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Der
Priester besitzt den Schlüssel zu den himmlischen Schätzen: Er
ist es, der die Tür öffnet; er ist der Haushälter des lieben
Gottes; der Verwalter seiner
Güter"3, so erklärt und würdigt der
hl. Pfarrer von Ars, Johannes Maria Vianney,
in einfachen, aber zu Herzen gehenden Worten den priesterlichen Dienst.
Gibt
es etwas Größeres und Schöneres, aber auch Verantwortungsvolleres
als Verwalter göttlicher Güter zu sein, Träger des Schlüssels
zum Himmel, „Haushälter des lieben Gottes"? Der hl. Pfarrer verweist
uns hier auf den Kern priesterlichen Auftrags. Und wir sind heuer eingeladen,
mit ihm über diese Aufgabe zu staunen und Gott von Herzen zu danken.
Das Priester-Jahr 2009/2010 will uns zum Gebet für die Priester aneifern.
Es soll uns aber in gleicher Weise auch die Bedeutsamkeit ihres heiligen
Dienstes und Auftrags neu ins Bewußtsein rücken. Es möge
dazu beitragen, „das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester
für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium
in der Welt von heute zu fördern", so wünscht es der Heilige
Vater in seinem Schreiben zur Eröffnung des Priester-Jahres". Daher
wollen wir kurz darüber nachdenken, worin Dienst und Aufgabe der Priester
in erster Linie bestehen.
Worin bestehen Dienst
und Aufgabe der Priester?
Der
priesterliche Auftrag besteht vor allem im Dienst am Wort Gottes, der Verkündigung
des Evangeliums und der Feier des hl. Meßopfers sowie der übrigen
Sakramente. Diesen Dienst leisten die Priester der Menschheit in der Sendung
Christi. „Da niemand ohne Glaube gerettet werden kann, ist es die erste
Aufgabe der Priester als Mitarbeiter der Bischöfe, allen die frohe
Botschaft Gottes zu verkünden, um so (...) das Gottesvolk zu begründen
und zu mehren"5, sagt das Dekret des II. Vatikanischen Konzils über
Dienst und Leben der Priester. Mit dieser ersten Aufgabe priesterlicher
Sendung ist zutiefst verbunden die Feier der Eucharistie. Denn „die heiligste
Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle,
Christus selbst (...).
Darum
zeigt sich die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt aller Evangelisation"6.
Die Zusammenkunft zur Feier der Eucharistie bildet die Mitte der Gemeinschaft
der Gläubigen, indem diese vom Priester angeleitet werden „die göttliche
Opfergabe in der Messfeier Gott, dem Vater, darzubringen und mit ihr die
Hingabe ihres eigenen Lebens zu verbinden."7
Die
Verkündigung der Botschaft des Evangeliums und die Feier der Eucharistie
sollen also die Gläubigen dazu führen, Gott, den Vater, zu verherrlichen
durch die Hingabe des eigenen Lebens nach dem Vorbild Christi. Dadurch
geschieht Heiligung des Lebens und Heiligung der Welt, eine Heiligung,
die wir Christen als Antwort auf die Liebe Gottes, die er uns in Christus
geschenkt hat, dankbar geben wollen. Aber damit wir diese Antwort geben
können, brauchen wir gute Priester, Hirten nach dem Herzen Jesu.
Das Priestertum
ist die Liebe des Herzens Jesu
„Das
Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu"8, so pflegte der hl. Pfarrer
von Ars zu sagen. Er wusste, dass niemand sich selbst die Würde des
Priestertums geben kann, sondern dass jeder Priester ein unverdientes Geschenk
der Liebe des göttlichen Herzens an die Kirche, ja an die ganze Menschheit
ist. „Wie großartig ist doch das Priestertum! Man wird es erst im
Himmel wirklich verstehen (...) und verstünde man es auf Erden, so
würde man sterben, nicht vor Angst, sondern aus Liebe"9. Diese tiefe
Sicht des Priestertums drängte den heiligen Pfarrer, durch sein eigenes
Leben und seinen selbstlosen Dienst an den Seelen die Liebe Christi zu
beantworten. Wie Christus, der gute Hirt selbst, wollte er sein Leben hingeben,
und er tat es neben seiner Liebe zu den Armen und Kranken, neben seiner
Sorge um verwaiste Kinder und seiner katechetischen Unterweisung in der
Schule, vor allem durch seine vorbildliche Liebe zum eucharistischen Herrn
bei der Feier der hl. Messe und seine treue Anbetung vor dem Tabernakel
wie auch durch seinen unermüdlichen Dienst im Beichtstuhl. Altar und
Beichtstuhl verbanden sich bei ihm geradezu „in einer einzigen inneren
Bewegung"". So versuchte der hl. Pfarrer „auf alle Arten durch Predigt
und überzeugenden Ratschlag, die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung
und die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu lassen,
indem er sie als eine mit der eucharistischen Gegenwart innerlich verbundene
Notwendigkeit darstellte. Auf diese Weise verstand er, einen Kreislauf
der Tugend in Gang zu setzen. Durch seine langen Aufenthalte in der Kirche
vor dem Tabernakel erreichte er, es ihm nachzutun; sie begaben sich dorthin,
um Jesus zu besuchen, und waren zugleich sicher, den Pfarrer anzutreffen,
der bereit war zum Hören und zum Vergeben""! "i. Dieses Beispiel möge
auch uns ermutigen, lieber Leser, die Nähe Christi in der hl. Beichte
und im Sakrament der Eucharistie immer neu zu suchen. Weil der hl. Johannes
M. Vianney den engen Zusammenhang zwischen dem katholischen Priestertum
und der „Liebe des Herzens Jesu" erkennen durfte, deshalb wollte er denen,
die seiner Seelsorge anvertraut waren, die Schätze des göttlichen
Herzens erschließen und ihnen durch die Sakramente der Buße
und Eucharistie die Liebe Christi persönlich zuwenden.
Anna Schäffers
Dank an ihren Pfarrer
Die
selige Anna Schäffer hatte
die Gnade, daß ihr in Pfarrer Rieger ein wahrer Seelsorger nach dem
Herzen Jesu geschenkt war. Er brachte ihr täglich die Liebe des Erlösers
durch die Spendung der hl. Krankenkommunion. Da die Selige ihr Krankenzimmer
nicht verlassen konnte, war sie auf diesen wertvollen Dienst des Pfarrers
angewiesen. Mit großer Dankbarkeit zeigte sie sich ihm dafür
verbunden. So schreibt sie am 30. März 1922 an Schwester M. Lucilla
Imlauer in Dießen am Ammersee: „Wie glücklich bin ich, daß
ich täglich die hl. Kommunion empfangen darf und wie viel Dank bin
ich dafür Hochw. Herrn Pfarrer schuldig, was er für mich schon
all die Jahre hindurch für Opfer gebracht hat'". Anna erkennt den
Dienst ihres Heimatpfarrers dankbar an.
Sie
weiß, daß die tägliche Spendung der Krankenkommunion zu
seinen gewöhnlichen seelsorgerlichen Verpflichtungen eine zusätzliche
Aufgabe darstellt, die für ihn mit Mühe und Zeitaufwand verbunden
ist. So verspricht sie, für ihn zu beten und zu leiden. Anna hofft
darauf, daß der Heiland selber ihrem Pfarrer alles reichlich lohnen
wird. Aber auch Pfarrer Rieger verstand als aufmerksamer Seelsorger, daß
Anna den eucharistischen Herrn brauchte, um ihr Sühneleiden ertragen
und im geistlichen Leben wachsen zu können. So erfüllte er an
ihr treu seine Hirtenpflicht. Annas Dankbarkeit gegenüber ihrem Seelenführer
Pfarrer Rieger zeigt darüber hinaus aber noch ein weiterer Brief,
den sie am 11. Juni 1921 an Eis Imlauer, die langjährige Haushälterin
von Pfarrer Rieger, schrieb und in welchem sie ihre Sorge um Pfarrer Riegers
Gesundheit ausspricht, nachdem dieser kurz zuvor schwer erkrankt war. So
können wir lesen: „Du kannst es nicht ahnen, wie schwer es mir ward,
als ich es am Sonntag abends erfuhr, daß Hochw. H. Pfarrer in der
Kirche so krank wurde; die ganze Nacht betete ich für ihn, daß
er recht bald wieder gesund werde.
Der
Lb. Heiland weiß es, wie viel ich für ihn bete, u. kein Leiden
wäre mir zu schwer für ihn. Und wenn ich mein Leben für
ihn opfern dürfte, das wäre mir eine so große Freude, um
es ihm nur ein wenig zu verdanken, für all die vielen Schritte, die
er meinetwegen schon gemacht hat"13.
Anna Schäffers
Gebet für die Kirche und die Priester
Das
wohl ausführlichste und auch bedeutsamste Dokument, aus dem wir von
Anna Schäffers Einstellung zu den Priestern, von ihrer Wertschätzung
ihnen gegenüber, aber vor allem von ihrem Gebet und Leiden für
die Kirche und die Priester erfahren, ist ihr Brief vom 29. Januar 1919
an ihre Freundin Anna Bortenhauser in Pilsting. Dort schreibt sie: „Die
innige Vereinigung mit dem Lb. Jesus in der hl. Kommunion und seine getreue
Nachfolge macht all die gottlosen Pläne der Glaubensverfolger zuschanden
und läßt sie in den Abgrund sinken. Ja, lb. Anna, noch nie hab
ich in einer Zeit soviel geweint als in den letztvergangenen vier Wochen,
wo es sich um die Entscheidung unseres heiligsten Gutes auf Erden, nämlich
die hl. Kirche und seine Hirten handelte. Für die hl. Kirche und seine
Hirten zu beten und zu leiden geht mir über alles. Jedes Mal bei der
hl. Kommunion bitte ich recht innig den Lb. Heiland, er möchte schonen
seine hl. Kirche und seine Hirten und möchte mir lieber das qualvollste
Martyrium für sie senden und möchte mich als kleines Sühnopfer
annehmen. Ich würde es sogar vorziehen, auch noch in der Ewigkeit
drüben zu leiden, zu büßen und dem Herrn Sühne zu
leisten, als daß nur die hl. Kirche im mindesten verletzt würde!
So schwer hab' ich noch kein Leiden empfunden als das der hl. Kirche".
Anna Schäffer fährt anschließend fort, ihrer Freundin in
einigen Sätzen noch darüber zu berichten, daß sie ihre
schlaflosen Nächte ebenfalls oft für die Kirche und vor allem
für die Priester aufopferte. Diese Zeilen geben uns Einblick in Annas
innere Seelenhaltung und in ihre Absicht, wem sie ihr sühnendes Leiden
zuwenden wollte. Ihr Gebet und ihre Leiden gehören in besonderer Weise
den geweihten Hirten. Für sie möchte sie sogar das schwerste
Martyrium auf sich nehmen und noch in der Ewigkeit büßen, um
damit ihr Wirken zu unterstützen. Den historischen und gesellschaftlichen
Hintergrund für ihre Zeilen, für ihre Sorge um die Kirche und
deren Hirten bilden wohl die Ereignisse, welche wenige Wochen vorher die
Revolution im November 1918 ausgelöst hatten. Doch erfuhr Anna auch
täglich durch das vorbildliche Wirken ihres Heimatpfarrers, welch
großer Segen es ist, einen guten Priester und Seelsorger als Geschenk
Gottes haben zu dürfen.
Von
daher erkannte sie es, welche Notwendigkeit das Gebet und auch das Opfer
für die Priester darstellt.
Anna
Schäffers Beispiel gibt uns zu denken und ist uns zugleich Ermutigung
und Aufforderung. Auch unsere Zeit hat gute Priester nötig. Aus diesem
Grund wollen wir der Bitte des Heiligen Vaters in diesem Jahr gern entsprechen
und für die Priester und deren Heiligung beten. Sie sollen mit Großherzigkeit
und Hingabe ihren Dienst verrichten können. Aber eine entscheidende
Voraussetzung dafür ist die Unterstützung durch die Gläubigen,
nicht zuletzt ihr Gebet für sie. Wir brauchen den Dienst heiliger
Priester. Gott wird sie uns schenken, wenn wir sie von ihm demütig
erbitten. Anna Schäffer verehrte mit großer Liebe das heiligste
Herz Jesu. Wenn das Priestertum „die Liebe des Herzens Jesu" ist, wie uns
der hl. Pfarrer von Ars mit so eindrucksvollen Worten beschrieben hat,
dann können wir nichts Besseres tun als diesem Herzen unsere Bitte
zu unterbreiten. Es verwundert nicht, daß die selige Anna gerade
durch ihre Verehrung des göttlichen Herzens für das Wirken der
Priester und deren Anliegen sensibel wurde und ihnen so ihr Gedenken, ihr
Leiden und Opfer schenkte. „Heiligstes Herz Jesu, Dir gehöre ich an
im Leben, im Leiden und im Sterben und jeder Atemzug, o liebster Jesus,
den ich arme Sünderin mache, soll Liebe und Dank für Dich sein!",
so schreibt Anna am Ende ihres Briefes an ihre Freundin Anna Bortenhauser.
Daß
der Dienst der Priester und mit diesem Dienst das Leben der Gläubigen
immer mehr „Liebe und Dank" gegenüber Christus werde, dazu möge
uns die Fürbitte der Heiligen und Seligen des Himmels, vor allem die
Fürbitte der seligen Anna verhelfen. Liebe und Dank gegenüber
dem Erlöser ist die kostbarste Frucht des priesterlichen Dienstes
und die schönste Antwort, die ein gläubiger Mensch geben kann.
„Denkt an die große Zahl der heiligen Messen, die ihr gefeiert habt
oder feiern werdet, und bei denen Christus jedes Mal wahrhaft auf dem Altar
gegenwärtig wird. Denkt an die unzähligen Absolutionen, die ihr
erteilt habt und erteilen werdet, und die einem Sünder erlaubt haben,
sich aufrichten zu lassen. Dann werdet ihr die unendliche Fruchtbarkeit
der Priesterweihe wahrnehmen. Euere Hände, eure Lippen sind für
einen Augenblick die Hände und die Lippen Gottes geworden. Ihr tragt
Christus in euch; aus Gnade seid ihr in die Allerheiligste Dreifaltigkeit
hineingenommen".
Diese
Worte des Papstes an die in Ars versammelten Priester bei den eingangs
erwähnten Internationalen Priesterexerzitien im Herbst 2009 erschließen
uns das Priestertum der Kirche in seiner ganzen Fülle. Sie zeigen
uns seine Würde und Schönheit. Beten wir deshalb mit dankbarem
Herzen zusammen mit unserem Heiligen Vater für die Priester; bitten
wir die selige Anna, daß sie unser Gebet vom Himmel her begleite
und unterstütze.
In
wenigen Tagen feiern wir wieder Weihnachten, das Geburtsfest unseres Erlösers.
Bei jeder hl. Messe wird Christus durch das Wandlungswort der Priester
auf dem Altar gegenwärtig und tritt in unsere Mitte. Wie die Menschen
damals in Bethlehem so dürfen wir ihm bis heute in der Eucharistie
durch den Dienst der Priester persönlich begegnen als wahrem Gott
und Menschen, mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele. Wo Christus ist
und wohin er kommt, dort ist Friede. „Verherrlicht ist Gott in der Höhe,
und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade" (Lk 2, 14), so
lautet die frohe Botschaft der Engel über den Fluren von Bethlehem.
Die Priester dürfen Diener dieses Friedens sein, eines Friedens, der
von Gott kommt und den die Welt nicht geben kann. Von Herzen wünsche
ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser diesen Frieden und mit ihm ein gesegnetes
Weihnachtsfest sowie Gottes Segen für alle Tage des neuen Jahres.
13
Vgl. ebd., S. 278 f.
(Quelle:
"Selige Anna Schäffer", Rundbrief 56, Dez. 2009, S. 3ff., Bischöfl.
Konsistorium, Schwarze-Bären-Str. 2, 93047 Regensburg)