht, daß dein Eigensinn, deine
Neigungen und deine Interessen nicht deine anfängliche Meinung verdrängen!
Trage besonders in jenen Beschäftigungen Sorge, die dich leicht völlig
gefangennehmen oder zerstreuen, daß jede Selbstsucht ausgeschlossen
bleibt! Handle nur nach den Absichten Mariens!
9. Vereinige dich mit ihr in allen Gefühlen
deines Herzens!
Das Herz meiner Mutter und das meine sind
aufeinander abgestimmt: Meine Freuden waren ihre Freuden, meine Hoffnungen
ihre Hoffnungen, meine Sorgen ihre Sorgen, meine Liebe ihre Liebe!
Erzähle meiner Mutter von all dem, was
dich verwirrt, was dich bewegt. Sie versteht, was in deinem tiefsten Herzen
vor sich geht; sie versteht, was du selbst nicht verstehen kannst.
Bist du traurig? Erzähle ihr deinen Kummer!
Sie wird dir helfen, ihn zu tragen, oder wird ihn in Freude verwandeln.
Bist du froh? Sag ihr dein Glück! Sie
wird es vertiefen und läutern.
Bist du mutlos? Lege ihr deine Befürchtungen
oder Mißerfolge vor! Sie wird dir den wahren Erfolg erlangen.
Ist dir ein Unternehmen gelungen? Geh und
danke ihr und bitte sie, sie möge dir die Früchte sichern!
Weißt du in Schwierigkeiten nicht, wo
aus, wo ein? Frage sie um Rat; sie wird dich erleuchten und führen.
Fühlst du dich kraft- und willenlos?
Gehe zu ihr und schöpfe bei ihr neuen Mut.
10. Erzähle ihr nicht nur von deinen tiefsten Gefühlen, sondern auch von den einfachsten Eindrücken und Gedanken, die dir bei deiner gewöhnlichen Beschäftigung kommen! Pflegt das Kind nicht sich so einer Mutter gegenüber zu benehmen? Glaubst du nicht, daß auch ich immer so tat, als ich an Mariens Seite lebte?
11. In diesen ständigen Beziehungen mit
Maria brauchst du gar nicht viele Worte. Wie oft rufen die kleinen Kinder
nur: "Mama!", wenn sie ihrer Mutter sagen wollen, was sie fühlen oder
brauchen. Sie schauen ihre Mutter bloß an, und diese versteht ganz
wunderbar, was sie sagen wollen. Wie keine andere wußte meine Mutter,
was ich wollte, wenn ich ihren Namen aussprach und sie anblickte. Ihr Blick
antwortete dem meinen.
Oh, welch unendliche Freude für sie und
für mich!
Willst du Maria von deinen Nöten und
von deinem Fühlen erzählen, sage ihr bloß: "Mutter!" und
schau sie einen Augenblick an. In diesen Namen lege aber alles hinein,
was du ihr gerade sagen willst: eine Beteuerung deiner Liebe, die Aufopferung
deiner Arbeit, einen Angstschrei, einen Dank, deine Freude oder deine Trauer!
Deine Mutter wird dich schon verstehen, und sie wird auf den Ruf ihres
Kindes antworten, wie nur sie es kann.
Ich ließ dich nur einen kleinen Winkel
von jenem Paradies sehen, das ein Marienkind in der Vereinigung mit seiner
Mutter findet. Sie selbst wird dich in dieses Paradies hineinführen
und dir das unaussprechlich Wunderbare dartun je nach Grad deiner Treue.
Die Seele:
O Jesus, gib, daß ich mich immer an
Deine Mutter halte, so wie Du ihr ständig ganz nahe warst. Gib, daß
ich unter ihrem mütterlichen Blick lebe und ständig zu ihr aufschaue,
um von ihr und durch sie getröstet, aufgemuntert, geleitet zu werden.
Das soll mir wahrhaft der Himmel auf Erden sein. Laß mich immer in
diesem Himmel leben!
9.
Komm, höre deine Mutter
Jesus:
Mein Bruder, du hast zu verstehen begonnen,
was ich für meine Mutter getan habe, und was du nach meinem Beispiel
für sie tun sollst. Du hast noch nicht alles begriffen, was sie für
mich getan und was sie für dich noch tun will.
Sie hat mich erzogen, wie jede gute Mutter
ihr Kind erzieht, und sie hatte Anteil an meinem Erlösungswerk.
Sie will auch dich erziehen und dich teilnehmen
lassen an ihrem Wirken als Miterlöserin.
Aber sie selbst wird dir ihre Absichten mitteilen.
Höre sie gelehrig an und gehorche ihr mit Liebe, wie auch ich ihr
in unendlicher Liebe untertan war.
Die Seele:
O Jesus, Sohn Gottes und Sohn Mariens, mein
Schöpfer und mein Bruder! Wie soll ich Dir vergelten, was Du für
mich getan? Du weißt, daß ich nichts habe, was mir gehört
außer dem Nichts und der Sünde. Aber mit Deiner Gnade kann ich
Dir das geben, was Du von mir erwartest. Ich will Dich in Deiner Liebe
zu Deiner Mutter mit ganzer Hingabe nachahmen, damit Du sie durch mich
lieben kannst.
O Maria, Mutter Gottes und meine Mutter! Du
hast mich zu deinem Lieblingskind erwählt. Mit deiner Hilfe werde
ich dir ein zweiter Jesus sein.
Siehe! Ich bin bereit, daß du mich unterrichtest
und leitest. Rede, Mutter, dein Kind hört! Befiehl mir, was du willst,
und erlange mir die Gnade, deine Weisungen auszuführen!
UMWANDLUNG IN JESUS
Maria:
1. Mein vielgeliebter Sohn, dem ich das Leben
gab, als ich Jesus gebar, in dem ich Jesus sehe und den ich mit jener Liebe
liebe, die ich zu Jesus trug, dich hat mein Sohn gelehrt, mir ähnlich
anzugehören wie er. Ich will dir ebenso Mutter sein wie ihm.
2. Wie Er, so hast auch du dich mir ganz hingegeben. Doch ich will dich nicht für mich allein haben. Aus Liebe zu Jesus und zu dir, für Jesus in dir und in den anderen habe ich dich zu meinem Lieblingskind auserwählt. Noch kannst du nicht alles verstehen, was ich dir sage; nach und nach aber wirst du es begreifen.
3. Zuerst will ich mich deiner Erziehung annehmen, wie ich es bei meinem Sohn Jesus tat. Du bist mein Kind, weil du eins bist mit Ihm.
4. Dich erziehen heißt, dich lehren, vollkommen das Leben Jesu zu leben, zu denken und zu wollen, zu sprechen und zu handeln, wie Er, kurz, ein anderer Jesus zu werden. Es bedeutet, in dir eine ähnliche Wandlung hervorzubringen wie jene, die der Priester mit der Hostie vollzieht. Für die Sinne bleibt das Brot in der Hostie, für den Glauben aber ist es Jesus. Auch du wirst äußerlich der gleiche bleiben, aber innerlich wirst du gleichsam Jesus sein.
5. Du meinst, das sei dir ein zu hohes Ideal. Habe keine Sorge! Ich verstehe es, die Seelen dem Vorbild Jesu ähnlich zu gestalten. Alle Heiligen sind durch mich heilig geworden. Warum könnte ich nicht auch für dich tun, was ich für andere tat? Laß mir nur freie Hand und sei gelehrig!
6. Ich will dir jetzt einige Übungen angeben, die dir bei dieser Umwandlung behilflich sein können. Nimm dir eine nach der anderen vor und gehe nicht zur folgenden über, bevor sie dir nicht ganz leichtfällt. Aber, wenn du einmal so weit bist, dann lasse nie mehr von ihr!
Die Seele:
O meine Mutter, ich, ein Sünder, so schuldbeladen
in der Vergangenheit, so schwach in der Gegenwart und so unbeständig,
fürchte ich, in der Zukunft, ich soll ein Heiliger werden? Dennoch
übergebe ich mich dir ganz und gar. Alle Wunder sind dir möglich,
sogar das, aus mir einen Heiligen zu machen. Erlange mir die Gnade, daß
ich niemals deinen Wünschen widerstehe.
2.
Lerne die Gedanken Jesu zu denken.
1. Aus den Büchern:
Maria:
1. Mein Sohn, willst du Jesu Leben leben,
so mußt du zunächst lernen, die Gedanken Jesu zu denken.
Die Welt denkt auf ihre Art und Jesus auf
eine ganz andere. Dein Denken stimmt oft mehr mit dem der Welt als mit
den Gedanken Jesu überein.
2. Jesu Denken ist im Evangelium aufgezeichnet
und auch in den Büchern, von Männern geschrieben, die erfüllt
waren vom Geist des Evangeliums. Da mußt du dieses Denken studieren.
Verwende täglich einige Augenblicke für
eine fromme Lesung. Kannst du dir dafür nicht täglich eine Viertelstunde
gönnen oder wenigstens fünf Minuten? Du findest ja Zeit für
allerlei andere Dinge, die lange nicht so wichtig wären.
Mag diese tägliche Lesung manchmal recht
kurz sein, unterlasse sie jedoch nie.
Bestimme für sie eine Zeit des Tages:
morgens, mittags oder abends, und sei dann genau; beginne pünktlich
mit ihr.
3. Bitte mich zu Beginn der Lesung, daß
ich dir helfe, die Lehren Jesu zu verstehen. Teile mir die Erwägungen
mit, die Jesus dir eingibt.
Denke beim Lesen daran, daß Jesus mit
dir spricht!
Lies mit Ehrfurcht und ehre so das Wort Jesu!
Lies langsam, nicht zu hastig, nicht, um deine
Neugierde zu befriedigen, sondern um den Geist Jesu zu erfassen und zu
lernen, Sein Leben zu leben.
Wende das Gelesene auf dein Leben an. Siehe
zu, was du zu verbessern hast in deinem Denken und Benehmen. Schließe
die Lesung mit einem Vorsatz, den du mir anvertraust!
3.
Lerne denken wie Jesus
2. In unmittelbarer Verbindung mit Ihm
Maria:
1. Mein Sohn, auch auf einem anderen Weg kannst
du dahin kommen, Jesu Gedanken zu denken. Es ist das ein recht schneller,
sicherer und wirksamer Weg. Er besteht darin, daß du mit Jesus in
unmittelbare Verbindung trittst.
2. Betrachte Jesus mit Vorliebe im Evangelium!
Höre seine Worte; schaue auf Seine Handlungen!
Aber bleibe nicht beim Äußeren stehen, sondern dringe in Seine
Seele! Dort wirst du dann entdecken, was Er bei Seinen Worten und Handlungen
dachte, fühlte und wollte. Achte vor allem darauf, wie bei Ihm jedes
Wort, jede Gebärde aus der Liebe hervorgeht. Denn Jesus ist mehr als
bloßer Lehrer, der Worte der Weisheit spricht. Er ist der Gott der
Liebe. Du hast Seine Lehre nicht verstanden, wenn du nicht zur Quelle dieser
Lehre gekommen bist: zur unendlichen Liebe des Herzens Jesu.
3. Hast du Jesus betrachtet, dann betrachte
einen Augenblick auch dich selbst. Dann kannst du feststellen, daß
du noch lange nicht so fühlst, denkst, willst und handelst wie Er.
Erforsche dich, was du tun sollst, welches
Hindernis du entfernen, welche Mittel du anwenden und welche Opfer du dir
auferlegen willst, um Ihm ähnlich zu werden.
4. Während du Jesus betrachtest und dein
Leben im Lichte Jesu prüfst, sprich zu Ihm!
Rede mit Ihm, wie wenn du Ihn sehen würdest!
Wohnt Er nicht in dir? Hört Er deine Stimme nicht ebenso gut wie die
von Petrus, Magdalena oder Johannes? Oder liebt Er dich nicht ebenso innig,
wie Er seine Jünger geliebt, dich vor allem, den Er mir geschenkt,
damit du, wie Johannes, mein Lieblingskind seist?
Sprich mit Ihm herzlich, ohne Formeln! Sag
Ihm ganz einfach, was du denkst, fühlst, wünschest. Sag Ihm,
wie du es deinem Bruder, deinem besten Freund erzählen würdest.
5. In dieser Unterhaltung mit Jesus vergiß
nicht, dich mit mir zu vereinigen! Du weißt, daß ich immer
bei dir bin, und daß man nur durch die Mutter den Sohn findet.
Du kannst dich ja selbst davon überzeugen,
daß du nicht so gesammelt, nicht so vertraut und liebevoll mit Ihm
sein kannst, wenn du mich nicht an deiner Stelle weißt.
Mein ganzes Leben verbrachte ich damit, über
all das nachzudenken, was ich bei meinem Sohn sah und hörte. Jede
deiner Betrachtungen über Ihn wird nur eine Wiederholung einer meiner
Betrachtungen sein. Komm zu mir, und du wirst durch mich teilweise das
verstehen und fühlen, was ich verstand und fühlte, als ich über
die Geheimnisse Jesu nachdachte.
6. Mühe dich nicht damit ab, Gedanken
und Überlegungen zu häufen. Begnüge dich damit zu glauben,
zu lieben und zu beten.
Glaube! Wenn Jesus dies oder jenes gesagt
hat, so ist Sein Wort entscheidend. Unnütz ist's, andere Beweise zu
suchen. Er hat es gesagt: Also ist es wahr, unfehlbar wahr!
Glaube! Deine Mitmenschen behaupten vielleicht,
wenigstens durch ihr Benehmen, das Gegenteil. Das macht nichts. Jesus hat
es gesagt: deshalb ist es wahr. Die Menschen werden vergehen, aber die
Wahrheit des Herrn bleibt ewig!
Deine natürlichen Gesinnungen werden
mit den Gesinnungen der Menschen übereinstimmen oder sich der Lehre
Jesu gegenüber gleichgültig verhalten. Auch das macht nichts!
Es kommt hier nicht auf das Gefühl an, sondern auf den Glauben. Jesus
hat es gesagt! Daher glaube es!
Vereinige dich mit mir und dein Glaube wird
reiner, fester werden!
Erwecke häufig Akte des Glaubens! Nicht,
um dir selbst etwas einzureden, sondern um die göttliche Wahrheit
bis auf den Grund deiner Seele eindringen zu lassen und daraus die praktischen
Folgerungen zu ziehen.
7. Liebe! Liebe die Wahrheit, weil Jesus sie
geliebt hat. Liebe vor allem Jesus; lerne Ihn immer mehr lieben! Wenn du
Ihn inniger liebst, dann wirst du - oft ganz unbewußt - all die Gesinnungen
Seiner Seele in vollkommener Weise nachahmen.
Komm zu mir! Ich werde meine Liebe mit der
deinen vereinen, und miteinander wollen wir Jesus lieben in unvergleichlich
starker und reiner Liebe.
8. Bete! Bete zu Jesus, daß Er deinem
Unglauben zu Hilfe kommt. Bitte Ihn, daß Er dir Seine Gedanken, Gefühle
und Sein Wollen verleihe.
Bitte auch mich, daß ich dir Jesus offenbare
und dich Sein Leben leben lasse.
9. Beschäftige dich vornehmlich mit jener Gesinnung Christi, welche dir am meisten abgeht, oder mit jener, die dich am meisten anzieht, oder mit jener, die dir durch ein aufregendes Ereignis notwendig erscheint.
10. Anstelle des Evangeliums kannst du auch ein anderes frommes Buch benützen oder einen Gebetstext oder ein frommes Lied. Aber bemühe dich, dabei zu glauben, zu lieben und es auch aus Liebe zu Jesus in die Tat umzusetzen!
11. Bereite deine Unterhaltung mit Jesus vor,
indem du überlegst, was du Ihm sagen willst, und dich noch mehr gesammelt
hältst.
Beginne stets damit, daß du mich bittest,
ich möge dich zu meinem Sohne führen. Versetze dich in Seine
und meine Gegenwart!
Schließe das Gespräch mit einem
praktischen Vorsatz; darüber werde ich dich noch im folgenden belehren!
12. Bemühe dich, im Laufe des Tages, von Zeit zu Zeit beim Hin- und Hergehen, nach einzelnen Beschäftigungen, dir jene Wahrheit in das Gedächtnis zurückzurufen, die in der Unterredung mit Jesus den tiefsten Eindruck auf dich gemacht hat. Im Anschluß daran erwecke einige Akte des Glaubens!
13. Beginnst du jetzt zu verstehen, wie wahr
das ist, was ich über die Bedeutung dieser Übung sagte für
jene, die Jesu Gedanken denken wollen?
Wenn ja, dann wirst du auch verstehen, daß
du nie, um keinen Preis, diese tägliche Unterhaltung mit Jesus unterlassen
darfst.
Bestimme für sie genau den Augenblick
und auch die Zeitspanne, die du ihr widmen kannst. Dann aber halte dich
daran, was immer auch kommen mag.
Kürze die Zeit der Betrachtung ab, wenn
es sein muß; aber unterlasse sie nie ganz!
Unterlasse sie nicht unter dem Vorwand, daß
du ja kaum dazukommst, dein Morgen- und Abendgebet zu verrichten. Kürze
eher diese Gebete, um einige Augenblicke für das Gespräch mit
Jesus zu gewinnen.
Wenn du die verfügbare Zeit für
den Empfang der heiligen Kommunion brauchst, dann kommuniziere, aber mache
aus deiner Vorbereitung und Danksagung eine Unterredung mit Jesu!
Unterlasse sie nicht unter dem Vorwand, du
könntest sonst deine geistliche Lesung nicht halten. Nütze sie
als Vorbereitung dafür; aber einige Minuten sollst du dir stets für
die unmittelbare Vereinigung mit Jesus vorbehalten.
Unterlasse sie nicht wegen der Unmenge deiner
Beschäftigungen! Je mehr du beschäftigt bist, um so mehr mußt
du dich in der Hand haben. Das beste Mittel, sich zu beherrschen, ist die
Selbstbeherrschung in Gott. Welche Menschen haben die fruchtbarste Arbeit
geleistet? Jene, die am innigsten mit Jesus vereint lebten.
Unterlasse deine Betrachtungen nicht, weil
du vielleicht feig und untreu gewesen bist, oder weil dir keine Gedanken
kommen, weil du nichts fühlst. Wer wird dich läutern, wer dich
heilen, wenn nicht Jesus? Komm mit mir hin zu Ihm!
14. Hast du mich verstanden, mein Sohn? Entweder wirst du mit Entschlossenheit und Ausdauer darangehen, das zu üben, was ich dich gelehrt, und dann wird es dir nicht leicht fallen, dich in Jesus umzubilden; oder du wirst den Mut dazu nicht aufbringen, und dann bleibst du in der Mittelmäßigkeit stecken, und ich könnte dir die Aufgabe nicht übertragen, die ich dir vorbehalte. Nun wähle!
Die Seele:
O meine Mutter, ich verspreche dir, daß
ich keinen Tag und unter keinem Vorwand die Unterredung mit Jesus und dir
versäumen werde. Ich will mich befleißigen, unter deiner Anleitung
immer tiefer in die Erkenntnis deines Sohnes einzudringen.
4.
Jesu großer Feind in dir
Maria:
1. Mein Sohn, wenn man Jesu Gedanken kennt,
lebt man dadurch nicht auch schon Sein Leben. Du mußt zugleich auch
jene Feinde bekämpfen und überwinden, die sich dem Leben Jesu
in dir widersetzen.
Weißt du, daß dein allergefährlichster
Feind du selbst bist?
Du möchtest gern nur für Jesus allein
leben; aber zu gleicher Zeit möchtest du auch den Neigungen deiner
verdorbenen Natur nachgeben. Täusche dich nicht! "Niemand kann zwei
Herren dienen." Solange deine Natur dich leitet, kann nicht Jesus in dir
herrschen! Du mußt also deiner Natur einen bedingungs- und schonungslosen
Kampf erklären, bis sie Jesus den Platz räumt.
2. Das ist zwar eine harte Bedingung, aber
eine unvermeidliche.
Wie viele meiner Kinder sah ich schon, die
einst fromm und großmütig waren, wie geschaffen zur Heiligkeit
und dazu bestimmt, in ihrer Umgebung eine segensreiche Tätigkeit zu
entfalten. Doch ach! Weil sie nicht einsehen konnten, wie verdorben ihre
Natur war, und daß man sie bekämpfen muß, sind sie bei
ihrer Mittelmäßigkeit stehengeblieben und haben nicht den hundertsten
Teil des Guten, zu dem sie berufen waren, verwirklicht. Manche gingen sogar
ganz elend zugrunde und zogen dabei oft eine Menge von Seelen mit ins Verderben.
3. Suche also die schlechten Neigungen deiner
Natur zu erkennen! Ihr Name ist Legion, denn die Erbsünde, durch die
ererbten bösen Neigungen deiner Väter und durch deine persönlichen
Fehler gestärkt, kann alle Tätigkeit deines Leibes und deiner
Seele verderben.
Laß dich jedoch durch ihre Unmenge deiner
Feinde nicht verwirren! Denn sie sind alle einem Führer untertan.
Ist er besiegt, sind es auch alle anderen oder sie werden dir wenigstens
nur noch schwachen Widerstand leisten können. In erster Linie mußt
du deine Hauptneigung erkennen. Welche erkennst du als solche?
4. Ist es die Eitelkeit? Verlangst du gierig nach Lob? Fühlst du dich glücklich, wenn es dir zuteil wird, selbst unverdient? Ertappst du dich beim Träumen von Dingen, die dir den Beifall der Menschen sichern?
5. Der Stolz? Hast du eine hohe Meinung von dir, so daß du manchmal bis zur Verachtung der anderen gelangst? Behandelst du sie von oben herab, hart oder zornig, besonders jene, die sich vor dir nicht beugen?
6. Die Empfindlichkeit? Regst du dich auf über wirklichen oder vermeintlichen Tadel, über Mangel an Aufmerksamkeit, wäre sie auch nur unfreiwillig? Denkst du oft, wie ungerecht andere dich behandeln? Kannst du ihnen verzeihen? Bist du versucht, ein gutes Werk aufzugeben, weil man dich kränkt?
7. Der Ehrgeiz? Suchst du dich vorzudrängen? Ist es deine oder Christi Ehre, nach der du strebst? Willst du bei jedem Werk der Anführer sein und ziehst dich nicht zurück, wenn du als einfacher Soldat kämpfen sollst?
8. Der Neid? Kannst du es nicht ertragen, daß andere den gleichen Erfolg haben wie du? Freust du dich über ihre Mißerfolge?
9. Der Wankelmut? Bist du der Spielball deiner Laune, bald begeistert und zu jedem Opfer bereit, bald wieder niedergeschlagen und gleichgültig für alles? Kommt es nicht vor, daß du vielerlei beginnst und nichts vollendest?
10. Der Leichtsinn? Überläßt du dich zu schnell den äußerlichen Dingen? Kostet es dich viel, dich zu sammeln, den ernsten Angelegenheiten die entsprechende Bedeutung beizumessen?
11. Die Sinnlichkeit? Schmeichelst du deinem Leib? Bist du ängstlich besorgt, ihm in Speise, Trank und Ruhe alles zu gewähren oder seine noch viel niedrigeren Triebe zu befriedigen?
12. Die Trägheit? Hast du Angst vor der Anstrengung? Vernachlässigst du deine Arbeit? Erschrickst du schon vor dem kleinsten Opfer?
13. Die Selbstsucht? Denkst du ausschließlich an dich? Weißt du, daß andere auch Rechte haben, und daß du, wenn nötig, eher dich einschränken sollst als von anderen dies zu verlangen?
14. Prüfe dich! Du wirst dabei Ansätze
von vielen dieser ungeordneten Triebe in dir entdecken. Zweifellos trägst
du den Keim zu allen schlechten Neigungen; aber alle sind nicht vorherrschend.
Welche erscheint dir also die stärkste
und verderblichste? Welche ist gewöhnlich die Ursache deiner Sorgen,
deiner Unruhe, deiner üblen Laune oder deiner Freude?
Ertappst du dich beim Träumen über
einem Gedanken der Eitelkeit, der Rache oder der Sinnlichkeit?
Woher kommen jene Zerstreuungen, die dir am
meisten gefallen oder die du am schwersten verscheuchen kannst?
Welche Vorwürfe machen dir deine Eltern,
Lehrer, Freunde oder jene, die gegen dich erzürnt sind?
Welche Neigung ist es, von der du sagen könntest:
Hätte ich das nicht, ginge es mir weit besser in der Verbindung mit
dem lieben Gott und mit den Menschen!?
15. Sei recht aufrichtig in deiner Gewissenserforschung
und bete um Licht von oben! Du kannst dich hier sehr leicht täuschen,
indem du den Hauptfehler mit einem sehr auffallenden, aber weniger tief
sitzenden Fehler verwechselst oder mit einem Fehler, den du abzulegen eher
bereit wärest. Die Menschen halten nämlich ziemlich zäh
an ihrem Hauptfehler fest. Mit ihm sind sie geboren und erzogen worden
und mit ihm leben sie; ständig verschafft er ihnen reichliche Befriedigung.
Manche halten ihn sogar für ihren Hauptvorzug. Ohne Zweifel liebt
sich jeder sehr. Doch man muß den Mut haben, Jesus mehr zu lieben
als sich selbst.
Wage es, dir in aller Einfachheit zu bekennen,
was du Ihm in dir opfern mußt.
Fürchte nichts! Entsage den eitlen Götzen,
und Gottes Gegenwart wird dich erfüllen. Stirb deiner verdorbenen
Natur ab, und du wirst das Leben Jesu leben.
Die Seele:
Es lebe Jesus, koste es, was es wolle! Er
muß wachsen, ich muß abnehmen.
5.
Ersetze deine Gesinnungen durch
Jesu Gesinnungen
Maria:
1. Mein Sohn, es ist für dich schon recht
schwer, deinen großen Feind zu erkennen. Aber es ist noch tausendmal
schwerer, ihn niederzuwerfen. Allein wirst du das nie vermögen. Doch
halte dich an mich, und du wirst siegen.
2. Gib dir zunächst Rechenschaft über die verschiedenen Formen, unter denen sich dein Hauptfehler offen oder geheim zeigt, und über die Umstände, unter denen er dir den größten Schaden zufügt.
3. Dann nimm den unerbittlichen Kampf gegen
ihn auf! Im Kampf gegen seine Fehler kann man einen doppelten Weg einschlagen.
Einige verwenden ihre ganze Aufmerksamkeit
darauf, ihre Fehler zu beobachten, wie sie sich nach außen offenbaren.
Sie schreiben sie auf, zählen sie, vergleichen sie und bemühen
sich, von Tag zu Tag ihre Zahl zu verringern.
Diese Kampfesweise ist geeignet, recht gute
Erfolge zu erzielen, wenn sie mit Beharrlichkeit angewandt wird.
Aber wird sie allein angewandt, droht sie
langweilig zu werden und manchmal schmerzliche Überraschungen zu bereiten.
Denn, wenn man einige Zeit aufgehört hat, alle Verfehlungen bezüglich
eines gewissen Punktes genau zu überwachen, und man sein Augenmerk
einem anderen Fehler zuwendet, muß man oft wahrnehmen, daß
die alte Neigung noch immer da ist, ebenso stark wie zuvor, wenn sie sich
nun auch unter einer etwas anderen Form zeigt. Man hat das Unkraut eben
nur abgeschnitten, soweit es aus der Erde ragte. Weil man aber die Wurzeln
nicht ausriß und das Unkraut nicht durch Nutzpflanzen ersetzte, sieht
man es ebenso üppig hervorsprießen wie zuvor.
4. Eine andere, bei weitem leichtere und wirksamere Kampfesart will ich dich jetzt lehren. Wird sie auch die erstere nicht ersetzen, so doch gut ergänzen. Lerne an Jesus jene Tugend kennen, die deinem Hauptfehler entgegengesetzt ist. Bist du stolz? Betrachte Seine Demut! Bist du zum Zorn geneigt? Siehe Seine Sanftmut! Bewundere Ihn, wie Er sich selbst vergißt und sich für die Menschen opfert. Bist du sinnlich? Betrachte Seine Leiden!
5. Verwende deine täglichen Unterredungen
mit Jesus dazu, in Ihm jene Gesinnung kennenzulernen, die dir fehlt. Betrachte,
was Jesus gedacht, gefühlt, gesagt und getan hat! Liebe diese Gesinnung
deines Vorbildes. Laß dich dafür begeistern!
Dann vergleiche sie mit der deinen.
Bitte Jesus, daß du durch meine Vermittlung
in Ihn umgestaltet werdest.
Bitte Ihn bei deinen wirklichen und geistigen
Kommunionen, daß Er dich Sein Leben leben lasse.
6. Im Laufe des Tages sollst du immer wieder
an den sanften, demütigen, geduldigen Jesus denken, je nach der Gesinnung,
die du in Ihm nachahmen willst.
Du sollst besonders in jenen Augenblicken
daran denken, in denen deine schlechte Neigung stärkeren Halt zu gewinnen
sucht. Statt der mühsamen, anstrengenden Widerstandsversuche blicke
ganz ruhig auf dein Vorbild und frage: "Jesus, was würdest Du an meiner
Stelle denken, tun? Komm und laß mich Dein Leben leben!" Und Jesus
wird den erregten Wogen gebieten, und eine große Ruhe wird sich über
deine Seele legen.
7. Wenn du immer so auf Jesus hinsiehst und
Ihn durch dein Flehen gleichsam in dich hineinziehst, wird es dir allmählich
gelingen, dich von jenen Neigungen loszureißen, an denen du so zäh
festhieltst; denn du willst ja keine anderen Gesinnungen mehr haben als
nur die von Jesus.
Sei jedoch vor einem solchen Feind auf der
Hut, der dich überraschen könnte, wenn du dich vollkommen sicher
wähnst. Prüfe darum von Zeit zu Zeit, und sei es auch nur mit
einem flüchtigen Überblick, ob deine schlechte Neigung nicht
unter einer neuen Form emporzukeimen droht.
8. Mein Sohn hat dir ans Herz gelegt, deine
Mutter zu betrachten. Siehe auch meine Gesinnungen, nachdem du die Gesinnungen
Jesu betrachtet hast. Wenn du dich bei einem Fehler, den du ausrotten,
oder einer Tugend, die du erwerben willst, fragst, was ich dachte, fühlte
oder tat, oder was ich an deiner Stelle tun würde, so ist es wiederum
Jesus, den du dadurch besser kennen und in dir nachzubilden lernst.
Die Seele:
O Maria, belehre mich über Jesus, damit
ich nur sein Leben nachlebe.
6.
Drei erfolgreiche Mittel
Maria:
1. Mein Sohn, willst du bei der Umbildung
in Jesus schneller vorankommen, so mußt du planmäßig vorgehen.
Ich will dir drei Mittel angeben, die dir dabei behilflich sein können.
Tägliche Rückschau:
2. Halte zunächst jeden Tag, am besten
um die Mittagszeit, einen Augenblick Rückschau auf deine geistliche
Arbeit.
Prüfe dich dabei, was du seit Beginn
des Tages getan hast, um bezüglich dieser oder jener Gesinnung das
Leben Jesu zu leben, und überlege dann, was du bis zum Ende des Tages
zu tun gedenkst.
3. Merke dir folgende Ratschläge gut!
Wie schon gesagt, klammere dich weniger daran,
deine Verfehlungen zu zählen, sondern denke vielmehr darüber
nach, was wohl Jesus an deiner Statt gedacht, gefühlt und getan hätte
unter den verschiedenen Umständen, unter denen deine verdorbene Natur
sich zeigte. Nimm dir sodann vor, wie du Seine Gesinnungen nachahmen willst,
wenn sich dir nächstens unter den gleichen Umständen Gelegenheit
bieten wird.
Mache aus der Rückschau - und das ist
der zweite Rat - eine Unterredung mit Jesus und mit mir! So wirst du weit
mehr Erfolg haben als durch die Abrechnung über dein geistliches Leben,
die du allein besorgst. Erzähle uns von deinen Erfolgen und Mißerfolgen,
von den Gefühlen der Freude, des Dankes, der Reue, der Ermutigung,
die sie in dir erwecken; unterbreite uns deine Vorsätze und bitte
uns, daß wir dir helfen, immer inniger das Leben Jesu zu leben.
Geistliche Erneuerungen:
4. Ein zweites Mittel, deine Arbeit an der
Umwandlung in Jesus zu beschleunigen, sind die geistlichen Erneuerungen.
Sichere dir im Laufe des tages einige kurze
Augenblicke, ein oder zwei am Vormittag und ebensoviele am Nachmittag,
je nachdem es deine Beschäftigung am besten zuläßt.
In diesen Augenblicken wirst du zunächst
innige Verbindung mit Jesus und mit mir aufnehmen. Das kann geschehen durch
eine geistige Kommunion, durch ein Wort der Liebe und des Vertrauens, wenn
dich gerade etwas betrübt oder erfreut, oder an deine letzte Unterredung
mit Jesus erinnert u. dgl. Wichtig ist nur, daß du wieder einen Augenblick
der Vereinigung mit uns durchlebst.
Dann überblicke kurz, was du seit der
letzten Erneuerung in der Nachahmung meines Sohnes getan, und nehme dir
vor, was du bis zur nächsten tun willst.
So wirst du dich in deinem geistlichen Kampf
stets frisch halten und gleichzeitig wird deine Vereinigung mit Jesus und
mit mir immer inniger werden.
Exerzitien:
5. Endlich mußt du auch in gewissen
Zwischenabständen eine längere zeit den Interessen deiner Seele
widmen. Bemühe dich, jedes Jahr einige Tage Exerzitien zu halten oder
wenigstens mehrere Tage hindurch deine freie Zeit in innigster Vertrautheit
mit Jesus und mit mir zu verbringen. Da kannst du über die Belehrungen
nachdenken, die wir dir gegeben haben; du kannst dich erforschen, weshalb
du im vergangenen Jahr keinen größeren Fortschritt gemacht hast,
und mit welchen Mitteln du während des kommenden Jahres ernstere Arbeiten
leisten wirst.
6. Sammle dich in jedem Monat, am besten am ersten Samstag oder Sonntag, und betrachte in der zeit, die dir zur Verfügung steht, wie weit du mit deiner geistlichen Arbeit bist, und fasse wirksamere Vorsätze für den kommenden Monat.
7. Überprüfe in jeder Woche an einem bestimmten Tag einen Augenblick deine Bemühungen in der zurückliegenden Woche und bereite dich auf die kommende Woche vor.
8. Die treue Befolgung dieser Übungen wird dich wohl binden. Doch wenn du liebst, wird dir dies teuer und leicht werden. Denn so wirst du dahin gelangen, immer mehr zu lieben.
7.
Drei unerläßliche
Tugenden
Maria:
1. Mein Sohn, die äußeren Mittel,
die ich dir angab, werden dir nur in dem Maß dienlich sein, als du
sie mit den inneren verbindest. Die gleichen Übungen führen manche
Seelen
zur Heiligkeit, während sie die anderen nicht einmal aus der Mittelmäßigkeit
herausheben können.
"Der Geist ist es, der lebendig macht." Höre,
was dieser Geist von dir verlangt!
2. Vor allem Abtötung!
Du brauchst sie, um deinen Hauptfehler rücksichtslos
zu bekämpfen.
Du brauchst sie, um dir in allen Dingen zu
entsagen und so die Tätigkeit Jesu in dir nicht zu hemmen.
Du brauchst sie, um jene Anstrengungen auf
dich zu nehmen, die für die Nachahmung der Gesinnungen Jesu unerläßlich
sind.
3. Bestünde die kindliche Liebe zu mir
nur darin, daß du mich anrufst, mir zu Ehren singst und dich in mir
freust, dann freilich bräuchtest du dazu keine große Abtötung.
Aber die Liebe soll dich zur Einheit mit Jesus
führen. Diese Arbeit jedoch geht nicht ohne deine vollkommene Selbstverleugnung.
Du kannst nicht zwei Herren dienen. Der Herr
wird Jesus sein oder du selbst. Du mußt wählen!
Ich kann dir bei der Selbstverleugnung helfen;
ich kann sie dir aber nicht erlassen.
4. Sodann Beharrlichkeit!
Leichter finde ich hundert Seelen, die im
Augenblick der begeisterung zu einem heldenmütigen Opfer bereit sind,
als eine einzige, die in ihren täglichen Anstrengungen beharrlich
nach ihren Vorsätzen handelt.
Wie oft wirst du versucht sein, diese oder
jene Übung, die ich dir angeraten habe, aufzugeben! Bleibe treu um
jeden Preis!
Wenn du heute etwas wegen eines hinreichenden
grundes unterläßt, wirst du es morgen wegen irgendeines Vorwands
unterlassen, und bald wirst du es für immer und ohne jeden Grund unterlassen.
Kürze deine Übungen, wenn es sein
muß; doch gib sie nie auf! Nur um diesen Preis wirst du erfolg haben.
5. Schließlich und besonders: Großmut!
Es gibt zwei Arten von Großmut.
Die erste besteht darin, daß du, ohne
zu zögern, alles Jesus schenkst; nicht nur, was Er fordert, sondern
alles, was Ihm Freude bereitet, selbst wenn du nicht dazu verpflichtet
wärest.
Das war die Großmut, von der deine Mutter
erfüllt war, und die mehr oder weniger alle Heiligen übten. Danach
müßtest auch du mit all deiner Kraft streben!
6. Die zweite Art besteht darin, daß
du deine Fehler und Nachlässigkeiten immer wieder gutmachst.
Hast du einen Fehler begangen, opfere zur
Sühne eine besondere Anstrengung auf, die du sonst nicht auf dich
genommen hättest. Lege in diesen Sühneakt so viel Liebe, daß
du dann Jesus ebenso innig liebst, ja noch inniger, als wenn du Ihn nicht
betrübt hättest.
7. Der Unterschied zwischen mittelmäßigen und heiligen Seelen besteht nicht darin, daß die einen Fehler begehen und die anderen nicht - beide begehen welche -, sondern darin, daß die einen sich mit dieser Feststellung ihrer Fehler begnügen, während die anderen, die heiligen Seelen, sich bemühen, Jesus um so mehr zu lieben, je weniger sie Ihn geliebt hatten. Daher sühne wie die heiligen Seelen!
8. Sühne besonders jene Fehler oder Nachlässigkeiten, die dir in deiner täglichen Unterredung mit Jesus vorgekommen sind: in den geistlichen Erneuerungen, bei der Rückschau auf den Tag oder bei den Exerzitien.
9. Mache alles, sobald als möglich, wieder gut! Besser ist eine sofortige, wenn auch kurze Sühne als eine lange, die man auf später verschiebt.
10. Willst du wissen, auf welche Art du wieder
gutmachen sollst? Frage mich nach all deinen Fehlern und Nachlässigkeiten
um Rat, und ich werde dir zeigen, wie du jeden deiner Fehler in eine "selige
Schuld" verwandeln kannst.
Wenn du in dieser großmütigen Gesinnung
verharrst, kann ich dir versprechen, daß ich aus dir trotz deiner
Sünden, Fehler, Versuchungen und trotz deiner Schwäche einen
Heiligen und einen Apostel machen werde.
Die Seele:
O Maria, all mein Tun, all meine Zeit, mein
ganzes Sein gehört dir. Erinnere mich an meine gänzliche Hingabe
an dich, wenn ich versucht bin, feige zu sein, und mache mich großmütig
mit der Großmut der Heiligen.
8.
Das Geheimnis des Erfolgs
Maria:
1. Mein Sohn, die Übungen und Gesinnungen,
die ich dir anempfohlen, werden dich zur Einheit mit Jesus führen;
aber dies nur unter einer Bedingung:
daß du dich ihrer unter meiner Leitung befleißigst.
Jesus hat es dir gesagt: Es ist der Wille
Dessen, Der mich zur Mutter Seines Sohnes bestimmt hat, daß man nur
durch mich leicht und sicher zu einer vollkommenen Ähnlichkeit mit
Jesus gelangt.
2. Es kommt bisweilen vor, daß dein Eifer
erlahmt. Die Arbeit an deiner Seele wird mühsamer. Du siehst keinen
Fortschritt. Dann kommt der Stillstand, danach das Zurückweichen.
Du versuchst, voranzuschreiten. Aber umsonst; und du verlierst den Mut.
Wisse! Die erste Ursache davon ist sicher
ein Nachlassen deiner innigen Vereinigung mit mir. Das erste Heilmittel
besteht immer in der treuen Arbeit unter meiner Führung.
Ohne mich wird dir alles mißlingen,
mit mir aber alles möglich sein.
3. Willst du all deine Mühen mit Erfolg
gekrönt sehen? Komm zu mir; unterbreite mir immer, was du tun willst,
und handle stets nur in meinem Namen.
Frage mich jedesmal um Rat, besonders dann,
wenn du einen Vorsatz faßt. Frage mich, was ich von dir erwarte,
und sage mir, was du vorhast.
4. Ich werde dir freilich nicht mit einer Offenbarung antworten. Wenn du aber zu mir kommst mit vollem Vertrauen und in der aufrichtigen Absicht, das auszuführen, was dir als mein Wille erscheint, wirst du meistens erkennen, ob ich deinen Vorsatz billige oder nicht. Wenn ja, dann vertraue ihn mir an, damit ich dir bei der Ausführung helfe. Wenn nicht, dann bete, denke nach und unterbreite mir einen Vorsatz, der bestimmter ist, damit ich ihn billigen kann.
5. Wenn du mich längere Zeit hindurch in dieser Weise um Rat gefragt hast, - und wenn du tatsächlich meine Antwort abwartest und dich in deiner Tätigkeit nicht durch deine angeborene Hast fortreißen läßt - , so wirst du bald wahrnehmen, daß du jetzt in wenigen Tagen mehr Fortschritte machst als früher in mehreren Monaten. Wenn du dich vor jeder Handlung treu einen Augenblick mir zuwendest, werde ich dich in allem leiten. Das Ziel aber, wohin ich dich führe, kann nur eines sein: Jesus, der das Leben deines Lebens geworden ist.
Die Seele:
O Maria, du Mutter vom guten Rat, erleuchte
mich, führe mich, stehe mir bei jetzt und immerdar. Amen.
Mein Soldat
1.
Meine Sendung und deine Sendung
Maria:
1. Mein Sohn, höre nun auf das, was ich
dir sagen will, und bemühe dich, den Sinn recht zu erfassen.
Ein Geheimnis habe ich dir zu offenbaren,
ein Geheimnis, das uns beide betrifft.
2. Als mir der Engel Gabriel ankündigte,
der sohn Gottes wolle aus mir geboren werden, verkündete er mir gleichzeitig,
daß dieser Erlöser, mein Sohn geworden, sich Jesus
nennen würde. Da verstand ich, daß er, der Erlöser, mich
teilnehmen lassen wollte an seinem Erlösungswerk. Ich sah, daß
ich mich durch meine Einwilligung bereit erklärte, mitzuwirken im
Geheimnis der Menschwerdung und zugleich der Erlösung.
Ich gab mein "fiat" ( = lat.: "es geschehe",
"mir geschehe, wie du es gesagt hast").
Von diesem Augenblick an habe ich bis zum
letzten Atemzuge Jesu mit Ihm an der Rettung der Menschen mitgewirkt. Von
mir stammte Fleisch und Blut des Opferlammes; ich zog es auf im Hinblick
auf das Kreuzesopfer; meine Gebete und Leiden vereinte ich mit Seinen Gebeten
und mit Seinen Leiden, meinen Willen mit Seinem Willen. Ich brachte meinen
Sohn dem himmlischen Vater als höchstes Opfer dar. Jesus war Erlöser;
ich die Miterlöserin.
3. Bedenke nun wohl, daß Gottes Gaben
und Berufungen Ihn nicht reuen! Die Mitwirkung, die ich meinem Sohn in
Nazareth und auf Kalvaria geboten, die muß ich Ihm bis ans Ende der
Zeiten leisten.
Ich habe Jesus am Tag der Menschwerdung der
ganzen Welt geschenkt; ich muß Ihn im Laufe der Jahrhunderte jedem
einzelnen Menschen schenken. Ebenso setzt sich mein Mitwirken im Werk der
Erlösung bei jeder einzelnen Seele fort. Denn die Erlösung ist
in ihrer tatsächlichen Auswirkung noch nicht vollendet. Die Gnade
des Heils ist zwar auf Kalvaria allen Seelen verdient worden, doch sie
muß noch jeder besonders zugewendet werden.
Siehe, das ist meine Sendung bis ans Ende
der Zeiten. Mit Jesus habe ich an der Rettung aller Seelen mitgewirkt;
mit Jesus soll ich auch an ihrer Bekehrung und Heiligung mitarbeiten.
4. Könnte es auch anders sein? Indem ich die Mutter Jesu wurde, bin ich auch zugleich die Mutter all derer geworden, die einst seine Brüder werden sollten. Muß ich denn nicht als wahre Mutter über das Leben und Heil meiner Kinder wachen?
5. Du siehst also, es ist eine apostolische Sendung, die mir Gott am Tage meiner Aufnahme in den Himmel anvertraut hat; eine apostolische Sendung, die sich auf alle Menschen erstreckt, wie es auch meine Tätigkeit als Miterlöserin gewesen war, und wie es jetzt meine geistige Mutterschaft ist.
6. Ich bin die Königin der Apostel, nicht nur deshalb, weil ich mit mütterlicher Liebe über die ersten Apostel wachte, nicht nur, weil auch ihre Nachfolger durch mich segensreich für die Seelen wirkten, was ohne mich nicht möglich gewesen wäre, sondern weil ihr Apostolat nur eine begrenzte Teilnahme an jenem allgemeinen Apostolat ist, das mir anvertraut wurde, mir in erster Linie.
7. Dieses Apostolat ist ein Kampf. Jede einzelne
Seele muß ich dem Teufel entreißen und zu Jesus und dem Vater
führen.
Als der Verführer über den Fall
der ersten Menschen triumphierte, sagte Gott seinen Sturz voraus: "Ich
will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deiner und
ihrer Nachkommenschaft. Sie wird dir den Kopf zertreten." (vgl.
Genesis!)
Ich habe sein Haupt durch meine Unbefleckte
Empfängnis zertreten. Doch das war nur das erste Glied einer langen
Kette von Siegen. Bis zum Ende der Zeiten werde ich ihm das Haupt zermalmen.
Ich bin seine unversöhnliche Gegnerin, gefährlicher als ein wohlgeordnetes
Heer.
8. Im Kampf um die Seelen habe ich ihm schon
in den ersten Jahren der Kirche Niederlagen beigebracht. Seit dieser Zeit
habe ich die Irrlehren besiegt und ungezählte Sünder auf den
Weg des Heiles zurückgeführt.
So hat Gott gewollt, daß
meine Eroberungen von Jahrhundert zu Jahrhundert stets offenkundiger werden,
und Er will, daß sie in Zukunft vor aller Augen in noch nie gesehenem
Glanz erstrahlen.
9. Satan scheint der Sieger in der Welt zu
sein. Fürchte nichts! Eben wegen seiner stets wachsenden Macht will
Gott, daß ich mehr hervortrete, um ihm das Haupt zu zermalmen. Mein
Reich muß in der ganzen Welt aufgerichtet werden; dann wird das Reich
meines Sohnes mit seiner ganzen Segensfülle kommen.
Ist es dir noch nicht aufgefallen, daß
man seit der Verkündigung des Dogmas meiner Unbefleckten Empfängnis,
- des Geheimnisses meines ersten Sieges über die Hölle -, den
Heiland besser kennt, inniger liebt und Ihm treuer dient: daß Seine
Person, Sein heiligstes Altarsakrament, Sein heiligstes Herz und Sein Königtum
mit einer Verehrung umgeben werden, wie sie in ihrer Hingabe und Glut vorher
noch nie geübt wurden? Seines Reiches wird, wie der Engel es vorhergesagt,
kein Ende sein. Jetzt aber wie damals bin ich es, die der Welt ihren König
schenken soll.
Das letzte Zeitalter der Kirche wird ganz
besonders mein Zeitalter sein. Wunderbares wird durch mich und für
mich gewirkt werden. Wie noch
nie zuvor wird dann Satan von der Ferse einer Frau zertreten werden.
Die Kirche wird eine Fruchtbarkeit offenbaren und eine erobernde Macht
entfalten, wie man sie noch nie gesehen. Jesus wird dann von immer mehr
Seelen geliebt werden und auch
jene werden Ihm huldigen, die Ihn am hartnäckigsten bekämpft
haben.
10. Das ist nun mein Anteil am Geheimnis, das
ich dir offenbaren wollte.
Und nun der deine:
Es ist Gottes Ratschluß, die Menschen,
gewisse Menschen besonders, an der Ausführung der Werke Seiner Liebe
teilnehmen zu lassen. Von der Treue dieser Menschen zu ihrer Berufung will
Er den Erfolg dieser Werke abhängig machen. Jesus brauchte - denn
so war es Sein Wille - die Mithilfe Seiner Apostel und ihrer Nachfolger,
um auf Erden die vom Vater erhaltene Sendung fortzusetzen. Ebenso brauche
auch ich Gehilfen und Soldaten, um meine Sendung zur Eroberung der Welt
erfüllen zu können.
Wann wird man die Wunderwerke sehen, die ich
angekündigt? Erst dann, wenn meine Kinder meine apostolische Aufgabe
verstehen und einwilligen werden, an meiner Seite und unter meiner Führung
den Kampf aufzunehmen.
11. Du aber, du hast meine Aufgabe verstanden.
Willst du mein Soldat sein? Willst du mir helfen, meine Kinder Satan zu
entreißen, um sie zu Jesus zu führen? Willst du auch Anteil
haben an dem Sieg, der mir zugesichert ist?
Nach dem Beispiel deines göttlichen Vorbilds
hast du dich mir ganz hingegeben. Mir hast du deinen Leib, deine Seele,
all dein Arbeiten geweiht. Möchtest du deine Weihe rückgängig
machen, da du nun weißt, wozu ich dich brauche?
12. In der Kindesliebe zu mir sahst du zuerst
vielleicht bloß das Vertrauen eines Kindes, das auf dem Schoß
seiner Mutter ruht. Und ich, ich führe dich aufs Schlachtfeld. War
Jesus nur in der Vertrautheit von Nazareth mein Kind? War Er es nicht ebenso
sehr auch dann, als Er das Reich des Fürsten dieser Welt vernichtete
und das Menschengeschlecht befreite? Ist Er denn nicht gerade darum mein
Sohn geworden, um Erlöser der Menschen zu werden?
Er hat auch dich berufen, eines meiner Lieblingskinder
zu sein, und so wollte Er, daß auch du mithilfst, Seelen zu retten.
Sei entweder Apostel oder entsage der Ehre, mein bevorzugtes Kind zu sein!
Die Seele:
O Maria! Dein bin ich ganz und gar, und alles,
was mein ist, ist dein!
Mit dir und unter deiner Führung will
ich arbeiten, kämpfen, leiden und sterben. - Maria duce! (Unter Mariens
Führung) soll mein Losungswort sein!
2.
Heiliges Feuer
Maria:
1. Du bist entschlossen, mein Apostel zu werden.
Nun fragst du dich aber, wie das in deiner
Lebenslage möglich ist. Wenn du kein Priester bist, hast du ja nicht
die Aufgabe zu predigen.
2. Denke an die Verbreiter falscher Lehren,
die immer wieder in der Weltgeschichte auftraten und in wenigen Jahren
Millionen Anhänger gewannen. Mit welchem Priestertum waren sie bekleidet?
Wer hat ihnen die Sendung zu predigen gegeben? Um zu ihrem Ziel zu gelangen,
haben viele unter ihnen Spott, Verfolgung, Gefängnis ertragen müssen,
manche mußten sogar den Scheiterhaufen oder das Schafott besteigen.
Doch sie haben sich zu leidenschaftlichen Aposteln einer Idee aufgeworfen
- einer durch Satan erfundenen Lüge - und hatten Erfolg.
Und du, Apostel Christi und Seiner Mutter,
du fragst noch zagend, wie du siegen könntest?
3. Wende nicht ein, daß diese Verbreiter des Irrtums leichtes Spiel hatten, weil sie, um Beifall zu ernten, nur den Leidenschaften zu huldigen brauchten. Du hast wirksamere Mittel zum Erfolg! Du hast, um das tiefe Sehnen der Menschheit zu erfüllen, die Lehre der Wahrheit, die befreit, des Glückes, das allein befriedigt, des unbekannten Gottes, nach dem die Welt flehend ruft; du hast, um dich zu stützen, die Allmacht des lebendigen Gottes.
4. Haben die ersten Prediger Christi bei den
Juden und Heiden den Leidenschaften ihrer Zuhörer geschmeichelt? Haben
sie ihren Jüngern nicht herbes Entsagen vorgeschrieben und ihnen die
Verpflichtung auferlegt, auch Verfolgung, Kerker, Schwert und Feuer um
des Glaubens willen bereitwilligst auf sich zu nehmen? Und dennoch bekehrten
sie in so wunderbar kurzer Zeit gewaltige Volksmassen. In ihrem Herzen
brannte eben das heilige Feuer des Apostolates.
Wenn doch dieses Feuer mit der gleichen Glut
auch in ihren Nachfolgern gebrannt hätte! Seit Jahrhunderten schon
wäre der Name meines Sohnes allen Menschen verkündet.
5. Dieses heilige Feuer mußt auch du
in deiner Seele entzünden. Du fragst: "Wie und wo?"
Komm, folge mir auf den Kalvarienberg! Stelle
dich an meine Seite dem gekreuzigten Jesus gegenüber! Siehe Seinen
Leib, wie er unter furchtbaren Qualen bebt! Noch tausendmal schmerzlicher
leidet Seine Seele! Was erfüllt Ihn mit solch unermeßlicher
Trostlosigkeit? Es ist vor allem der Anblick der Menschen, für die
Er Sein Blut umsonst vergießt, die aus Seinem Leiden keinen Nutzen
ziehen werden, weil sie der Gnade widerstehen und weil jene, die bei ihnen
das Werk der Erlösung fortsetzen sollten, sich nicht darum kümmern.
6. Höre den Heiland vom Kreuz: "Frau,
siehe da, deinen Sohn! Sohn, siehe da, deine Mutter!"
Ich und du, wir sind es, zu denen Er spricht.
Suche die Tiefe meines Schmerzes zu ergründen, mein Sohn. Wozu solch
ein Martyrium? Es war die Teilnahme an Seinen seelischen und körperlichen
Todesqualen. Denn mit Ihm schaute auch ich
die vielen Menschen, denen ich Mutter des ewigen Lebens sein wollte und
von denen ich voraussah, daß sie verlorengehen werden...
7. "Frau, siehe
da, deinen Sohn!" Er wird dir helfen, deine
Kinder vor dem ewigen Verderben zu retten. Er wird diese armen Verirrten
zu dir zurückführen. Er wird dir in deiner apostolischen Aufgabe
helfen und unser beider Trost sein!
Hast du die Absichten Jesu verstanden?
O wenn doch das Bild von Kalvaria dir stets
vor Augen wäre, sich dir unaufhörlich einprägen würde!
O daß du doch stets den lauten Ruf des sterbenden Christus und das
Seufzen deiner Mutter hörtest! ... Dann würdest du wissen, was
es heißt, Apostel zu sein.
8. Höre noch: "Mich dürstet!" Mich dürstet nach Seelen. Gib du mir viele Seelen.
Die Seele:
O meine Mutter, laß mich niemals meine
dreifache Liebe vergessen: Jesus, Maria, die Seelen.
3.
Das apostolische Gebet
Maria:
1. Mein Sohn, weißt du, daß dir
in deiner Sendung als Apostel eine überaus wirksame Waffe zur Verfügung
steht, nämlich das Gebet?
Du glaubst gewiß daran, daß man
für das Heil der Seelen ebensoviel durch das Gebet wie durch eine
Predigt wirken kann. Du gibst auch gern zu, daß das Gebet den Greisen,
Kranken und allen jenen, die sich den äußeren Werken des Seeleneifers
nicht widmen können, ein trostreicher Ersatz für das direkte
Apostolat sein kann.
Und doch, wie wenig begreifst du noch die
apostolische Wirksamkeit des Gebetes!
2. Das Gebet ist weit mehr als ein bloßer
Ersatz für die unmittelbare Tätigkeit. Es ist eine Waffe für
den Apostel, die an Wirksamkeit jede äußere Betätigung
unvergleichlich übertrifft. Jesus hat
drei
Jahre lang gepredigt. Er hatte aber vorher
dreißig Jahre gebetet und während
der drei Jahre Seiner öffentlichen Tätigkeit verharrte Er nicht
nur ganze Nächte im Gebet, sondern sprach im Grunde Seiner Seele ständig
mit dem Vater.
Ich bin Ihm beigestanden, die Menschen zu
retten. Wohl habe ich nicht gepredigt, nicht die Kirche geleitet und keine
auffallenden Wunder gewirkt, aber gebetet habe ich und gelitten.
Gleich mir hat auch der heilige Joseph gebetet
und gelitten. Obwohl keines seiner Worte aufgezeichnet ist, hat er für
die Bekehrung der Menschen mehr getan als Johannes, Petrus und Paulus.
Schau auf das Leben jener, die Apostel waren;
sie alle, die großen Seeleneroberer, waren Männer des Gebetes.
3. Wehe dem Apostel, der nicht betet! Tönendes Erz und klingende Schelle ist er bloß; er verbraucht sich, wird müde und geht vielleicht dennoch verloren, ohne den Seelen Gutes getan zu haben. Und wenn seine Arbeit Früchte des Heiles trägt, so ist dies den Gebeten einer Seele zuzuschreiben, die er nicht kennt, und die es selbst nicht weiß. Er wird dafür keinen Lohn erhalten.
4. Könnte es auch anders sein? Bekehren,
heiligen, Seelen retten, das sind übernatürliche Werke. Kann
man aber mit natürlichen Mitteln Übernatürliches erreichen?
Das Übernatürliche ist die Frucht
der Gnade und die Gnade die Frucht des Gebetes. Je mehr man betet, um so
mehr kann man im Reich der Übernatur wirken.
5. So will Gott unsere Werke haben, wie Er
sinnlich wahrnehmbare Zeichen will, um die sakramentale Gnade zu bewirken.
Wie aber alle Wasser des Ozeans aus sich heraus nicht imstande sind, die
Seele eines kleinen Kindes reinzuwaschen, so vermögen auch alle äußeren
Werke nicht, einen einzigen Menschen zu bekehren oder zu heiligen.
Das Wort des Priesters muß seine Handlungen
begleiten, wenn er das Wasser über die Stirne des Neugeborenen gießt.
Ebenso muß das Gebet die äußere Tätigkeit des Apostels
begleiten.
Ja, das Gebet kann die Betätigung vollkommen
ersetzen, wenn sie unmöglich ist, wie auch die Begierdetaufe die Wassertaufe
ersetzt, wo diese nicht gespendet werden kann.
6. Ist Gott nicht allmächtig? Verfügt
Er nicht über unzählige Mittel, Seine Heilsgnade den Seelen zukommen
zu lassen? Einer einfachen Bemerkung, einem Wort kann Er wunderbare Wirksamkeit
verleihen. Durch ein gelesenes oder gehörtes, vielleicht sogar falsch
verstandenes Wort, durch ein plötzliches Unglück oder ein ganz
gewöhnliches Ereignis kann Er erleuchten, ergreifen und bekehren.
Es steht in Seiner Macht, zu bewirken, daß auch Seine Feinde an der
Ausführung Seiner Beschlüsse arbeiten. Der Prophet Balaam war
gesandt, Israel zu fluchen; statt zu fluchen, mußte er segnen.
Was dem Apostolat fehlt, sind nicht so sehr
die Werke als vielmehr das Gebet.
7. Hast du das verstanden?
Wenn ja, bemühst du dich, mehr durch
Gebet Apostel zu sein als durch äußere Betätigung? Denkst
du täglich daran, nach apostolischen Meinungen zu beten?
Willst du eine Seele gewinnen, so denkst du
nach, welche Schritte du unternehmen und was du sagen mußt; das ist
ganz recht. Doch denkst du auch ans Beten? Erwartest du das Gelingen deines
Vorgehens eher von Gott, zu dem du gebetet, oder von deiner Gewandtheit
und Überzeugungskraft?
8. Bete, bete und bete immer mehr für
die Bekehrung und Heiligung der Seelen!
Allen deinen Gebeten und Kommunionen solltest
du eine apostolische Meinung beigeben!
Mache deine Handlungen und Leiden zum Gebet,
indem du sie durch meine Hände Gott in dieser oder jener besonderen
Absicht, doch stets nach der meinen, aufopferst.
An all das knüpfe noch die Aufopferung
aller heiliger Messen, die an diesem Tag auf der ganzen Erde gefeiert werden.
9. Bete für deine Eltern und alle deine
Lieben!
Bete für die Kirche, den Papst, die Bischöfe,
die Priester und alle Missionare und Apostel!
bete besonders für alle, die sich wie
du unter mein Banner geschart haben, um durch das Kommen meines Reiches
die Ankunft Christi zu beschleunigen.
Bete für die, denen du Gutes tatest,
damit dieses Gute bleibe!
Bete für die, denen du hättest Gutes
tun sollen, damit dein Gebet deine Nachlässigkeit sühne!
Bete für alle, denen du im Laufe des
Tages begegnest, damit du ihnen all das Gute erweisen kannst, das
zu tun du berufen bist!
10. Bete vor jeder Handlung, damit ihr Gott
den vollen Erfolg gewähre, den Er ihr wünscht! Bete, wenn sie
schwer zu werden droht, damit dein Gebet deine Ohnmacht ersetze! Bete,
wenn sie leicht zu sein scheint, damit du dich dabei nicht auf deine natürliche
Geschicklichkeit verläßt, denn dann würde dein Tun übernatürlich
wertlos sein.
Bete während der Handlung, damit Gott
auch weiterhin durch dich wirkt!
Bete nach der Handlung, um Gott zu danken,
wenn du Erfolg hattest, oder damit das Gute doch geschehe, auch trotz deines
scheinbaren Mißerfolgs. Merke dir dabei, daß Gott dir um so
mehr Erfolg schenken wird, je mehr Er dich zum Gebet zwingt.
Bete und lasse nie nach zu beten! Dann wirst
du durch mich und für mich Wunderbares leisten.
Die Seele:
O Mutter, dein Leben war ein Leben immerwährenden
Gebetes für die Verherrlichung des Vaters, die Lebensaufgabe des Sohnes
und das Heil deiner Kinder. Lehre mich beten!
4.
Das erlösende Leiden
Maria:
1. Mein Sohn, höre und verstehe wohl!
Ich will dir von einer Lehre sprechen, die du um so schwerer auffassen
wirst, je mehr du dir einbildest, sie schon lange zu kennen. Es ist die
Lehre vom Heil durch das Kreuz.
Alle, die im christlichen Apostolat stehen,
wissen, welche bedeutende Rolle bei der Rettung der Seelen das Leiden spielt.
Sie wissen, daß Jesus gerade durch Sein Leiden und Seinen Tod die
Welt erlöst hat; daß ich, um Miterlöserin zu werden, Mutter
der Schmerzen werden mußte, und daß alle großen Apostel
durch viele Drangsale gehen mußten.
Doch wenn das Leid einmal wirklich auch bei
ihnen anpocht, da denken sie nicht mehr an die Bedeutung des Kreuzes; sie
wundern sich und werden mutlos. Für sie ist das Kreuz wie für
die Juden ein Ärgernis geblieben. Glauben sie denn, sie könnten
an der Erlösertätigkeit Jesu teilhaben, ohne auch Sein Erlöserleid
zu teilen?
2. Du aber, sieh dem Kreuz, das dich erwartet,
mutig entgegen!
Du wirst dir harte Opfer auferlegen müssen;
du wirst arbeiten, dich mühen, dich völlig hingeben und für
die Seelen erschöpfen müssen, und das nicht nur einige Stunden,
einige Tage lang, sondern so lange, als es noch Seelen zu retten gibt;
nicht nur in Stunden der Begeisterung und des Erfolgs, sondern auch dann,
wenn Schwierigkeiten dich umgeben und Ekel dich erfaßt hat.
Du wirst dir Opfer auferlegen, dich zum Opfer
hingeben müssen für jene Seelen, die du retten willst. Je härter
deine Bemühungen zu sein scheinen, um so mehr sollst du dich abtöten
und sühnen.
3. Bist du bereit, dieses Kreuz zu umfangen?
Schau, es gibt noch ein anderes, ein weit
schwereres Kreuz, um so schwerer zu tragen, weil nicht du es bist, der
es dir auferlegt, und weil es dich in Bestürzung versetzen kann.
Man wird deine Absichten verdächtigen,
wird über deine Pläne lächeln, dein Arbeiten tadeln.
Jene, die dir helfen sollten, werden dir gleichgültig
zuschauen oder darauf ausgehen, das niederzureißen, was du mühsam
aufgebaut hast. Die, die dich ermuntern sollten, werden deine Unternehmungen
mißbilligen und zum Stillstand bringen. Alle möglichen Schwierigkeiten
wird man dir in den Weg legen, und mit Freude wird man laut verkünden,
daß man deine Mißerfolge schon lange vorausgesagt hat.
Das Kreuz, das du selbst dir auferlegt hast,
das trägst du gern. In das Kreuz, das Krankheit oder Armut dir aufbürden,
vermagst du dich noch zu ergeben. Jenes Kreuz jedoch, das die Unwissenheit,
die Dummheit und die Bosheit der Menschen dir bereiten, dieses Kreuz empört
dich fast.
Und dennoch enthält gerade dieses Kreuz
die größte Erlösungskraft.
4. Betrachte Jesus! Hat Er sich selbst das Leiden auferlegt, durch das Er dich errettet? Haben Ihm nicht Unwissenheit, Torheit und menschliche Bosheit das Kreuz bereitet? Waren es nicht gerade jene Menschen, die kraft ihres Amtes Ihm bei der Rettung ihres Volkes hätten beistehen sollen?
5. Wundere dich nicht, wenn der teufel dein Unternehmen stets zu vereiteln sucht! Denn mich greift er an, wenn er meine Soldaten angreift. Bewahre ungeschmälert dein volles Vertrauen und all deinen Mut. Seine Niederlage wird nur um so vollständiger sein; denn ich habe ihm den Kopf zertreten und werde dies weiter tun.
6. Aber merke dir wohl, daß das Leiden
an sich noch nicht erlöst, sondern erst dann, wenn es eng mit Jesu
Leiden vereint ist!
Mit deinen Leiden verhält es sich so
wie mit deiner Person. Aus dir selbst bist du bloß ein armer Sünder,
mit Jesus aber nimmst du teil am göttlichen Leben. So ist jedes Leiden
an sich unfruchtbar; ist es aber mit dem Leiden Jesu verbunden, wird es
in die göttliche Wirksamkeit Seines Leidens hineingenommen.
7. Wenn dich das Leid in deinem Apostolat heimsucht,
komm und schließ dich enger mir an! Wir wollen dann gemeinsam auf
den Kalvarienberg hinaufgehen. Dort, am Fuß des Kreuzes der Erlösung
wirst du den unermeßlichen Wert dieses Leidens verstehen, das dich
in Verwirrung brachte und dich fast erdrückte.
Sogar das Leiden, das dir die Torheit und
Bosheit der Menschen bereitet, wird dir lieb werden. Du wirst darin nicht
mehr die Menschen sehen, die es dir verursachen, sondern deine Mutter,
die dir erlaubt, an ihrer Erlösungsaufgabe teilzunehmen. Du wirst
in diesem Leiden die Seelen sehen, die du dadurch mit retten hilfst...
8. Eine recht herbe Lehre für dich, mein
liebes Kind! Aber es ist eine Lehre des Glaubens, der Liebe und des Sieges.
Habe ich zu viel vorausgesetzt, als ich glaubte,
du seiest fähig, sie zu verstehen?
Die Seele:
O Mutter, du kennst meine Feigheit und Opferscheu.
Aber du weißt auch, wie ich dich lieben und dir helfen möchte
bei der Verwirklichung deiner Aufgabe.
Wenn aber die Prüfung über mich
kommt, dann wirst du mich stützen, und dann werde ich alles erleiden
können, was du willst, weil du es willst, was immer es auch kosten
mag.
5.
Die Predigt durch das Leben
Maria:
1. Mein Sohn, an das direkte, aber doch wunderbar
fruchtbare Apostolat des Gebetes und Leidens muß sich die direkte
Tätigkeit von Seele zu Seele anschließen.
Du denkst an das Apostolat durch das Wort.
Es ist zwar wichtig, aber es gibt ein anderes, das ihm vorausgehen, es
begleiten und ihm folgen muß: das Apostolat des Lebens.
2. Du brauchst keine lange Erfahrung, um feststellen
zu können, daß an gewissen Seelen jedes Wort, und sei es noch
so beredt, wirkungslos abgleitet.
Das Wort bringt nur dann Frucht, wenn es in
eine Seele fällt, die bereit ist, es aufzunehmen. Wie könnte
das Samenkorn Frucht tragen, wenn es auf steinigen Boden oder unter Dornen
und Disteln fällt? Das Beispiel deines Lebens ist es, das die Seelen
vorbereitet, dein Wort aufzunehmen.
Oft wirken die geringste Handlung, ein Blick,
ein Lächeln mehr Gutes als eine lange Rede.
3. Erzwinge durch deine Person Achtung vor
der Religion, die du bekennst!
Halte in dir stets den Gedanken an deine Größe
als Christ wach und das Bewußtsein der Gegenwart Gottes in dir und
erweise dich deren würdig! In deiner Nähe sollten die Menschen
wie in einem Heiligtum, den Eindruck von etwas Geheimnisvollem haben, das
darin wohnt.
Inmitten der allgemeinen Verdorbenheit soll
deine Tugend über jeden Verdacht erhaben sein.
Sei ehrenhaft und redlich, wenn auch um dich
herum jedermann darauf bedacht ist, sich auf Kosten der anderen zu bereichern!
Sei gerade und aufrichtig, selbst dann, wenn
Lüge und Verstellung sozusagen allgemeines Gesetz geworden sind!
Sei gewissenhaft und pflichttreu, auch unter
Menschen, die scheinbar jeden Begriff von Pflicht und Gewissen verloren
haben!
Auch jene, die nicht deine Glaubensbrüder
sind, ja selbst die, welche den Glauben bekämpfen, sie alle sollten
Christus in dir und in deinem christlichen Verhalten Achtung zollen müssen.
4. Zeige dich so, wie du bist, ohne Hochmut,
doch auch ohne Menschenfurcht!
Worüber solltest du erröten? Daß
du die Wahrheit besitzt, während die anderen nur den Irrtum kennen?
Daß du das Bewußtsein deiner Würde hast, während
sich die anderen durch erniedrigende Leidenschaften knechten lassen? Daß
du Jünger Christi und Streiter Seiner Mutter bist?
Fürchtest du, von jenen nicht geachtet
zu werden, die anders denken und handeln als du? Hast du noch nie bemerkt,
daß alle Menschen, auch die entartetsten, jene achten, die den Mut
aufbringen, persönliche Überzeugung zu haben und ihr Leben danach
zu ausrichten?
Sei Christ ohne Furcht und Tadel! Dann wird
dein Benehmen jeden Augenblick eine Predigt sein.
5. Es ist etwas Großes, der Lehre Christi
in dir Achtung zu verschaffen. Aber gehe weiter, erwirb ihr die Liebe der
Menschen! Nimm dich der anderen an, erweise ihnen Liebesdienste, wo du
nur kannst. Höre ihre Klagen, lindere ihr Elend, verbinde ihre Wunden,
hilf ihnen bei der Arbeit, sei zuvorkommend und liebenswürdig mit
allen, die sich dir nähern. Kurz, werde allen alles, und du wirst
sie alle für Christus gewinnen.
Wenn sie sich durch dich glücklicher
fühlen, werden sie schließlich auch jene Lehre liebgewinnen,
die aus dir eine solche Quelle der Freude gemacht hat.
In deiner Nähe sollten sie besser verstehen,
was Liebe ist, und sie werden dann auch besser verstehen, was Gott ist,
auch wenn sie nicht einmal Seinen Namen kennen. Denn Gott ist kein Name,
Gott ist die Liebe. Indem sie sich der Liebe erschließen, erschließen
sie sich Gott.
6. Um allen alles zu werden, darfst du an den Menschen nicht ihre Vorzüge oder Fehler sehen, nicht ihre Tugenden oder ihre Laster, nicht ihre guten oder schlechten Handlungen, sondern sieh in ihnen den Preis des Blutes Jesu und meiner unermeßlichen Schmerzen! Liebe sie mit der Liebe ihres Erlösers und ihrer Mutter, und du wirst sie für die Liebe gewinnen und durch die Liebe zu Gott.
Die Seele:
O Mutter, ich habe viele deiner Kinder kennengelernt,
deren Leben eine ständige Predigt des guten Beispiels ist. Und ich,
ich habe so oft denen, die mich umgeben, Ärgernis gegeben. Von nun
an will ich mich mit deiner Hilfe ernstlich bemühen, durch mein Verhalten
Zeugnis zu geben für Jesus. Gib, daß wer mich sieht, näher
zu Ihm kommt.
6.
Das Wort des Heiles
Maria:
1. Mein Sohn, lerne als Apostel sprechen,
um in deiner Umgebung den Geist Christi zu verbreiten!
Wende nicht ein: "Ich habe keine Gelegenheit
dazu!" Die Gelegenheit ist da; man muß sie nur finden, und wenn sie
nicht da ist, muß man sie schaffen.
Kind des Lichtes, soll ich dich zu den Kindern
der Finsternis in die Schule schicken? Sie wissen überall Gelegenheit
zu finden, ihre unheilvolle Lehre auszustreuen, in persönlicher Unterhaltung,
auf der Straße, in der Werkstatt, auf der Reise, selbst in Stunden
der Erholung. Was diese vermögen, um Seelen zu verderben, kannst du
das nicht auch, um Seelen zu retten?
Nimm dich in acht! Wenn du dich für zu
schwach hältst, sind es nicht die Gelegenheiten, an denen es dir fehlt.
Heiliger, apostolischer Eifer ist's, der dir abgeht.
Komm, entzünde ihn auf Kalvaria und du
wirst Gelegenheit finden, dadurch andere zu entflammen.
2. Um als Apostel zu reden, braucht man nicht
gerade zu predigen.
Rede nur bei jeder Begegnung so, wie es dir
deine christliche Überzeugung eingibt! Über Dinge, Personen,
Ereignisse denke wie Jesus und habe den Mut, deine Gedanken auszusprechen!
Streite selten und demütige niemand!
Bringe deine Ideen einfach vor!
Die Wahrheit hat in sich schon eine Anziehungskraft,
denn die Wahrheit ist es, die befreit. An und für sich ist sie erobernd,
denn ihr Glanz ruft zur Nachfolge auf.
Bilde dir nicht ein, du müßtest
für gewöhnlich lange Reden halten. Eine kurze Erklärung,
ein guter Rat, ein bloßer Gedankenaustausch, manchmal nur ein Ausruf
kann genügen, um in einer aufrichtigen Seele das Licht zu entzünden.
3. Vergiß nie, daß nicht so sehr
deine Beweisgründe es sind, die überzeugen, sondern deine Person!
Sprich einfach, aber mutig. Du besitzt ja
die untrügliche Wahrheit.
Man sollte fühlen, daß du tief
überzeugt bist von dem, was du sagst. Leicht wirst du Glauben finden,
wenn dein Benehmen stets deinen Worten entspricht.
Man soll es dir ansehen, daß es dir
nicht so sehr darum zu tun ist, einen Sieg zu erringen, sondern jenen Gutes
zu tun, die dich anhören.
Lerne ohne Unterlaß, in die Lehre Christi
einzudringen, um sie leichter in das Leben umzusetzen und bezeugen zu können.
Werde vorbildlich in deinem Beruf! Wenn man
weiß, daß du in deiner Arbeit erfahren bist, wird man annehmen,
daß du es auch in deiner Lehre bist.
4. Nur durch eine lange Lehrzeit wirst du die
Fertigkeit des apostolischen Wortes erlangen.
Bitte mich vor jedem Gespräch, daß
ich dir eingebe, was du sagen sollst.
Prüfe dich nach der Unterhaltung in meiner
Gegenwart, ob es dir gelungen ist, jemand besser und glücklicher zu
machen, und überlege dann, wie du das nächste Mal noch mehr Erfolg
erringen könntest.
Je mehr du dich dabei von mir leiten läßt,
um so schnellere und umfangreichere Fortschritte wirst du machen. Für
mich und durch mich mußt du Apostel werden!
Die Seele:
O Maria, ich bekenne, daß ich mich nur
sehr wenig bemüht habe, die Lehre deines Sohnes zu verbreiten, weil
ich mich in meinen Beziehungen zu den Menschen zu sehr von der Eigenliebe
leiten ließ. Von nun an will ich nur an Jesus und an die Seelen denken.
Ich werde mich an dich wenden, bevor ich spreche, und du wirst mir die
rechten Worte eingeben.
7.
In der Einigkeit liegt die Kraft
Maria:
1. Mein Kind, bleibe nicht allein!
Schließe dich jenen an, die das gleiche
apostolische Ziel wie du verfolgen!
Willst du das heilige Feuer des Apostolates
auf dem Grund deines Herzens eingeschlossen halten, wirst du es ersticken.
Wenn du dich mit anderen über gemeinsame
Ideen und Absichten aussprichst, wirst du sie in dir und auch in anderen
mehr bestärken.
Die Einigkeit entfacht nicht bloß euren
gemeinsamen Eifer, nein, sie wird ihm auch noch eine unvergleichliche Kraft
verleihen.
Wenn du mit einem anderen zusammenarbeitest,
wirst du nicht zweimal, sondern zehnmal so stark sein. Und wenn ihr dann
eine kleine Gruppe seid, fest geeint unter meinem Banner, werdet ihr unbesiegbar
sein.
2. Wo wirst du diese Mitkämpfer finden,
die vom gleichen Geist beseelt sind wie du?
Suche, und du wirst finden! Vielleicht gibt
es schon solche um dich herum, die dich bereitwillig in ihre Reihen aufnehmen
würden. Schließe dich ihnen an!
Wenn es dir möglich ist, in eine Marianische
Kongregation einzutreten, überlege nicht lange!
Vielleicht sind um dich herum Menschen, die
keiner katholischen Vereinigung angehören. Auch unter diesen kannst
du sicher einige ausfindig machen, die dich verstehen.
Oft leben mehrere Gleichgesinnte nebeneinander
und glauben sich dennoch jeder einzig in seiner Art. Wenn dann nach Monaten
oder nach Jahren durch einen glücklichen Zufall in einem Gespräch
sich einer dem anderen offenbart, können sie sich nicht genug wundern,
daß sie sich so lange für fremd gehalten, obwohl sie seelisch
so nahe verwandt waren.
Mache den Versuch und sprich zu anderen von
dem, was dir am Herzen liegt. Du wirst sehen, welche Antworten du erhalten
wirst.
3. Vielleicht wirst du nicht sogleich jene
finden, die dein Ideal teilen können. Aber merke dir: Nicht jene werden
immer deine besten Mitarbeiter sein, die als die ersten und mit der flammendsten
Begeisterung deiner Annäherung entsprechen. Denn Urteilsvermögen,
Willenskraft, Großmut und die Fähigkeit, sich hinzugeben, sind
mehr wert als schnell entfachter Eifer.
Sage nicht: "Ich kann nichts ausrichten. Alle
in meiner Umgebung sind gleichgültig." Es gibt edeldenkende, großmütige
Seelen, die sich nicht kennen. An dir ist es, sie ihrer verborgenen Schätze
bewußt werden zu lassen. Wie glücklich werden sie sein, wenn
sie fühlen, wie in der Tiefe ihres Wesens das Streben nach Vollkommenheit
und der Drang zur Hingabe an eine große Sache erwachen.
4. Bisweilen sind jene Menschen, deren Anschauungen zu den deinigen im schärfsten Gegensatz stehen, am besten geeignet, später deine Mitstreiter zu werden. Wurde nicht aus dem Verfolger Saulus der große Apostel Christi? Schau weniger auf die Worte und Handlungen der Menschen, als vielmehr auf die inneren Gesinnungen, aus denen jene stammen. Ein Mensch, der zwar ungläubig, aber aufrichtig, großmütig, feurig ist, wäre geeigneter, mit dir die gleichen Schlachten zu schlagen als ein Christ ohne Kraft und Opfergeist.
5. Du wirst vielleicht lange suchen müssen, wirst die Gefährten vielleicht mit Mühe heranbilden müssen, du wirst so manche Enttäuschung erleben. Laß dich dennoch nicht entmutigen! Überall hat Christus Seine Auserwählten. Suche, bis du sie findest!
6. Anfangs wird eure Schar klein sein. Das
macht nichts, wenn ihr nur einig seid! Nirgends erringen die großen
Massen den Sieg, sondern eine kleine Minderheit entschlossener, tatkräftiger,
in guter Ordnung und Zucht vereinigter Männer. Mit ihrer Tugend und
einem Drang beispielloser Hingabe, mit einem unendlich erhabenen Ideal
und mit der Hilfe des Allmächtigen könnten sich die Katholiken
in fast allen Ländern durchsetzen, wenn sie nur einig wären!
Doch das sind sie nicht; darum unterliegen sie überall.
Die Feinde meines Sohnes sind in allen ihren
Lehren uneins; nur dann sind sie einig, wenn es gegen die Kirche geht.
Die Katholiken hingegen sind in allen Lehren einig, nur dann sind sie uneins,
wenn es heißt, ihre Kirche zu verteidigen.
Wenn Satan die glaubens- und sittentreuen
Christen durch seine Versuchungen nicht zum Wanken bringen kann, dann flüstert
er ihnen verschiedene Methoden des Apostolates ein und dann bekämpfen
sie sich gegenseitig, statt ihn anzugreifen.
Haben sie denn noch nie bemerkt, daß
im Krieg stets jenes Heer siegt, in dem Soldaten und Offiziere ihre Ansichten
zurückstellen, um den Gesamtplan treu durchzuführen, wenn dieser
auch nicht immer vollkommen ist? Wissen sie nicht, daß bei den Eroberungszügen
der Kirche die Reihen der Ordensleute die größten Siege errangen,
weil sie durch das Gelübde des Gehorsams verpflichtet waren, die Weisungen
ihrer Führer genauestens zu befolgen?
7. Habe stets vor Augen, daß das geringere
Gute, das verwirklicht wird, mehr wert ist, als das größere,
das unausgeführt bleibt. Vergiß nie, daß die Kraft in
der Einheit besteht und Einigkeit in der Selbstverleugnung, und daß
man den Sieg der gemeinsamen Sache höher werten muß als den
der eigenen Ansichten.
Betrachte diese Lehre! Lebe sie! Trete für
sie ein!
Die Seele:
Mutter, ich verspreche es dir: ich will mich
während meines ganzen Lebens bemühen, das Heer derer zu vergrößern,
die sich um dein Banner scharen, und dafür sorgen, daß sie einig,
stark und begeistert sein werden.
8.
"Die mich verkünden..."
Maria:
1. Mein Sohn, Jesus hat dich zu mir geführt,
damit du mein teures Kind und zugleich auch mein Apostel werdest. Alles,
was du unter meiner Führung unternimmst, wird Er segnen. Er
will aber nicht nur, daß du in meinem Namen handelst, sondern auch,
daß du meinen Namen verkündest. Jedesmal, wenn du das tust,
wird Er deinem Apostolat besondere Gnaden und ganz außergewöhnliche
Macht verleihen.
2. Apostel sein heißt, Seelen zu Christus
führen; heißt ihnen Christus geben. Ich bin der Weg, der zu
Christus führt; denn durch mich kam Christus in die Welt. Willst du
ihnen Christus gänzlich geben, weise sie auf jene hin, deren Aufgabe
es ist, Jesus den Seelen zu schenken.
Denke nur an deine eigene Erfahrung! Hast
du nicht in dir trotz deiner beständigen Untreue eine wunderbare Umwandlung
bemerkt, seitdem dir Jesus das Geheimnis Seiner Kindesliebe geoffenbart
hat? Du hast das Licht gefunden: stelle es jetzt nicht unter den Scheffel,
sondern laß es vor den Menschen leuchten! Das Geheimnis deines Innenlebens
wird auch das Geheimnis deines Apostolates sein! Je mehr und je offener
du mich in deine Tätigkeit eingreifen läßt, um so mehr
Erfolg wirst du haben!
3. So hat es Jesus
selbst gewollt. Er hätte sich den Menschen ohne jede Vermittlung geben
können. Er hat sich ihnen jedoch nur durch mich geschenkt. In der
Weissagung im Paradies, in den Ankündigungen der Propheten, durch
den Vorläufer, die Hirten von Bethlehem, die Weisen, durch Simeon
und Anna, zu Kana, auf dem Kalvarienberg, überall, wo Er sich den
Menschen offenbarte, wollte Er sich durch mich offenbaren.
Durch die Kirche, Seinen mystischen Leib,
von Seinem Geiste beseelt, verkündet Er mich ohne Unterlaß und
lehrt die Menschen, daß ich der Weg bin, auf dem man zu Ihm gelangt;
denn der Weg zum Sohn führt durch die Mutter!
Er hat dir empfohlen, Seine Kindesliebe zu
mir nachzuahmen. Ahme Ihn besonders in diesem
Punkt Seiner Kindesliebe nach!
4. Ich habe dir
dargelegt, wie Jesus gerade in der heutigen Zeit meinen Namen verherrlichen
und dadurch, daß man mich besser kennenlernt und mehr verehrt, viele
Seelen retten und heiligen will. An
diesem meinem großen Sieg werden vor allem jene teilnehmen, die mich
den Menschen geoffenbart haben.
Arbeite, soviel du kannst, daß man mich
mehr und mehr kennt! Jesus erwartet das von
dir!
5. Auch ich erwarte
es von dir!
So viele Kinder habe ich, die von ihrer Mutter
nichts wissen, sie kaum kennen. An dir ist es, mich ihnen zu offenbaren,
damit ich auch sie umarmen kann als meine vielgeliebten Kinder. Du mußt
sie mir zuführen, damit ich sie nach dem Bild meines eingeborenen
Sohnes formen kann, wie ich es mit dir getan.
6. Auf welche Weise wirst du mich bekannt machen
und die Liebe zu mir entfachen?
Willst du einen sicheren Weg dazu wissen?
Dann sei erfüllt von glühender Liebe
zu mir und zu den Seelen! Dann wirst du nicht erst lange fragen, wie du
von mir reden sollst.
Zunächst soll man merken können,
daß du eine innige Andacht zu mir hegst! Schäme dich nicht,
dich mit einem Rosenkranz, einer Medaille sehen zu lassen und nimm an Festfeiern
mir zu Ehren teil! Wenn du dich dabei als mutigen und tadellosen Christen
erweist, wird dein Benehmen ein Lob auf mich sein.
7. Lasse sodann bei Gelegenheit Worte in die
Gespräche einfließen, die etwas von deiner Überzeugung
und deinen Erfahrungen im Leben der Vereinigung mit mir verraten.
Könntest du nicht im Umgang mit guten
Freunden oder auch in deinen Briefen gelegentlich auch meinen Namen erwähnen?
Kannst du nicht jenen Seelen, die um die Erhaltung
oder Wiedergewinnung ihrer Reinheit ringen, die Zuflucht zu jener völlig
Reinen anraten, die von ihrem Sohn die Macht erhielt, alle rein zu erhalten,
die sie anrufen?
Kannst du nicht mit Jesus sehnen, andeuten,
auf welche Weise du zu einer engeren Vereinigung mit Ihm gelangt bist?
Kannst du apostolischen Seelen nicht jene
Sendung erklären, die mir Gott in der Eroberung der Seelen anvertraut
hat? Kannst du ihnen nicht von der wunderbaren Fruchtbarkeit sprechen,
die ihren Bemühungen gewiß ist, wenn sie in meinem Namen und
unter meiner Führung kämpfen?
Wenn du je Gelegenheit hast, mich durch Wort
oder Schrift den Menschen bekanntzumachen, zögere nicht, die Gnade,
die dir angeboten wird, zu benützen! So wird dein Wort für alle
Seelen, die es erreicht und die guten Willens sind, eine Botschaft des
Vertrauens, der Liebe und des Heiles sein. Durch diese Seelen wird sie
vielleicht an Tausende anderer Seelen weitergegeben werden.
"Jene, die mich verkünden,
werden das ewige Leben erhalten!" und
werden es um sie verbreiten.
Die Seele:
"Würdige mich, o heilige jungfrau, dich
zu loben."
9.
"In deinem Namen will ich das
Netz auswerfen!"
Maria:
1. Du begreifst allmählich, welcher Mittel
du dich bei deinem Apostolat bedienen sollst; aber du verstehst noch sehr
wenig vom Vertrauen, das dich dabei beseelen muß.
Wenn du deine Schwäche betrachtest und
die Schwierigkeiten der dir anvertrauten Aufgabe, dann fragst du dich manchmal
besorgt, was du da wohl zustandebringen kannst. Zustandebringen? Du? Durch
dich? Gar nichts! Durch mich? Wunderbares!
Hat der Allmächtige nicht Großes
an Seiner Magd getan, weil Er ihre Niedrigkeit angesehen? Hast du nie gelesen,
daß "jene, welche die Welt für
töricht hält, von Gott auserwählt sind, die Weisen zu beschämen",
und daß "jene, welche die Welt geringachtet,
von Gott auserlesen sind, die Starken zu entmachten?"
2. Höre und bedenke! Ich will dich zwei
Wahrheiten lehren, die dir einen unerschütterlichen Glauben an den
Erfolg deiner Sendung geben können, einen Glauben, der Berge versetzt.
Zuerst werde dir recht gründlich bewußt,
daß dein Apostolat mein Apostolat ist, deine Interessen meine Interessen
sind!
Mir und nicht dir hat Gott die
Aufgabe anvertraut, das Haupt der Schlange zu zertreten und das
Reich meines Sohnes auf Erden aufzurichten.Du
nimmst bloß Anteil an meiner Sendung.
Ich gebe die Befehle für das Heer Christi; du bist nur mein Soldat.
Meine Kinder sind es, die es zu retten gilt, nicht die deinen! Liegt der
Mutter nicht unvergleichlich mehr am Wohl der Kinder als ein Fremder dafür
Interesse hat? Sind nicht die Interessen Jesu mir unendlich teurer als
dir?
Selbst wenn dir an deinem Erfolg nichts gelegen
wäre, mir wäre er nicht gleichgültig. Denn hier handelt
es sich um Jesus, und es geht um meine Kinder.
Ich aber bin mächtig durch
die Allmacht Gottes, und diese teile ich all jenen mit, die in meinem Namen
handeln.
3. Sodann erinnere dich an das, was dir Jesus
über das unbegrenzte Vertrauen in deinem Gebet auseinandergesetzt
hat und wende es auf dein Apostolat an.
Für jede deiner Unternehmungen im Apostolat
habe ich meine besondere Absicht.
Diese Absicht ist immer weit vollkommener
als deine eigenen Vorstellungen. Denn ich liebe dich mehr als du dich selbst
liebst, und ich liebe Jesus und die Seelen mehr als du sie zu lieben vermagst.
Diese meine Liebe ist immer vollständig
durchführbar.
Sie wird unfehlbar in dem Maß
verwirklicht werden als du dabei in meinem Namen vorgehst.
Welche Hindernisse auch immer
sich vor dir auftürmen, stets wirst du Erfolg haben, mehr als du erwartest
hast, wenn du nur tatsächlich in meinem Namen handelst.
4. Um diese herrlichen Erfolge zu ernten, genügt
es nicht, viel zu arbeiten: in meinem Namen
muß man arbeiten!
Die ganze Nacht hatten sich die Apostel beim
Fischen abgemüht und nichts gefangen. Kaum hatte Petrus zu Jesus gesagt:
"In
deinem Namen will ich das Netz auswerfen!",
machten sie einen wunderbaren Fischfang.
Wie oft hast du dich völlig erschöpft
bei deiner apostolischen Arbeit, und es war umsonst. Du
hattest eben vergessen, am Anfang mir zu sagen: "In
deinem Namen!"
In meinem Namen arbeiten heißt nach
meinen Absichten arbeiten und im Bewußtsein, dabei an meiner Sendung
und an meiner Macht teilzuhaben.
5. Opfere Jesus durch meine Hände deine
Gebete und Leiden auf, damit meine Absichten über dein Apostolat sich
verwirklichen!
Ruf mich an, bevor du etwas
unternimmst! Denke nach, was meine
Absichten sein könnten und handle dann als mein Werkzeug!
Geh ans Werk mit vollem Vertrauen auf den
Erfolg. Ich bin es ja, die durch dich arbeitet!
Wache darüber, daß nicht deine
Pläne die meinen verdrängen!
Wie oft gelobst du, einzig und allein für
mich zu handeln; bald aber läßt du dich von persönlichen
Neigungen leiten.
Nur dann ist dir der Erfolg gewiß, wenn
du in der Gesinnung treu bleibst, nur nach meinen Absichten zu handeln.
Petrus hatte anfänglich Vertrauen zu Jesus, der ihm mitten im Meeressturm
befahl, zu Ihm zu kommen; und der Apostel wandelte auf dem Wasser. Als
er aber an die Wogen und an sich zu denken begann, sank er. Oft warst du
daran, Wunderbares zu leisten; das Ende deines Unternehmens aber war kläglich.
Du warst dir eben nicht mehr lebendig bewußt, daß du mein Werkzeug
bist.
6. Es ist wahr: Du kannst nicht beständig
an mich denken. Doch du kannst dich ohne Unterlaß von meinem Geist
führen lassen. Du kannst zu einer solchen Seelenhaltung gelangen,
daß du auf die Frage, in wessen Namen du handelst, stets zu antworten
vermagst: "Im Namen meiner Mutter"
Nur nach vielen Anstrengungen wirst du dahin
kommen. Erneuere wenigstens von Zeit zu Zeit die gute Meinung und stelle
sie richtig, sobald du merkst, daß deine Absichten die meinen verdrängt
haben.
7. Nach deinem Unternehmen danke Gott, wenn
du Erfolg gehabt hast.
Hast du aber Mißerfolg gehabt, dann
prüfe dich: entweder hast du nicht in meinem Namen gehandelt - dann
ist es tatsächlicher Mißerfolg - oder du hast versucht, dich
nach meinen Absichten zu richten und hast dich auf mich gestützt;
dann ist dir der Erfolg noch vorenthalten; aber er wird eintreffen, wenn
Gott es will. Um so größer wird
er sein, je mehr Anstrengung er dich gekostet und je größeres
Vertrauen er von dir gefordert hat. So wird
Christus verherrlicht, deine Mutter geehrt, und so werden die Seelen gerettet
werden.
Ohne mich kann dir nichts
gelingen, mit mir kann dir nichts mißlingen!
Die Seele:
O meine Mutter, ich glaube an dich und an
die besondere Aufgabe, die Jesus dir anvertraut hat. Ich glaube, daß
ich alles vermag, wenn ich mich auf dich stütze. Lasse mich jedesmal
offensichtlich scheitern, wenn ich in meinem eigenen Namen handle, um mich
zu nötigen, nur in deinem Namen zu handeln.
Dann werde ich dir wirksam helfen, zahlreiche
Seelen zu Jesus zu führen, und ich werde das Gebet in die Tat umsetzen,
das ich gewohnt bin, stündlich zu wiederholen: "Der
Vater und der Sohn und der heilige Geist mögen überall verherrlicht
werden durch die Unbefleckte Jungfrau Maria!"
Dein Ideal
Jesus:
Mein Bruder! Verstehst du nun, was ich dir
geschenkt habe, indem ich dir das Geheimnis meiner kindlichen Liebe für
meine Mutter geoffenbart habe? Als ich dich aufforderte, dich ihr ganz
nach meinem Beispiel hinzugeben, sahst du in meinem Ruf nur eine Einladung,
sie ein wenig mehr zu lieben als du es bis jetzt getan hast. Nun aber hast
du allmählich verstanden, daß meine kindliche Liebe zu Maria
nachahmen heißt, unter ihrer Führung ein Heiliger, ein Apostel
zu werden, und daß es heißt, umgestaltet zu werden in mich,
den Sohn Gottes, der für das Heil der Menschen Mariens Sohn geworden
ist.
Die Seele:
O Jesus, mein Gott und mein Bruder!
O Maria, Mutter Gottes und meine Mutter!
Von neuem übergebe ich mich euch ganz
ohne jeden Vorbehalt und für alle Zeiten. Viel deutlicher erkenne
ich nun eure Absichten für mich, und ich bin viel entschlossener,
alles auszuführen, was ihr mir zu tun bestimmt, koste es, was es wolle.
O Jesus, bitte hilf mir, Deine Mutter zu lieben
und zu bewirken, daß alle Menschen sie lieben mit der Liebe, mit
der Du sie liebst.
Und du, o Maria, hilf mir bitte, Jesus zu
lieben und zu bewirken, daß alle Menschen ihn lieben mit der Liebe,
mit der du ihn liebst!
O liebevollste Mutter, reinste Jungfrau, Mutter
meines Erlösers! Sei gegrüßt mit der innigsten Liebe, die
ein Kinderherz für dich haben kann. Ja, Mutter, ich bin dein Kind,
und weil meine Ohnmacht so groß ist, mache ich mir die Liebesglut
aus dem Herzen deines göttlichen Sohnes zu eigen; mit dieser Liebe
grüße ich dich als die Allerreinste, die nach dem Wohlgefallen
des dreimal heiligen Gottes geschaffen ist. Du bist ohne Makel der Erbsünde
empfangen, frei von jeder Verderbnis, und allen Regungen der Gnade immer
treu gewesen. Dadurch hast du dir so große Verdienste erworben, daß
du über alle Geschöpfe erhoben wurdest.
Zur Mutter Jesu Christi auserwählt, hast
du ihn wie in einem ganz reinen Heiligtum behütet, und er, der gekommen
ist, der Welt das Leben zu schenken, hat aus dir das Leben genommen und
seine Nahrung empfangen.
O unvergleichliche Jungfrau! Unbefleckte Jungfrau!
Wonne der Heiligsten Dreifaltigkeit! Dich bewundern die Engel und Heiligen,
du Freude der Himmel!
Du Morgenstern! Du blühender Rosenstrauch,
schneeweiße Lilie... Du verschlossener Garten, nur zur Freude des
himmlischen Vaters bepflanzt...
Du bist meine Mutter, weiseste Jungfrau, kostbare
Arche, die alle Tugenden umschließt! Du bist meine Mutter, mächtigste
Jungfrau, gütigste Jungfrau, getreue Jungfrau! Du bist meine Mutter,
Zuflucht der Sünder! Ich grüße dich und freue mich, daß
der Allmächtige dir so viele Gaben geschenkt hat und dich mit so vielen
Vorzügen krönte.
Sei gebenedeit und gelobt, Mutter meines Erlösers,
Mutter der armen Sünder! Hab Erbarmen mit uns und birg uns unter deinem
mütterlichen Schutz.
Ich grüße dich im Namen aller Menschen,
aller Heiligen und aller Engel!
Ich möchte dich lieben mit der Glut der
liebentflammten Seraphim, und da dies noch zu wenig ist, um mein Verlangen
zu stillen, so grüße und liebe ich dich durch deinen göttlichen
Sohn, der mein Erlöser, mein Heiland, mein Vater und mein Bräutigam
ist.
Ich grüße dich mit der Heiligkeit
der anbetungswürdigen Dreifaltigkeit, mit der Reinheit des Heiligen
Geistes... Mit diesen göttlichen Personen benedeie ich dich und möchte
ich dir ewiglich ein reines Lob darbringen.
O unvergleichliche Jungfrau! Segne mich, weil
ich ja dein Kind bin. Segne alle Menschen. Beschütze sie und bitte
für sie beim allmächtigen Gott, der dir nichts verweigern kann.
Liebste Mutter! Ich grüße dich
Tag und Nacht, in der Zeit und in der Ewigkeit. Amen.
"Niemals", sagte Sr. Josefa, "habe ich sein Herz in solcher Flammenglut gesehen und niemals eine solche Begeisterung im Klang seiner Stimme vernommen."