Anna Schäffers Gedanken und Erinnerungen an ihr Krankenleben
Mystik: Das Leben des Christen ist mit dem Herrn „verborgen in Gott" (Kol 3, 3):
Mein einziges Verlangen ist: Jesus und Maria!
 
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Wunder auf die Fürsprache der sel. Anna Schäffer anerkannt -Weg frei für die Heiligsprechung
Papst Benedikt XVI. hat am 19. Dezember 2011 bei seiner dem Präfekten der Heiligsprechungskongregation gewährten Audienz ein Wunder auf die Fürsprache der seligen Anna Schäffer anerkannt. Damit steht der Weg frei für die Heiligsprechung. Durch die Beauftragung zur Erstellung des Wunderdekrets hat der Heilige Vater die Entscheidungen der Ärzte und Theologen der Heiligsprechungskongregation sowie die Voten der Kardinäle und Erzbischöfe angenommen. Der Termin der Heiligsprechung steht allerdings noch nicht fest. Er wird bei einem öffentlichen Konsistorium des Papstes mit den Kardinälen in den nächsten Monaten bekannt gegeben werden. Wir freuen uns sehr über diese Mitteilung aus Rom und danken dem dreifaltigen Gott, daß er der Kirche in Anna Schäffer eine neue Heilige schenkt.

Anna Schäffers Gedanken und Erinnerungen an ihr Krankenleben
Unter den schriftlichen Aufzeichnungen Anna Schäffers findet sich ein liniertes Schulschreibheft mit 26 Seiten. Sie sind mit blauer Tinte handschriftlich in deutscher Schrift eng, aber gut leserlich beschrieben. Der Titel dieser Niederschrift lautet: „Gedanken und Erinnerungen meines Krankenlebens und meine Sehnsucht nach der ewigen Heimat!" Wie der Titel erahnen läßt, schenkt uns Anna Schäffer hier eine ihrer kostbarsten Schriften. Sie öffnet dem aufmerksamen Leser einen Blick in ihr reiches Innenleben. Es wurde geformt vom Kreuz Jesu und war gespeist aus dem göttlichen Sakrament der heiligsten Eucharistie. Einige der hier aufgezeichneten Gedanken finden sich verstreut auch in ihren Briefen . Bei der Lektüre ihrer Erinnerungen gewinnt man den Eindruck, daß uns hier eine Zusammenfassung des geistlichen Lebens Anna Schäffers geboten wird. Ihre Aufzeichnungen muten an vielen Stellen an wie ein Gebet, ein vertrautes Sprechen mit dem Herrn. Dazu kommen immer wieder Einschübe üblicher Gebetstexte oder bekannter Stoßgebete.
Dabei nennt Anna jene Quellen, aus denen sie die Kraft zum Ertragen ihres Leidens und zur stellvertretenden Sühne schöpfen durfte: den Blick auf den Gekreuzigten und die Liebe zum Kreuz; den Empfang der heiligen Kommunion als tägliche Begegnung mit Christus; das betrachtende Beten des Rosenkranzes, den sie einfach und schlicht ihr „Rosenspiel" und ihren „treuen Freund am Krankenbette" nennt. Diesen geistlichen Quellen verdankt Anna ihre innere Formung. Ihre Briefe und Aufzeichnungen verfaßte Anna im Geist des Gehorsams, wie sie selber bekennt: „Im hl. Gehorsam schrieb u. schreibe ich ja die Hefte gerne". Dieser Seelenhaltung verdanken wir sicher auch die Niederschrift ihrer Gedanken und Erinnerungen an ihr Krankenleben.

Gott allein genügt - Mein Gott, ich danke Dir, mein Gott, ich liebe Dich!

Das Original der Aufzeichnungen Anna Schäffers über ihr Krankenleben ist verwahrt im Archiv unserer Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse . Anna beginnt ihre Aufzeichnungen mit dem Satz „Gott allein, Gott allein genügt!" Diese Widmung drückt ihre persönliche Überzeugung aus. Der Leser denkt dabei unwillkürlich an das berühmte Wort der hl. Theresia von Avila (1515-1582): „Wer Gott hat, dem fehlt nichts: Gott allein genügt". An das Ende ihrer Erinnerungen setzt Anna dann das von ihr so oft gebrauchte, schöne Stoßgebet „Mein Gott, ich danke Dir! - Mein Gott, ich liebe Dich!" Gott allein genügt also Anna, um ihr Schicksal zu tragen, ihm gilt ihr Dank und ihre Liebe, trotz der Qualen ihres schmerzvollen, jahrzehntelangen Krankenlagers. Nur wer großen Glauben und tiefe Liebe zu Gott besitzt, kann so schreiben. Dieser Glaube und ihre Liebe bilden die Grundlage der Heiligkeit Anna Schäffers. Jene, die die Gnade hatten, in Annas Nähe sein zu dürfen oder ihr im ärmlichen Krankenzimmer begegnen zu können, spürten geheimnisvoll ihre Heiligkeit. Wie wäre es sonst zu erklären, daß ihr langjähriger Seelsorger und Pfarrer, Karl Rieger, in Annas Sterbematrikel über den amtlichen Eintrag des Todes mit Bleistift den Zusatz setzte: „Sancta" - eine „Heilige"5. Mit diesem Wort drückte er seine persönliche Überzeugung über die zu Gott Heimgegangene aus. In seiner Beerdigungsansprache sagte Pfarrer Rieger dann wörtlich: „Viele waren glücklich, aus dem Munde einer armen Jungfrau, die in Heilandsliebe sprechen durfte, Worte des Vertrauens in den Leidenswegen des Tränentales vernehmen zu können; ja, viele waren erbaut, aus den Augen derjenigen, welche tief in die Weisheit des Kreuzes schauen konnte, Friedensfreude auf des Herrn Himmelswegen leuchten zu sehen. Wir stehen am Grabe der tugendsamen Jungfrau Anna Schäffer, Schreinerstochter von Mindelstetten. Die irdische Hülle wird im Alter von 43 Jahren ins Grab gesenkt bis zum Auferstehungsmorgen, der viele Jahre zermürbte Körper wird mit der Seele vereint einst verklärt aufglänzen wie des Heilands Leib. Was soll ich an diesem Grabe sagen? Ich muß fragen, was darf ich an solcher Ruhestätte nicht sagen, da viele hören möchten, was nur mit kirchlicher Entscheidung die Zukunft zeigen kann"6.
 
Pfarrer Rieger erahnte, daß er in Anna Schäffer eine Heilige geistlich begleiten durfte. Aber die Demut, dem Urteil der Kirche nicht vorzugreifen, sein Gehorsam und seine pastorale Klugheit hielten ihn zurück, seine Ahnung und innere Überzeugung am Beisetzungstag vor der versammelten Trauergemeinde offen auszusprechen. Die Kirche hat nun Anna zur Ehre der Altäre erhoben und die Zukunft gab Pfarrer Rieger recht. Anna Schäffer führte ein heiliges Leben, weil sie sich leiten ließ vom Willen Gottes, auch im Kreuz, in der Armut des Lebens und auf schmerzvollem Krankenlager. So weckte ihr Leiden in ihr immer mehr die Sehnsucht „nach der ewigen Heimat", wie sie dem Titel ihrer Aufzeichnungen hinzufügt.

Sehnsucht nach der Vollendung des Himmels
Anna strebt also nach der Seligkeit des Himmels, wohin Leid und Kreuz sie führen, wo „Christus zur Rechten Gottes sitzt" (Kol 3, 1). Das Leben des Christen ist mit dem Herrn „verborgen in Gott" (Kol 3, 3). Auch Annas Leben war verborgen vor den Augen der Welt, aber es war hineingeborgen in Gott und seine Liebe. Mit Zuversicht erwartete sie jenen letzten Tag, an dem sie Jesus im Tod begegnen durfte. Sie schreibt: „Wie gut kann man mit Jesus am Kreuze sterben, - wenn man mit Jesus am Kreuze gelebt hat!" Sie betet, daß ihr ganzes Leben „ein stillverborgenes Kreuzesleben" sei, daß sie als „Passionsblümlein" am Fuß des heiligen Kreuzes erblühen darf, verborgen hier auf Erden, aber ganz licht im Glanz des göttlichen Lichtes einst in der Ewigkeit.
Durch ihr jahrzehntelanges Leiden, ihr Siechtum und ihre Armut wurde Anna gleichsam mit Christus gekreuzigt. Er wurde aber auch immer mehr ihr Leben (vgl. Gal 2, 20), genährt durch seinen eucharistischen Leib. Viele Male verweist Anna Schäffer in den Erinnerungen an ihr Krankenleben auf die stärkende Kraft der heiligen Kommunion. Mit Sehnsucht und Liebe bereitet sie sich vor auf den Empfang des eucharistischen Herrn und möchte nach ihren eigenen Worten „ein Martyrium erdulden", damit Jesus im eucharistischen Sakrament mehr erkannt und geliebt werde. Und sie findet schließlich ihr Ziel in der Verähnlichung mit Christus und im Einswerden mit ihm. Sie erreicht es in der Annahme ihres persönlichen Leids aus dem Geist sühnender Buße, geführt durch den eucharistischen Herrn und seine Gnade.
Liebe Leserinnen und Leser! Wenden wir uns am Schluß einigen Gedanken aus den Erinnerungen Anna Schäffers zu. Sie sollen uns Freude, Trost und Glaubenskraft schenken und unsere Liebe zu Christus erneuern.
 
Aus den Gedanken und Erinnerungen Anna Schäffers an ihr Krankenleben:
„Gott allein, Gott allein genügt! - ,Nimm dein Kreuz auf dich u. folge mir nach!' Diese Worte aus der Nachfolge Christi mit denen mich der Lb. Heiland einlädt ihm nachzufolgen, sind mir die Grundsteine meines Herzens aufweichen das Kreuz aufgestellt ist. Mit Liebe und Dankbarkeit will ich es jeden Augenblick begrüßen, und in Kreuzesliebe und Kreuzesdank soll der letzte Hauch meines Lebens verwehen!
 
,Am Kreuze und in der hl. Kommunion, o mein Herr und Gott, habe ich dich lieben gelernt!'

Wie gerne möchte ich ein Martyrium erdulden, einzig nur darum, daß der Lb. Jesus im heiligsten Sakramente mehr erkannt und geliebt werde und daß recht viele Seelen im Verlangen nach dem höchsten Gute entbrennen. Ich habe auf Erden keinen anderen Wunsch mehr, als in den Flammen Deines Heiligsten Herzens verzehrt zu werden!
Das Kreuz und Leiden ist meine Himmelsleiter und wie tröstlich ist es, unter den Augen Gottes und mit Ihm vereinigt leiden zu dürfen? Wie erhaben ist ein solcher Leidenstag? Wenn es ein besonders schwerer Leidenstag ist, so danke ich still im Herzen dem Lb. Gott und denke mir oft: Wohlan meine Seele, du hast heute wieder einen Tag gehabt von besonders viel Leiden und hast eine Ähnlichkeit gehabt mit Jesus allein. Peinigen mich stete und oft recht arg auftretende Kopfschmerzen, o liebster Jesus, dann denke ich mir: Du laßt mich mitfühlen ein Teilchen von Deiner Dornenkrönung. Peinigen fortwährende Schmerzen meinen Rücken, so danke ich Dir, o liebster Jesus, daß Du mich ein wenig empfinden lassest Dein hartes Kreuzesbettlein. Darf ich oft am ganzen Körper etwas leiden, besonders fortwährend an meinen vielen Wunden, so danke ich Dir, mein Herr und Gott, daß ich mir eine kleine Ahnung machen kann von der grausamen Geißlung, die Dein Heiligster Leib für mich arme Sünderin empfinden mußte. Und wenn die Nacht auch so schmerzhaft und schlaflos ist wie der Tag, so kann ich den Kreuzestod Jesu betrachten und möchte ausrufen: Wie gut kann man mit Jesus am Kreuze sterben, wenn man mit Jesus am Kreuze gelebt hat!"

Für den Monat Dezember nennt Anna Schäffer in ihren Erinnerungen folgende Bitte an die Gottesmutter:
„O hl. Unbefleckte Empfängnis, lege Du das Lb. Jesulein in der hl. Kommunion in mein Herz und erbitte mir Beharrlichkeit bis ans Ende. Mein einziges Verlangen ist: Jesus und Maria!"
Möge auch uns, liebe Verehrerinnen und Verehrer der seligen Anna, die Gottesmutter Beharrlichkeit im Glauben und in der Liebe zu Jesus Christus, dem menschgewordenen Gottessohn, erbitten. Möge er, unser Heiland und Erlöser, es uns schenken, daß wir das Geheimnis seiner Geburt immer tiefer erfassen und vor allem jene Gnade, die er der Welt durch seine Gegenwart im wunderbaren Sakrament der Eucharistie gebracht hat. Sein Friede begleite uns alle durch die weihnachtlichen Tage.
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1 Vgl. „Im Leiden habe ich Dich lieben gelernt!" Die Schriften Anna Schäffers. Dokumentiert von Emmeram H. Ritter, Regensburg 1999.
2 Anna Schäffer, Brief vom 3. Juli 1919, in: BKRAbt. C.A.S. Proc. sup. perqu. Scriptorum D 44-76 K. 10.
3 BKRAbt. C.A.S. Proc. sup. perqu. Scriptorum D. I-XIII K. 12 a, AS 12.
4 Vgl. Schott-Meßbuch für die Wochentage. Teil II, Freiburg i.Br. 1984, S. 1447.
5 Vgl. Georg Schwaiger, Anna Schäffer von Mindelstetten. Ein Leben in der Gnade Gottes, Regensburg, 4. Auflage 2000, S. 13.
6 Worte am Grabe der Jungfrau Anna Schäfer (siel), welche in Mindelstetten 25 Jahre duldete und opferte. Am 8. Oktober 1925 gesprochen von Hochw. Herrn Pfarrer und Kammerer Karl Rieger. Druck von Gebrüder Habbel Regensburg, in: BKRAbt. C.A.S. Akten 1921-1925 K. 19.
(Quelle: "Selige Anna Schäffer von Mindelstetten /Bayern", Brief 60, 2011, S. 3 - 8, Regensburg)



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