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Bischöfl. Finanzdirektor Domdekan Prälat Robert Müller, Regensburg |
Eucharistie
und Gebet:
Kraftquellen
im Leben Anna Schäffers
Liebe
Schwestern und Brüder,
wenn
ich das vom Kreuz und von der Liebe gezeichnete Leben der seligen Anna
Schäffer betrachte, dann frage ich mich: Woher nahm sie eigentlich
die Kraft dazu? Ein Leben, wie wir es bei Anna Schäffer beobachten,
kann man nicht aus rein menschlichen Kräften führen. Für
ein solches Leben ist die Kraft Gottes absolut notwendig. Anna Schäffer
hatte vor allem zwei Quellen, aus denen sie die Kraft Gottes für ihr
Leben schöpfte: die hl. Eucharistie und das Gebet. Die hl. Eucharistie
war eine Kraftquelle, aus der Anna Schäffer ihr Krankenlager erdulden
konnte. Immer wieder schreibt sie, wie sehr sie sich auf die Begegnung
mit Jesus in der hl. Kommunion am Morgen freue. Der Opferleib Christi gab
ihr die Kraft, ihre Schmerzen, ihr Leiden, ihre Opfer anzunehmen. In einem
Brief gibt sie uns darüber Auskunft, daß sie es sogar gezählt
habe, wie oft ihr Pfarrer Rieger die Speise des ewigen Lebens gebracht
hat. Die hl. Kommunion war die Herzmitte ihres Denkens und Betens, die
Quelle ihrer Freude und Kraft. Und das hat sie uns überzeugend vorgelebt.
Papst
Johannes Paul II. hat an Fronleichnam des letzten Jahres ein eucharistisches
Jahr ausgerufen, das am 17. Oktober 2004 mit dem eucharistischen Weltkongreß
in Mexiko begonnen hat. Mit dem Abschluß der Bischofssyno-
de
am 23. Oktober dieses Jahres wird es von Papst Benedikt XVI. abgeschlossen.
Dem Papst geht es dabei nicht um neue, außergewöhnliche Aktionen,
sondern darum, das Geheimnis der Eucharistie neu zu erschließen,
seine Feier zu vertiefen und die Anbetung des Allerheiligsten zu fördern.
Zu
den Anliegen des eucharistischen Jahres gehört vor allem die Erneuerung
der Anbetung vor dem Allerheiligsten. Diese Form der Frömmigkeit erwächst
aus der Feier der Eucharistie. Wie sich an Fronleichnam die Prozession
mit dem Allerheiligsten an die Eucharistiefeier anschließt, so geht
auch die Anbetung aus dieser Feier hervor. Im stillen Verweilen vor dem
Allerheiligsten klingt weiter, was wir in der Eucharistie gefeiert haben.
Denn von der Eucharistie lebt die Kirche, von der Eucharistie leben wir.
Das gilt besonders von der sonntäglichen Eucharistiefeier. Sie ist
das große Vermächtnis, das uns der Herr am Abend vor seinem
Sterben hinterlassen und zu feiern aufgetragen hat:
„Tut
dies zu meinem Gedächtnis!" Das ist sein
Auftrag, dem wir auch heute noch verpflichtet sind.
Die
sonntägliche Eucharistiefeier ist und bleibt die unersetzbare Mitte
jeder kirchlichen Gemeinschaft, auch der Gemeinde, in der wegen des Priestermangels
nicht jeden Sonntag die Eucharistie gefeiert werden kann. In ihr ist
der
Herr bei uns, um mit uns zu gehen und uns an seinem Leben teilhaben zu
lassen. In dieser Zuversicht ging die selige Anna Schäffer durch Kreuz
und Leid dem ewigen Ostern entgegen, der Fülle des Lebens in der Gemeinschaft
des dreifaltigen Gottes.
Liebe
Verehrerinnen und Verehrer der seligen Anna Schäffer, die zweite Quelle,
aus der Anna Schäffer die Kraft Gottes für ihr Leben schöpfte,
war das Gebet. Aus ihren Aufzeichnungen und Briefen wissen wir, daß
sie jede Nacht von 12.00 Uhr bis 1.00 Uhr eine Betstunde hielt, die sie
im Geist vor dem Tabernakel verbrachte. Jeden Tag verwandte sie wenigstens
eine Stunde für die Vorbereitung und Danksagung bei der hl. Kommunion.
Sie betete außerdem jeden Tag einen oder mehrere Rosenkränze
und machte eigentlich ihr ganzes Tun, vor allem ihre Handarbeit, das Schreiben
der Briefe und insbesondere die körperlichen Schmerzen und seelischen
Leiden zum Gebet, indem sie immer wieder Stoßgebete verrichtete.
Man kann mit Recht sagen: „Ihr Leben war ein fortwährendes Gebet".
Was
zeigt uns das Gebetsleben der seligen Anna Schäffer, ein Gebetsleben,
das bewundernswert, aber das wir, die wir tagtäglich im Beruf, in
Ehe und Familie, im nüchternen Alltag leben, nicht einfach nachmachen
können? Es mahnt uns auf jeden Fall, daß wir das Gebet von den
vielfältigen Geschäften nicht verdrängen lassen, daß
wir ihm jenen Platz in unserem Leben einräumen, der ihm gebührt.
Nehmen Sie sich darum jeden Tag Zeit für das Gebet. Ein Tag ohne Gebet
ist ein verlorener Tag auf dem Weg zu Gott. Der Rosenkranz kann dabei eine
wertvolle Hilfe sein. Ich bitte Sie, pflegen Sie das Gebet in der Familie.
Das hält zusammen. Sie wissen selbst, wie gefährdet heute Ehe
und Familie sind. Mutter Teresa von Kalkutta sagt einmal: Eine Familie,
die miteinander betet, steht auch zueinander.
Das
Familiengebet und der in der Familie gelebte Glaube sind entscheidend für
die Weitergabe des Glaubens an die heranwachsende Generation. Der Religionsunterricht
allein genügt nicht. Der verpufft, wenn zu Hause der Glaube nicht
gelebt wird. Die Eltern und Großeltern bitte ich: Erzählen Sie
Ihren Kindern und Enkeln von Jesus. Lesen Sie ihnen Geschichten von Jesus
vor. Es gibt eine ganze Reihe von Kinderbibeln, die Ihnen dabei gute Dienste
leisten. Und erzählen Sie ihnen Geschichten aus dem Leben der Heiligen.
An ihnen kann man lernen, Jesus nachzufolgen und christlich zu leben. Bekennen
wir unseren Glauben in der Öffentlichkeit. Lassen wir uns mit unseren
religiösen Überzeugungen nicht in ein Nischendasein abdrängen.
Wir haben mit unserem Glauben etwas zu bieten, was die Menschen brauchen,
was unserem Leben Sinn verleiht. Liebe Verehrerinnen und Verehrer der seligen
Anna Schäffer! „Schau in das Antlitz
Christi und lies darin!" Diese Aufforderung
hat Anna Schäffer während der Zeit ihres 25-jährigen Krankenlagers
persönlich gelebt und angenommen. Der Spruch entstammt der Inschrift
eines Kreuzes in der Nähe von Karthaus bei Regensburg. „Schau
in das Antlitz Christi und lies darin!" -
Anna Schäffer hat dies getan. Sie hat im Antlitz Christi das Antlitz
des gekreuzigten Heilands, in dem uns Gottes Liebe sichtbar wird, erkennen
dürfen. Möge die selige Anna Schäffer uns Lehrmeisterin
sein, täglich neu im Antlitz Christi zu lesen! Möge sie uns aber
auch die Quellen erschließen, aus denen sie die Kraft hierzu schöpfte:
*
ihre innige Verbundenheit mit Christus in der heiligen Eucharistie und
*
ihr unablässiges Gebet, das ihr den Weg öffnete, dieses Antlitz
in ewiger Freude zu schauen. Amen.