Freilich
haben zum Aufbau des „neuen Europa“ nicht nur die neuen geistlichen Bewegungen
mitzuwirken, sondern auch die geistigen Nachfahren der Persönlichkeiten,
welche mit ihrer Spiritualität Europa und die Welt mitprägten:
Benedikt, Franziskus, Ignatius von Loyola usw. Am Stuttgarter Kongreß
achtete ich besonders auf die vielfältige Präsenz der franziskanischen
Großfamilie: Ordensschwestern mit jungen Leuten, Terziaren usw. Assisi
hat durch die von Papst Johannes Paul II. initiierten Weltfriedenstreffen
eine neue aktuelle Bedeutung nicht nur für Europa, sondern auch für
den Weltfrieden bekommen.
Vorausgehend,
am 6. und 7. Mai, waren mit 3000 Teilnehmern die Vertreter der geistlichen
Bewegungen zum Austausch zusammengekommen. Ich selber war vom Cursillo/Schweiz
delegiert. Es würde hier zu weit führen, eine Auswertung für
unser Vorgehen in der Ortskirche vorzunehmen. Siehe www.europ2004.org.
- Durch engeres Zusammenspannen der geistlichen Bewegungen über die
Konfessionsgrenzen hinweg, was mehr ist als die übliche Ökumene,
würden große himmlische Kräfte für die Verchristlichung
Europas frei gemäß Joh 17,21ff. – Hier beschränke ich mich
auf die Frage:
Welche
Rolle spielt Maria im „neuen Europa“?
Schon das Europa-Banner mit den zwölf golden leuchtenden Sternen auf dem blauen Hintergrund weist auf Maria hin. Der Künstler Arsène Heitz war inspiriert von der Wundertätigen Medaille, auf der die sonnenbekleidete Frau der Johannesoffenbarung, Kapitel 12, zusammen mit dem Kranz von 12 Sternen, abgebildet ist. Er verstand seinen Vorschlag als „Fahne der heiligen Jungfrau“. Heitz war zum Entwerfen der Europa-Fahne beauftragt worden von Paul M.G. Lévy, Oberdirektor der Presseabteilung im Europarat, ein Jude, der überzeugter Katholik geworden war. Es war wie ein Wunder, daß die vorwiegend laizistisch denkenden Europa-Politiker am 8. Dezember (Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens) 1955 diesen Vorschlag unter vielen anderen Eingaben einmütig annahmen und so ungewollt Maria die Ehre gaben. Auch heute gibt es fundamentalistisch-christliche Kreise, die diese Sinngebung vehement ablehnen und Maria, die strahlende Verkörperung des erneuerten alttestamentlichen Gottesvolkes Israel wie der neutestamentlichen Gemeinde Jesu, mit der „Hure Babylon“ (Offb 17) verwechseln.
Am
Stuttgarter Kongreß mußte man annehmen, daß Maria angesichts
der vielen evangelischen Teilnehmer eher mit Schweigen bedacht würde.
Doch dem war nicht so. Dafür sorgte u.a. die starke Präsenz der
Schönstatt-Bewegung, die bekannt ist für ihre tiefe Beziehung
zu Maria. In der Vorbereitungsphase der Konferenz wollten evangelische
Mitorganisatoren diese für sie zweifelhafte Marienfrömmigkeit
abklären und fuhren nach Schönstatt. Das Gespräch mit Exponenten
von Schönstatt zeigte ihnen zu ihrer Erleichterung, daß die
Befürchtung, Maria würde Jesus aus der Mitte drängen, gegenstandslos
war. Man spürte, daß die gesunde Marienverehrung im Sinn der
Bibel näher zu Jesus führen kann. Am
Delegiertentreffen in Stuttgart waren es evangelische Podiumssprecher,
die anhand des Magnifikat den evangelischen Glaubensbrüdern erklärten,
warum Maria „dazu gehört“.
Die
Fokolarbewegung, die sich stark um das Gelingen der Konferenz annahm, heißt
offiziell „Werk Mariens (Opus Mariae)“. Ihr Anliegen ist nicht, über
Maria zu reden, sondern „Maria zu sein“, d.h. im Geist Mariens Jesus zu
den Menschen zu bringen. Vor einem Jahr hatte diese Bewegung eine ökumenische
Konferenz durchgeführt unter dem Motto: „Christus
mit den Augen Marias betrachten“,
was bei den evangelischen Teilnehmern sehr gut ankam.
Die
„marianische“ Schlußpointe ergab sich am Schluß der Konferenz.
Die Königinwitwe Fabiola von Belgien aus dem tief gläubigen Königshaus
wurde gebeten, das Vaterunser anzustimmen. Sie trat auf die Bühne
und begann: „Notre Père...“ Alle stimmten in ihrer Sprache ins Vaterunser
ein. Anschließend fuhr die Königin wie selbstverständlich
weiter: „Je vous salue, Marie...“,
worauf das Volk (wenigstens die Katholiken) das Gegrüßt seist
du, Maria, aus vollem Herzen weiterbetete. Darauf ein langer Applaus. Wohl
galt der Applaus vorerst der sympathischen Königin. Doch schien mir,
daß der Applaus letztlich der „Friedenskönigin“ galt, die man
eben mit dem Engelsgruß gegrüßt hatte. Als
„Hilfe der Christen“ hatte sie die Geschichte Europas stark mitgeprägt
und die abendländische Christenheit vor vielen Gefahren bewahrt. Möge
die „Friedenskönigin“
auch über die Entwicklung des „neuen Europa“, das durch antichristliche
Strömungen bedroht wird, wachen. Ihre prophetischen Appelle sind unüberhörbar.
Ihr einziges Anliegen ist, wie auch der Papst unermüdlich lehrt, unsere
Herzen für das „neue Pfingsten“ zu öffnen,
damit Jesus der Herr sei und das Reich des Vaters anbreche.
Ein ökumenisch überzeugendes Buch über Maria ist: Raniero Cantalamessa (Kapuziner und päpstlicher Prediger): „Maria. Ein Spiegel für die Kirche“ (Adamas-Verlag).
Als spannende Lektüre sei empfohlen:
Paul
Badde: Maria von Guadalupe. Wie das Erscheinen der Jungfrau Weltgeschichte
schrieb. Ullstein Verlag 2004.
Weitere, bei mir anzufordernde
Zeugnisse zeigen, wie Maria Protestanten und Juden zu Jesus führt.
Aus evangelisch-pietistischem Hintergrund hat die Gründerin der Evangelischen Marienschwestern von Darmstadt, M. Basilea Schlink, aus der Bibel ein einfühlsames Marienleben nachgezeichnet: „Maria, der Weg der Mutter des Herrn“ (Verl. Evang. Marienschwestern, Darmstadt-Eberstadt)
Einen Impuls für ein christliches Europa ist zu erhoffen aus der erwarteten Seligsprechung von Robert Schuman, dem im Geist Christi Konsequentesten der drei Gründerväter des aus den Trümmern des letzten Weltkrieges neu auferstandenen vereinten Europas, sowie der Seligsprechung von Max Josef Metzger, Märtyrer unter den Nazi und Pionier für Frieden und Einheit unter den Christen, „Ein Heiliger für Europa“ (so der Titel der von Hans Lipp verfaßten Kurzbiographie, Johannes-Verlag Leutesdorf). Kurzportraits der Genannten bei Br. Tilbert.
Auch die Seligsprechung von Kaiser Karl von Habsburg, des letzten Österreichischen Kaisers (Vater des Europäers Otto von Habsburg) ist als Beitrag für ein christliches Europa zu verstehen.
Welche Rolle erweckte christliche Gruppen und Bewegungen für ein christlich erneuertes Europa spielen können, zeigten mir zwei hintereinander erfolgende Großanlässe in der Schweiz: der Papstbesuch mit 14'000 Jugendlichen am Jugendtreffen und 70'000 am großen Gottesdienst am 5./6. Juni 04 in Bern, und der Christustag auf dem St. Jakobsstadion in Basel am 13. Juni 04, der von der Evangelischen Allianz organisiert wurde, mit 40'000 Teilnehmern. In beiden Anlässen war eine starke Fürbitt- und Segenskraft zu spüren. In beiden Anlässen waren zahlreiche Menschen aus verschiedenen Kontinenten (z.B. Chinesen) anwesend.
Einen starken Beitrag für ein sich aus seinen christlichen Wurzeln erneuerndes Europa leistet der deutsche Papst Benedikt XVI., wie schon der Weltjugendtag in Köln 2005 überwältigend zeigte.
Pfarrer Friedrich Aschoff, der Ehrenvorsitzende der Geistlichen Gemeindeerneuerung in der Evangelischen Kirche Deutschlands, würdigt im ökumenischen Come-Magazin 4/05 die Rolle des neuen Papstes für die Zukunft Europas in der Besprechung seines Buches „Werte in Zeiten des Umbruchs“ (Herder 2005). Aschoff schließt: „Mit dem jetzigen Papst Benedikt XVI. stimme ich überein: Die gläubigen Christen sollten sich als eine schöpferische Minderheit verstehen und dazu beitragen, daß Europa das Beste seines Erbes neu gewinnt und damit der ganzen Menschheit dient. Darin würde Europa seine christliche Seele wieder gewinnen.“
(NB. Pfarrer Aschoff schrieb auch das Vorwort zu den beiden Büchlein von Br. Tilbert: „Der Nahost-Konflikt. Seine Hintergründe im Licht der biblischen Prophetie und unsere christliche Antwort“ und „Der Islam als heilsame Herausforderung (GGE-Verlag Hamburg).
Der
Stuttgarter Kongreß wurde weitergeführt am 10.-12. Mai 2007.
– Auf schweizerischer und ökumenischer Ebene treffen sich die Bewegungen
periodisch im Zentrum „Einheit“ der Fokolare in Baar. Das Sekretariat von
„Miteinander christlicher Bewegungen und Gemeinschaften“, Heidengasse 5,
6340 Baar (Fokolare),
e-mail: gemeinschaften@freesurf.ch.
Ferner treffen sich die Bewegungen von Zeit zu Zeit bei der Gemeinschaft
Don Camillo in Montmirail am Neuenburgersee (früher eine Herrnhuter
Siedelung.
Anknüpfend an die Baarer Treffen vom 11. Nov.06 und Febr.07 schrieb ich eine zweiteilige Hinführung zur ökumenischen Spiritualität mit Auswertung der Vorträge von Bischof Kurz Koch und Prof. Gottfried Locher, Vizepräsident des Reformierten Weltbundes: „Lichtblicke in der Ökumene. Geistliche Bewegungen und ökumenische Spiritualität“. Ferner die 8-seitige Schrift: „Ökumene des Geistes. Der Beitrag geistlicher Bewegungen zur Einheit der Christenheit“