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Festpredigt v. 26. Juli 2006 |
Heilungsgottesdienste:
18:30
Uhr Rosenkranz, 19:00 Uhr hl. Messe mit Heilungsgebet und Handauflegung
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Festpredigt von Erzbischof Dr. Karl Braun, Bamberg, zum Anna-Schäffer-Gebetstag v. 26. 7.2006 |
Wer
mit Jesus gehen und in seiner Spur bleiben will, der muß „sich selbst
verleugnen und täglich sein Kreuz auf sich nehmen" (Mk 8,34). Immer
wieder versucht der Herr uns klarzumachen, daß sein Weg und unser
Weg mit ihm notwendig ins Leiden führt, in ein tägliches kleineres
und größeres Sterben.
Dieser
Weg endet schließlich an einem Kreuz - in dieser oder jener Form.
Es begleitet uns, es haftet uns an den Fersen bis zum letzten Atemzug.
Wir können es nicht abschütteln. Warum? Weil am Kreuz allein
die volle Gemeinschaft mit Jesus und das Heil für uns selbst und für
die ändern gewonnen werden können. Unser Verständnis sträubt
sich dagegen - „sie aber verstanden nichts ..., und sie begriffen das Gesagte
nicht" (Lk 18,34), heißt es von den Aposteln bei der Leidensankündigung
Jesu -, denn wir sind von Gott letztlich nicht für das Leiden geschaffen,
sondern für die Freude, die ewige Freude des Himmels. Aber der Weg
dorthin führt seit dem Sündenfall unserer Stammeltern
über
das Kreuz.
Bereitschaft
zur Kreuzesnachfolge
Wir
versuchen immer wieder, dem Leiden zu entgehen und schließen dafür
auch so manche Kompromisse. Aber der Herr erwartet von uns, daß der
kostbare Schatz seiner Liebe uns davor bewahrt, sich von ihm trennen zu
lassen, sobald der Weg steiler und härter wird.
Doch
wo finden wir die Menschen, die dem Ruf zur Kreuzesnachfolge ganz und gar
entsprechen und bei Jesus bleiben bis zuletzt, auch noch unter dem Kreuz?
Zuerst und vor allem gilt das von Maria, der Mutter Jesu (vgl. Joh 19,25).
Versucht bis zum äußersten, steht sie voll Glauben im tiefsten
menschlichen Dunkel bei ihm. Schweigend hält sie ihr „Ja" fest, „angenagelt"
wie Jesus selbst, und bleibt bei ihrem göttlichen Sohn.
Ihrem
Beispiel folgte die tapfere Kreuzträgerin, an deren Grabstätte
wir uns versammelt haben: die selige Anna Schäffer. Sie blieb bei
Christus, dem Leidenden, so wie Maria bei ihm geblieben ist. Anna erkannte:
Ob ein Christenleben gelingt und fruchtbar wird oder nicht, das wovon alles
für unser ewiges Glück abhängt, ist das Bleiben bei Christus
(vgl. Joh 15,4) in allem Auf und Ab unserer Erdenpilgerschaft und vor allem,
wenn die Schatten des Kreuzes auf uns fallen.
Wenn
wir nun fragen, wie der Seligen das gelingen konnte, dann finden wir so
manche Hinweise in dem, was sie gesagt und geschrieben hat. Ein wesentliches
Motiv ist ihre Verehrung der Kreuzeswunden des Herrn, insbesondere seiner
Seitenwunde. Dabei ist die Tatsache ihrer eigenen Stigmatisation, der Einprägung
der Wundmale Christi in ihren Leib, von unübersehbarer Bedeutung.
Stigmatisation
- Zeichen der Leidensgemeinschaft mit Christus
Anna
Schäffer erhielt die Wundmale Christi am Fest des heiligen Franz von
Assisi, am 4. Oktober 1910, in einer Vision des eucharistischen Herrn.
Die Stigmen erschienen als blutrote Flecken und erzeugten keine Blutungen
nach außen. Die Selige bemühte sich, die Wundmale vor der Öffentlichkeit
zu verbergen und bat Jesus inständig, er möge ihr die Schmerzen
der Wundmale bewahren, diese aber nicht mehr sichtbar sein lassen. Ihr
Gebet wurde erhört.
Hören
wir ihren Bericht: „Als ich am 4. Oktober 1910 die nächtliche Anbetungsstunde
hielt - von 12.00 Uhr bis 1.00 Uhr nachts - umgab mich auf einmal ein wunderbares
Licht, welches meinen ganzen Geist und Körper durchdrang. Ich sah
den lieben Heiland in diesem Lichtermeer und er sagte zu mir:
,Dich
habe ich angenommen zur Sühne für die Sünden gegen mein
heiligstes Sakrament. Bei der Kommunion am Morgen sollst du fortan etwas
von den Schmerzen meiner Passion verspüren, womit ich dich erlöst
habe, opfere und sühne in stiller Verborgenheit'... Als mir am Morgen
der Herr Pfarrer die heilige Kommunion brachte, sah ich von der heiligen
Hostie fünf Feuerstrahlen ausgehen, die wie ein Blitz in meine Hände,
Füße und ins Herz drangen und an den genannten Gliedern sogleich
ein unaussprechlicher Schmerz anfing.
Dieses
Leiden durfte ich seit dem 4. Oktober 1910 ohne Unterbrechung mitleiden."
Die
selige Anna schöpft Kraft aus den Wunden Jesu
Angesichts
der Wunden Jesu war die selige Anna bereit, die unsäglichen Schmerzen
ihrer eigenen Wunden zu ertragen. So schrieb sie einmal: „O Jesus, Du weißt
wie alle meine Wunden mich schmerzen. Allein ich darf nicht klagen, wenn
ich Dich an Händen und Füßen angenagelt am Kreuzholz bluten
sehe" (14. Juni 1919). Um die Erfüllung ihres innigsten Wunsches zu
erhalten - „Jesus allein, hier und im Himmel" - bat Anna Schäffer
die Gottesmutter „Wie könnte ich aber, o gute Mutter, Dein Herz mehr
zum Mitleid bewegen, daß Du mir meine heiße Bitte ,zu Jesus
allein' erfüllen werdest, als wenn ich Dir Deinen gekreuzigten Sohn
vor Augen halte, Dir seine hl. Wunden zeige ...
Dich
an die Geißelschläge erinnere, - die seinen unschuldigen Leib
zerfleischten, an die Nägel, die seine Hände und Füße
durchbohrten - an die Lanze, die sein hist. Herz durchbohrte, nachdem er
in Deiner Gegenwart verschieden war" (23. Juli 1918). In einem Gedicht,
vermutlich für eine Nichte bestimmt, mahnt die Selige: „Und will Dein
Fuß auf falsche Wege gehen - Laß seine Füße Dir
vor Augen stehn - Für die er stets den besten Weg erkoren - Und die
am Kreuz für uns er ließ durchbohren - So magst den Mißbrauch
Du der Glieder wehren - Des Heilands Glieder mögen es Dich lehren"
(ohne Datum, Schrift Nr. 166). Die Wunden-Christi-Frömmigkeit der
seligen Anna konzentrierte sich in der Verehrung der Seitenwunde des Herrn
in Form des Herzens, im Herzen Jesu. Dieses war das Lieblingsmotiv in ihren
Schriften und bei der
Handarbeit.
So lädt sie auch uns ein: „Jetzt ist Leidenszeit - in der Betrachtung der hl. fünf Wunden Jesu empfinde ich großen Trost und sollten wir nicht gerne für Jesus leiden, da er unsertwegen so oft verwundet wurde? Möchten doch auch wir unser Herz recht erweichen lassen von der Liebe und dem Mitleide zu dem für uns so verwundeten Heilande - dann sind wir fähig die hl. Wundmale Jesu - wenn auch nicht äußerlich, so doch wenigstens geistigerweise als Siegel unseren Herzen einzuprägen" (6. März 1918). Die lebenslange Erfahrung der Seligen: „Aus dessen Wunden Heil mir quoll" (12. Juli 1915) kann uns bewegen, die Wundmale des Herrn, diese bleibenden Zeichen der barmherzigen Liebe Gottes, diesen unausschöpfbaren Gnadenschatz, innig zu verehren, aufzuschauen zu Jesus, der am Kreuz für uns durchbohrt wurde.
„Durch
seine Wunden seid ihr geheilt"
Der
gläubige bzw. ungläubige Blick auf den Wundenheiland entscheidet
über das Heil des Menschen. Wie damals die Israeliten in der Wüste
zur ehernen Schlange aufschauen sollten, um am zeitlichen Leben zu bleiben,
so müssen wir jetzt gläubig zum Wunden-Heiland aufblicken, um
das ewige Leben zu erlangen. „Durch seine Wunden seid ihr geheilt", sagt
der heilige Petrus (1 Petr. 2,24).
Von
Anfang an bezeugten die Jünger und Jüngerinnen Christi den heiligen
Wunden des Herrn besondere Verehrung. Von der christlichen Frühzeit
spannt sich der Bogen der Verehrung der Wunden unseres Erlösers bis
hinein in unsere Zeit. Gerade die „Kleinen", die „Stillen im Lande" wissen
um die Kostbarkeit dieser Verehrung. Eine von vielen Leiderfahrungen gezeichnete
Frau schreibt: „Wenn ich selber im harten Alltag meines Lebens verletzt
werde, stärkt mich der Gedanke an die Wunden des Gekreuzigten. Dann
erkenne ich, daß in der Nachfolge Christi ein verwundetes Herz nicht
aufhören darf, liebend zu schenken und zu helfen".
Aber nicht nur für jeden Einzelnen von uns, auch für die Kirche insgesamt ist das Schauen auf den, „den sie durchbohrt haben" (Joh 19,37), von unermeßlicher Tragweite. In aller Bedrängnis der Kirche ist uns der Durchbohrte als Retter nahe. Wir werden gerettet, wenn wir uns freimachen von allem Schielen nach dem, was die Welt gutheißt und annimmt, was ihr schmeichelt und entspricht. Wir werden im umfassenden Sinn geheilt, wenn wir unseren Blick losreißen von allem, was nicht Gottes ist, und auf Jesus schauen, den wundenübersäten Sieger am Kreuzesstamm. Diese rechte Blickrichtung wird uns in Wahrheit „befreien". Das ist die Grundorientierung der Kirche, die bestimmend sein soll in all ihrem Planen und Wirken.
Heilendes
Sühnen für die Wunden der Kirche
Auch
das vielfach strapazierte Wort vom „Leiden an der Kirche" muß sich
messen lassen am Vorbild des Durchbohrten, der, wie die Schrift sagt, die
Kirche liebt und sich für sie hingibt (vgl. Eph 5,25) - restlos, klaglos,
selbstlos.
Eine
unerschütterliche Liebe zur Kirche war die Antwort der Heiligen auf
die Wunden der Kirche, in denen sie den verwundeten Herrn selbst erkannten.
Sie liebten die Kirche, wie sie ist, nicht, wie sie sein sollte - denn
das wird sie nie erreichen.
Durch
die Ereignisse ihrer Stigmatisation im Jahr 1910 wuchs in Anna Schäffer
zunehmend das Bewußtsein, Sühneopfer für die Christus und
seiner Kirche angetanen Schmähungen zu sein. Sie litt mit an den Leiden
der Kirche, der Tag für Tag von außen und nicht weniger von
innen Wunden geschlagen werden; sie suchte durch ihr Beten und Opfern die
Wunden am mystischen Leib der Kirche zu heilen. Von diesen Wunden der Kirche
sprach Ihr Hochwürdigster Bischof Gerhard Ludwig hier vor drei Jahren
- er nannte vor allem das erschreckend geringe Glaubenswissen vieler Katholiken,
sein Vor-Vorgänger Bischof Rudolf bezeichnete in einem Hirtenwort
zur Fastenzeit 1977 als fünf
Wunden
der Kirche das Schwinden des Gebetsgeistes, der Ehrfurcht, des Sündenbewußtseins,
des Glaubensbewußtseins und der Opfergesinnung; in beeindruckender
Weise sprach Kardinal Joseph Ratzinger, unser jetziger Heiliger Vater,
beim Karfreitags-Kreuzweg 2005 im römischen Colosseum davon, „wie
viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muß": „Wie oft wird
das heilige Sakrament seiner Gegenwart mißbraucht, in welche Leere
und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein? Wie oft feiern wir nur
uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? Wie oft wird sein Wort verdreht
und mißbraucht? Wie wenig Glaube ist in so vielen Theorien, wie viel
leeres Gerede gibt es? Wie viel
Schmutz
gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm
ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit? Wie
wenig achten wir das Sakrament der Versöhnung, in dem er uns erwartet,
um uns von unserem Fall aufzurichten? All das ist in seiner Passion gegenwärtig.
Der
Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes,
muß doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten
ins Herz trifft."
Beim
letztjährigen Kongreß „Freude am Glauben" in Regensburg wies
ein Redner darauf hin, daß angesichts der Wunden der Kirche und des
Leidens an der Kirche nicht dies oder jenes helfe, sondern vor allem sühnendes
Leiden, eigene Hingabe und Liebe (P. Dr. Willi Peter am 10. Juni 2005).
Die selige Anna hat dies getan in ihrer Zeit, und so wurde ihr Leben fruchtbar
für viele.
Ihr
Beispiel ermutigt uns, es ebenso zu tun.
Das
Leiden mit Christus drängt uns zu den Leidenden
Echte
Verehrung des gemarterten Herrn öffnet uns die Augen für das
Leiden der Mitmenschen. Es macht uns bewußt, daß wir Mitverantwortung
für die anderen tragen, auch indem wir für sie beten, opfern
und sühnen. Wir erinnern uns der zahllosen Wunden der Menschen, die
in Armut und Hunger, in Feindschaft und Haß, in Verfolgung und Krieg
ihr Leben fristen. Wir denken an all die schwer Leidenden: unheilbar Kranke,
verlassene Kinder, Ehegatten, die einander verstoßen haben, zerrüttete
Familien, Heimatlose, Flüchtlinge,
Gefangene,
Millionen, die ungeliebt, vergessen und im Sterben alleingelassen sind.
Wir vergessen nicht die Seelen im Fegfeuer. Für sie opfern wir die
heiligen Wunden Christi auf, um so die Leiden ihrer Läuterung abzukürzen
und zu erleichtern. Der Blick auf die Wunden des Herrn, das Leiden mit
Christus drängt uns zu den Leidenden.
Heilung
unserer Verwundungen in den Wunden Jesu
Wir
dürfen aber auch selbst mit all unseren Verwundungen zum Leidensheiland
kommen. Seine Wunden liegen offen da, um uns in sie zu bergen. Je mehr
wir unsere Wunden zu ihm hin öffnen, je häufiger wir die Sonne
seiner Liebe in diese „offenen Stellen" scheinen lassen, desto mehr erfahren
wir inneren Frieden und bestärkende Zuversicht. Selbst unsere eigenen
Sünden dürfen uns nicht trostlos machen. „Kain irrte", schrieb
der heilige Bernhard von Clairvaux (+ 1153), als er sagte: ,zu groß
ist meine Schuld, als daß man sie fortnehmen könnte'. Ich aber
eigne mir vertrauensvoll aus dem Herzen des Herrn an, was mir fehlt; denn
es fließt über von Erbarmen, und offene Spalten sind da, durch
die es ausströmen kann. ,Sie haben mir Hände und Füße
durchbohrt' und mir die Seite mit der Lanze geöffnet. Durch diese
Spalten darf ich ... sehen, ,wie gütig der Herr ist' ... Herr, wie
konnte uns besser als durch deine Wunden deutlich werden, daß du
gut, milde und reich an Erbarmen bist?" (Ex sermonibus in cantica canticorum
61, 3-5).
Eine
Botschaft der seligen Anna für unsere Zeit
Ich
glaube, wir spüren: Von der seligen Anna geht ein Licht aus, das auch
in unsere Gegenwart hineinleuchtet; von ihrem Grab her strahlt eine Kraft,
die uns heil werden läßt. Vieles im Leben der Seligen ist unnachahmbar.
Was aber Anna Schäffer auch uns Christen des 21. Jahrhunderts zu sagen
hat, ist wohl dies, daß wir eine bedeutsame Dimension unseres Christseins
nicht aus den Augen verlieren dürfen: die Teilhabe an den Leiden Christi.
Das Mitleiden mit dem menschgewordenen Sohn Gottes bedeutet die höchste
Möglichkeit der Christusnachfolge. Nachfolge Christi ist Leben mit
Christus, ist Communio mit ihm, Anteilnehmen gerade auch an seinem Leiden
(vgl. Phil 3,10).
Wenn
wir zur Vollendung, zur österlichen Verklärung gelangen wollen,
müssen wir den gleichen Weg gehen wie Jesus, den Kreuzweg.
Eine
solche Sicht des Christseins ist heute nicht mehr selbstverständlich,
ist dem allgemeinen Glaubensbewusstsein entschwunden. Dies zeigt sich schon
an der Bewertung des Leidens und Sterbens Jesu Christi, das - wie gesagt
wird - vom Herrn gar nicht gewollt gewesen sei, sondern ihn wie ein grausames
Schicksal überfallen habe. Deshalb dürfe man daraus keine mystische
Leidenstheorie machen, die etwa beinhalte, daß wir durch Leiden irgendendwas
lösen oder gar erlösen könnten. Der heutige Christ dürfe
darum nicht einem „masochistischen Leidenswillen" anhangen, gleichsam einer
Lust am Schmerz, einer Verherrlichung des Leidens um seiner selbst willen.
Er müsse die Welt vielmehr vom Leiden zu befreien suchen, vor allem
durch mitmenschliches Helfen und soziale Taten.
Das
ist ohne Zweifel richtig. Doch dies allein genügt nicht. Es fehlte
unserem christlichen Engagement ein wesentliches Element, wenn unser Wirken
nicht auch motiviert und getragen wäre von der Teilhabe an der Passion
Jesu Christi.
Auch
in unseren Tagen wird die Kirche grundlegend dadurch erneuert, daß
wir auf den blicken, der um unseretwillen durchbohrt wurde (vgl. Joh 19,37),
daß wir Ernst machen mit der Nachfolge des Gekreuzigten und den Mut
aufbringen, das Kreuz mit dem Herrn zu tragen - in einer echten Proexistenz,
in einem opfernden und sühnenden Dasein für die anderen. Das
vermag unserem Wirken „Tiefgang" zu geben. Er bewahrt uns im kirchlichen
Leben davor, in einem leistungs- und erfolgsorientierten Aktionismus aufzugehen
und die vom Konzil geforderte Erneuerung vorrangig in äußeren
Dingen zu sehen. Wir werden dann auch nicht dem Horizontalismus verfallen,
das heißt, jener rein innerweltlichen
Grundeinstellung,
welche die unsichtbare Wirklichkeit aus den Augen verliert.
Einladung,
den Pulsschlag der Liebe Christi zu spüren
Das
Leiden von Anna Schäffer öffnet unseren Blick für die tieferen
Ausmaße des Lebens der Kirche. Es zeigt uns aber ebenso: Über
dem Kreuz schimmert bereits der Glanz des Ostermorgens. In Gemeinschaft
mit dem gekreuzigten Christus leben und wirken heißt deshalb, unter
der Verheißung der österlichen Freude zu stehen und auf eine
gute Zukunft zuzugehen. Die selige Anna lädt uns ein, unsere Hände
in die verklärten Wundmale des Herrn zu legen, um den Pulsschlag seiner
Liebe zu spüren; sie ermuntert uns, ein Leben lang auf den durchbohrten
Herrn zu schauen und ihm nachzufolgen, bis dann auch für uns das ewige
Ostern anbricht.
(Quelle:
"Selige Anna Schäffer", Brief 50, Dez. 2006, S. 19ff., Regensburg)
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