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Eine Meditation von Don Gianni Toni, einem der geistlichen Beiräte der italienischen Wallfahrtsorganisation UNITALSI zum Seelsorgethema von Lourdes im Jahr 2010 |
Ein
Dialog von Herz zu Herz
Bei seinem Besuch
in Lourdes erklärte Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt am Fest
Kreuzerhöhung: „Es ist in der Tat bezeichnend,
daß Maria, als
sie Bernadette zum ersten Mal erschien, ihre Begegnung mit dem Kreuzzeichen
beginnt. Mehr als um ein einfaches Zeichen handelt es sich dabei um eine
Einführung in die Geheimnisse des Glaubens, die Bernadette von Maria
erhält.
Das
Kreuzzeichen ist gewissermaßen die Zusammenfassung unseres Glaubens,
denn es sagt uns, wie weit Gottes Liebe zu uns gegangen
ist; es sagt uns,
daß es auf der Welt eine Liebe gibt, die stärker ist als der
Tod, stärker als unsere Schwächen und unsere Sünden."
Maitre Dufo, der Präsident
der Anwaltskammer von Lourdes, erklärte Pater Sempe, der später
der erste Rektor der Wallfahrtsstätte wurde: „Wenn Sie wie ich gesehen
hätten, wie Bernadette das Kreuzzeichen macht, würden Sie ihr
sicher auch glauben. Nur im Himmel kann man das Kreuzzeichen auf diese
Weise machen!" Diese Geste ist das Hauptelement, das uns ermöglicht,
die Erscheinungen zu verstehen sowie den Weg der Heiligkeit, den Bernadette
gegangen ist.
Bernadette
ist vielleicht deshalb so beeindruckt von dem, was sie die Heilige Jungfrau
machen sieht, weil sie zuvor diese Geste nicht immer korrekt vollzogen
hat, wie man sehr gut auch an Christen sehen kann, die eine Kirche betreten
und das Kreuzzeichen zerstreut, oft unbeholfen machen.
Jemand, der Bernadette
das Kreuzzeichen hatte machen sehen, sagte: „Wenn sie das Kreuzzeichen
machte, war das etwas Erhabenes,
Übermenschliches,
das ich mir nicht erklären konnte, das ich versuchte nachzumachen,
ohne daß es mir gelang. Das ist ja klar! Ich hatte nicht Maria gehabt,
um es mich zu lehren!"
Mit dem Kreuzzeichen
der „wunderbaren jungen weißgekleideten Dame" begann der Dialog von
Herz zu Herz zwischen Bernadette
und Maria. Man kann
also sagen, daß das Kreuzzeichen entscheidend ist auf dem Glaubensweg
und den wahren Sinn des christlichen Lebens vermittelt. Das Kreuzzeichen
machen heißt also, daß man sich Gott öffnet und sich auf
eine Kommunikation mit ihm einläßt.
Die Hand, die die
Stirn, die Brust und die Schultern berührt, bringt die Teilhabe der
ganzen Person in der Beziehung mit Gott zum Ausdruck:
die Gedanken, das
Herz, das ganze Wesen.
Bernadettes Weg und
der eines jeden Christen ist der Weg eines heiligen Lebens, und das Kreuz
ist das Zeichen, das am Beginn dieses Weges, an allen Jahreszeiten des
Lebens und an jedem Ereignis unseres Alltags steht.
Doch Bernadette blieb
nicht bei diesem „äußeren" Zeichen stehen, sondern verpflichtete
sich, es in ihrem Leben konkret zu "verkörpern".
Am Ende ihres irdischen
Lebens sagte sie: „Ich bin glücklicher auf meinem Leidensbett mit
meinem Kruzifix als eine Königin auf
ihrem Thron." Das
sagte sie, obwohl sie viel leiden mußte. Ihre erschöpfte Brust
brannte und die Kniegelenke waren von einer
verzehrenden Tuberkulose
zerfressen.
An ihrem letzten Osterfest
auf Erden gingen einige Schwestern nach dem Mittagessen zu ihr hinauf,
um sie zu besuchen. In ihrer natürlichen Einfachheit vertraute sie
ihnen folgendes an:
„Heute morgen nach
der heiligen Kommunion habe ich Unseren Herrn um fünf Minuten Atem
gebeten, um ohne Schwierigkeiten mit ihm
sprechen zu können,
aber er hat sie mir nicht bewilligen wollen. (Sie hustete ununterbrochen.)
Mir ist wohl klar,
daß mein Leiden erst im Augenblick meines Todes zu Ende gehen wird."
Nur wenige Tage vor
ihrem Tod bat sie darum, daß alle Bilder weggenommen werden, die
sie früher an ihrem Bett aufgehängt hatte, um ihre Heiligenverehrung
zum Ausdruck zu bringen.
Als man sie nach dem
Grund für diesen neuen Wunsch fragte, zeigte sie auf das Kruzifix
und sagte: „Das genügt mir."
Und sie fügte
hinzu: „Ich hätte gern, daß Er in mein Herz einzieht, aber meine
Hände sind unruhig, ich schaffe es nicht, ihn festzuhalten.
Bindet ihn auf mir
fest, ganz fest, damit ich mich seinem Bild nahe fühlen kann."
In
der Schule des Kreuzes
Das Kreuzzeichen,
das Bernadette an jenem weit zurückliegenden 11. Februar von Maria
„gelernt" hatte, hat sie „verwandelt". Bernadette hat ihr Leben in jedem
Augenblick ihrer Existenz dem Herrn geopfert, so daß sie sagen konnte:
„Ich werde gemahlen wie ein Weizenkom", und die Schwester, die das hörte,
hörte sie auch sagen; „Ich hätte nie gedacht, daß man so
viel leiden muß, um zu sterben."
Man kann wirklich
sagen, daß Bernadette in Lourdes und dann in Nevers als Ordensfrau
- in kranken wie in gesunden Tagen - nie aufgehört hat, sich hinzugeben,
sich aufzuopfern, sich zu entäußern. So konnte sie in jedem
Augenblick sagen: „Nimm mein Leben, Herr." „Bemadettes Kreuz" begann am
11. Februar, als sie über ihrem Leib dieses Zeichen machte, das sie
so, wie es die Heilige Jungfrau gemacht hatte, nachmachte und das sie mit
Liebe angenommen hat in einem Leben voller angenommener Leiden.
Bernadette bat darum,
daß der Herr nicht bei ihren Augen aufhört, sondern bis in ihr
Herz hinabsteigt. Und in der unermüdlichen
Betrachtung des Kruzifixes
fand sie die Kraft, ihren Kalvarienberg zu ertragen: „Ja, mein Gott, ja
in allem und überall ja." Sie erlangte diese „geistliche Reife", die
von Gott gewollt ist und die ihr Seelenführer sie eines Tages hatte
erahnen lassen, als er ihr sagte: „Sie dürfen keine Angst davor haben,
das Kreuz zu tragen..."
Bernadette wuchs in
der Schule des Kreuzes heran. Sie erbat eine „tiefe Liebe" zu diesem Heilszeichen.
Sie lehnte sich nie auf. Sie wußte, daß ihre Passion bis zu
ihrem Tod dauern würde. Bernadette durchlebte alle Momente der Passion
Jesu: Von der Angst in Getsemani bis zur Hingabe am Kalvarienberg, und
sie kannte auch die Leere des Karsamstags. Sie wurde dem Gekreuzigten vollkommen
gleich. Eines Tages schrieb sie: „Ich werde Ihn allein, den treuen Freund
zwischen meinen eiskalten Fingern in mein Grab mitnehmen."
Jedes Mal, wenn ich
an diese große kleine Heilige denke, kann ich nur empfehlen, Bemadettes
Größe neu zu entdecken, die das
Geheimnis der Passion
und des Todes Jesu begriffen hatte, nicht nur geistlich, sondern auch durch
die Aufopferung eines Lebens voller
Leiden. Bleiben wir
also nicht bei dem Bild von Bernadette stehen, wie sie mit einer Kerze
in der Hand vor der Grotte kniet, sondern folgen wir ihr nach Nevers, um
sie besser kennen zu lernen und nachzuahmen! Höre wir noch einmal
auf ihre Worte über dieses Zeichen unseres Glaubens:
„Je fähiger wir
sind, am Kreuz zu sterben, umso glorreicher wird unsere Auferstehung sein...
Nur Mut, das Kreuz ist das Erbe der Freunde, die der Herr am meisten liebt:
Hier
auf Erden das Leiden, im Himmel das wahre Glück!"
Don Gianni Toni
(Quelle: "Lourdes-Magazin"
Nr. 176, August 2010, S. 4ff., 1, avenue Mgr Théas, F-65108 Lourdes
Cedex)
www.lourdes-magazine.com
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