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Seit
1525 findet das romanische Kruzifix hier Verehrung und viele Menschen haben
vor ihm durch Anrufung des gekreuzigt auferstandenen Herrn Trost und Hilfe
gefunden. In Schwaben und weit über seine Grenzen hinaus ist den Gläubigen
diese Darstellung des Gekreuzigten lieb geworden: die priesterlich weit
ausladenden Arme, das geneigte Haupt und sein gütiger Blick.
Haben
die Schwaben etwas liebgewonnen, so findet dies Ausdruck in ihrer Umgangssprache:
„Herrgöttle
von Biberbach"
wurde das stattliche Kreuzbildnis genannt. Dennoch kann und will diese
liebevolle Bezeichnung nicht darüber hinwegtäuschen, daß
das Kreuz Jesu, ja jedes Kreuz, erst einmal angenommen und getragen werden
will. Jedem Menschen, sei er ein Glaubender oder Nichtglaubender, sei er
Christ oder Angehöriger einer anderen Religionsgemeinschaft, wird
im Laufe seines Lebens das Kreuz begegnen, vielleicht sind es mehrere Kreuze,
das
eine
schwerer, das andere leichter. Die Erfahrung des Kreuzes ist universal,
keinem bleibt sie erspart.
So
erwählt Gott den Menschen, am Los seines Sohnes teilzuhaben. Gott
aber hat das Ziel im Blick, das er an seinem eigenen Sohn geoffenbart hat:
die Auferstehung des Leibes, die Heiligung des ganzen Menschen. So ist
die durchkreuzte Geschichte eines jeden Menschen auch seine Heilsgeschichte.
Vor
dem Kreuz verstummt die Sprache. Leid und Schmerz können den Menschen
niederdrücken. Der Mensch kommt an das Ende seiner Kraft. Das Kreuz
kann zur Nacht des Glaubens werden. Gott selbst hat sie für uns durchlitten
- aus Liebe.
Aus
Liebe zu seiner Schöpfung ist er den Weg des Kreuzes gegangen, aus
Liebe zu seiner Schöpfung hat er uns berufen, seine Kinder zu werden
und Erben seines Reiches.
Wir
bitten Dich:
Bleibe
Du bei der Kirche,
bleibe
Du bei der Menschheit!
Wende
Dich nicht ab von ihr, wenn auch
vielleicht
viele gleichgültig an Deinem Kreuz
vorübergehen,
einige sich von ihm entfemen
und
andere nicht bis zu ihm hingelangen.
Denn
vielleicht brauchen die Menschen
heute
mehr als je zuvor diese Kraft
und
diese Weisheit, die Du selber bist,
Du
allein durch Dein heiliges Kreuz.
Bleibe
bei uns in diesem tiefen Geheimnis
Deines
Todes, in dem Du geoffenbart hast,
wie
„sehr Gott die Welt geliebt hat".
Bleibe
bei uns und ziehe uns an Dich!
Bleibe
bei uns durch Deine heilige Mutter,
der
Du vom Kreuz herab
jeden
Menschen anvertraut hast!
Bleibe
bei uns!
Johannes
Paul II.
Impressum
„Herrgöttle
von Biberbach"
Spätromanisches
Gnadenbild um 1220
1697-1997
Wallfahrtskirche Biberbach, Schwaben