Anna-Schäffer-Gedenktag 5. Oktober 2005 
Bischöfl. Finanzdirektor Domdekan Prälat Robert Müller, Regensburg

Eucharistie und Gebet:
Kraftquellen im Leben Anna Schäffers

Zum 80. Todestag der seligen Anna Schäffer, einem milden Herbsttag, fanden sich zahlreiche Gläubige zum abendlichen Festgottesdienst in Mindelstetten ein. Sowohl die Pfarrkirche als auch die Grabeskirche der seligen Anna waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Als Hauptzelebrant und Festprediger war Domkapitular Prälat Robert Hüttner, der bischöfliche Finanzdirektor, aus Regensburg angereist. In seiner Festpredigt zeichnete er Anna Schäffer als bleibendes Vorbild für das christliche Leben. Trotz ihrer schweren Krankheit schöpfte sie aus zwei Quellen ihre Kraft: dem Sakrament der Eucharistie und dem Gebet. Auch wir sollten immer wieder selbst daraus Kraft schöpfen, um im Alltag nicht in den vielfältigen Geschäften aufzugehen. Eindringlich ermutigte Prälat Hüttner die Eltern und Großeltern, in den Familien wieder das Gebet zu pflegen, denn ein Tag ohne Gebet sei ein verlorener Tag auf dem Weg zu Gott. Anna Schäffer habe auf ihrem Krankenlager im Antlitz Christi, des Gekreuzigten, gelesen und so die Liebe Gottes erkannt. Sie werde uns Fürsprecherin sein, damit auch wir dieses Antlitz einmal in ewiger Freude schauen dürfen.


Liebe Mitbrüder, liebe Pfarrgemeinde von Mindelstetten, liebe Verehrerinnen und Verehrer der seligen Anna Schäffer, liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Heute vor 80 Jahren gab Anna Schäffer ihre Seele dem Schöpfer zurück. Es war am 5. Oktober 1925. Frühmorgens empfing die Sterbende zum letzten Mal die hl. Eucharistie. Den ganzen Tag über, nur mit kurzen Unterbrechungen, blieb Pfarrer Rieger am Sterbebett. Gegen 8.00 Uhr abends verschied sie friedlich. Kurz vorher hatte sie noch einmal mit großer Anstrengung das Kreuzzeichen gemacht und gebetet: „Jesus, dir leb' ich!" 43 Jahre war sie alt geworden. Über seinen amtlichen Eintrag des Todes in die Sterbematrikel setzte Pfarrer Rieger mit Bleistift das Wort „Sancta", eine „Heilige". Ja, sie war wirklich eine „Sancta", eine „Heilige". Papst Johannes Paul II. hat Anna Schäffer am 7. März 1999 in der Basilika St. Peter zu Rom selig gesprochen.

Liebe Schwestern und Brüder,
wenn ich das vom Kreuz und von der Liebe gezeichnete Leben der seligen Anna Schäffer betrachte, dann frage ich mich: Woher nahm sie eigentlich die Kraft dazu? Ein Leben, wie wir es bei Anna Schäffer beobachten, kann man nicht aus rein menschlichen Kräften führen. Für ein solches Leben ist die Kraft Gottes absolut notwendig. Anna Schäffer hatte vor allem zwei Quellen, aus denen sie die Kraft Gottes für ihr Leben schöpfte: die hl. Eucharistie und das Gebet. Die hl. Eucharistie war eine Kraftquelle, aus der Anna Schäffer ihr Krankenlager erdulden konnte. Immer wieder schreibt sie, wie sehr sie sich auf die Begegnung mit Jesus in der hl. Kommunion am Morgen freue. Der Opferleib Christi gab ihr die Kraft, ihre Schmerzen, ihr Leiden, ihre Opfer anzunehmen. In einem Brief gibt sie uns darüber Auskunft, daß sie es sogar gezählt habe, wie oft ihr Pfarrer Rieger die Speise des ewigen Lebens gebracht hat. Die hl. Kommunion war die Herzmitte ihres Denkens und Betens, die Quelle ihrer Freude und Kraft. Und das hat sie uns überzeugend vorgelebt.
Papst Johannes Paul II. hat an Fronleichnam des letzten Jahres ein eucharistisches Jahr ausgerufen, das am 17. Oktober 2004 mit dem eucharistischen Weltkongreß in Mexiko begonnen hat. Mit dem Abschluß der Bischofssyno-
de am 23. Oktober dieses Jahres wird es von Papst Benedikt XVI. abgeschlossen. Dem Papst geht es dabei nicht um neue, außergewöhnliche Aktionen, sondern darum, das Geheimnis der Eucharistie neu zu erschließen, seine Feier zu vertiefen und die Anbetung des Allerheiligsten zu fördern.
Zu den Anliegen des eucharistischen Jahres gehört vor allem die Erneuerung der Anbetung vor dem Allerheiligsten. Diese Form der Frömmigkeit erwächst aus der Feier der Eucharistie. Wie sich an Fronleichnam die Prozession mit dem Allerheiligsten an die Eucharistiefeier anschließt, so geht auch die Anbetung aus dieser Feier hervor. Im stillen Verweilen vor dem Allerheiligsten klingt weiter, was wir in der Eucharistie gefeiert haben. Denn von der Eucharistie lebt die Kirche, von der Eucharistie leben wir. Das gilt besonders von der sonntäglichen Eucharistiefeier. Sie ist das große Vermächtnis, das uns der Herr am Abend vor seinem Sterben hinterlassen und zu feiern aufgetragen hat:
„Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Das ist sein Auftrag, dem wir auch heute noch verpflichtet sind.
Die sonntägliche Eucharistiefeier ist und bleibt die unersetzbare Mitte jeder kirchlichen Gemeinschaft, auch der Gemeinde, in der wegen des Priestermangels nicht jeden Sonntag die Eucharistie gefeiert werden kann. In ihr ist
der Herr bei uns, um mit uns zu gehen und uns an seinem Leben teilhaben zu lassen. In dieser Zuversicht ging die selige Anna Schäffer durch Kreuz und Leid dem ewigen Ostern entgegen, der Fülle des Lebens in der Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes.

Liebe Verehrerinnen und Verehrer der seligen Anna Schäffer, die zweite Quelle, aus der Anna Schäffer die Kraft Gottes für ihr Leben schöpfte, war das Gebet. Aus ihren Aufzeichnungen und Briefen wissen wir, daß sie jede Nacht von 12.00 Uhr bis 1.00 Uhr eine Betstunde hielt, die sie im Geist vor dem Tabernakel verbrachte. Jeden Tag verwandte sie wenigstens eine Stunde für die Vorbereitung und Danksagung bei der hl. Kommunion. Sie betete außerdem jeden Tag einen oder mehrere Rosenkränze und machte eigentlich ihr ganzes Tun, vor allem ihre Handarbeit, das Schreiben der Briefe und insbesondere die körperlichen Schmerzen und seelischen Leiden zum Gebet, indem sie immer wieder Stoßgebete verrichtete. Man kann mit Recht sagen: „Ihr Leben war ein fortwährendes Gebet".
Was zeigt uns das Gebetsleben der seligen Anna Schäffer, ein Gebetsleben, das bewundernswert, aber das wir, die wir tagtäglich im Beruf, in Ehe und Familie, im nüchternen Alltag leben, nicht einfach nachmachen können? Es mahnt uns auf jeden Fall, daß wir das Gebet von den vielfältigen Geschäften nicht verdrängen lassen, daß wir ihm jenen Platz in unserem Leben einräumen, der ihm gebührt. Nehmen Sie sich darum jeden Tag Zeit für das Gebet. Ein Tag ohne Gebet ist ein verlorener Tag auf dem Weg zu Gott. Der Rosenkranz kann dabei eine wertvolle Hilfe sein. Ich bitte Sie, pflegen Sie das Gebet in der Familie. Das hält zusammen. Sie wissen selbst, wie gefährdet heute Ehe und Familie sind. Mutter Teresa von Kalkutta sagt einmal: Eine Familie, die miteinander betet, steht auch zueinander.
Das Familiengebet und der in der Familie gelebte Glaube sind entscheidend für die Weitergabe des Glaubens an die heranwachsende Generation. Der Religionsunterricht allein genügt nicht. Der verpufft, wenn zu Hause der Glaube nicht gelebt wird. Die Eltern und Großeltern bitte ich: Erzählen Sie Ihren Kindern und Enkeln von Jesus. Lesen Sie ihnen Geschichten von Jesus vor. Es gibt eine ganze Reihe von Kinderbibeln, die Ihnen dabei gute Dienste leisten. Und erzählen Sie ihnen Geschichten aus dem Leben der Heiligen. An ihnen kann man lernen, Jesus nachzufolgen und christlich zu leben. Bekennen wir unseren Glauben in der Öffentlichkeit. Lassen wir uns mit unseren religiösen Überzeugungen nicht in ein Nischendasein abdrängen. Wir haben mit unserem Glauben etwas zu bieten, was die Menschen brauchen, was unserem Leben Sinn verleiht. Liebe Verehrerinnen und Verehrer der seligen Anna Schäffer! „Schau in das Antlitz Christi und lies darin!" Diese Aufforderung hat Anna Schäffer während der Zeit ihres 25-jährigen Krankenlagers persönlich gelebt und angenommen. Der Spruch entstammt der Inschrift eines Kreuzes in der Nähe von Karthaus bei Regensburg. „Schau in das Antlitz Christi und lies darin!" - Anna Schäffer hat dies getan. Sie hat im Antlitz Christi das Antlitz des gekreuzigten Heilands, in dem uns Gottes Liebe sichtbar wird, erkennen dürfen. Möge die selige Anna Schäffer uns Lehrmeisterin sein, täglich neu im Antlitz Christi zu lesen! Möge sie uns aber auch die Quellen erschließen, aus denen sie die Kraft hierzu schöpfte:
* ihre innige Verbundenheit mit Christus in der heiligen Eucharistie und
* ihr unablässiges Gebet, das ihr den Weg öffnete, dieses Antlitz in ewiger Freude zu schauen. Amen.



Bitte verteilen Sie nach Kräften diesen Rundbrief und fördern Sie dadurch die Verehrung der seligen Anna Schäffer!
Vergelt's Gott!
(Quelle: "Selige Anna Schäffer" Juli 2006,Mindelstetten, Brief 49, S. 12ff.)
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LINK:       Die selige Anna Schäffer von Mindelstetten

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